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Foto: LACON

Naturkalender Steiermark - Naturparkschulen erforschen die Bestäuberphänologie

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Bereits seit 2016 beobachten Schülerinnen und Schüler aus den steirischen Naturpark-Schulen in einem Vorprojekt ihre „lebendigen Naturkalender“ - selbst gepflanzte Schulhecken mit je 12 typischen, heimischen Wildgehölzarten. Im Fokus stehen Natur-Ereignisse (Phänomene) wie Blattaustrieb, Blühbeginn, Fruchtbildung, Blattverfärbung, und Blattfall.

Die Naturkalender-Drehscheibe veranschaulicht die 10 Jahreszeiten eines Naturjahres. Sie ist ein wertvolles Hilfsmittel, um die konsequente Regelmäßigkeit der Natur-Ereignisse (Phänomene) und ihre Abfolge in einem Naturjahr zu beschreiben und zu beobachten. Grafik: NATURPARKE STEIERMARK (Für Bestellinfos klicken)

Mit Hilfe der handlichen Naturkalender-Drehscheibe und einer eigenen Smartphone-App (Naturkalender ZAMG App) erforschen die Kinder und Jugendlichen die Zusammenhänge zwischen dem saisonalen Zyklus von Pflanzen (aber auch Tieren) und der Witterung bzw. dem Klima. Diese Beobachtungsweise leitet sich von der Wissenschaft der Phänologie ab. Vor allem Pflanzen wirken als sehr empfindliche Messinstrumente der bodennahen Atmosphäre und reagieren mit zunehmend früherer Blüte oder Fruchtreife auf die Temperaturerhöhung der letzten Jahre. Die Dokumentationen der SchülerInnen in der App liefern wichtige Beiträge zum besseren Verständnis der Auswirkungen von Klimaveränderungen auf die biologische Vielfalt der Steiermark.

Um dieses phänologische Natur-Beobachtungs-Netzwerk in den steirischen Naturparken nachhaltig verankern zu können, werden die Aktivitäten im Projekt „Naturkalender Steiermark – Naturparkschulen erforschen die Bestäuberphänologie“ (2020 – 2022) laufend

  • thematisch, das heißt durch phänologische Beobachtungen unter besonderer Berücksichtigung von Bestäuberinsekten, und
  • personell, durch den Aufbau eines generationenübergreifenden „Phäno-Teams“,

weiterentwickelt.

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So wurden im aktuellen Projekt bereits die „Phäno-Teams“ durch die Teilnahme von 7 weiteren Naturpark-Schulen (insgesamt 36) und die Errichtung einer Generationenpartnerschaft zwischen Schule und SeniorInnen-Organisation in jedem Naturpark vergrößert.

Eigens ausgebildete PhänologInnen verstärken diese Teams mit Kompetenz und unterstützen und vermitteln Hintergrundwissen über wichtige Bestäuberinsekten wie Honigbienen, Wildbienen, Tagfalter, Schwebfliegen und Käfer.

Konkrete Maßnahmen (Auswahl)

7 Generationenpartnerschaften

SeniorInnen stellen in den Naturparken eine wichtige Zielgruppe für die Durchführung von phänologischen Beobachtungen dar. Sie haben teilweise noch selbst in der Schule phänologisch gearbeitet, verfügen sehr oft über einen reichen Erfahrungsschatz im Umgang mit Natur und Landschaft und sind zumeist sehr gewissenhafte BeobachterInnen. Durch die Einrichtung von je einer Generationenwerkstatt pro Naturpark wird die Möglichkeit geschaffen, interessierte Seniorenorganisationen in das Beobachtungsnetzwerk einzubinden. Kinder, Jugendliche, LehrerInnen und SeniorInnen werden gemeinsam phänologische Beobachtungen an Hecken und zu Bestäuberinsekten durchführen, Erfahrungen austauschen und sich gegenseitig unter Einbringung ihrer individuellen Fähigkeiten bei der Naturkalenderarbeit unterstützen.

Foto: LACON

Generationenübergreifendes Werken an und mit der Hecke – z.B. ein Weidenpfeiferl bauen.

Ausgebildete PhänologInnen

Um das Thema Phänologie und die Auswirkungen der Klimaveränderungen auf Tiere, Pflanzen und Menschen in den Naturparken besser zu verankern und die Naturparke, Naturpark-Schulen und Generationenwerkstätten bei diesbezüglichen Aktionen zu unterstützen, werden für jeden Naturpark PhänologInnen ausgebildet.

Ausbildungsstart am 29./30.10.2020, Foto: LACON
Foto: LACON

Bei der Ausbildung beschäftigen sich die TeilnehmerInnen mit Grundlagen und vertiefenden Themen der Phänologie, den Auswirkungen des Klimawandels sowie Beobachtungs- und Vermittlungsmethoden für phänologische Beobachtungen. Dabei werden die TeilnehmerInnen auch fachlich, beobachtungsmethodisch und didaktisch trainiert und erhalten Arbeitsmaterialien für die zukünftige Arbeit mit Naturpark-Schulen und Seniorenorganisationen.

Die Ausbildung umfasst vier Ausbildungstage (inklusive Praxis) mit jeweils zwei TrainerInnen der ZAMG bzw. dem Büro LACON. Die Ausbildung wird mit einer persönlichen kurzen Abschlussübung und einem Zertifikat abgeschlossen. Im Anschluss an die Ausbildung können weitgehend selbstständige phänologische Aktionen in Abstimmung mit den Naturparken an den Naturpark-Schulen im Frühjahr 2021 durchgeführt werden.

Ziele der Phänologie-Ausbildung (PDF-Download: 0,1 MB)

Der Phänologie-Ausbildungsabschluss am 14./15.4.2021 im Stift St. Lambrecht im Naturpark Zirbitzkogel-Grebenzen, Foto: Bernhard Stejskal
Die 10 PhänologInnen der Naturparke nach erfolgreichem Abschluss der Ausbildung, Foto: Bernhard Stejskal

Naturkalender verwurzeln

Hecken für Generationenwerkstätten und Schulen

Eine Übersicht der Gehölzer der „lebendigen Naturkalender“ in Bildern. Zum Vergrößern auf das Bild klicken

Die Naturkalender-Hecken stellen die Grundlage für die Beobachtungen dar und sind wichtiger Nahrungslieferant und Lebensraum für Bestäuber- und andere Insekten.

Neben ihrer Funktion als Zeigerarten für eine der 10 natürlichen Jahreszeiten wurde bei der Auswahl der Heckenarten hoher Wert auf ihre Bedeutung für heimische Insektenarten mit besonderem Fokus auf bestäubungsökologische Aspekte gelegt. Die Artenzusammensetzung der Hecken umfasst die international als phänologische Indikatoren verwendeten Arten. Eine tabellarische Übersicht über die konkreten Gehölzearten finden Sie hier (PDF-Download: 0,6 MB).

Im Projekt werden Naturkalender-Hecken für die neuen Schulen und Generationenwerkstätten gepflanzt und witterungsbedingte Ausfälle bei den seit 2017 bestehenden Hecken nachgesetzt. Nach Abschluss des Projektes werden demnach 42 Naturkalender-Hecken in den Naturparken der Steiermark mit 504 Gehölzen verwurzelt sein.

Phänologische Heckenstudien im Naturpark Steirische Eisenwurzen, Foto: Naturpark-Schule VS St. Gallen
Nachpflanzung einer Himbeer-Staude durch DrittklasslerInnen der VS St. Gallen in der seit 2017 bestehenden Hecke, Foto: Naturpark-Schule VS St. Gallen
Die SchülerInnen der VS Schönegg (Naturpark Pöllauer Tal) dürfen sich seit 13.3.2021 über ihre Phäno-Hecke freuen, Foto: Franz Grabenhofer
Einen großen Dank an die Naturpark-Arbeiter im Pöllauer Tal für die Hilfe beim Setzen und Beschildern, Foto: Franz Grabenhofer
Die Viktor Kaplan Naturparkschule Neuberg an der Mürz (Naturpark Mürzer Oberland) pflanzte ihre neue Schulhecke am 26.5.2021, Foto: Irene Polleres
Infotafeln im Naturpark-Schulgarten veranschaulichen den SchülerInnen die verschiedenen phänologischen Phasen im Jahreskreislauf, Foto: Irene Polleres

Naturkalender zum Einsäen

Um auf einfache Weise die Idee der lebendigen Naturkalender und der phänologischen Beobachtung möglichst breit und kostengünstig zu den Naturpark-BewohnerInnen zu bringen (d. h. auch für die Personen, die nicht über ausreichenden Platz für Hecken verfügen aber trotzdem mitbeobachten möchten), werden „Naturkalender zum Einsäen“ in Form von kleinen Saatgutsackerln entwickelt und abgegeben. Dazu ist der Aufbau einer Kooperation mit einer Saatgutfirma geplant. Die Artenauswahl (hauptsächlich krautige Arten) berücksichtigt natürlich den im Projekt gesetzten Bestäubungsschwerpunkt. Die teilnehmenden Naturpark-Schulen säen die krautigen Naturkalender selbst ein und tragen die Naturkalenderidee in die Naturparke, indem sie Saatgutsackerln an Verwandte, FreundInnen, etc. abgeben und zur Aussaat sowie zur nachfolgenden Beobachtung motivieren.

Foto: LACON

Schon das Pflanzen der „eigenen“ Hecke ist ein Erfolgsgeheimnis. Dadurch entstehen echt gute Beziehungen zu den Gehölzen und ihren Bestäubern.

Veranstaltungen zum Thema Bestäuberphänologie

Zusätzlich zu den schon bekannten und gut etablierten, regionalen Veranstaltungen von und mit den Naturpark-Schulen zum „Internationalen Tag der Biodiversität“  wurde ein neues Format eines Obstblütenfests entwickelt und organisiert.

Diese Veranstaltung findet in den Jahren 2021 und 2022 regional in allen 7 Naturparken möglichst genau zum Zeitpunkt des Blühbeginns von Apfel bzw. Birne statt.

Blütenbestäubung von Hand, Foto: Heinz Peterherr

Dazu kommen SchülerInnen zu einer kleinen "Bestäuberparty“ auf die Streuobstwiese eines landwirtschaftlichen Betriebes, feiern die Obstblüte und lernen viel über die Blüten, Bestäuberökologie und Insekten. In einer gemeinsamen Aktion werden vorbereitete Obstzweige von Hand bestäubt.

Eine detaillierte Anleitung zur Handbestäubung finden Sie unter „Weiterführende Informationen".

Die Termine der Bestäuberpartys richten sich nach dem Fortschritt der Obstblüte. Durch diese unterschiedlichen Zeitpunkte in den Naturparken (Apfelbäume blühen beispielsweise im milden Klima des Naturparks Südsteiermark im Durchschnitt der letzten 10 Jahre ca. 3 Wochen früher als in der alpinen Region Naturpark Sölktäler)  kann sehr gut veranschaulicht werden, wie die phänologische Blühentwicklung der Obstblüte und das Auftreten von Bestäuberinsekten in der Steiermark ablaufen und wie unterschiedlich die Jahre verlaufen.

Bestäuberparty-Termine 2021:

  • 26.4.2021, Naturpark Südsteiermark: VS Frauenberg auf Besuch im Naturpark Südsteiermark Besucherzentrum Grottenhof, 8430 Leibnitz
  • 10.5.2021, Naturpark Steirische Eisenwurzen: MS Weißenbach/Enns auf Besuch am Genussmosthof Veitlbauer, 8932 St. Gallen
  • 11.5.2021, Naturpark Sölktäler: MS Stein an der Enns auf Besuch im privaten Obstgarten der Familien Moser und Pilz in Stein an der Enns
  • 31.5.2021, Naturpark Zibitzkogel-Grebenzen: MS Neumarkt auf Besuch im Garten des NaturLese-Museums Neumarkt
Bestäuberparty 2021 im Naturpark Besucherzentrum Grottenhof, Foto: Naturpark Südsteiermark
Bestäuberparty 2021 am Genussmosthof Veitlbauer, Foto: Bernadette Käfer

2021 konnten die Veranstaltungen Corona-bedingt nicht durchgehend in allen Naturparken und auch nur in sehr kleinem Rahmen (vereinzelte Schulklassen) stattfinden.

Das Programm findet seinen Höhepunkt in einem Foto-Wettbewerb 2022.

-> Details zum Fotowettbewerb folgen!

Organisation und Finanzierung

Projektlaufzeit: 28.2.2020 bis 31.8.2022

Projektträger & Gesamtprojektleitung: NATURPARKE STEIERMARK

Externe fachliche Begleitung: Klaus Wanninger, DI Isabella Ostovary (LACON, Wien)

36 beteiligte Naturpark-Schulen in 7 Naturparken

Projektkosten: € 166.765.- (ELER M7.6.1, EU/Land)

PDF-Download:

Weiterführende Informationen

Phänologie

Die sogenannte Phänologie leitet sich vom altgriechischen phaino – „ich erscheine“ ab. Die Lehre über die Erscheinungen beschäftigt sich mit der Entwicklung der Pflanzen und dem Verhalten der Tiere im Jahresverlauf.

Der phänomenale Rhythmus der Natur

Wenn in Graz die Apfelbäume blühen, ist in der Ramsau am Dachstein gerade einmal die Winterruhe beendet. Im Gegensatz zum Datumskalender ist der „Kalender, den die Natur schreibt“ von Region zu Region und von Jahr zu Jahr unterschiedlich. Von Chaos jedoch keine Spur: In konsequenter Regelmäßigkeit folgt Ereignis auf Ereignis. Die ersten tanzenden Zitronenfalter oder die Weidenblüte können sich schon einmal über den Monat verzögern. Dann lässt aber auch die Blüte von Apfel und Holler auf sich warten und die Wiesen werden später mähreif. Man kann zwar nie genau sagen, wann die Natur durchstartet, aber dass der Vorfrühling durch die Blüte der Hasel gekennzeichnet ist, der Sommer mit der Hollerblüte ins Land zieht und zu dem Zeitpunkt sicher kein Apfelbaum mehr blühen wird, darauf kann man sich verlassen.

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10 Jahreszeiten

Das phänologische Jahr setzt sich aus 10 Jahreszeiten zusammen, die jeweils von bestimmten Natur-Ereignissen (oft auch als „Erscheinungen“ oder „Phänomene“ bezeichnet) charakterisiert werden:

  1. Vorfrühling
  2. Erstfrühling
  3. Vollfrühling
  4. Frühsommer
  5. Hochsommer
  6. Spätsommer
  7. Frühherbst
  8. Vollherbst
  9. Spätherbst
  10. Winter

Noch bis vor wenigen Jahrzenten war das Aufschreiben der Abfolge unserer Natur-Ereignisse im Jahresverlauf wie Blattaustrieb, Blüte, Fruchtreife, Rückkehr der Schwalben oder von landwirtschaftlichen Nutzungszeitpunkten weit verbreitet. Im Moment erfährt das Begleiten und Aufschreiben der Naturentwicklung durch die spürbare Klimaerwärmung der letzten Jahre zunehmend eine Renaissance und wird auch in der Natur- und Klimaforschung immer wichtiger.

Bildungsmaterialien, die an die beteiligten Naturpark-Schulen und PhänologInnen ausgegeben werden, finden Sie hier:

Medienberichte

  • Naturpark Lupe / November 2020 (Naturpark Zirbitzkogel-Grebenzen), „Naturkalender Steiermark – Naturpark-Schulen erforschen die Bestäuberphänologie“ (PDF-Download: 1,9 MB)
  • Naturkurier / Jänner 2020 (Naturpark Mürzer Oberland), „Naturkalender Steiermark – Naturpark-Schulen erforschen die Bestäuberphänologie“ (PDF-Download: 1,8 MB)
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