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Foto: VNÖ

25 Jahre VNÖ

Am 28. Oktober 1995 wurde der Verband der Naturparke Österreichs gegründet. Seither ziehen die Österreichischen Naturparke gemeinsam an einem Strang und haben sich sowohl qualitativ als auch quantitativ kontinuierlich weiterentwickelt. Grund genug, die vergangenen 25 Jahre Revue passieren zu lassen und einen Blick auf die zentralen Entwicklungen Österreichs schönster Natur- und Kulturlandschaften zu werfen.

Jubiläumsreise

Foto: Pixabay

Anlässlich unseres 25-jährigen Jubiläums reiste eine Naturpark-Delegation im Herbst quer durch Österreich. Auf ihrer Reise hat man nicht nur die Schönheit dieser Landschaften und ihre regionalen Besonderheiten erlebt, sondern sich auch vom tatkräftigen Engagement vieler AkteurInnen in unseren Landschaften voller Leben überzeugt.

Bei den Besuchen in den Naturpark-Bundesländern tauschte man sich mit den zuständigen politischen VertreterInnen über wesentliche Themen und Entwicklungen im Naturpark-Bereich aus, wobei der Natur- und Klimaschutz im Fokus standen. Ganz im Sinne der Naturpark-Philosophie werden die Naturparke mit öffentlichen Verkehrsmitteln besucht.

Steiermark

Foto: Gerolf Forster

Die Reise begann beim diesjährigen Naturpark-Gipfel am 18. September im Naturpark Südsteiermark. Hier tauschten sich Naturpark-VertreterInnen aus ganz Österreich gemeinsam mit LRin Ursula Lackner über die kulturlandschaftserhaltende Bewirtschaftung und Produktion von Naturpark-Spezialitäten aus.

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Umweltlandesrätin Ursula Lackner und Johann Thauerböck, Präsident des VNÖ, beim Naturpark-Gipfel. Foto: VNÖ

Am 18. September war es wieder so weit: Naturpark-VertreterInnen aus ganz Österreich trafen sich zum diesjährigen Naturpark-Gipfel, um gemeinsam mit der steirischen Umweltlandesrätin Mag.a Ursula Lackner über wichtige Entwicklungen in den Naturparken zu diskutieren. Veranstaltungsort war das Schloss Seggau im Naturpark Südsteiermark, einem von sieben Naturparken im grünen Herzen Österreichs. Im Zentrum stand heuer die landwirtschaftliche Bewirtschaftung in Naturparken und deren Einfluss auf das Landschaftsbild sowie die darin vorkommende Fauna und Flora.

Naturparke sind geprägt durch die zum Teil jahrhundertelange traditionelle Bewirtschaftung. Nach wie vor erhalten hunderte LandwirtInnen diese strukturreichen Kulturlandschaften, die eine große Vielfalt an Tier- und Pflanzenarten beheimaten. Gleichzeitig erzeugen sie köstliche Produkte, wovon man sich im Naturpark Südsteiermark bei einem Pressfrühstück mit zertifizierten Naturpark-Spezialitäten selbst überzeugen konnte. Angefangen bei Käse und Schinken von der Alm über Fruchtiges von traditionellen Streuobstwiesen bis hin zum edlen Tropfen aus strukturreichen Weingärten präsentierte man Naturschutz, der schmeckt.

Oberösterreich

Foto: Herfried Marek

Die Woche darauf ging es am 21. September in den Naturpark Obst-Hügel-Land, wo mit LH-Stv. Manfred Haimbuchner die Potenziale von Naturpark-Partnerbetrieben präsentiert und gezeigt wurde, wie der Bereich Natur- und Landschaftsvermittlung zur Sensibilisierung beitragen kann.

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LH-Stv. Heimbuchner trifft auf Vertreter der Österreichischen Naturparke, Foto: Naturpark Obst-Hügel-Land

Der Natur ihren Raum zu geben, um unsere Kulturlandschaften zu erhalten, ist das Credo unserer Zeit. Diesem Leitgedanken haben sich insbesondere die österreichischen Naturparke verschrieben. Die Erhaltung des gesamtlandschaftlichen Erscheinungsbildes zum Schutze der regionalen landschaftlichen Schönheit und Eigenart ist dabei nur eine der vielfältigen Aufgaben, die durch unsere Naturparke verwirklicht werden. Jeder Naturpark weist dabei seine eigenen Spezifika auf. In Oberösterreich sticht dabei der im Alpenvorland gelegene Naturpark Obst-Hügel-Land in den Gemeinden Scharten und St. Marienkirchen an der Polsenz heraus, welcher, wie sein Name bereits vermuten lässt, einen dichten Bestand an Obstbaumbeständen aufweist. Die daraus resultierenden Streuobstwiesen bieten durch ihre Kombination von Bäumen und Wiesen einen ausgezeichneten Lebensraum für eine Vielzahl von Tierarten. Diese ökologische Nische bietet dabei vielen bedrohten Arten, vor allem Insekten und Vögeln, jenen Lebensraum, der es ermöglicht, ihren Fortbestand zu sichern.

„Für mich als Naturschutzreferent des Landes Oberösterreich sind Naturparke ein essenzieller Bestandteil des naturschutzspezifischen Gesamtkonzeptes zur Erhaltung unserer über Jahrhunderte gewachsenen Kulturlandschaften. Der Naturpark Obst-Hügel-Land ist ein ausgezeichnetes Beispiel dafür. Wo sonst würden wir noch eine solche Ansammlung von Obstbaumwiesen, Obstzeilen und Obstalleen finden? Durch den Erhalt von Kulturlandschaften tragen Naturparke neben anderen Schutzgebieten maßgeblich zum Schutz der Artenvielfalt bei. Dabei ist jenen Naturpark-Partnern großer Dank auszusprechen, die durch ihre engagierten Leistungen in der Landschaftspflege den Erhalt dieser besonderen Naturlandschaften erst möglich machen,“ so Landeshauptmann-Stellvertreter Dr. Manfred Haimbuchner.

Oberösterreichische Naturpark-Partnerbetriebe

In den vergangenen Jahren wurde die Zusammenarbeit in den Naturparken Oberösterreichs vor allem im Bereich Natur-Tourismus verstärkt. Was mit der Entwicklung von Alleinstellungsmerkmalen in den Naturparken begann (z.B. Schartner Kirschen od. Weberbartl-Apfel im Naturpark Obst-Hügel-Land, Wald bzw. Zwetschken im Naturpark Attersee-Traunsee oder Magerwiesen mit Quendel im Naturpark Mühlviertel), wurde als Kooperationsprojekt mit Nächtigungs- und Gastronomiebetrieben, Direktvermarktern, Tourismusverbänden, Naturpark-Büros sowie dem Oö. Tourismus und der Abteilung Naturschutz (Land Oö.) weitergeführt. 2019 wurden insgesamt 35 Oö. Naturpark-Partnerbetriebe von Naturschutzlandesrat Haimbuchner und Tourismuslandesrat Achleitner ausgezeichnet. Diese Betriebe beteiligten sich an einem Entwicklungsprozess und vertieften die Zusammenarbeit mit dem Naturpark-Team. Naturpark-Bewohner, -Gäste und -Kunden werden bei diesen Partnerbetrieben die Naturpark-Anliegen besonders spüren: die Natur schützen durch nützen, den Naturpark erlebbar, begreifbar und genießbar machen!

 

Naturvermittlung in Oberösterreichs Naturparken

Naturerlebnis und Naturvermittlung sind zentrale Aufgaben eines Naturparks. Die Natur und die vielfältigen Zusammenhänge von Natur, Landwirtschaft und Kultur sollen erleb- und begreifbar sein. Dazu dienen u.a. Themenwege oder Informationszentren. Neben abwechslungsreichen Naturführungen („Naturschauspiel“ als wichtiger Partner!) werden auch Kurse, Workshops, Seminare und Ausstellungen organisiert. 2019 konnten insgesamt rund 7.000 TeilnehmerInnen bei verschiedensten Angeboten die Natur in den Oö. Naturparken nähergebracht werden. Davon sind etwa 75 % Kinder. Das (Corona-)Jahr 2020 stellt auch für die Naturparke bislang eine große Herausforderung dar. Neben der Absage von Großveranstaltungen (z.B. Kirschblütenwanderung oder Weberbartl-Apfel-Wanderung im Naturpark Obst-Hügel-Land, Naturpark-Roas im Naturpark Attersee-Traunsee) gingen auch die Zahlen bei den Naturvermittlungsangeboten im Zeitraum bis Ende August um fast 80 % zurück. Die Aussicht für den Herbst ist unsicher.

Ein besonders wichtiges Element im Bereich der Naturvermittlung ist die Zusammenarbeit mit lokalen Naturpark-Kindergärten (aktuell: 3 in Oö.) und Naturpark-Schulen (14 in Oö.). Weitere 4 Kindergärten/Schulen sind am Weg zu dieser Auszeichnung. Naturpark-Kindergärten und -Schulen räumen dem „Naturpark“ ein besonderes Augenmerk in deren pädagogischen Arbeit ein. Unterricht draußen (wie auch vom Bildungsministerium vorgeschlagen) könnte gerade in diesem Herbst ein Potential für die Naturparke darstellen.

Insgesamt sind rund 30 ausgebildete NaturvermittlerInnen in Oberösterreichs Naturparken aktiv. Sie wissen bestens über die Tier- und Pflanzenarten sowie ökologische Zusammenhänge in den Naturparken Bescheid und haben die pädagogischen Fähigkeiten, dies erlebbar zu machen.

 

Naturparke OberösterReich

NaturReich. KraftReich. GenussReich. ErholungsReich – so lautet das Motto der drei Oö. Naturparke (Mühlviertel, Obst-Hügel-Land, Attersee-Traunsee). Ein Naturpark ist eine vom Menschen gestaltete besondere Kulturlandschaft, die für eine naturnahe Erholung und für die Vermittlung von Wissen über Natur und Kultur geeignet ist. Naturparke erfüllen vier gleichrangige Funktionen: Schutz, Erholung, Bildung und Regionalentwicklung. Die Entwicklung der Oö. Naturparke war sehr positiv in den letzten Jahren, auch dank Unterstützung seitens der Abteilung Naturschutz und Finanzierung über EU- sowie Landesmittel.

Salzburg

Foto: Naturpark Riedingtal in Zederhaus

Am Tag darauf empfing LRin Maria Hutter die Delegation im Naturpark Riedingtal. Hier erfolgte ein Austausch über Almen und deren Erforschung.

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v.l.n.r: David Schuhwerk (Naturpark Weißbach), Thomas Kößler (Obmann Naturpark Riedingtal), Franz Handler (VNÖ), LR Maria Hutter (Salzburger Landesregierung), Andreas Thomasser (Naturschutzreferent Land Salzburg), Wolfgang Mair (Ehrenpräsident VNÖ), Foto: VNÖ

Der Naturpark Riedingtal in der Gemeinde Zederhaus in der Biosphärenregion Salzburger Lungau liegt am Südrand der Niederen Tauern, ein landschaftliches Juwel mit wilden Karen, glasklaren Bergseen und hohen Gipfeln, aber auch sanften Tälern und lieblich bewirtschafteten Almen. Wesentliches Element des charakteristischen Landschaftsbildes im Riedingtal sind die Almen – aufgefädelt wie auf einer Perlenkette, welche direkt am Almenwanderweg liegen. Bereits über Jahrhunderte und nach wie vor ist die landwirtschaftliche Nutzung des Gebietes von zentraler Bedeutung. So hat bei der Bildungssäule des Naturparks auch das Thema „Almen und Forschung“ einen gewichtigen Stellenwert eingenommen und wurde stets weiterentwickelt. Durch die enge Zusammenarbeit und Kooperation mit der Universität Salzburg, wurde der Weg für eine Erforschung der Almwirtschaft im Naturpark Riedingtal, und ihrer Bedeutung für die Region, bereits vor 10 Jahren eingeläutet und maßgeblich gefestigt (z. B. Almforschungsstützpunkt Seppalm, Klimamessstationen im Naturpark wurden aufgebaut, Projekt „Gastrosophisches Zederhaus“). Mit dem Naturpark Thüringerwald aus Deutschland gibt es eine transnationale Kooperation und in einem gemeinsamen Klimaschutzprojekt agieren beide Naturparke miteinander und profitieren auch vom jeweiligen Wissen des anderen.

Mit Unterstützung des Landes Salzburg, und in enger Abstimmung mit der Naturschutzabteilung Salzburg konnten im Naturpark Riedingtal wichtige Maßnahmen und Projekte umgesetzt werden. Hohe Priorität hat dabei der Erhalt ökologisch wertvoller Almen und die Umsetzung von biodiversitätsrelevanten Maßnahmen (z. B. Wiederbeweidung brachliegender Almflächen, Wildbestäuberkurse).

„Es benötigt hohe Anstrengung und viel Wissen, um Almflächen richtig zu pflegen und zu erhalten. Die Almweiden sollen sowohl Nutztieren ausreichend Futter liefern aber auch Wildtieren, Insekten und vor allem einer Vielzahl von Pflanzen einen naturschutzfachlich hochwertigen Lebensraum bieten. Wie anstrengend diese Arbeit ist, dass kenne ich von unseren eigenen Almflächen“, so Landesrätin Maria Hutter. Die wissenschaftliche Begleitung und vor allem das Weitervermitteln des ökologischen Wissens von Almbiodiversität und Klimaforschung ist etwas ganz Besonderes und zeichnet diesen Naturpark aus.

Kärnten

Foto: H. Kohlmeier

Bei einem Treffen der Reisegruppe am 23. September mit LRin Sara Schaar im Naturpark Dobratsch wurden Möglichkeiten aufgezeigt, wie für Menschen, die bisher nicht oder nur eingeschränkt die Natur erleben konnten, ein Zugang zur Natur geschaffen werden kann.

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v.l.n.r.: Franz Schier (Vizebürgermeister Weißensee), Reinhard Anrolitsch (Vizebürgermeister Arnoldstein), Irene Hochstetter-Lackner (1. Vizebürgermeisterin Villach), Franz Handler (VNÖ), LR Sara Schaar (Land Kärnten), Robert Heuberger (Naturparke Kärnten). Foto: Petra Plimon

Der Naturpark Dobratsch, der neben dem Naturpark Weißensee einer von zwei Naturparken in Kärnten ist, war das vierte Etappenziel dieser klimafreundlichen Reise. Naturparkreferentin LRin Sara Schaar begrüßte die Delegation bestehend aus Franz Grabenhofer (Vizepräsident VNÖ) und Franz Handler (Geschäftsführer VNÖ) heute, Mittwoch, in Villach, um sich gemeinsam mit Irene Hochstetter-Lackner (1. Vizebürgermeisterin Villach), Reinhard Antolitsch (Vizebürgermeister Arnoldstein) und Franz Schier (Vizebürgermeister Weißensee), zu wesentlichen Themen und Entwicklungen im Naturpark-Bereich auszutauschen.

„Mir ist es ein großes Anliegen, die einzigartige Schönheit und Biodiversität unserer Kärntner Naturparke auch für kommende Generationen zu erhalten und die Angebote im Sinne der Nachhaltigkeit kontinuierlich weiterzuentwickeln. Um das Naturerlebnis allen Menschen zugänglich zu machen, soll im Naturpark Dobratsch bis nächsten Sommer ein barrierefreier Geolehrpfad fertig gestellt werden, im Naturpark Weißensee entsteht der erste barrierefreie „slow trail“ Kärnten – rund um das Westufer“, bekräftigt Naturparkreferentin LRin Sara Schaar.

In beiden Kärntner Naturparken Dobratsch und Weißensee wird unter anderem auch auf die umweltfreundliche Anreise und die Verkehrsberuhigung Wert gelegt. Das Angebot reicht vom „Bahnhofsshuttle“ über die Naturpark Busse bis hin zu Radverleihstationen. Mit diesen Angeboten wird auch ein aktiver Beitrag zu CO2-Reduktion und somit zum Klimaschutz geleistet. Ein weiterer Schwerpunkt, der gerade in Umsetzung ist, sind spezielle Angebote für ALLE Menschen, um ein barrierefreies Naturerlebnis zu bieten. Dabei bieten die speziell geschulten Naturpark Ranger Programme wie „Das Smaragdauge der Alpen“ oder „Die Kraft der Bäume“ an – Wanderungen mit allen Sinnen, die auch einen Beitrag zur Inklusion leisten sollen.

Die Stadt Villach setzt im Naturpark Dobratsch auf ein naturverträgliches und soziales Naturerlebnis wie Irene Hochstetter-Lackner, 1.Vizebürgermeisterin Villach, betont. „Mit den vielfältigen Maßnahmen von der Schneeräumung bis zur Präparierung des Gipfelwanderweges ermöglicht die Stadt Villach den Winter im Naturpark Dobratsch und schafft damit ein Vorzeigeprojekt im Sinne des Klimawandels. Der Pilotversuch eines gratis Naturpark Bus in den Semesterferien wurde sehr gut angenommen und ist die Basis für die weiteren Arbeiten an einer Verkehrslösung. Auf Initiative der Stadt und der Villacher Alpenstraße wurden im heurigen Sommer Familienparkplätze am Dobratsch geschaffen“, so Hochstetter-Lackner weiter.

„Für die Marktgemeinde Arnoldstein ist der Naturpark Dobratsch nicht nur Naherholungsgebiet, sondern auch wertvoller Naturraum der geschützt und erhalten werden soll“, wie Vizebürgermeister Reinhard Antolitsch bekräftigt. „Derzeit wird mit dem Naturpark Dobratsch ein Besucherlenksystem mit Bewusstseinsbildungsmaßnahmen umgesetzt. Damit soll der wertvolle Naturraum des Europaschutzgebietes Schütt von Müllablagerungen und illegalen Campieren geschützt werden. Weitere Schwerpunkte sind Initiativen gegen invasive Neophyten und ein Bienenlehrpfad der mit der Naturpark Schule Dobratsch – VS Arnoldstein umgesetzt wurde. Zusätzlich wünschen wir uns für unsere Gemeinde eine Erweiterung des Naturpark Dobratsch Richtung Süden“, so Antolitsch weiter.

Für Franz Schier, Vizebürgermeister der Gemeinde Weißensee ist das Verkehrskonzept des Naturpark Weißensee mit Naturpark Bus, Bahnhof Shuttle und Mountainbike Schwerpunkt ein voller Erfolg. „Diesen Sommer verzeichnete der Naturpark noch mehr Tagesgäste als sonst, die Notwendigkeit der Weiterentwicklung der Verkehrsberuhigung mit einem Willkommensparkplatz in Praditz und zusätzlichen Angeboten ist gegeben und wird uns die nächsten Jahre beschäftigen“, so Schier.

Vorarlberg

Foto: Sonntag

Der westlichste Naturpark Österreichs, der Naturpark Nagelfluhkette, erwartet am 24. September die Naturpark-Delegation. Hier erfolgte zum einen ein Austausch über BesucherInnenlenkung. Zum anderen wurden auch Angebote und Möglichkeiten der Natur- und Landschaftsvermittlung im Naturpark thematisiert.

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v.l.n.r.: Gerhard Beer (Obmann Naturpark Nagelfluhkette), Franz Handler (VNÖ), Carola Bauer (Naturpark Nagelfluhkette), Herbert Erhart (Länderverantwortlicher Vorarlberg im VNÖ) Foto: Naturpark Nagelfluhkette

Der länderübergreifende Naturpark Nagelfluhkette ist jüngstes Mitglied im Verband der Naturparke Österreichs. Seit diesem Jahr ist das Gebiet im Vorarlberger Bregenzerwald und im Bayerischen Allgäu nun auch offiziell Teil der österreichischen Naturpark-Familie. Dort wurde das Schutzgebiet – auch aufgrund seiner bisherigen umfangreichen Aufbauarbeit – mit offenen Armen aufgenommen.

Die Geschäftsstelle im Gemeindeamt in Hittisau ist mit drei NaturparkmitarbeiterInnen besetzt. Die Leitung wird im Vorderwald durch zwei RangerInnen unterstützt. Das Vorderwald-Team wird durch die MitarbeiterInnen, die im Allgäuer Teil des Naturparks angesiedelt sind, ergänzt. Arbeitsschwerpunkte sind die Bereiche BesucherInnenlenkung und Bildung, die in der Praxis querschnitts-orientiert umgesetzt werden.

Die Lenkung der BesucherInnenströme stellt eine zunehmende Herausforderung dar. Trendsportarten, wie das E-Mountainbiken oder eine stetige Zunahme an Skitouren- und SchneeschuhgängerInnen führen zu immer mehr Naturschutzkonflikten, aber auch zu Problemen mit GrundeigentümerInnenn und LandbewirtschafterInnen. Gerade die zunehmende Schneearmut im Zuge des Klimawandels führt zu immer stärkeren Konzentrationen der SportlerInnen und Erholungssuchenden in schneesicheren Gebieten. Andererseits verlängert sich die Saison für Sommersportarten, wie das Wandern oder Radfahren, was zu bisher nicht gekannten Konflikten führt. Die RangerInnen setzen deshalb schon seit geraumer Zeit, die grenzüberschreitende BesucherInnenlenkungsinitiative „Dein Freiraum. Mein Lebensraum“, in enger Verknüpfung mit „RespekTiere deine Grenzen“ um. Kern dabei ist, die SportlerInnen und Erholungssuchenden aufzuklären. Dies erfolgt in zunehmendem Maße auch als „Digital-RangerIn“, im World Wide Web. Dabei werden laufend Tourenportale und soziale Medien nach für die Natur „unverträglichen“ Tourentipps durchforstet.

Die Besucherlenkung ist ein zudem wichtiger Bestandteil der Bildungsaktivitäten in der Nagelfluhkette. Im Vorarlberger Teil sind inzwischen vier Volkschulen Naturpark-Partnerschulen geworden. Das bedeutet, dass die 1. bis 4. Klassen ihren Sachkundeunterricht gemeinsam mit dem Naturpark gestalten und dieser zu großen Teilen draußen, in Begleitung eines Rangers/einer Rangerin oder einer externen Fachkraft, stattfindet. Jedes Jahr finden zudem Junior Ranger Sommercamps statt, bei denen bis zu 80 „NachwuchsrangerInnen“ ausgebildet werden. Den Kindern wird dabei ein verantwortungsvoller Umgang mit der Natur- und Kulturlandschaft vermittelt, egal, ob als Freizeitsportler/Freizeitsportlerin oder als BewirtschafterIn. Im Corona-Jahr 2020 musste einiges geändert werden. Kurzerhand wurden die gemeinsamen Schulaktionen ins Internet verlagert und die „Digitale Naturparkschule“ aufgebaut. Hierbei haben die RangerInnen zahlreiche Kurzvideos gedreht und ins Netz gestellt, was dankbar aufgenommen wurde. Hier sei auch die soeben veröffentlichte österreichische Ausgabe des Buchs „Draußen unterrichten“ (Herausgeber: Stiftung SILVIVA) erwähnt, die erstmals Anleitungen für lehrplanbasierten Unterricht im Freien zu allen Fachbereichen für die 1. bis 8. Schulstufe bietet.

„Der Naturpark Nagelfluhkette ist für uns eine wichtige Entwicklungswerkstatt, um neue Wege bei der BesucherInnenlenkung oder in der Umweltbildung zu erproben. Dabei profitieren wir auch vom länderübergreifenden Erfahrungsaustausch“, führt Landesrat Johannes Rauch aus. „Die grenzüberschreitende Gebietsausdehnung, die enge Zusammenarbeit der Bürgermeister im Naturpark-Gebiet, die professionelle Arbeit des Naturpark-Teams und der engagierte Einsatz vieler Einzelpersonen und Gruppen machen den Naturpark Nagelfluhkette – neben der Schönheit der Natur – zu einem besonderen Erlebnis.“

Weitere erfolgreiche Projekte, die der Naturpark initiiert oder begleitet hat, sind die Gründung einer Naturpark-Metzgerei, die Erarbeitung eines Moorentwicklungskonzepts für die grenzüberschreiten-den Häderichmoore, die Schaffung von Blühflächen und von Strukturelementen in der Kulturlandschaft und der Aufbau der Naturerlebnis-Dachmarke „Bewegende Natur. Geschützte Lebensvielfalt“.

Tirol

Foto: S. Hoelscher

Am Ende der Woche empfing LH-Stv.in Ingrid Felipe die Reisegruppe im Naturpark Karwendel, dem größten Naturpark Österreichs. Neben der öffentlichen Anreise und dem WÖFFI (einem speziellen Wanderführer der fünf Tiroler Naturparke mit Tipps zur öffentlichen Anreise) wurde das Projekt „KlimaAlps“ genauer unter die Lupe genommen.

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v.l.n.r.: Naturschutzlandesrätin LHStv. Ingrid Felipe, Otto Leiner (Amt der Tiroler Landesregierung), Franz Handler (VNÖ), Hermann Sonntag (Naturpark Karwendel). Foto: VNÖ

Auf Einladung des Naturparks Karwendel blickten der Verband der Naturparke Österreichs und die fünf Tiroler Naturparke am 25. September auf der Umbrüggler Alm gemeinsam nicht nur zurück auf die vergangenen 25 Jahre, sondern wagen auch einen Blick in die Zukunft. Dabei standen vor allem Projekte wie das Wandern mit Öffentlicher Anreise und das Interregprojekt KlimaAlps im Mittelpunkt. Beide Projekte tragen ganz konkret zu einem klimafreundlichen Handeln bei. Während die sogenannten Wöffis bereits seit 2016 bestehen, sich etabliert haben und nun weiter ausgebaut werden sollen, ist KlimaAlps erst im Entstehen.

Darüber hinaus präzisiert Naturschutzlandesrätin LHStv.in Ingrid Felipe die konkrete Unterstützung, welche im Rahmen der Konjunkturoffensive des Landes Tirol beschlossen wurde. „Mit dem Naturschutzschwerpunkt unterstützen wir auch die Tiroler Naturparke mit zusätzlichen 1,8 Millionen Euro für das kommende Jahr. Neben der Umsetzung von Managementplänen und Forschungsprojekten, liegen die Schwerpunkte in der BesucherInnenlenkung und der Artenvielfalt“, und verweist zudem auf die wichtigen Aufgaben, „die Naturparke haben in den vergangenen 25 Jahren viel zum Naturschutz und Umweltbewusstsein beigetragen. Mit dem gehäuften Know-How sind sie auch in der Zukunft wichtige Einrichtungen um Naturjuwele, einerseits zu schützen und zu erhalten und andererseits zugänglich und erlebbar zu machen.“

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