Tiere in den Naturparken
Die Österreichischen Naturparke beheimaten eine Vielzahl interessanter Tierarten – darunter finden sich charateristische ebenso wie außergewöhnliche. Um diese Vielfalt zu erhalten, setzen die Österreichischen Naturparke zahlreiche Projekte zum Schutz und Erhalt der Biodiversität um. Taucht ein in die faszinierende Tierwelt der Naturparke und entdeckt die heimische Fauna.
Amphibien
Amphibien oder Lurche sind Landwirbeltiere, die sich nur in Gewässern fortpflanzen können. Die Entwicklung beginnt mit einem im Wasser abgelegtem Ei, aus dem eine kiemenatmende, im Wasser lebende Larve schlüpft. Durch eine Metamorphose (Umwandlung) entsteht ein meist lungenatmendes erwachsenes Individuum, das auch außerhalb von Gewässern leben kann. Die Tiere sind wechselwarm, ihre Temperatur also von der Umgebungstemperatur abhängig.
Alpensalamander
Alpensalamander (Salamandra atra) werden max. 15 cm lang; die Weibchen sind größer als die Männchen. Die Unterseite ist bleigrau, alles andere schwarz gefärbt. Sie haben hervorstehende Augenhügel und an der Oberseite Querrillen am Rumpf und Schwanz.
Sie leben in nassen Laub- und Mischwäldern in Gebirgslagen auch oberhalb der Baumgrenze. Ihre Nahrung sind Kleintiere wie Insekten, Spinnen, Asseln und Regenwürmer. Die Paarungszeit ist um die Sommersonnenwende; zu dieser Zeit können sie besonders häufig beobachtet werden. Bei der Paarung wird das Weibchen vom Männchen verfolgt, das nach dem Aufsteigen seine Kehle am Kopf des Weibchens reibt. Danach klammert sich das Männchen Bauch an Bauch an das Weibchen und setzt nach Schwanzwurzelreiben ein Samenpaket ab, das vom Weibchen aufgenommen und gespeichert wird. Die Weibchen gebären 2 bis 3 Jahre nach der Paarung 1 bis 2 lungenatmende, sofort an Land lebensfähige Jungtiere (ca. 4 cm groß).
Fressfeine für Jungtiere sind vor allem Elstern, Dohlen und Schlangen. Erwachsene Tiere scheiden zum Schutz vor Fressfeinden ein giftiges Hautsekret aus. Alpensalamander sind in weiten Bereichen des ursprünglichen Verbreitungsgebietes durch Zerstörung des Lebensraums bedroht. Sie stehen in Österreich, Deutschland und der Schweiz unter strengem Schutz!
Bergmolch
Die Weibchen des Bergmolchs (Triturus alpestris) werden bis zu 12 cm, die Männchen bis zu 9 cm groß. Diese weisen während der Paarungszeit (April bis Juli) eine blaue Rückenfärbung auf. Ihre Flanken sind schwarz-weiß, der Rückenkamm gelblich-schwarz gepunktet. Die Weibchen sind dunkelgrau-braun-grünlich marmoriert und schwächer punktiert. Die Bauchseite beider Geschlechter ist leuchtend orange gefärbt. Nach dem Ende der Laichzeit verlassen die Tiere das Gewässer und entwickeln allmähliche eine unscheinbare „Landtracht“. Der orangefarbene Bauch bleibt, wird aber weniger farbintensiv.
Bergmolche leben in Feuchtgebieten, d.h. gewässerreiche Wälder in hügeligen bis bergigen Landschaften (z.B. Waldtümpeln, Löschwasserteichen, Wildsuhlen, wassergefüllten Wagenspuren auf Forstwegen, Tümpeln auf den Almen). Nach dem „Erwachen“ aus der Winterstarre wandern sie sofort zu den Gewässern in der Nähe. Außerhalb der Laichzeit sind sie nachtaktive Landtiere.
Ein Weibchen kann in einer Saison bis zu 250 Eier produzieren. Diese heftet es einzeln an die Wasserpflanzen, indem es mit seinen Hinterbeinen eine „Tasche“ in die Blätter faltet. Je nach Wassertemperatur dauert die Embryonalentwicklung 2 bis 4 Wochen. Wie alle in Europa heimischen Amphibien dürfen Bergmolche und ihre Entwicklungsstadien nicht gefangen werden.
Feuersalamander
Feuersalamander (Salamandra salamandra) erreichen eine Körperlänge von ca. 23 cm und ein Körpergewicht von etwa 44 g. Sie haben eine tiefschwarze Haut mit einer gelben Zeichnung. Die Weibchen werden im Durchschnitt größer als die Männchen.
Sie leben in Laubwäldern und sind von Februar bis November anzutreffen, danach suchen sie ihr Winterquartier auf. Die Tiere verlassen bei Regenfällen, besonders nach längerer Trockenheit ihre Verstecke. Die Paarungszeit erstreckt sich von April bis September; sie sind lebendgebärend. Die nachtaktiven Salamander ernähren sich von wirbellosen Organismen wie Asseln, kleinen Käfern und braunen Waldschnecken.
Seit 2009 ist der Salamander geschützt; das heißt, dass die Tiere nicht gefangen, verletzt oder getötet werden dürfen. Bestandsgefährdung entsteht in der Hauptsache durch Eingriffe in Larvengewässer, wie Entwässerung und Verbauung sowie durch häufig befahrene Straßen.
Gelbbauchunke
Die Größe der Gelbbauchunke (Bombina variegata) liegt zwischen 35 und 56 mm; in Mitteleuropa sind Kopf-Rumpf-Längen von mehr als 45 mm aber selten zu beobachten. Die Tiere haben eine schmutzig graue Grundfarbe, die Unterseite inklusive der Innenseiten der Gliedmaßen und der Finger und Zehen ist intensiv hellgelb bis orange gefärbt und mit bleigrauen bis schwarzen Flecken oder Flächen durchsetzt.
Die Gelbbauchunke ist eine echte Europäerin (kommt nur in Europa vor)! Sie ist Erstbesiedlerin von kleinen frisch entstandenen Tümpeln, Fahrspuren oder Traktorspuren. Sie nutzt diese kleinen oft nur kurz vorhandenen Wasserstellen, da sich das Wasser dort schneller erwärmt, was gut für Laich und Larven ist. Ihre Nahrung besteht hauptsächlich aus Insekten.
Ruf- und Laichaktivitäten (bis zu drei Perioden im Jahr) werden häufig durch ergiebige Regenfälle stimuliert. Die Eiablage erfolgt in die Kleingewässer, Kaulquappen schlüpfen bereits nach 2 bis 3 Tagen. Die Dauer der Larvenentwicklung hängt von der Umgebungstemperatur ab und liegt meist zwischen 41 und 67 Tagen.
Bei Gefahr nimmt sie manchmal die sogenannte Kahnstellung ein. Dabei macht sie ein Hohlkreuz, so dass die Ränder ihres intensiv gefärbten Bauches und ihrer Gliedmaßeninnenseiten von oben sichtbar werden (Unkenreflex). Dies soll Fressfeinde vor dem Hautgift warnen, das sie in dieser Situation absondert. Das Drüsensekret macht sie für manche Fressfeinde ungenießbar, für den Menschen wirkt das Sekret schleimhautreizend.
Kleiner Wasserfrosch
Kleine Wasserfrösche (Pelophylax lessonae) sind häufig grasgrün, manchmal blau- oder gelbgrün mit schwarzen Rückenflecken – fließende farbliche Übergänge zu See- und Teichfröschen kommen vor. Sie erreichen eine Größe von ca. 7 cm. Zwei Schallblasen ermöglichen sehr lautes Rufen.
Tümpelfrösche, wie diese Art noch genannt wird, leben in vegetationsreichen Teichen, Tümpeln, Moorgewässern, Bächen und Kolken. Sie sind gierige Fresser von Insekten, Würmern, Spinnen und Schnecken sowie anderen Amphibien; fliegende Insekten werden im Flug geschnappt. Die Hauptlaichzeit ist im Mai, wobei die Weibchen bis zu 3.000 Eier in mehreren Laichballen ablegen. Überwintert wird an Land. Die Männchen besetzen Reviere im Gewässer und verteidigen sie gegen Konkurrenten.
Die kleinen Wasserfrösche sind als „gefährdet“ eingestuft und stehen auf der Österreichischen Roten Liste sowie im Anhang IV der Flora-Fauna-Habitatrichtlinie. Die Gefährdung ergibt sich durch Gewässerverschmutzung, Eutrophierung, Verbauung und v.a. durch Lebensraumschwund (d.h. das Verschwinden von kleinen Gewässern aus der Landschaft).
Kreuzkröte
Ihren Namen verdankt die Kreuzkröte (Epidalea calamita) dem hellen Rückenstreifen entlang der Wirbelsäule – „des Kreuzes“. Auch an der Art sich fortzubewegen, kann man sie leicht erkennen. Kreuzkröten hüpfen nicht, denn dafür haben sie zu kurze Beine. Sie huschen über den Boden wie Mäuse. Auffällig sind ihre zitronengelben Augen mit waagrecht-ovalen Pupillen. Am Bauch haben die Kreuzkröten ein individuelles Muster aus dunklen Flecken, an denen die einzelnen Individuen zu unterscheiden sind. Die Größe der Männchen reicht von 4 bis 7 cm, die der Weibchen von 5 bis 8 cm.
Die Kröten leben in Auwaldgebieten mit offenen, grabfähigen Böden und temporären Laichgewässern. Kreuzkröten haben ihre Laichzeit von Mai bis August. Das Weibchen legt ein- oder zweireihige, perlenkettenartige, 1 bis 2 m lange Laichschnüre, aus denen dunkle Kaulquappen schlüpfen. Ab dem Stadium, in dem sich die Hinterbeine entwickeln, haben sie einen hellen Kehlfleck. Kreuzkröten sind dämmerungs- und nachtaktiv; tagsüber vergraben sie sich unter Steinen u.a. Strukturen bzw. im Sand.
In Österreich ist die Kreuzkröte sehr selten. Laut der FFH-Richtlinie, Anhang IV ist sie eine streng zu schützende Art. Nach der Roten Liste Österreich ist sie sogar „vom Aussterben bedroht“.
Moorfrosch
Blaue Frösche in Österreich? Gibt es solche wirklich? Ja! Die Männchen des Moorfrosches färben sich zur Paarungszeit für wenige Tage tatsächlich himmelblau. Warum sie das tun, war lange Zeit ungeklärt. Neueste Forschungen liefern Antworten.
Leben in zwei Welten
Der Moorfrosch ist ein mittelgroßer, hell- bis dunkelbraun gefärbter Frosch mit einem dunklen Streifen hinter den Augen, der ihn als Vertreter der sogenannten „Braunfrösche“ ausweist. Von seinen beiden nächstverwandten Arten, dem Gras- und dem Springfrosch, unterscheidet er sich durch einen hellen, breiten Streifen am Rücken, der in der Regel dunkel gesäumt ist. Außerhalb der Paarungszeit sehen Männchen und Weibchen der Art gleich aus. Der Moorfrosch bewohnt Lebensräume mit einem hohen Grundwasserspiegel wie Augebiete, Bruchwälder oder Hoch- und Niedermoore bis in eine Seehöhe von 1.000 Metern. Wie bei allen heimischen Amphibienarten spielt sich sein Leben in zwei Welten ab: im Wasser und an Land. Im Frühling, wenn der Bärlauch den Boden in den Auwäldern grün einfärbt, wandern Männchen und Weibchen zu ihren Laichgewässern, um sich zu verpaaren und abzulaichen. Zur Anlockung der Weibchen bilden die Männchen Rufgemeinschaften. Die tiefen, leisen Rufe („wuog, wuog, wuog“) sind sowohl tagsüber als auch nachts zu hören. Jedes Weibchen kann zwischen 500 und 3.000 Eier abgeben. Als Anpassung an Moorgewässer, in denen die Art häufig vorkommt, weisen sowohl der Laich als auch die Larven, die allseits bekannten „Kaulquappen“, eine gewisse Toleranz gegenüber erhöhten Säurewerten auf. Außerhalb der Fortpflanzungszeit halten sich Moorfrösche an Land auf. Die Sommerlebensräume befinden sich meist in unmittelbarer Nähe der Laichgewässer. Die Überwinterung erfolgt an Land, in Hohlräumen und Spalten. Infolge der Trockenlegung und Kultivierung von Mooren und anderen Feuchtgebieten ist der Moorfrosch in Österreich gefährdet. Intensive Landwirtschaft und auch Straßenverkehr bedingen eine Verinselung der Populationen. Das hat dazu geführt, dass die Art europaweit streng geschützt ist.
Blau für die Liebe
Jedes Jahr im zeitigen Frühjahr findet ein Naturereignis der besonderen Art statt: die Paarung der Moorfrösche. Doch was ist daran so besonders? Als einzige heimische Froschart verfärben sich die Männchen des Moorfrosches in dieser Zeit himmelblau. Eine derartige visuelle Signalgebung ist bei Fröschen fast ausschließlich von tropischen Arten bekannt. Durch die Einlagerung von Lymphflüssigkeit unter die Haut kommt es zu spektralen Veränderungen der Haut und die Moorfrösche werden zu blauen Farbklecksen. Mit dem Blau nutzen die Tiere einen Farbton, der für Frösche besonders gut wahrnehmbar ist. Warum es zu dieser einzigartigen Verfärbung kommt, war lange Zeit unklar. Neueste Forschungen konnten nun zeigen, dass die Männchen nicht wegen der Weibchen „blau anlaufen“, sondern um anderen Männchen gegenüber unmissverständlich ihr Geschlecht zu demonstrieren. Bei den Moorfröschen als sogenannte „Explosivlaicher“ muss es schnell gehen mit der Zeugung des Nachwuchses. Innerhalb weniger Tage drängen sich hunderte, zum Teil sogar tausende Männchen auf engstem Raum um ein Weibchen zu ergattern und sich zu paaren. Da können Fehlverpaarungen unter Männchen wertvolle Zeit kosten und den Fortpflanzungserfolg schmälern. Die auffällige Farbveränderung dient daher nicht – wie so oft im Tierreich – dem Imponieren der Weibchen. Sobald die Weibchen abgelaicht und das Gewässer verlassen haben, nehmen die Männchen wieder ihre unauffällige braune Färbung an.
Reptilien
Reptilien sind wechselwarme Wirbeltiere, die ihre Temperatur durch ihr Verhalten (z.B. Sonnenbaden) regulieren. Sie haben eine trockene, schleimlose, aus Hornschuppen bestehende Körperbedeckung mit fehlendem Haar- bzw. Federkleid. Sie sind zeit ihres Lebens Lungenatmer, besitzen also kein aquatisches, kiemenatmendes Larvenstadium. Die meisten Arten legen Eier.
Europäische Hornotter
Die Europäische Hornotter (Vipera ammodytes) wird auch Sandviper, Hornviper oder Sandotter genannt. Die bis zu 95 cm lange Schlange ist für europäische Verhältnisse sehr groß. Die Männchen werden größer als die Weibchen.Ihre Färbung variiert sehr stark. Meistens sind die Tiere grau, gelblich, oder rotbraun mit einem dunkleren Zickzack- oder Rautenband auf dem Rücken. Die Farbe dieses Bandes variiert ebenfalls von hellbraun bis schwarz. Männliche Tier sind meistens etwas heller gefärbt als die Weibchen und ihre Kopf- und Körperzeichnung ist ausgeprägter. Die Schwanzunterseite ist bei beiden Geschlechtern gelblich, rötlich oder grünlich.
Der Kopf ist dreieckig und deutlich vom Rumpf abgesetzt. Das auffällige, rundum mit kleinen Schuppen bedeckte Horn an der Schnauze ist namendgebend. Der als „drohend“ empfundene Blick der Vipern kommt von kräftig ausgebildeten Leisten über den Augen. Die Pupillen sind senkrecht schlitzförmig.
Die Hornotter ist wie alle europäischen Vipern ovovivipar, d.h. die Eier werden im Mutterleib ausgebrütet und die Jungschlangen lebend geboren. Im Frühjahr kommen so bis zu 20 Schlangen pro Muttertier auf die Welt. Zuerst ernähren sie sich von Heuschrecken und kleinen Eidechsen. Wenn sie größer werden kommen auch kleine Säugetiere und Vögel mit auf den Speiseplan. Die Sandviper geht meist am späten Nachmittag und in der Abenddämmerung auf Beutefang. Die Beutetiere werden durch einen Giftbiss getötet. Die Giftzähne sind bis zu 1 cm lang.
Sandvipern gelten als tag- und dämmerungsaktiv. Tagsüber sonnen sie sich in der Nähe ihrer Schlupfwinkel. Sie sind nicht aggressiv und versuchen vor Bedrohungen stets zu fliehen; wenn sie allerdings in die Enge getrieben werden, zischen sie und beißen zu. Der Biss ist nicht schmerzhaft und meist blutend. Todesfälle nach Vipernbissen kommen vor allem bei Kindern oder geschwächten Personen vor.
Im Winter sammeln sich Hornottern in großen Zahlen an geeigneten Überwinterungsplätzen in mehreren Metern tiefen Felsspalten und halten dort eine bis zu 6 Monate dauernde Winterruhe. Das Verbreitungsgebiet der Schlangen umfasst Norditalien, Südösterreich (Dobratsch) und spannt sich von Slowenien bis zum Kaukasus und Griechenland. Sie leben im steinigen, trockenen Buschland und lichten Wäldern. Besonders häufig findet man sie an trockenen, sonnigen Felshängen und auf Steinmauern. Entgegen ihrem Namen – Sandvipern – kommen sie nur selten auf Sandflächen vor.
Östliche Smaragdeidechse
Mit einer Gesamtlänge von bis zu 35 cm ist die Smaragdeidechse (Lacerta viridis) die größte heimische Eidechse. Sie wiegt bis zu ca. 60 g. Die smaragdgrüne Farbe und die blauen Kehlchen der Männchen machen sie zum farbenprächtigsten Reptil Österreichs. Im Frühjahr nach der Häutung – Hochzeitskleid – ist die Färbung besonders intensiv.
Smaragdeidechsen bevorzugen sonnenerwärmte Geländehänge mit einem ausreichenden Feuchtegrad und einer Mischung aus offenen Strukturen und mosaikartiger Vegetation, wie etwa Weinberge, Halbtrockenrasen oder Streuobstwiesen. Die tagaktiven Tiere nehmen am Morgen und Abend ausgiebige Sonnenbäder – tagsüber klettern sie nahrungssuchend im Pflanzengestrüpp umher. Sie ernähren sich hauptsächlich von Spinnen und Insekten, gelegentlich werden auch Früchte gefressen.
Fische
Fische sind aquatisch (Lebensmittelpunkt im Wasser) lebende Wirbeltiere mit Kiemen. Die in Europa lebenden Süßwasserfische gehören zu den Strahlenflossern und sind Knochenfische.
Bachforellen, Seeforellen und Huchen zählen zu den Forellen- oder Lachsfischen (Salmoniden). Gemeinsam ist ihnen ein langgestreckter, im Querschnitt ovaler Körper und bei fast allen Arten eine kleine Fettflosse zwischen Rücken- und Schwanzflosse. Sie haben ein gut ausgebildetes Seitenlinienorgan – ein Sinnesorgan, das z.B. Druckwellen von vorbeischwimmenden Fischen erfasst. Forellenfische sind durchwegs schmackhafte Speisefische.
Bachforelle
Die Bachforelle (Salmo trutta fario) erreicht je nach Nahrungsangebot eine Körperlänge von ca. 20 bis 70 cm. Das Gewicht beträgt in der Regel bis 5 kg, maximal 9 kg. Der Körper der Forelle ist mehr oder weniger hochrückig und seitlich etwas abgeflacht. Ihr Rücken ist oliv-schwarzbraun und silbrig-blau, bauchwärts treten rote Flecken mit hellem Rand auf, die Bauchseite ist weißgelb. Die Lebenserwartung der Forelle beträgt bis zu 20 Jahre.
Bachforellen besiedeln schnell fließende, sauerstoffreiche, kühle und klare Gewässer mit Kies- oder Sandgrund. In erster Linie ernährt sich die Forelle von Kleintieren aller Art, auch geflügelten Insekten. Die Geschlechtsreife der Forelle wird nach etwa drei bis fünf Jahren erreicht. Je nach Verbreitungsgebiet findet die Laichzeit entweder von September bis Oktober oder von Dezember bis März statt. Die Forelle laicht in kleinen Flüssen und Bächen. Die durchschnittlich etwa 1.000 bis 1.500 Eier werden in einer Laichgrube abgelegt, die das Weibchen im Kies aushebt.
Bachforellen sind standorttreue Fische, die ihren Platz nur zur Fortpflanzung verlassen und auch nach Störungen an ihre angestammten Plätze zurückkehren. Die erwachsene Bachforelle beansprucht ein eigenes Revier. Tagsüber ist sie im Uferschatten verborgen, mit dem Kopf gegen die Strömung.
Der Österreichische Fischereiverband hat die Bachforelle zum „Fisch des Jahres 2020“ ernannt, der uns dankenswerterweise auch das Foto von Clemens Ratschan zur Verfügung gestellt hat. Mehr Informationen hierzu können Sie dem Folder „Fisch des Jahres 2020“(PDF-Download: 2,42 MB) entnehmen!
Huchen
Der Huchen (Hucho hucho) ist der größte Vertreter der Forellenartigen (Salmoniden). Er hat im Vergleich zu den anderen Forellenartigen einen lang gestreckten, im Querschnitt fast drehrunden Leib. Sein Kopf ist zugespitzt. Seine Körperform erinnert an einen Pfeil, eine Lanze. Seine Färbung kann von Gewässer zu Gewässer sehr unterschiedlich sein. Mit einer bei ausgewachsenen Exemplaren dokumentierten Körperlänge von bis deutlich über 130 cm und einem möglichen Körpergewicht von mehr als 30 kg gehört er zu den weltweit größten Süßwasserfischen.
Der Lebensraum des Huchens ist aufgrund von Sauerstoffgehalt und Wassertemperatur die Äschen- und Barbenregion größerer Flüsse. Er besiedelte diese Region der Flüsse im Donaugebiet, von Bayern bis zur Westukraine. Sein Lebensraum in der Jugend sind seichte, strömungsberuhigte Buchten. Dann, ein wenig größer, wechselt er in seichte Rieselstrecken und später, mit der steigenden Größe seiner Beutefische, allmählich in stärkere Strömung und tieferes Wasser. Die zum Teil ausgedehnten Laichwanderungen der geschlechtsreifen Tiere führt er von Ende März bis Anfang Mai durch. Der Huchen stellt als Groß-, Raub- und Wanderfischart sehr hohe Ansprüche an seinen Lebensraum, und gehört somit zu den bedeutendsten Indikatorfischarten, der die Verhältnisse der gesamten Fischzoonose sehr gut widerspiegelt.
Milchner, die männliche Tiere, erreichen ihre Geschlechtsreife meist mit 4 Jahren, die Rogner, die weiblichen, erst mit 5 Jahren. Zum Ablaichen bevorzugt er überströmte Schotterbereiche mit mittleren Fließgeschwindigkeiten um einen halben Meter pro Sekunde. Das Weibchen schlägt eine Laichgrube, in der die befruchteten Eier abgelegt werden. Die Entwicklungsdauer der Embryos ist stark temperaturabhängig.
Der Huchen war bis ins frühe 20. Jahrhundert in der österreichischen Donau und in fast allen ihrer größeren Zubringer kein seltener Fisch. Infolge der Zerstörung seines natürlichen Lebensraumes durch Flussregulierungen, des massiven Ausbaus der Wasserkraft sowie Abwasserbelastungen kam es jedoch bereits im 19. Jahrhundert zu entsprechenden Einbußen und einem starken Rückgang der Bestände. Die Errichtung von Stauketten an der Donau und vielen ihrer Zubringer war wohl der gravierendste Eingriff und bestimmend für den hohen Gefährdungsgrad dieser Art.
Seeforelle
Als Seeforelle (Salmo trutta lacustris) wird eine in großen, sauerstoffreichen Seen lebende, großwüchsige Form der Forelle bezeichnet. Seeforellen werden über 80 cm groß. Ihr Körper ist langgestreckt und seitlich leicht abgeflacht. Die meist sehr hellen Flanken sind mit unregelmäßigen, schwärzlichen, gelegentlich auch braunen oder rötlichen Punkten oder Ringen gemustert.
Junge Fische besiedeln sowohl die warme Oberflächenschicht als auch die kalte Tiefenzone. Große Seeforellen halten sich im Sommer fast ausschließlich in tieferen Wasserschichten auf. Jungfische jagen kleine Flussbarsche bzw. sammeln Anflug (Insekten). Große Seeforellen ernähren sich vorwiegend von Fischen (Flussbarsche, Rotaugen, Lauben etc.). Die Laichzeit beginnt Mitte November und endet im Jänner. Seeforellen benötigen zum Ablaichen Kies, der gut mit Sauerstoff versorgt wird. Der Rogner (weiblicher Fisch) legt eine Laichgrube im Sediment an und gibt die Eier portionsweise in diese ab. Die von den Spermien des Milchners (männlicher Fisch) befruchteten Eier werden mit Kies zugedeckt und entwickeln sich dort innerhalb der nächsten 3 Monate zu fressfähigen Fischchen.
Jede Seeforelle kann durch ihre Zeichnung (Anordnung der Punkte) eindeutig identifiziert werden; beim Laichfischfang werden sie vermessen und fotografiert.
Insekten
Sie zählen zur Klasse der Gliederfüßer und bilden die artenreichste Klasse der Tiere überhaupt. Dieser Artenreichtum zeigt sich auch in der Vielfalt des Aussehens, der Größe und Körperform. Gemeinsamkeit aller Insekten ist die Gliederung des Körpers in drei Abschnitte – Kopf, Brust und Hinterleib. Sie haben einen festen Chitinpanzer und immer drei Beinpaare (sechs Beine).
Alpenbockkäfer
Einen besonders spektakulären Vertreter der Tierwelt hat man als „Botschafter“ der Urwaldarten auserwählt. Er ist der „Star der Holzkäferschar“ und er lebt nur im naturnahen Buchenwald mit Altbäumen und Totholz: der imposante Alpenbockkäfer (Rosalia alpina).
Ein Prachtkerl
Diese Schönheit ist auf Briefmarken und in Schulbüchern zu sehen. Ihn das erste Mal lebend zu beobachten überwältigt jede/n Naturbegeisterte/n. Und gerade im August stehen die Chancen dazu sehr gut. Ab Juli und in den August hinein kann man ihn – aber nur mit Glück und in bestimmten Regionen –bewundern. Als einer der farbenprächtigsten und größten Vertreter (bis 38 mm Köperlänge) der heimischen Bockkäfer ist er mit dem hellblauen Körper, den charakteristischen schwarzen Flecken sowie den schmucken Fühlerbüscheln unverwechselbar.
Doch um seinen Lebensraum ist es weniger prächtig bestellt. Besonders die Beseitigung seiner Brutbäume, in denen sich die Larven entwickeln, macht ihm zu schaffen. Der Käfer, und mit ihm eine Heerschar weiterer Waldlebewesen, benötigt vor allem alte, teilweise oder ganz abgestorbene Baumriesen an sonnigen Standorten. Wann haben Sie zuletzt bei Ihren Waldspaziergängen einen solchen Baum gesehen?
Sollte Ihnen ein derartiges Exemplar unterkommen – vor allem Rotbuchen, selten Bergahorne oder Bergulmen, können Sie selbst in die Rolle eines/r Naturforschers/in schlüpfen. Finden Sie das typische Ausschlupfloch des Käfers? Es ist flach-ovalförmig und bis zu 11 mm lang und 8 mm breit. Durch diese Öffnung dringt der erwachsene Käfer ins Freie, nachdem er mehrere Jahre als Larve und Puppe versteckt im Totholz gelebt hat.
Oftmals findet man hunderte kleine und große Schlupflöcher unterschiedlichster Insektenarten an einem Totholzstamm. Damit ist klar: totes Holz ist ziemlich lebendig.
Botschafter der Urwaldarten
Vor etwa 6.000 Jahren, in der nacheiszeitlichen Klimaänderung, setzte die Ausbreitung der Rotbuche in Mitteleuropa ein. Bis zur Römerzeit bildete sie hier großflächige und urige Waldbestände. Überall waren Altbäume sowie stehende und liegende Totholzbäume in rauen Mengen vorhanden. Viele Organismen nutzten diese natürliche Ressource, der (ehemaligen) Baumart Nr. 1 in Mitteleuropa.
Später begann der Mensch den Wald intensiver zu nutzen, zu verändern und teilweise zu roden. Die Rotbuche wurde gebietsweise stark zurückgedrängt. Heute nehmen vielerorts Fichtenforste die ehemals von der Rotbuche dominierten Waldlebensräume ein. Am meisten mangelt es aber in allen Wäldern an Altbäumen und an Totholz.
Es liegt auf der Hand, dass dabei die Vielfalt der heimischen Waldnatur auf der Strecke bleibt. Besonders lichtliebende Arten und die Totholzbesiedler werden durch einförmige Aufforstungen und die „Waldhygiene“ in Mitleidenschaft gezogen. Alles in allem sind dadurch mehrere tausend Tierarten, aber auch Pilze und Flechten, nachteilig betroffen. Ziel des Naturschutzes und einer naturorientierten Waldbewirtschaftung ist es heute, diesen Entwicklungen entgegenzuwirken. Erfreulich: In der Schweiz etwa gibt es nachweislich eine Zunahme des Alpenbockkäfers.
Windwürfe und Borkenkäferschäden an Fichten sind für die Forstwirtschaft verständlicherweise echte Katastrophen, aber sie kurbeln die Dynamik und Vielfalt im Wald enorm an. Davon profitieren viele jener Totholzbesiedler, die durch intensive Waldnutzung schon am Rande des Aussterbens stehen.
Der Alpenbockkäfer ist in den Naturschutzgesetzen der österreichischen Bundesländer und in mehreren internationalen Schutzübereinkommen genannt. Die Botschaft des Alpenbockkäfers ist eine eindeutige: Naturnahe Wälder mit Altbäumen und mit totem Holz sind ein Eldorado für die Natur-Vielfalt.
Apollofalter
Der römisch-griechische Gott Apollo gilt als Sinnbild für Schönheit. Einer der schönsten, jedoch leider auch seltensten Tagfalter in Österreich ist nach dem griechischen Berg Parnass benannt, der dem Gott Apollo geweiht ist.
Wir zeigen, wieso dieser Schmetterling mit Hexen in Verbindung gebracht wurde und die als Butterdieb wie auch Tänzer bezeichnet werden kann.
Wenn die Hexe von der Sahne nascht…
Mit ihrem spiralig eingerollten Rüssel, der übrigens über zahlreiche kleine Muskeln in der Rüsselwand ausgerollt wird, saugen Schmetterlinge allerlei Flüssiges. Feste Nahrung können sie im Gegensatz zu den Raupen nicht mehr zu sich nehmen. Sie fühlen sich nicht nur durch Blütennektar, sondern auch durch frische Milch und Butter angezogen. Früher dachte man, dass Hexen sich in hübsche Schmetterlinge verwandeln, um in Häuser zu gelangen. Dort konnten sie dann unbemerkt von der Sahne naschen. Auf jeden Fall lässt sich der Name auf das mitteldeutsche Wort „Schmetten“ zurückführen, welches Rahm oder Sahne bedeutet. Bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts hießen die Insekten ausschließlich Tag- oder Nachtfalter ehe sich der Begriff Schmetterling durchsetzte. Die tollen, bunten und zum Teil schillernden Farben haben sie den Schuppen zu verdanken, die in dichten Reihen die Flügel besetzen. Besonders auffällig sind bei den Apollofaltern, mit dem wissenschaftlichen Namen Parnassius apollo, ihre großen roten, schwarz umrandeten Augenflecken auf den Flügeln. Die Raupen sind schwarz und haben links und rechts an der Seite je eine Reihe von orangeroten Punkten. Die Weibchen schlüpfen schon mit einem fertig entwickeltem Vorrat an Eiern. Die Männchen patroulieren über die Landschaft, um frisch geschlüpfte Weibchen auszumachen und sie dann so rasch wie möglich, nach kurzer Balz, zu begatten. Danach bildet sich eine Art verhärteter Stoppel am Geschlechtseingang der Weibchen, der eine weitere Begattung durch ein anderes Männchen verhindert. Schon am nächsten Tag beginnt das Weibchen mit der ersten Eiablage.
Tanz über der Landschaft
Wer sich die Zeit nimmt, einmal in Ruhe in einer blühenden Wiese zu sitzen und einfach nur zu beobachten, dem wird auffallen, wie viele Schmetterlinge vorbeiziehen. Oft bleiben sie nur kurze Zeit an einem Ort und besuchen wenige Blüten, bevor sie weiterziehen. Sollten Sie versuchen einem Schmetterling zu folgen, so werden Sie bemerken, dass Sie häufig schon rasch daran scheitern. Auch Räubern wie Vögeln oder anderen Insekten kann es schwer fallen, einen Schmetterling bei diesem unberechenbaren, scheinbar tanzendem Flug zu fangen.
Schmetterlinge machen eine vollständige Verwandlung (Metamorphose) durch. Das bedeutet, dass aus dem Ei eine Larve – die Raupe – schlüpft, die sich meist von unterschiedlichen Pflanzenblättern ernährt, und wenn sie groß und fett genug ist, wird sie zu einer Puppe. Diese ist ein starres bewegungsloses Gebilde, das an Pflanzenteilen aufgehängt ist, in der obersten Schicht des Bodens liegt oder aber eingehüllt in einen Kokon aus Fäden irgendwo klebt. Im Inneren vollzieht sich die wundersame Verwandlung zum Schmetterling, der am Ende aus dieser Puppe schlüpft. Jedes dieser Stadien hat unterschiedliche Ansprüche an den Lebensraum. Viele Raupen sind wahre Feinschmecker und ernähren sich nur von ganz bestimmten Pflanzen. Bei den Apolloarten sind dies unterschiedliche Dickblattgewächse wie Mauerpfeffer, Fette Henne oder Rosenwurz. Diese Pflanzen kommen auf trockenen, steinigen, besonnten Flächen mit magerem Charakter wie Halbtrockenrasen aber auch Almen und alpinen Matten, auf denen auch häufig das Echte Johanniskraut zu finden ist, bis ins Hochgebirge vor. In tieferen Lagen teilen sich Apollofalter oft den Lebensraum mit Schafen, deren trockene magere Weiden ebenfalls gut für ihn geeignet sind. Der erwachsene Falter ist wiederum auf Blütenpflanzen angewiesen, die ihn mit Nektar versorgen. Besonders gerne besucht er die Blüten der Pflanzen auf denen die Raupen fressen und rote beziehungsweise violette Blüten wie Disteln, Flockenblumen und Dost.
Beerenwanze
Bunt, schön und farbenprächtig präsentiert sich die Beerenwanze (Dolycoris baccarum) an ihrem Lieblingsort. Sie bevorzugt beerentragende Pflanzen, wie zum Beispiel Himbeeren oder Brombeeren, ist aber auch auf vielen anderen Pflanzen zu finden. Aber nur bei genauem Hinsehen kann man die rund 1 cm große Wanze dort entdecken, denn ihre Färbung wirkt als perfekte Tarnung. Ihre rötlich-violetten Deckflügel ähneln den Blüten und Beeren der Wirtspflanze. Ihre schwarz-weiß geringelten Fühler und die ebenfalls schwarz-weiß gefleckten Seitenränder ihres Hinterleibes unterstützen die tarnende Wirkung. Auf dem Rücken der Beerenwanze befindet sich ein grün bis gelbliches, für Wanzen typisches, dreieckiges Schildchen. Wie bei allen Wanzen sind auch bei ihr beide Flügel gut ausgebildet, wobei der hintere Teil des Vorderflügels weich und häutig und der vordere Teil kräftig und robust ist. Wanzen gehören nämlich nicht zu den Käfern, sondern bilden eine eigene Gruppe innerhalb der Insekten. Ein markanter Duft lässt jedoch des Öfteren die Schönheit des kleinen Insektes vergessen: Fühlt sich die Beerenwanze beunruhigt, so nebelt sie sich mit einem stinkenden Sekret ein, um mögliche Angreifer abzuschrecken.
Erstaunlich, aber wahr
Manche Himbeeren haben einen komischen, bitteren Geschmack, obwohl sie reif und süß aussehen. Der Übeltäter dafür ist die Beerenwanze: Die Wanzen saugen an den Beeren und geben dabei ihren Speichel ab, der den typischen „Wanzengeschmack“ verursacht.
Merkmale
- 6 Beine
- 3-geteilter Körper (Kopf, Rumpf, Hinterleib)
- Deckflügel in häutigen und harten Teil unterteilt
- unter den Körper geklappter Rüssel
- Duftdrüse
Ordnung
Schnabelkerfe (Hemiptera)
Unterordnung
Wanzen (Heteroptera)
Bevorzugter Lebensraum
Wald / Waldrand und -lichtungen
Blaue Holzbiene
Blaue Holzbienen können zwar stechen, sie tun dies aber nur, wenn man sie in die Enge treibt. Dem Menschen gegenüber sind sie nicht angriffslustig und für diesen daher trotz ihrer Größe und imposanten Erscheinung völlig ungefährlich.
Imposant, aber harmlos
Mit einer Körperlänge von fast 30 mm ist die Blaue Holzbiene (Xylocopa violacea) ein wahrer Gigant unter den Bienen. Aufgrund ihrer beeindruckenden Größe und dem dicht behaarten Körper erinnert sie auf den ersten Blick an eine Hummel. Von dieser unterscheidet sie sich jedoch durch die blauschwarz gefärbten Flügel, die – je nach Lichteinfall – bläulich bis violett schillern. Bei Hummeln sind die Flügel hingegen stets klar und durchscheinend.
Holzbienen sind nicht staatenbildend wie z. B. die Honigbiene sondern leben stets alleine. Der Gattungsname Xylocopa bedeutet „die Holzschneidenden“. Das kommt daher, dass Holzbienen ihre Nistgänge in Holz anlegen. Unmittelbar nach der Paarung im Frühling suchen die Weibchen nach trockenen, bereits morschen Holz und nagen in dieses mit ihren kräftigen Zähnen Gänge mit einem Durchmesser von bis zu 1,5 cm. Die einzelnen Brutzellen liegen in einer Linie hintereinander und sind durch Zwischenwände getrennt. Eine Mischung aus Pollen und Nektar in Form eines Brotlaibes ist der Proviant für die Brut. Ist die Niststätte fertig, werden die Nistgänge verschlossen. Wird ein Nest von mehreren Bienen benutzt, können bis zu drei Meter lange Brutgänge entstehen. Die Entwicklungszeit vom Ei bis zum fertig ausgewachsenen Tier beträgt rund zehn Wochen. Die erwachsenen Tiere ernähren sich vom Nektar und Pollen einer großen Bandbreite verschiedener Blüten wie etwa von Lippenblütlern, Korbblütlern oder Schmetterlingsblütlern. Ungewöhnlich für Solitärbienen ist die lange Lebensdauer der Weibchen, die häufig sogar gemeinsam mit ihren Nachkommen in einem Nest leben. Sie sterben aber bis August ab. Die nächste Generation überwintert entweder einzeln oder in kleinen Gruppen in Spalten, selbst gegrabenen Erdlöchern oder in den Nestern.
Vom Klimawandel begünstigt
Das Hauptverbreitungsgebiet der Blauen Holzbiene befindet sich in Südeuropa. In Österreich kommt die Art nur in besonders wärmebegünstigten Regionen mit vielen Sonnentagen vor. Dort besiedelt sie am liebsten blüten- und totholzreiche Streuobstwiesen, aber auch Gärten, Parkanlagen, Waldsäume und lichte Wälder mit ausreichend Totholz. Sie sind standorttreu und nisten meist in dem Holz, aus dem sie selber geschlüpft sind. Im Laufe der Zeit kann das Holz gänzlich durchbohrt werden. Seit einigen Jahren scheint die Blaue Holzbiene ihr österreichisches Areal auszuweiten. Diese Ausbreitung könnte im Zusammenhang mit dem Klimawandel stehen. Durch die erhöhte Anzahl an trockenen, heißen Sommertagen sowie durch die schneearmen, milden Winter verbessern sich die Lebensbedingungen der wärmeliebenden Art. Holzbienen kommt eine große Bedeutung als Blütenbestäuber zu. In manchen Fällen kommen sie dieser Aufgabe jedoch nicht nach und betätigen sich stattdessen als „Nektarräuber“. Sind die Blüten für die große Biene zu schmal um mit dem Rüssel an den Nektar zu gelangen, nutzen sie ihre kräftigen Mundwerkzeuge und beißen einfach seitlich ein Loch hinein. So gelangt das Insekt an den Nektar, ohne aber die Blüte zu bestäuben.
Blauflügel-Prachtlibelle
„Suche mäßig fließenden, sehr sauberen Bach mit Wasserpflanzen am Ufer zur Aufzucht meiner Kinder, als Blauflügel-Prachtlibelle bin ich schließlich nur das Beste gewohnt.“ So oder so ähnlich könnte ein Inserat dieser seltenen und anspruchsvollen Schönheitskönigin lauten.
Ein prächtiger Tänzer
Die Blauflügel-Prachtlibelle (Calopteryx virgo) ist eine der schönsten Libellenarten und hat als einzige durchgehend tiefblau gefärbte Flügel. Wie fast immer im Tierreich bleibt aber auch hier das prachtvolle Aussehen den Männchen vorbehalten, das Weibchen muss sich mit bräunlich gefärbten Flügeln begnügen. Mit einer Flügelspannweite bis zu 70 mm ist diese Libellenart die größte unter den Kleinlibellen.
Mit etwas Geduld kann man die Blauflügel-Prachtlibelle – von Mai bis in den September hinein – gut beobachten und viele interessante Verhaltensweisen entdecken. Der Paarung geht ein sehr auffälliges Balzverhalten voraus. Beim sogenannten Hochzeitsflug fliegen die Männchen im Schwirrflug, der mehr dem Flug eines Schmetterlings als dem einer Libelle ähnelt, umher. Die Männchen haben ein sehr ausgeprägtes Revierverhalten und verlassen ihr Territorium kaum. Bei ihrem Balztanz präsentieren sie den Weibchen die leuchtend rote Unterseite ihres Hinterleibes, die „Laterne“ oder das „Schlusslicht“. Damit leitet das Männchen das Weibchen zu einem passenden Eiablageplatz. Setzt sich das Weibchen nieder, signalisiert es Paarungsbereitschaft. Bei der Paarung wird das für Libellen charakteristische Paarungsrad gebildet: Dabei packt das Männchen das Weibchen mit den Hinterleibszangen. Danach werden die Eier vom Weibchen in Stängel von Wasserpflanzen unterhalb der Wasseroberfläche gestochen, sie verhält sich dabei wie eine Apnoetaucherin und kann bis zu 90 Minuten unter Wasser bleiben. Das Männchen übernimmt in der Zwischenzeit die Rolle des „Bodyguards“ und überwacht die Eiablage von der Ufervegetation aus.
Aus den circa 300 abgelegten Eiern schlüpfen nach etwa drei Wochen die Larven, die sich unter überhängenden Pflanzen, Steinen und Baumwurzeln verstecken und so die ersten zwei Jahre im Wasser verbringen. Ihr Körper ist abgeflacht und schmal und auf diese Weise gut an das Leben in der Strömung angepasst. Wenn man vorsichtig unter Steinen oder anderen Verstecken im Wasser sucht, findet man vielleicht die eine oder andere Libellenlarve. Leicht erkennbar sind sie an einer Besonderheit: der zu einer Fangmaske geformten Unterlippe. In Ruhestellung liegt diese zurückgeklappt unter dem Kopf. Kommt ein Beutetier (Kleinwassertiere wie kleine Insektenlarven und Wasserinsekten) in Reichweite kann die Fangmaske blitzschnell ausgeklappt und die Beute gefangen werden. Die erwachsenen Prachtlibellen ernähren sich räuberisch von Insekten.
Die anspruchsvolle Diva
Die Blauflügel-Prachtlibelle ist eine charakteristische Art langsam strömender Fließgewässer des Tieflandes. An stehenden Gewässern ist sie kaum zu finden. An ihr außergewöhnlich ist der sehr hohe Anspruch an den Lebensraum mit reichlich krautiger Ufervegetation und schattigen Plätzen. An sehr heißen Sommertagen braucht sie diese sonnengeschützten Ruheplätze, damit sich ihr dunkler Körper und die Flügel nicht zu sehr aufheizen. Der hohe Anspruch an die Wasserqualität macht sie zwar zu einem Anzeiger höchster Wassergüte, aber ihre Lebensraumsuche nicht einfacher. Auch die Wassertemperatur spielt eine Rolle, optimal für die Eiablage sind 13-18° Celsius, daher kommt die Blauflügel-Prachtlibelle meist an stärker (aber nicht völlig) durch Gehölze beschatteten Abschnitten der Fließgewässer und Auwäldern vor, wo zum Beispiel auch der Fischotter leben.
Sind die Bachufer jedoch zu stark durch die Vegetation verwachsen, vor allem durch Neophyten wie das Drüsige Springkraut (Impatiens glandulifera), gelangen die Prachtlibellen nicht zu ihren Eiablageplätzen und eine Besiedelung wird unmöglich. Auch kleinste Wasserverunreinigungen reichen, um ein Biotop für sie unbewohnbar zu machen: Schon die Larven reagieren sehr empfindlich auf Sauerstoffmangel. Durch diese enge Verbindung mit ihrem Lebensraum ist diese Libelle dementsprechend selten. In vielen Bundesländern steht sie daher schon unter Naturschutz und stellt laut der „Roten Liste der Libellen Österreichs“ eine gefährdete Art dar. Zu wirksamen Schutzmaßnahmen zählen der Erhalt und die Wiederherstellung naturnaher Fließgewässerabschnitte mit einer Uferbepflanzung, bei der eine vollständige Beschattung vermieden wird.
Blaugrüne Mosaikjungfer
Die Blaugrüne Mosaikjungfer (Aeshna cyanea) ist eine Schönheit und Akrobatin der Lüfte. Ein gelb-grün-blaues Mosaikkleid ziert den langgestreckten, dünnen Körper. Sie kann eine Flügelspannweite von bis zu elf Zentimetern erreichen und ist damit eine unserer größten Libellenarten. Die Männchen sind etwas bunter als die Weibchen.
Libellen besitzen kurze Fühler und sechs dünne Beine. Auffällig sind die großen Facettenaugen, die aus bis zu 30.000 Einzelaugen bestehen. Zusätzlich haben Libellen drei kleine Punktaugen auf der Mitte des Kopfes, die zum Gleichgewichthalten beim Fliegen dienen.
Bei der Blaugrünen Mosaikjungfer ist nicht nur ihr Aussehen faszinierend, sondern auch ihre Flugkunst: Wie ein Hubschrauber kann sie in der Luft stehen bleiben, rückwärts fliegen, gefolgt von abrupten Richtungsänderungen und wendigen Flugmanövern mit sehr engen Kurven. Dabei kann sie eine Geschwindigkeit von bis zu 50 km/h erreichen. Als Flugjägerin fängt sie ihre Beute, wie Fliegen, Mücken und andere Insekten, vor allem im Flug. Die recht häufige Blaugrüne Mosaikjungfer ist an sonnigen Tagen an unterschiedlichen Gewässern, auch an Gartenteichen, zu beobachten.
Erstaunlich, aber wahr
Die Larven der Blaugrünen Mosaikjungfer leben im Wasser. Sie atmen im Wasser durch besondere Kiemen, die als Tracheenkiemen bezeichnet werden. Nach mehrmaliger Häutung gehen die Larven an Land und werden durch eine letzte Häutung zu fertigen Libellen. Jetzt atmen sie mit kleinen Atemöffnungen an der Brust.
Merkmale
- 6 Beine
- 3-geteilter Körper (Kopf, Rumpf, Hinterleib)
- langer Hinterleib
- geäderte Flügel
- beißende Mundwerkzeuge
Ordnung
Libellen (Odonata)
Bevorzugter Lebensraum
Fließgewässer und Auwald
Stehende Gewässer
Wald / Waldrand und -lichtungen
Dunkelbrauner Kugelspringer
Ein kleiner Aufräumkünstler mit besonderem Trick! Der runde Winzling ist nur 4 mm groß, und trotzdem innerhalb der Springschwänze, zu denen er zählt, einer der Größten. Noch größer ist seine Leistung, denn er trägt zur Bodenfruchtbarkeit und Humusbildung bei. Er ernährt sich von pflanzlichen und tierischen Zerfallsstoffen und zerlegt diese in ihre Grundbestandteile. Alleine schafft das der kleine Bodenbewohner natürlich nicht, aber seine Kollegen und Kolleginnen helfen ihm dabei, und diese sind zahlreich – in einem Kubikmeter Boden können bis zu 200.000 Springschwänze vorkommen.
Der Dunkelbraune Kugelspringer (Allacmafusca) zählt zu den Urinsekten, er hat keine Flügel aber dafür sechs Beine, wie alle Insekten. Er besitzt einen harten Chitinpanzer, sein Kopf und die meisten seiner Hinterleibssegmente sind kugelförmig verwachsen und werden durch ein paar schüttere Härchen geziert.
Der winzige Bodenpfleger hat noch einen besonderen Trick auf Lager: Er besitzt eine Sprunggabel, die im Ruhestand unter den Hinterleib geklappt ist. Droht jedoch Gefahr, klappt er die Sprunggabel gegen den Untergrund und katapultiert sich mit einem kräftigen Salto nach vorne.
Erstaunlich, aber wahr
Springschwänze gibt es seit 400 Millionen Jahren. Als Urinsekten gehören sie zu den ältesten am Land lebenden Tieren. Erstaunlich ist auch ihre Verbreitung, sie kommen auf der ganzen Welt in den unterschiedlichsten Lebensräumen vor, sogar auf der Wasseroberfläche, auf Schnee oder Gletschereis.
Merkmale
- 6 Beine
- 3-geteilter Körper (Kopf, Rumpf, Hinterleib)
- 2 Antennen
- kleine Tiere, keine Flügel
- Sprunggabel unter dem Körper
Ordnung
Springschwänze (Collembola)
Bevorzugter Lebensraum
Wald / Waldrand und -lichtungen
Dunkle Erdhummel
Die Erdhummel (Bombus terrestris) hat eine Länge von 15 bis 20 mm, ist schwarz behaart und hat je einen orangegelben Ring an der Vorderbrust und dem Hinterleib. Das Hinterende dieser Bestäuber ist weiß. Die Erdhummelkönigin unterscheidet sich durch ihre Größe vom übrigen Hummelvolk.
In ganz Europa sind Erdhummeln in Wäldern, grasigen Wiesenhängen, Gärten und Feldern vom Tiefland bis in die Berge anzutreffen.
Junge Königinnen werden erst auf dem Höhepunkt der Volksentwicklung gezeugt und sind bereits begattet. Sie überwintern in Erdlöchern und gründen im neuen Jahr (April) ein eigenes Volk, das aus 100 bis 600 Tieren besteht. Mit dem Tod der alten Bienenkönigin und des Volkes im Spätherbst ist deren Lebensjahr beendet.
Dunkler Wiesenknopf Ameisenbläuling
Der Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling (Phengaris nausithous) erreicht eine Flügelspannweite von 28 bis 33 mm. Die Weibchen haben eine dunkelbraune Flügeloberseite, bei den Männchen ist diese dunkelblau mit schwarzgrauem Rand, auf den Vorderflügeloberseiten sind schwarze Punkte. Bei beiden Geschlechtern sind die Flügelunterseiten graubraun mit bogenförmig gereihten, hell umrandeten schwarzen Punkten.
Die bevorzugten Lebensräume dieses Schmetterlings sind „Storchwiesen“ und verschiedene Feuchtwiesen, allerdings eher die trockeneren Randbereiche. In den Feuchtgebieten muss der Große Wiesenknopf (Sanguisorba officinalis) wachsen. Die Falter sind sehr standorttreu. Die Flugzeit der Schmetterlinge ist relativ kurz, von Mitte Juni bis Mitte August.
Die Raupen können den Nestgeruch der Ameisen imitieren. Sie überwintern in Ameisenbauten und ernähren sich von deren Larven, im Gegenzug produzieren sie ein zuckerhaltiges Sekret für die Ameisen – ein faszinierendes Nahrungsnetz. Nach dem Schlüpfen muss der Falter den Ameisenbau sehr schnell verlassen, da er sonst selbst zum Futter wird.
Edelgamander Netzwanze
Elegant und zierlich – die Edelgamander-Netzwanze (Copium clavicorne) präsentiert sich als wahre Schönheit unter den Insekten. Sie ist nur drei bis vier Millimeter groß, ihre Oberseite ziert ein feines Gittermuster und ihre dicken, keulenförmigen Fühler erscheinen in samtigen Schwarz. Ihren Stechrüssel trägt sie gut versteckt unter den Kopf geklappt.
Als reiner Vegetarier saugt sie ausschließlich an ihrer Lieblingspflanze – dem Edelgamander. Die Weibchen legen ihre Eier in die Blütenknospen der Pflanze ab. Die Pflanze reagiert mit einer blasig aufgetriebenen Blütengalle. Innerhalb dieser Galle entwickeln sich die Larven der kleinen Wanzen. Von mehreren Larven pro Galle verlässt tatsächlich immer nur ein einziges Tier die Galle. Doch was passiert mit den anderen? Kannibalismus!
Zu finden ist die kleine Schönheit nur dort, wo auch ihre rosarot blühende Nahrungspflanze vorkommt, vorzugweise an trockenen, warmen und sonnigen Standorten, wie zum Beispiel Kalkmagerrasen.
Erstaunlich, aber wahr
Wenn sich Wanzen bedroht fühlen, können sie sich mit einem Duftsekret einnebeln, um dadurch mögliche Angreifer abzuschrecken.
Merkmale
- 6 Beine
- 3-geteilter Körper (Kopf, Rumpf, Hinterleib)
- Deckflügel in häutigen und harten Teil unterteilt
- unter den Körper geklappter Rüssel
- Duftdrüsen
Ordnung
Schnabelkerfe (Hemiptera)
Unterordnung
Wanzen (Heteroptera)
Bevorzugter Lebensraum
Magerwiesen, Trockenrasen
Feuerwanze
Mit ihrer auffallenden schwarz und rot gezeichneten “Tracht” (Farbmusterung) ist diese Schönheit eine der wohl bekanntesten Arten unter den Wanzen. Sie ist zwischen 10–12 mm groß und hat eine langovale Gestalt mit flachem Oberkörper und gewölbter Unterseite. Der dreieckige Kopf, die Fühler und die Beine sind schwarz. Das Halsschild ist schwarz und rot umrandet. Markant sind die kreisrunden schwarzen Flecken auf den roten Flügeldecken.
Feuerwanzen (Pyrrhocoris apterus) sind sehr gesellige Tierchen, oft leben sie zu Hunderten gemeinsam mit ihren Larven am Fuße von Bäumen und Mauern in Parks, Gärten oder Alleen. Da die erwachsenen Tiere überwintern, kann man sie oft das ganze Jahr über entdecken. Im Frühjahr paaren sich Männchen und Weibchen indem sie sich Hinterleib an Hinterleib mit von einander abgewendeten Körpern zusammenhängen.
Danach werden ca. 100 Eier in der Laubstreu oder in selbst gegrabenen Erdhöhlen abgelegt. Sie sind überwiegend Pflanzenfresser und saugen bevorzugt an den Samen und Früchten von Linden und Malvengewächsen. Wird die Nahrung aber knapp, ernähren sie sich auch räuberisch.
Erstaunlich, aber wahr
Auch wenn die kleinen Krabbeltiere oft in Horden auftreten sind sie keine Schädlinge, sie beißen nicht, übertragen keine Krankheiten und schaden auch den Pflanzen nicht. Man kann sie höchstens zu den Lästlingen zählen.
Merkmale
- 6 Beine
- 3-geteilter Körper (Kopf, Rumpf, Hinterleib)
- Flügel bei 95 % der Tiere verkürzt – flugunfähig
- Saugrüssel in Ruhe nach unten an den Bauch geklappt
Ordnung
Schnabelkerfe (Hemiptera)
Unterordnung
Wanzen (Heteroptera)
Bevorzugter Lebensraum
Heckenlandschaften / Feldflur
Streuobstwiesen
Wald / Waldrand und -lichtungen
Weingärten
Gemeine Eintagsfliege
Lebt die Eintagsfliege (Ephemera vulgata) wirklich nur einen Tag? Nein! Die erwachsenen Tiere leben tatsächlich nur einen Tag bis zu maximal einer Woche, manche Arten sogar nur einige Minuten! Wozu? Richtig: Zur Fortpflanzung und Eiablage, aufs Fressen wird verzichtet, denn die erwachsenen Tiere besitzen keinen Verdauungstrakt mehr. Die Larven hingegen können mehrere Jahre in stehenden oder fließenden Gewässern leben und ernähren sich dort von feinsten Nahrungspartikeln.
Eintagsfliegen stehen ganz weit unten in der Nahrungskette und haben zahlreiche Fressfeinde. Bereits die Larven müssen sich vor Libellen- und Schwimmkäferlarven in Acht nehmen, außerdem sind sie ein appetitlicher Happen für Fische und Vögel. Als erwachsene Tiere warten Fledermäuse, Vögel, Libellen und Spinnen auf sie. Selbst wenn sie nach dem Hochzeitsflug tot ins Wasser fallen, freuen sich wiederum Wasserläufer oder Fische über den Leckerbissen.
Eintagsfliegen und deren Larven erkennst du übrigens am besten an den drei (selten auch zwei) langen, fadenförmigen Schwanzfäden und den zwei kurzen Fühlern am Kopf. Typisch für die erwachsenen Tiere sind die durchsichtigen, dreieckigen Flügel, die in Ruhe über den Körper gehalten werden.
Erstaunlich, aber wahr
Wie können Eintagsfliegen trotz so vieler Feinde überleben? Eintagsfliegen haben eine hohe Vermehrungsrate – ein einziges Weibchen legt etwa 5.000 Eier!
Merkmale
- 6 Beine
- 3-geteilter Körper (Kopf, Rumpf, Hinterleib)
- 4 Flügel: groß, durchsichtig, geädert
- 2 kurze Fühler
- 3 lange Schwanzfäden (meistens)
Ordnung
Eintagsfliegen (Ephemeroptera)
Bevorzugter Lebensraum
Fließgewässer und Auwald
Stehende Gewässer
Gemeiner Ohrwurm
Nein, Ohrwürmer (Forficula auricularia) kriechen nicht in der Nacht heimlich ins Ohr, um dort das Trommelfell zu durchbeißen und ihre Eier ins Gehirn zu legen. Solche Geschichten sind Erfindungen. Tatsächlich sind Ohrwürmer für den Menschen absolut harmlos. Die bedrohlich wirkenden Zangen am Hinterleib setzen die Tiere lediglich bei ihrer Jagd nach kleinen Insekten, zur Paarung oder zur Flügelentfaltung ein.
Ohrwürmer sind heimliche Nützlinge mit großem Hunger: Sie sind Allesfresser und dabei nicht wählerisch. Sie fressen pflanzliches Material, organischen Abfall und kleine Insekten, darunter massenhaft Schädlinge wie Blattläuse oder Milben. Ein einziges Tier kann in einer Nacht bis zu 120 Blattläuse fressen – die Gemeinen Ohrwürmer sind also für uns Menschen sehr nützlich. Die ein bis zwei Zentimeter großen Tierchen verstecken sich tagsüber gerne in kleinen Ritzen und Spalten und kommen meist erst in der Nacht zum Vorschein.
Die Schauer-Geschichten mit den Eiern sind nur erfunden, die Weibchen legen ihre Eier in selbstgegrabenen Röhren in den Erdboden. Danach beschützen sie die Eier und bleiben auch noch mit den geschlüpften Larven für einige Zeit im Nest.
Erstaunlich, aber wahr
Der Name Gemeiner Ohrwurm ist irreführend, er ist weder gemein, noch gehört er zu den Würmern. Wie sein Körperbau verrät, zählt der Ohrwurm zu den Insekten. „Gemein“ ist er im Sinne von häufig und weit verbreitet.
Merkmale
- 6 Beine
- 3-geteilter Körper (Kopf, Rumpf, Hinterleib)
- 2 lange Fühler
- 2 sehr kurze, verhärtete Vorderflügel
- 2 häutige, eingefaltete Hinterflügel
- langgestreckter Hinterleib
- 2 zangenartige Hinterleibsanhänge
Ordnung
Ohrwürmer (Dermaptera)
Bevorzugter Lebensraum
Heckenlandschaften / Feldflur
Magerwiesen, Trockenrasen
Streuobstwiesen
Wald / Waldrand und -lichtungen
Goldglänzender Laufkäfer
Aufgrund seiner prächtigen, metallisch glänzenden Färbung ist der schlanke Käfer einer der schönsten in unseren Breiten. Der Käfer erreicht eine Größe von 18–32 mm. Besonders auffallend ist der rötlich bis kupfern gefärbte Halsschild. Die Deckflügel weisen kräftige, dunkle Längsrippen auf, dazwischen ist die Oberfläche gekörnt. Die Schenkel sind rot-orange gefärbt, ansonsten sind die Beine schwarz. Auch seine langen Fühler sind schwarz, nur das erste der insgesamt elf Glieder ist rot-orange.
Der Goldglänzende Laufkäfer (Carabus auronitens) ist überwiegend nachtaktiv und wie die meisten Laufkäfer sehr flink. Er erbeutet seine Nahrung, andere Insekten, Schnecken und Würmer räuberisch. Auch die Larven machen Jagd auf Schnecken und Würmer. Sie kommen in feuchten und kühlen Laub- und Mischwäldern vor, in höheren Lagen auch auf unbewaldeten Gebieten. Man findet sie in Totholz, unter loser Rinde oder im Moos. Verwechselt wird er oft mit dem Goldlaufkäfer (Carabus auratus), der vom Kopf bis zu den Deckflügel grüngolden gefärbt ist und die ersten vier Glieder der Fühler rötlich sind.
Erstaunlich, aber wahr
Wegen seines Beutespektrums ist der Goldglänzende Laufkäfer als natürlicher Schädlingsbekämpfer gerne im Garten gesehen. Einige Laufkäferarten fressen u.a. auch die Larven von Kartoffelkäfern. Eine weitere ähnliche Art ist der Heidelaufkäfer (Carabus nitens), der neben der goldgrünen Färbung rote Seitenränder aufweist.
Merkmale
- 6 Beine
- 3-geteilter Körper (Kopf, Rumpf, Hinterleib)
- Flinke Läufer (meist flugunfähig)
- lebt räuberisch, von Schnecken, Würmern und kleinen Insekten
Ordnung
Käfer (Coleoptera)
Unterordnung
Laufkäfer (Carabidae)
Bevorzugter Lebensraum
Wald / Waldrand und -lichtungen
Gottesanbeterin
Der Name Gottesanbeterin beruht auf der typischen Haltung der Beine, die an einen ins Gebet vertieften Menschen erinnert. Bigotterie! In Wahrheit ist sie nämlich ein männermordendes Monster, denn das Weibchen frisst das Männchen bei der Paarung auf. Richtig? Ein Faktencheck.
Gefräßige Kampfkünstlerin
Viele kennen sie, auch wenn wenige die Gottesanbeterin in natura schon gesehen haben. Ihre Berühmtheit gründet vor allem auf ihrem spektakulären Paarungsverhalten. Schon Naturwissenschaftler aus dem 19. Jahrhundert, wie Jean-Henri Fabre und Alfred Brehm, beobachteten bei der Paarung von Gottesanbeterinnen einen weiblichen Kannibalismus. Noch während der Paarung beginnt das Weibchen dem Männchen den Kopf abzubeißen und diesen bzw. auch den Rest des Männchens als „Mittagslunch“ zu verzehren. Das Männchen, wie häufig in der Liebe schon völlig kopflos, lässt sich beim Paarungsakt nicht stören und macht weiter – bis zum bitteren Ende.
Neuere Untersuchungen rehabilitieren den Ruf der Gottesanbeterinnen allerdings beträchtlich. Dieser „wissenschaftliche Mythos“ ist weitgehend falsch. Zwar kann es von Zeit zu Zeit vorkommen, dass die Weibchen ihre Männchen beim Paarungsakt verspeisen, das passiert allerdings fast ausschließlich in Gefangenschaft und viel seltener als bisher angenommen. In den meisten Fällen führen Männchen und Weibchen ein Balzritual durch, ähnlich einem Tanz, das die Männchen vor dem Gefressenwerden schützt.
Im fernen China ist die Gottesanbeterin (wissenschaftlich heißt die Familie Mantidae) aus einem anderen Grund ein Star. Die traditionelle Form des Mantis-Kung-Fu‘s geht der Legende nach auf einen Kung Fu-Meister zurück, der einen Kampf einer Gottesanbeterin mit einem viel größeren Insekt beobachtete. Die Mantis gewann. Der Meister kopierte ihre Art zu kämpfen und wurde beinahe unschlagbar. Heute ist das Mantis-Kung Fu immaterielles Kulturerbe der Volksrepublik China.
Manche mögen’s heiß
Noch vor rund 30 Jahren galt die Europäische Gottesanbeterin in Österreich als extrem selten. Sie ist jedoch eher eine Sonnen- als Gottesanbeterin und mag deswegen warmes, trockenes Wetter. Die in den letzten Jahrzehnten merkbare Klimaveränderung mit den milderen Wintern und den heißer werdenden Sommern, hat sich für die einzige heimische Fangschrecke positiv bemerkbar gemacht. Sie kann sich mehr und mehr ausbreiten und „Land gewinnen“.
Allerdings ist sie, was ihren Lebensraum betrifft, wählerisch. Nicht jede Wiese wird von ihr als neue Heimat angenommen. Trockenwarme, insektenreiche, halboffene Magerwiesen mit zum Teil eingestreuten Buschwerk und Hecken sind ihre Jagdreviere und Entwicklungsnischen. Ohne diese reich strukturierte Kulturlandschaft gäbe es vieles nicht, was sie zum Leben braucht.
Allen voran können dort unterschiedliche andere Insekten gefunden werden, die mit den zu Fangapparaten umgewandelten Vorderbeinen erfasst und gefressen werden. Schon die Larven der Gottesanbeterin sind große Räuber und halten nichts von vegetarischer Kost. So wird im Leben einer Gottesanbeterin eine beträchtliche Zahl an möglichen Schadinsekten erbeutet und so ein wertvoller Beitrag zum ökologischen Gleichgewicht erbracht.
Auch Wiesen durchziehende Hecken sind für das Vorkommen dieses außergewöhnlichen Insekts von Bedeutung. Wenige Tage nach der Paarung legen die Weibchen mehrere etwa 4 cm lange Eikokons an Zweigen und höher stehenden Gräsern und krautigen Pflanzen in selten gemähten, heckennahen Randbereichen ab. Dort verbleiben diese über den Winter. Im Frühjahr schlüpfen dann aus jedem dieser Eigelege mehr als 100 Jungtiere und das Fressen und Gefressenwerden beginnt von vorne.
Große Schwarze Fichtenrindenlaus
Klein und ganz schön süß – die pechschwarze Rindenlaus (Cinara piceae) hält sich am liebsten an der Unterseite von Ästen und Stämmen der Fichte auf. Hier finden sich die Tiere zu großen Kolonien zusammen, denn ein Festmahl erwartet die kleinen Läuse dort. Mit ihren Saugrüsseln stechen sie die Rinde des Baumes an, um an den süßen Pflanzensaft zu gelangen. Dabei nehmen die kleinen Läuse viel mehr Zucker auf, als sie gebrauchen können. Der überschüssige Teil wird in Form von süßen Tropfen, dem so genannten Honigtau, wieder ausgeschieden. Damit profitieren auch andere Tiere vom Festmahl, wie zum Beispiel die Honigbiene, für die der Honigtau eine wichtige Nahrungsquelle im Wald ist. Die Honigbiene sammelt die süßen Tropfen und macht daraus den Waldhonig, somit haben auch wir etwas davon.
Wenn du die Läuse genau beobachtest, wirst du erkennen, dass es Tiere mit und ohne Flügel gibt. Die Männchen besitzen keine Flügel, die Weibchen können geflügelt oder ungeflügelt sein. Die Schwarze Fichtenrindenlaus vermehrt sich sehr rasant, denn sie kann sich auch ungeschlechtlich fortpflanzen. Die Weibchen können sich klonen.
Erstaunlich, aber wahr
Waldameisen halten Blattläuse wie Milchkühe! Sie betreuen sie, schützen sie vor Feinden und tragen sie sogar an bessere Futterstellen. Im Gegenzug dürfen die Ameisen die Blattläuse „melken“ und erhalten somit den süßen Honigtau.
Merkmale
- 6 Beine
- 3-geteilter Körper (Kopf, Rumpf, Hinterleib)
- lange Fühler
- meistens ungeflügelt, Weibchen manchmal mit Flügeln
Ordnung
Schnabelkerfe (Hemiptera)
Unterordnung
Pflanzenläuse (Sternorrhyncha)
Überfamilie
Blattläuse
Familie
Baumläuse
Bevorzugter Lebensraum
Wald / Waldrand und -lichtungen
Große Schwebfliege
Ein Schaf im Wolfspelz! Das schwarzgelb gestreifte Insekt sieht auf den ersten Blick wie eine Wespe aus. Und das ist auch der Trick der Großen Schwebfliege (Syrphusribesii): Mit ihrer Warnfärbung ahmt sie eine wehrhafte Wespe nach und vermittelt damit ihren Angreifern: „Achtung, ich kann stechen!“. Die große Schwebfliege tut aber nur so, denn sie besitzt nicht einmal einen Stachel und ist absolut harmlos.
Bei genauerem Betrachten erkennt man auch den Unterschied: Die Schwebfliege besitzt keine Wespentaille und hat viel größere Augen. Sie gehört zu den Zweiflüglern, zu denen auch die Fliegen, Mücken und Gelsen gehören. Sie hat zwei große, leicht bräunlich getönte, durchsichtige Flügel. Das zweite Flügelpaar ist wie bei allen Fliegen zu winzigen Stummeln verkümmert – den so genannten Schwingkölbchen.
Die erwachsenen Schwebfliegen ernähren sich von Nektar und Pollen. Sie gehören neben den Bienen zu unseren wichtigsten Bestäubern. Auch die räuberischen Larven sind sehr nützlich. Als wahrhafter Vielfraß kann eine einzige Larve bis zu 150 Blattläuse pro Tag fressen.
Erstaunlich, aber wahr
Die Große Schwebfliege ist eine Künstlerin der Lüfte: Wie ein Kolibri kann sie elegant in der Luft stehen, blitzartig die Richtung wechseln und ausgezeichnet vorwärts und rückwärts fliegen. Besonders eifrige Schwebfliegen-Arten fliegen sogar wie Zugvögel im Herbst mehrere tausend Kilometer in den warmen Süden, andere wiederum überwintern auch bei uns.
Merkmale
- 6 Beine
- 3 geteilter Körper (Kopf, Rumpf, Hinterleib)
- 2 Flügel (statt wie sonst bei Insekten 4), da die Hinterflügel zu Schwingkölbchen umgewandelt sind
Ordnung
Zweiflügler (Diptera)
Bevorzugter Lebensraum
Magerwiesen, Trockenrasen
Streuobstwiesen
Weingärten
Grüne Zwergzikade
Dieser kleine blaugrüne Zwerg ist eine Zikade und gehört zu den Schnabelkerfen, damit ist er eng verwandt mit den Wanzen und Pflanzenläusen. Zikaden haben eine ganz typische Flügelhaltung, sie erinnert in Ruhestellung an ein Dach.
Die Grüne Zwergzikade (Cicadella viridis) wird nur 5 bis 9 mm groß. Die Männchen glänzen mit einer besonders intensiven blauen Flügelfärbung. Die Grüne Zwergzikade singt Liebeslieder, wie es auch ihre großen Verwandten am Mittelmeer tun, die Singzikaden. Allerdings ist sie zu klein, um Schall erzeugen zu können. Daher bringt sie den Grashalm, auf dem sie sitzt, zum Schwingen. Da sich die „Ohren“ bei diesen Tierchen an den Beinen befinden, können die umworbenen Partner, wenn sie am gleichen Halm sitzen, diese Gesänge sehr gut „hören“.
Zwergzikaden sind ein wichtiges Glied in der Nahrungskette. Während sie selbst mit speziell gebauten stechend-saugenden Mundwerkzeugen Pflanzensäfte „trinken“, sind sie zugleich eine lohnende Beute für viele Räuber, wie Vögel, Reptilien und Gliederfüßer. Glücklicherweise kommen ihnen da die Ameisen zu Hilfe, manche bewachen und pflegen die kleinen Zwerge, als Dankeschön bekommen sie süßen Honigtau geschenkt.
Erstaunlich, aber wahr
Zikaden sind Weltmeister im Hochsprung! Im Verhältnis zur eigenen Körpergröße kann kein anderes Insekt so hoch und weit springen – einige Arten schaffen das 100-fache ihrer Körpergröße. Umgerechnet auf einen erwachsenen Menschen, müsste dieser aus dem Stand knapp 200 m weit springen können.
Merkmale
- 6 Beine
- 3-geteilter Körper (Kopf, Rumpf, Hinterleib)
- Vorderflügel dachartig über dem Hinterleib
- unter den Kopf geklappter Rüssel
- sehr gutes Sprungvermögen
Ordnung
Schnabelkerfe (Hemiptera)
Unterordnung
Zikaden (Auchenorrhyncha)
Bevorzugter Lebensraum
Feuchtwiesen und Moore
Grünes Heupferd
Das bis zu 4 cm große Grüne Heupferd (Tettigonia viridissima) ist unsere größte heimische Heuschrecke. Ihre hinteren Beine sind zu mächtigen Sprungbeinen umgewandelt. Am Kopf befinden sich lange, schnurartige Fühler. Das Weibchen ist am langen Legestachel zu erkennen, mit dem es die Eier – mehrere Hundert auf einmal – in den Boden legt. Aus den Eiern schlüpfen erst nach zwei Jahren die Larven. Diese sehen bereits ihren Eltern sehr ähnlich, nur die Flügel fehlen. Die Winzlinge häuten sich mehrmals, da die Haut nicht mitwachsen kann.
Im Gegensatz zu einigen seiner Verwandten, die massenhaft Pflanzen fressen, ernährt sich das Grüne Heupferd hauptsächlich von Insekten und deren Larven, wie Fliegen, Raupen und Blattläuse – es ist also sehr nützlich. Der große Räuber besitzt dafür kräftige Mundwerkzeuge. Gelegentlich verspeist der Nützling auch schwache oder verletzte Artgenossen.
Beobachten kannst du das Grüne Heupferd am besten auf der Wiese, auf der du das Zirpen der Männchen schon von weitem hören kannst. Das Grüne Heupferd ist ein Langschläfer und fängt erst am Nachmittag zu singen an, dafür aber bis tief in die Nacht hinein. Der Gesang wird übrigens durch das Reiben der Flügel erzeugt.
Erstaunlich, aber wahr
Das Grüne Heupferd hört mit seinen Füßen! Auf den Vorderbeinen befinden sich die Gehörorgane, die ähnlich wie das Trommelfell im Ohr des Menschen funktionieren.
Merkmale
6 Beine
3-geteilter Körper (Kopf, Rumpf, Hinterleib)
lange Hinterbeine
arttypischer Gesang (mit Flügeln und Beinen)
Ordnung
Heuschrecken (Orthoptera)
Bevorzugter Lebensraum
Heckenlandschaften / Feldflur
Magerwiesen, Trockenrasen
Streuobstwiesen
Weingärten
Hirschkäfer
Majestätisch und mächtig, aber auch etwas gefährlich sieht er aus, der schwarzbraune Hirschkäfer (Lucanus cervus) mit seinem imposanten Geweih am Kopf. Mit bis zu 9 cm Körperlänge ist er ein richtiger Gigant und eine Schönheit unter den heimischen Käfern. Die Geweihe tragen nur die Männchen, die sie aber lediglich für Kämpfe mit ihren Rivalen und zum Festhalten der Weibchen bei der Paarung einsetzen.
Bei diesen Kämpfen versuchen die Käfermännchen herauszufinden, wer der Stärkere ist. Ziel ist es, den Gegner vom Baum zu stoßen. Als Gewinn wartet das Weibchen und eine leckere Stelle mit Eichensaft, die Lieblingsmahlzeit des Hirschkäfers. Zum Saugen des Saftes besitzen die Käfer speziell ausgebildete Mundwerkzeuge, die an einen kleinen, gefiederten, gelben Pinsel erinnern.
Die Weibchen legen ihre Eier an morsche Wurzelstöcke der Eiche ab. Daraus schlüpfen weiße Larven, die bis zu 10 cm groß werden können. Sie ernähren sich von feuchtem und morschem Holz. Zu beobachten sind die erwachsenen Hirschkäfer vor allem an lauen Juli-Abenden, wenn sie brummend durch die Lüfte auf der Suche nach einer Eiche fliegen. Leider sind sie mittlerweile selten und stehen deshalb unter Schutz.
Erstaunlich, aber wahr
Ein betrunkener Hirschkäfer torkelt umher – das kann tatsächlich vorkommen! Manchmal befinden sich Bakterien an den Baumwunden, die den Zucker im Eichensaft zersetzen und zu Alkohol umwandeln. Der nichtsahnende Hirschkäfer trinkt dann den gegärten Saft und wird versehentlich rauschig.
Merkmale
6 Beine
3-geteilter Körper (Kopf, Rumpf, Hinterleib)
feste, gefärbte Deckflügel
meist deutliche Beißwerkzeuge
Ordnung
Käfer (Coleoptera)
Bevorzugter Lebensraum
Wald / Waldrand und -lichtungen
Honigbiene
16 Stunden am Tag Putz- und Bautätigkeit, Kinderbetreuung, Außendienst, Transport von Lasten mit der eigenen Körperkraft im Ausmaß eines Drittels des eigenen Körpergewichts. Würden sie diesen Job annehmen? Die Honigbiene schon!
3.000 Kilometer für ein Honigbrot
Das ganze Leben einer Honigbiene gleicht einer Arbeitsmaschine. Je nach Alter übernimmt sie unterschiedliche Aufgaben wie Putzen, Larven füttern, Wabenbau, Heizen, Kühlen, Wasser sammeln, Nektar sammeln, Nektar eindicken, Pollen sammeln und Propolis sammeln. Für einen Kilo Honig müssen Bienen vier Mal um die Erde fliegen. Damit der Honig zähflüssig wird muss er mehrmals aus den Zellen herausgesaugt und durch züngeln mit dem Rüssel, wodurch das Wasser verdunstet wird, eingedickt werden. Diesen Vorgang nennt man „Umtragen“. Am Ende ist die Zuckerkonzentration so hoch, dass der Honig wasseranziehend wirkt. Deswegen wirkt er auch desinfizierend, weil er aus Mikroorganismen das lebenswichtige Wasser herauszieht und diese nicht mehr leben können. Beim Umtragen wird der Honig mit wertvollen Enzymen, anderen Eiweißmolekülen und Säuren versetzt. Sommerbienen sind groß und stark, leben aber nicht lange. Winterbienen sind kleiner, kommen ab dem Sommer zur Welt und leben bis zu sechs Monaten um mit der Königin, die bis zu sechs Jahre alt werden kann, zu überwintern. Dazu bildet das ganze Volk eine sogenannte Traube, in der alle Bienen dichtgedrängt aneinander sitzen und während sie langsam über die mit honiggefüllten Waben wandern davon naschen und aktiv Wärme produzieren. Wenn die Körpertemperatur einer Biene unter 9°C fällt, verfällt sie in eine Starre und kann sich nicht mehr bewegen. Daher wandern Bienen die außen an der Traube sitzen nach einer gewissen Zeit nach innen, um sich wieder aufzuwärmen. Ab dem Frühjahr legt die Königin bis zu 2000 Eier am Tag – wie viel man wohl einem Huhn zu fressen geben müsste, damit es so viele Eier am Tag legt? Da die Sommerbienen nur ca. einen Monat alt werden, müssen dementsprechend viele Junge, und das können bis zu 200.000 pro Jahr sein, nachkommen, damit ausreichend Bienen da sind, um die anfallenden Arbeiten zu übernehmen.
Wie ist das mit den Blumen und den Bienen?
Damit der weibliche Stempel von Blüten mit dem männlichen Pollen von anderen Blüten befruchtet wird, haben Pflanzen unterschiedliche Strategien entwickelt. Manche bilden große Mengen an kleinen, leichten Pollen und lassen diese vom Wind vertragen. Diesen Pollen sammeln die Bienen als wichtiges Eiweißfutter für ihre Larven. Besonders im Frühjahr, wenn sich das Volk stark vermehrt sind daher typische Sträucher von Hecken wie Haseln und Weiden aber auch blühendes Beerenobst besonders wichtig für Bienenvölker. Wenn Pollen nicht vom Wind vertragen werden kann, brauchen die Pflanzen dazu Insekten. Diese locken sie mit zartem Duft und leckerem Blütennektar an. Große bunte Blütenblätter signalisieren den Bienen schon von weitem: „Hier bin ich und ich habe etwas für dich“.
Bienen sind blütenstet und besuchen solange dieselbe Art von Blüten, bis keine blühenden mehr zu finden sind. Auf diese Weise sind sie besonders effektive Bestäuber, weil sie immer den richtigen Pollen mit zur nächsten Blüte nehmen. Wenn Bienen in der Nähe von Streuobstgärten wohnen und die Temperaturen zur Blütezeit warm genug sind, dann steigert sich der Ertrag dadurch enorm und so kommt es, dass manche Apfel- und Birnbäume im Herbst zum Bersten voll mit leckeren Früchten sind. Fast alle heimischen Obstsorten werden von Bienen bestäubt. Einen optimalen Lebensraum für Bienen, stellen artenreiche Fettwiesen dar. Nach den zeitig im Frühjahr blühenden Pollenlieferanten und Obstbäumen, bieten diese bunten Wiesen das restliche Jahr über ausreichend Nahrung für die Honigbiene. Auch viele Laubbäume wie Ahorn und Linden sind wertvolle Nektarlieferanten. Besonders Laubmischwälder mit Edelkastanienbäumen liefern uns eine ganz besondere Geschmacksnote in so manchem Honig, welcher etwa in einem Honigreingerl zur wahren Gaumenfreude wird.
Kaisermantel
Schmetterlinge sind flatterhafte Kunstwerke der Natur. Ihre Flügel gehören zu den faszinierendsten Farbenspielen im Reich der Insekten. Die Farbe der Flügel entsteht durch rund eine Million ganz feiner Farbschuppen, die dachziegelartig angeordnet sind.
Beim majestätischen Kaisermantel (Argynnis paphia) leuchten sie in kräftigem Orange. Ein Muster aus braunen Flecken und Streifen ziert zusätzlich die Oberseite der Flügel. Auf der graugrün schillernden Unterseite der Hinterflügel erstreckt sich ein schmales, silbriges Band. Auf der Flügeloberseite der Männchen befinden sich Duftschuppenstreifen. Dies sind besondere Schuppen, durch die diese Schönheit mit Hilfe von Drüsen einen Duftstoff abgeben kann – zum Anlocken von Weibchen. Die Weibchen sind etwas dunkler als die Männchen und wirken oft grünlicher.
Der Kaisermantel ist mit einer Flügelspannweite von bis zu 65 mm einer der größten Tagfalter Europas. Er ist an sonnigen Waldrändern, blütenreichen Waldlichtungen und waldnahen Wildwiesen zu beobachten. Seine Raupen sind dunkelbraun gefärbt mit braun-orangen Dornen und zwei schmalen, gelben Linien am Rücken. Vorzugsweise sind sie an der Blattunterseite von Veilchen, ihrer Lieblingsnahrung, zu finden.
Erstaunlich, aber wahr
Die Weibchen des Kaisermantels legen ihre Eier in Ritzen der Rinde von Baumstämmen ab, in deren Nähe Veilchen wachsen. Dabei flattert das Weibchen spiralförmig um den Baumstamm und legt im Abstand von einem halben bis einen Meter je ein Ei ab.
Merkmale
6 Beine
3-geteilter Körper (Kopf, Rumpf, Hinterleib)
4 große (bunte) beschuppte Flügel
einrollbarer Saugrüssel
lange Fühler
Ordnung
Schmetterlinge (Lepidoptera)
Bevorzugter Lebensraum
Wald / Waldrand und -lichtungen
Lederlaufkäfer
Der Lederlaufkäfer (Carabus coriaceus) ist mit 30 bis 40 mm Körpergröße ein Riese unter den heimischen Laufkäfern. Er ist mit seinen kräftigen Beinen, großen Mundwerkzeugen und langen Antennen ein schneller Läufer und flinker Räuber. Geschützt durch einen harten Chitinpanzer, der wie eine Ritterrüstung wirkt, macht der tiefschwarze Käfer den Waldboden unsicher.
Er gilt als gefährlicher und gefräßiger Räuber – aber keine Angst, nur für Schnecken, Regenwürmer und Insekten. Der robuste Jäger und seine Larven leisten einen wichtigen Beitrag in der Nahrungskette und verspeisen pro Tag ungefähr das Dreifache ihres eigenen Körpergewichtes, darunter gelegentlich auch Aas und Obst.
Vögel oder Fledermäuse, die wiederum seine Fressfeinde sind, lassen sich dagegen von seinem harten Panzer nicht aufhalten. Doch auch hier hat der elegante Käfer eine Strategie entwickelt: Bei Bedarf spritzt er ein übelriechendes Sekret aus seinen Hinterleibsdrüsen, das seinen Feinden den Appetit verdirbt.
Der Name Lederlaufkäfer kommt übrigens von seinen lederartig gerunzelten Flügeldecken. Zu finden ist der nachtaktive Käfer vor allem in feuchten Wäldern, unter Steinen, Totholz oder Moos, wo er sich tagsüber versteckt.
Erstaunlich, aber wahr
Laufkäfer können zu ihrer Verteidigung übelriechende, brennende Sekrete abfeuern und dabei bis auf einen Meter Entfernung genau zielen. Der Bombardierkäfer, eine spezielle Laufkäfer-Art, kann darüber hinaus auf seine Feinde explosionsartig und mit lautem Knall einen ätzenden und 100°C heißen Chemiecocktail schießen.
Merkmale
6 Beine
3-geteilter Körper (Kopf, Rumpf, Hinterleib)
feste, gefärbte Deckflügel
meist deutliche Beißwerkzeuge
Ordnung
Käfer (Coleoptera)
Bevorzugter Lebensraum
Wald / Waldrand und -lichtungen
Rote Waldameise
Die Rote Waldameise (Formica rufa) ist ein hervorragender Baumeister: Aus Erde und Pflanzenteilen baut sie riesige Nester, die „Ameisenhügel“, die bis zu zwei Meter hoch sein können – dabei liegt der größte Teil des Nests unterirdisch! Eine erstaunliche Leistung, wenn man bedenkt, dass die kleinen Insekten nur rund sechs Millimeter groß sind.
Eines der Geheimnisse der Ameisen lautet dabei: Team-Work. Gemeinsam bilden sie Völker mit 200.000 bis zwei Millionen Ameisen. Für einen reibungslosen Ablauf sorgt eine genaue Arbeitsteilung. Jede Ameise weiß, was sie zu tun hat.
Der Ameisenhügel selbst besteht aus zahlreichen Kammern und Gängen, die sich unterirdisch fortsetzen. An der Erdoberfläche verlaufen vom Ameisenhügel ausgehend die sogenannten „Ameisenstraßen“, Duftstoffe markieren dabei den „Straßenverlauf“.
Rote Waldameisen tragen als nützliche Helfer zum ökologischen Gleichgewicht im Wald bei: Als gefräßige Räuber verspeisen sie unzählige Insekten, deren Larven und Spinnentiere, darunter auch massenhaft Forstschädlinge. Sie fressen Aas und kranke Tiere und verbreiten den Samen von Pflanzen. Durch ihren Nestbau sorgen sie für den Abbau von Laub und Holz, lockern damit den Boden auf und fördern die Humusbildung.
Erstaunlich, aber wahr
Rote Waldameisen verteidigen sich, indem sie ihren Feind mit ihren kräftigen Mundwerkzeugen beißen und danach eine Säure in die Wunde spritzen. Das kann auch für uns Menschen unangenehm bis schmerzhaft sein – also bitte nicht verärgern.
Merkmale
6 Beine
3-geteilter Körper (Kopf, Rumpf, Hinterleib)
Wespentaille zwischen Rumpf und Hinterleib
kräftige Mundwerkzeuge
4 Flügel (Geschlechtstiere) oder flügellos
Ordnung
Hautflügler (Hymenoptera)
Familie
Ameisen (Formicidae)
Bevorzugter Lebensraum
Wald / Waldrand und -lichtungen
Schachbrettfalter
Eine zarte Schönheit mit einem hübschen schwarz-weißen Muster auf ihren Flügeln, das an ein Schachbrett erinnert – das ist der Schachbrettfalter (Melanargia galathea). Lange fadenförmige Fühler zieren den Kopf des kleinen Edelfalters. Sie sind die wichtigsten Sinnesorgane des Schmetterlings, mit ihnen kann er riechen, schmecken und seine Lieblingsblumen finden.
Er liebt violette Blumen, wie die Flockenblume, Kratzdistel oder Skabiose. Mit seinem langen Saugrüssel gelangt er auch in die tiefsten Blütenkelche. Hat er fertig getrunken, rollt er den Rüssel ein und auf geht’s zur nächsten Blume. Dabei bleibt der Pollen an seinem Körper hängen, so leistet der kleine Schmetterling einen wertvollen Beitrag für die Bestäubung von Blütenpflanzen.
Die Weibchen lassen die Eier übrigens einfach zu Boden fallen. Aus diesen schlüpfen die rosafarbenen Raupen, die vorerst gut geschützt im Gras überwintern. Erst im nächsten Frühjahr beginnen sie an verschiedenen Gräsern zu fressen, mittlerweile sind die Raupen graubraun oder grün gefärbt und dicht behaart. Satt gefressen verpuppen sie sich an Grashalmen – bis nach einigen Wochen daraus die fertigen Schmetterlinge schlüpfen.
Erstaunlich, aber wahr
Sterben Schmetterlinge, wenn man sie berührt? Die Flügel eines Schmetterlings sind mit tausenden, hauchzarten Schuppen bedeckt. Berührt man sie, bleiben tatsächlich einige dieser Schuppen auf den Fingern zurück. Der Schmetterling kann trotzdem weiterfliegen. Da aber die Schuppen für den Auftrieb beim Fliegen verantwortlich sind, ist beobachten immer besser als berühren.
Merkmale
6 Beine
3-geteilter Körper (Kopf, Rumpf, Hinterleib)
4 große (bunte) beschuppte Flügel
einrollbarer Saugrüssel
lange Fühler
Ordnung
Schmetterlinge (Lepidoptera)
Bevorzugter Lebensraum
Magerwiesen, Trockenrasen
Streuobstwiesen
Weingärten
Schwalbenschwanz
Beim Schwalbenschwanz (Papilio machaon) ist die Flügeloberseite schwarz-gelb gefärbt. An den Hinterflügeln befinden sich eine blaue Binde und ein roter Augenfleck. Auffallend ist der schwanzartige Fortsatz an jedem Hinterflügel, der an die verlängerten Schwanzfedern der Rauchschwalbe erinnert und namensgebend für diese Schönheit ist. Die unbehaarten Raupen haben eine grüne Grundfärbung mit schwarzen und orangen Zeichnungselementen.
In den vielen trockenen Magerwiesen des Naturparks kommt der Schwalbenschwanz zahlreich vor. Besonders häufig treffen sich die Falter auf Hügelkuppen zur Geschlechterfindung („Hilltopping“). Der Falter überwintert als Puppe, pro Jahr fliegen mindestens zwei Generationen. Bei günstiger Witterung kann noch eine
3. Generation im September fliegen. Die Raupen fressen an verschiedenen Doldenblütlern.
Segelfalter
Segelfalter (Iphiclides podalirius) gehören zur Familie der Ritterfalter und haben eine Flügelspannweite von 50 bis 70 mm. Die Flügel sind blassgelb mit einem schwarzen Streifenmuster, welches sich optisch von den Vorderflügeln auf die Hinterflügel fortsetzt. Typisch sind außerdem die blauen Randmonde mit dem blauschwarzen, rot gerandeten Augenfleck am Innenwinkel. Die Raupe der Segelfalter ist grün oder gelblich gefärbt und hat einen feinen, gelben Längsstreifen so wie rote Punkte. Sie wird bis zu 40 mm lang.
Segelfalter findet man auf Krüppelschlehen in warmen, offenen Gebieten wie Halbtrockenrasen und Trockenrasen. Dort können diese Bestäuber zwischen Mai und August beobachtet werden.
Die Falter sammeln sich an Bergkuppen für ihren Balzflug, das so genannte „Hilltopping“. Sie haben einen hohen Raumanspruch und benötigen daher ein dichtes Netz an Teilhabitaten mit den bevorzugten Futterpflanzen Schlehe, Zwetschge und Eingriffliger Weißdorn. Der Verlust dieser strukturreichen Lebensräume führt in Mitteleuropa fast überall zu stark rückläufigen Beständen der Art.
Silberfischchen
Ein nicht gern gesehener, aber durchaus nützlicher Gast! Klein, flink und metallisch glänzend huscht das Silberfischchen (Lepisma saccharina) über den Boden im Badezimmer. Sein stromlinienförmiger Körper ist mit silbergrauen Schuppen bedeckt. Am Kopf trägt es zwei lange, fadenförmige Fühler. Am Hinterleib befinden sich drei weitere fühlerähnliche Anhänge. Alle fünf Fühler helfen dem kleinen Insekt beim Tasten und Fühlen. Das Silberfischchen ist nämlich nachtaktiv und äußerst lichtscheu.
Der Bodenbewohner bevorzugt Wärme und eine hohe Luftfeuchtigkeit, diese Bedingungen findet er oft in Küchen, Bädern, Toiletten oder Kellern vor. Dort versteckt er sich tagsüber in dunklen Ritzen und Fugen. Erst wenn es dunkel ist, begibt er sich auf Nahrungssuche.
Das kleine Insekt ist sehr genügsam, hat aber eine Vorliebe für Zucker und Stärke, aber auch Leim, lose Haare und Hautschuppen, Bucheinbände, Schimmelpilze sowie Hausstaubmilben schmecken ihm besonders gut. Gibt es einmal nichts zu fressen, ist das kein Problem – das Silberfischchen kann mehrere Monate ohne Nahrung auskommen.
Silberfischchen sind weder Schädlinge noch Krankheitsüberträger. Allerdings ist ein extremer Befall ein Warnsignal, denn er deutet auf ein Feuchtigkeitsproblem und einen Schimmelbefall im Haus hin.
Erstaunlich, aber wahr
Silberfischchen gehören zu den ursprünglichsten Insekten und sind lebende Fossilien. Sie existieren seit mindestens 300 Millionen Jahren und waren damit schon vor den Dinosauriern auf der Erde.
Merkmale
6 Beine
3-geteilter Körper (Kopf, Rumpf, Hinterleib)
2 lange, fadenförmige Fühler
3 Schwanzanhänge
keine Flügel
Ordnung
Fischchen (Zygentoma)
Bevorzugter Lebensraum
Streuobstwiesen
Wald / Waldrand und -lichtungen
Weingärten
Steinhummel
Gemütlich fliegt ein kleines, samtig-schwarzes, etwas pummelig wirkendes Insekt mit einem leuchtend roten Hinterteil von Blüte zu Blüte – es ist eine Steinhummel (Bombus lapidarius). Gemeinsam mit unseren anderen heimischen Hummelarten, unter denen sie zu den größten zählt, leistet die Steinhummel einen wichtigen Beitrag bei der Bestäubung von Nutz- und Wildpflanzen. Einige Pflanzen werden sogar hauptsächlich von der Steinhummel bestäubt, wie etwa Kürbis, Klee, Erbsen und Bohnen. Der haarige Brummer besitzt dafür einen langen Saugrüssel, mit dem er sogar aus den tiefsten Blüten naschen kann. Bereits bei den ersten warmen Sonnenstrahlen im Frühjahr begeben sich die überwinternden Hummelköniginnen auf die Suche nach einem neuen Nestquartier und gründen ein neues Hummelvolk.
Bis zum Sommer wächst das Volk auf bis zu 300 Exemplare an. Im Hummelstaat herrscht strikte Arbeitsteilung: Die Königin ist für die Eiablage und Brutpflege zuständig, die etwas kleineren Arbeiterinnen sammeln eifrig Blütenpollen sowie Nektar und kümmern sich um den Nachwuchs. Die einzige Aufgabe der Männchen, zu erkennen am zitronengelben Kragen und Gesicht, besteht in der Befruchtung der Jungköniginnen.
Erstaunlich, aber wahr
Nur die Weibchen besitzen einen Stachel, aber die friedvollen Tiere sind extrem stechfaul und überhaupt nicht aggressiv. Sie stechen oder beißen nur zur Verteidigung.
Merkmale
6 Beine
3-geteilter Körper (Kopf, Rumpf, Hinterleib)
2 Paar häutige Flügel
behaarter Körper
Stachel oder Legebohrer
Ordnung
Hautflügler (Hymenoptera)
Bevorzugter Lebensraum
Magerwiesen, Trockenrasen
Streuobstwiesen
Weingärten
Storchschnabel Bläuling
Der Storchschnabel-Bläuling (Plebejus eumedon) hat eine Flügelspannweite von 26 bis 30 mm. Die Flügeloberseiten sind dunkelbraun, die Unterseiten hell graubraun mit orangen Randflecken und einem auffallenden, weißen Längswisch. Die hellgrünen Raupen werden ca. 15 mm lang.
Diese Schönheit lebt in Feuchtwiesen mit Vorkommen von Wiesenstorchschnabel (Geranium pratense). Im Juni und Juli fliegen die Schmetterlinge, überwintert wird als kleine Raupe. Sie ernähren sich ausschließlich von Storchschnabelarten.
Der Bläuling ist geschützt. Um den Tieren die Entwicklung in allen Stadien zu ermöglichen, sollten Flächen abwechselnd gemäht werden.
Säugetiere
Die Vielfalt der Säugetiere in den Österreichischen Naturparken ist sehr umfangreich. Wir haben sie daher auf einer eigenen Seite dargestellt.
Vögel
Die Vielfalt der Vögel in den Österreichischen Naturparken ist so groß, dass sie auf dieser Seite nicht dargestellt werden kann:
Weitere Tiere
Spinnentiere, Hundertfüßer und Krebstiere tragen wesentlich zum Gleichgewicht in der Natur bei. Sie sind trotz ihrer geringen Körpergröße als wichtige Glieder der Nahrungskette und Bodenumwandler unverzichtbar in funktionierenden Ökosystemen.
Gartenkreuzspinne
Die Gartenkreuzspinne (Araneus diadematus) ist eine Meisterin der Webkünste, über 50 cm groß und kunstvoll gesponnen hängt ihr radförmiges Fangnetz zwischen den Ästen von Sträuchern und Bäumen. Sie selbst lauert gut versteckt am Rande ihres Netzes und wartet geduldig, bis sich ein Insekt darin verfängt. Der Nützling kann über sein klebriges Netz problemlos laufen, denn er weiß genau, dass die vom Zentrum ausgehenden Hauptfäden als einzige nicht klebrig sind. Zusätzlich helfen mikroskopisch kleine Härchen an seinen Füßen an den klebrigen Fäden nicht hängen zu bleiben.
Verfängt sich ein Beutetier im Netz wird die lauernde Jägerin durch feine Erschütterungen eines Signalfadens, der von der Mitte des Netzes bis zum Lauerplatz verläuft, alarmiert. Das zappelnde Insekt wird in Spinnseide eingewickelt, mit einem Giftbiss gelähmt und ausgesaugt. Das Gift der Kreuzspinne ist für den Menschen ungefährlich.
Zu erkennen ist die Gartenkreuzspinne, wie ihr Name schon verrät, am hellen Kreuz auf dem Hinterleib, das bei genauem Hinsehen aus mehreren kleinen hellen Flecken besteht, aber nicht immer sichtbar sein muss. Es gibt außerdem einige ähnliche Arten.
Erstaunlich, aber wahr
Spinnfäden sind ein wahrer Superstoff der Natur! Sie sind bezogen auf ihre Masse stabiler als Stahl und so elastisch, dass sie um das Dreifache ihrer Länge gedehnt werden können ohne zu reißen. Dabei sind sie auch noch extrem leicht und dünner als menschliches Haar.
Merkmale
8 Beine
2 Körperglieder (Vorderleib und Hinterleib)
Giftklauen (nur wenige Arten kommen durch die menschliche Haut)
keine Fühler
keine Flügel
Klasse
Spinnentiere (Arachnida)
Ordnung
Webspinnen (Araneae)
Bevorzugter Lebensraum
Heckenlandschaften / Feldflur
Magerwiesen, Trockenrasen
Streuobstwiesen
Wald / Waldrand und -lichtungen
Weingärten
Gemeiner Steinläufer
Vorwärts, rückwärts und das Ganze noch in schnellem Tempo – trotz seiner vielen Füße ist der Steinläufer ein flinker Jäger und schafft es dabei auch noch, über keinen einzigen Fuß zu stolpern! Der Bodenbewohner gehört zu den Hundertfüßern, wobei der Name irreführend ist. 100 Füße hat der Gemeine Steinläufer (Lithobius forficatus) natürlich nicht, aber immerhin 30 Beine. Sein Körper besteht aus vielen gleichartigen Segmenten von denen jedes ein Beinpaar trägt. Das letzte Beinpaar ist um einiges größer als die anderen, mit ihm kann der Steinläufer seine Beutetiere festhalten. Das erste Beinpaar vorne beim Kopf hat eine spezielle Funktion und ist zu einer Giftklaue umgewandelt.
Nachts begibt er sich auf die Jagd nach kleinen Tieren, wie Insekten, Spinnen oder Asseln, die er mit seinem Gift lähmt. Tagsüber hält er sich am liebsten unter Steinen, morschem Holz, Laubstreu oder Borke auf. Er ist sehr lichtscheu und flieht, wenn er aufgescheucht wird. Seine Augen bestehen aus mehreren punktförmigen Einzelaugen, mit denen er nicht wirklich gut sieht, dafür helfen ihm zur Orientierung fadenförmige Fühler am Kopf.
Erstaunlich, aber wahr
Ist der Gemeine Steinläufer giftig? Ja, theoretisch ist der Steinläufer wirklich giftig, denn mit seinem Gift lähmt er seine Beutetiere. Für den Menschen ist der Biss des heimischen Steinläufers jedoch ungefährlich – es zwickt ein bisschen.
Merkmale
mehr als 8 Beine
jeweils 1 Beinpaar pro Segment
Giftklauen (harmlos für Menschen)
Klasse
Hundertfüßer (Chilopoda)
Ordnung
Steinläufer (Lithobiomorpha)
Bevorzugter Lebensraum
Heckenlandschaften / Feldflur
Streuobstwiesen
Wald / Waldrand und -lichtungen
Weingärten
Hornkanker
Der Hornkanker (Phalangium opilio) stellt einen typischen Weberknecht dar: Er besitzt acht besonders lange, filigrane Beine und einen kleinen, eiförmigen Körper. Vorder- und Hinterkörper sind bei allen Weberknechten miteinander verwachsen, wodurch sie gut von anderen Spinnentieren zu unterscheiden sind. Nur die Männchen des Hornkankers tragen auffallende „Hörner“.
Mit seinen langen, extrem beweglichen Beinen ist der Hornkanker bestens zu Fuß unterwegs, lassoartig schwingt er sie um Grashalme oder Blätter. Das zweite Beinpaar ist besonders lang und wird zum Abtasten genutzt. Droht dem Weberknecht Gefahr, kann er auch ein Bein abwerfen. Das noch zuckende Bein dient als Ablenkung für den Angreifer und ermöglicht dem Weberknecht die Flucht. Nachwachsen kann das Bein allerdings nicht mehr.
Der Hornkanker fühlt sich als einer der wenigen tagaktiven Weberknechte bei Sonnenschein so richtig wohl und ist deshalb auf warmen Mauern oder bei seinen Wanderungen über sonnige Wiesen und Weiden gut zu beobachten. Als Nützling ist er auch ein gern gesehener Gast, denn er frisst mit Vorliebe Blattläuse, Milben und andere kleine Gliedertiere.
Erstaunlich, aber wahr
Wusstest du, dass Weberknechte Duftdrüsen besitzen? Greift ein Feind an, so hat der Weberknecht für ihn eine übelriechende Überraschung parat.
Merkmale
8 Beine
1 Körperglied
1 Paar Kiefertaster und Kieferklauen
Klasse
Spinnentiere (Arachnida)
Ordnung
Weberknechte (Opiliones)
Bevorzugter Lebensraum
Magerwiesen, Trockenrasen
Weingärten
Rollassell
Rollasseln (Armadillidium vulgare) – kleine Landkrebse, die ein verstecktes Leben unter Laub, Steinen und Totholz führen. Die rund einen Zentimeter große Rollassel trägt ein panzerartiges Außenskelett mit breiten Rückenschildern. Bei Gefahr kann sie sich wie eine Kugel zusammenrollen. Sie wird auch Kugelassel genannt und besitzt sieben Beinpaare. Dies verrät auch schon, dass sie nicht zu den Insekten gehört. Während ihre Verwandten im Meer oder Süßwasser leben, haben die Landasseln als einzige Krebse gelernt vollständig an Land zu sein. Einige Landasseln atmen sogar noch durch Kiemen! Dafür brauchen sie immer einen kleinen Wasserfilm um sich herum und einen feuchten Lebensraum. Die Rollassel hat schon speziellere Atmungsorgane entwickelt und ist deshalb nicht mehr ganz so stark auf feuchte Orte angewiesen: Auf ihrer Bauchseite befinden sich kleine Beinchen, die zum Atmen dienen. Dreht man die Assel um, kann man ganz hinten die Atmungsorgane deutlich erkennen – sie sind aufgrund der Luftfüllung weiß. Diese Bodenbewohner sind nicht gerade Feinschmecker, sie fressen totes Pflanzenmaterial, Kadaver von Insekten, Pilze und Holzreste. Dadurch sind sie besonders wichtig für die Humusbildung und für eine gute Bodenqualität.
Erstaunlich, aber wahr
Asseln fressen ihren eigenen Kot! Das hört sich nicht gerade appetitlich an, ist aber äußert effektiv. Da ihre Nahrung im Darm nicht vollständig verdaut wird, können sie so die noch enthalten Nährstoffe weiter verwerten.
Merkmale
2 Paar Fühler
7 Segmente
7 Beinpaare
keine Flügel
Klasse
Höhere Krebstiere (Malacostraca)
Ordnung
Asseln (Isopoda)
Bevorzugter Lebensraum
Heckenlandschaften / Feldflur
Streuobstwiesen
Wald / Waldrand und -lichtungen