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Foto: Raymond Clement / Naturpark Our

Foto: Franz Kovacs

ZENAPA im Naturpark Barnim

auf dem Weg zur klimaneutralen Großschutzregion

Projektbeschreibung

Windräder drehen sich auf einem Feld bei Bollewick, einem kleinen Dorf an der Grenze zwischen Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg – ein Bild, wie es sich oft bietet in den Ebenen Norddeutschlands. Bei genauerem Hinsehen lässt sich jedoch eine Besonderheit erkennen: Einige der Windkraftanlagen schalten sich in unregelmäßiger Folge kurzzeitig ab, bevor sie nach einigen Minuten den Betrieb wieder aufnehmen. Der Grund findet sich hoch oben am Himmel: Greifvögel wie Rotmilane und Seeadler drehen ihre Runden und kommen den Windrädern hin und wieder gefährlich nahe. Ein komplexes Frühwarnsystem, bestehend aus mehreren fixierten und beweglichen Weitwinkelkameras, überwacht permanent deren Flugbewegungen und sendet Ausschaltsignale an die angebundenen Anlagen, wenn sich ein Vogel innerhalb einer definierten Gefährdungszone befindet. So sollen Kollisionen vermieden werden, um einen Beitrag zu einer artenschutzgerechten Stromerzeugung durch Windenergie zu gewährleisten. Das Pilotvorhaben wird von der Akademie für nachhaltige Entwicklung Mecklenburg-Vorpommern und der Firma IdentiFlight durchgeführt und findet im Rahmen des EU-Life-Projektes ZENAPA statt.

ZENAPA: Klima- und Naturschutz zusammen denken

ZENAPA steht für „Zero Emission Nature Protection Areas“ und verfolgt das Ziel CO2-neutraler Großschutzgebiete. Das mit europäischen Mitteln geförderte Projekt umfasst neben dem Naturpark Barnim weitere zehn Großschutzgebietsregionen in Deutschland und Luxemburg, in denen Klimaschutz, Biodiversität und Bioökonomie synergetisch verfolgt werden. Es geht darum, Pfade einer nachhaltigen Entwicklung der Region im Kontext des Klimawandels aufzuzeigen und zu beschreiten. Dabei orientieren sich die Akteure an den Klimaschutzzielen des Bundes und setzen diese auf regionaler und kommunaler Ebene um. In dieser Form einzigartig ist die Verortung des Projektes in Landschaften und Regionen mit besonderem ökologischen Schutzstatus. Bei der Planung und Durchführung von Klimaschutzmaßnahmen sind somit immer auch die Belange des Naturschutzes zu berücksichtigen und konkurrierende Interessen auszugleichen. Das eröffnet die Möglichkeit, Klimaschutz ganzheitlich und unter Berücksichtigung naturschutzfachlicher Interessen zu betreiben (IfaS 2017).

Der Naturpark Barnim leistet seit seiner Gründung im Jahr 1998 einen aktiven Beitrag zum Naturschutz in der Region, der oftmals auch mit positiven regionalklimatischen Effekten verbunden ist. Durch die Teilnahme am ZENAPA-Projekt möchte der Naturpark Barnim den lokalen Klimaschutz weiter vorantreiben und Pfade für die Entwicklung einer klimaneutralen Großschutzregion aufzeigen.

Die strategischen Säulen des ZENAPA-Projektes: Klimaschutz, Biodiversität und Bioökonomie (Foto: lfaS)
Workshop zur politischen Beteiligung von Jugendlichen in Oranienburg (Foto: E. Schönfeld)

Klimabildung: Der Motor der Zukunft

Voraussetzung für einen erfolgreichen Klimaschutz ist themenbezogenes Grundlagenwissen. ZENAPA hat zum Ziel, dieses Wissen auf verschiedenen Ebenen zu vermitteln und möglichst früh in der Ausbildung junger Menschen zu verankern (IfaS 2017). Daher finden seit Projektbeginn 2017 jährlich Kinderklimaschutzkonferenzen in der Naturpark-Region statt, bei denen Grundschulkinder an das Thema Klimawandel und Klimaschutz praxisnah und altersgerecht herangeführt werden. Zur dauerhaften Integration von Klimaschutz in den Unterricht werden darüber hinaus unter dem Motto „Lernen im Naturpark Barnim“ Fortbildungen für Lehrerinnen und Lehrer organisiert, die der Vermittlung von Lehrkonzepten und konkreten Werkzeugen für eine wirksame Klimabildung dienen. Das pädagogische Angebot wird stetig weiterentwickelt; so ist in Zusammenarbeit mit weiterführenden Schulen im Barnim für das kommende Schuljahr ein Schulwettbewerb unter dem Titel „Meine Schule wird klimaneutral“ geplant. Aufgabe der teilnehmenden Schulklassen ist es, im Rahmen einer Projektwoche ein Klimaschutzkonzept für die eigene Schule zu entwickeln. Workshops zur klimapolitischen Beteiligung Jugendlicher runden das Angebot ab. Auch in der Erwachsenenbildung ist der Naturpark im Rahmen von ZENAPA aktiv: Der Volkshochschulkurs „Klimafit“ wird seit diesem Jahr im jährlichen Turnus gemeinsam mit dem WWF angeboten und verfolgt, neben dem Verständnis klimarelevanter Zusammenhänge, die Vernetzung und den Austausch lokaler AkteurInnen. Weiterhin werden themenbezogene Exkursionen durch den Naturpark durchgeführt, die lokale Auswirkungen des Klimawandels veranschaulichen und Ansätze der Anpassung und der Emissionsreduktion aufzeigen.

Ein weiterer wichtiger Bestandteil der ZENAPA-Projektarbeit des Naturparks Barnim ist die Organisation und Durchführung von Kampagnen und Workshops. Zentrales Ziel ist die Aufklärung über Möglichkeiten der Emissionsreduktion in verschiedenen Bereichen wie Mobilität, Wärmeversorgung und Stromerzeugung. Adressaten dieser Aufklärungsmaßnahmen sind je nach Themenschwerpunkt Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmen, Gewerbetreibende und kommunale Akteure (IfaS 2017).
Mit der E-Bike-Kampagne „Elektrisiert ins Grüne“ wurde im Jahr 2019 in Zusammenarbeit mit regionalen Fahrradhändlern die Nutzung von Elektrofahrrädern anstelle des Pkw beworben. Die Solar-Kampagne „Kohle sparen durch Sonnenschein? (Energie-)unabhängig in die Zukunft!“ möchte Photovoltaikanlagen auf privaten Eigenheimdächern fördern. Hier wird ein bivalenter Ansatz verfolgt. Zum einen werden Informationsveranstaltungen durchgeführt, die interessierte Bürgerinnen und Bürger möglichst umfassend über die technischen und finanziellen Möglichkeiten der Solarenergienutzung aufklären sollen, zum anderen soll im Rahmen der Kampagne ein Netzwerk aus Installateur- und Dachdeckerbetrieben aufgebaut werden, um interdisziplinär und frühzeitig potenziell geeignete Dächer für die Installation einer Solaranlage zu identifizieren.
Die energetische Versorgung von Gebäuden ist ein weiteres zentrales Handlungsfeld. Eine energetische Gebäudeoptimierung durch verbesserte Dämmung, effiziente Anlagentechnik und der Einsatz erneuerbarer Energien kann zu einer erheblichen Reduktion des Energiebedarfs und der CO2-Emissionen beitragen (BMWi 2015). Im Rahmen von ZENAPA werden Kommunen bei der Entwicklung von energetischen Quartierskonzepten inhaltlich und finanziell unterstützt. Dabei stehen die Wirtschaftlichkeit von Investitionen und deren ökologischer Mehrwert sowie die Unterstützung bei der Beantragung von Förderungen im Vordergrund. Eine Informationsveranstaltung und Online-Seminare dienen der weiteren Bekanntmachung des ZENAPA-Angebots.
 

Strukturreiche Modellhecke bei Klosterfelde - Vorbild für das Heckenmanagement GoÖko (Foto: S. Hoffmann)

Bioökonomie: Lokale Wirtschaft nachhaltig stärken

Landwirtschaftliche Nutzflächen prägen auf einem Viertel der Fläche die Naturpark-Region (SenSW 2009). Ein charakteristisches Landschaftsmerkmal sind Feldhecken, die Windschutz bieten und damit Bodenerosion vermeiden sollen. Der Naturpark Barnim entwickelt gemeinsam mit der BTU Cottbus und der Agrarproduktion Neuholland ein Konzept, um diese oftmals alten und brüchigen Heckenstrukturen nachhaltig zu erneuern. Es wird ein heterogener Heckenaufbau mit verschiedenen heimischen Strauch- und Baumarten angestrebt mit dem Ziel, Lebensraum für Tiere zu schaffen, Wind- und Erosionsschutz sicherzustellen sowie das Mikroklima durch einen verbesserten Wasserhaushalt aufzuwerten. Neben diesen Naturschutzaspekten steht auch die energetische Verwertung des anfallenden Pflegeholzes im Fokus der Untersuchung. Auf diese Weise soll zum einen ein konkreter Klimaschutzbeitrag geleistet, zum anderen jedoch auch ein ökonomischer Anreiz geschaffen werden, um eine Verstetigung dieses Nutzungskonzeptes über das Projekt hinaus zu ermöglichen.

Resümee

Im Rahmen von ZENAPA werden unterschiedliche Wege beschritten, um Klimaschutz auf lokaler Ebene voranzubringen und mit den Interessen des Naturschutzes zu harmonisieren. Insbesondere die Bildungsangebote finden dabei großen Anklang und entfalten eine nachhaltige Wirkung. So entstand aus dem Volkshochschulkurs „Klimafit“ der Barnimer Klimastammtisch, der sich im monatlichen Turnus austauscht und gemeinsame Klimaschutzaktionen plant. Auch die Klimaschutzkonferenzen stoßen auf reges Interesse und werden in Kooperation mit den beteiligten Grundschulen im dritten Jahr infolge durchgeführt. Ebenso interessiert werden die Beratungsangebote für Kommunen angenommen, wobei die Umwandlung des Wissens in tatsächliches Handeln leider oftmals ausbleibt. Die Ingangsetzung eines kommunalen Klimaschutzes bleibt eine Herausforderung, der sich in der verbleibenden Projektlaufzeit verstärkt angenommen werden soll. Eine kommunale Zukunftswerkstatt sowie eine Exkursion zu einem Bioenergiedorf sollen in diesem Herbst den Grundstein dafür legen.

Ausblick

Klimaschutz, Biodiversität, nachhaltige lokale Wirtschaft – diese drei Anliegen werden im Projekt ZENAPA zusammen gedacht und verfolgt. Bis zum Projektende 2024 sollen Grundsteine für eine klimafreundliche Entwicklung der beteiligten Großschutzgebiete gelegt werden. Der Naturpark Barnim möchte mit diesem Projekt einen Beitrag zu konkreten Klimaschutzmaßnahmen vor Ort leisten und die Naturpark-Region auf dem Weg in eine klimaneutrale Zukunft unterstützen.

Service-Angaben:

 

Naturpark Barnim • Projektmanager ZENAPA: Simon Hoffmann
Breitscheidstraße 8-9 • 16348 Wandlitz • Deutschland
Tel.: +49 (0) 33397 / 29 99-18 • E-Mail: Simon.Hoffmann@LfU.brandenburg.de
Web: www.barnim-naturpark.dewww.zenapa.eu

Quellen und weiterführende Literatur:

Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (2015): Energieeffizienzstrategie Gebäude – Wege zu einem nahezu klimaneutralen Gebäudebestand, online verfügbar unter https://www.bmwi.de/Redaktion/DE/Publikationen/Energie/energieeffizienzstrategie-gebaeude.pdf?__blob=publicationFile&v=25, zuletzt abgerufen am 18.05.2020

Institut für angewandtes Stoffstrommanagement (IfaS) (2017): Life-IP ZENAPA Projektinformationen, online verfügbar unter https://zenapa.de/download/30/allgemeine-projektinformationen/543/zenapa-projektflyer-de.pdf, zuletzt abgerufen am 18.05.2020

Institut für angewandtes Stoffstrommanagement (IfaS) (2019): Life-IP ZENAPA Newsletter 1/2019, online verfügbar unter https://us20.campaign-archive.com/?u=f89172b23e83db30d6ae6adee&id=e01969f688, zuletzt abgerufen am 18.05.2020

Barnimer Energiegesellschaft mbH (2015): EnergieTour ERNEUER:BAR, online verfügbar unter https://www.kw-beg-barnim.de/images/inhalte/projekte/mobilitaet/energietour_erneuerbar/Flyer_Radtour_final_web.pdf, zuletzt abgerufen am 18.05.2020

Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen Berlin (SenSW) (2009): Pflege- und Entwicklungsplan für den Naturpark Barnim, Kurzfassung, online verfügbar unter https://www.barnim-naturpark.de/fileadmin/user_upload/PDF/Barnim/Kurzfassung_internet_aktualisiert.pdf, zuletzt abgerufen am 18.05.2020

Wandlitz auf den Punkt gebracht (2019): Schwerpunktthema: Wandlitzer Klima, online verfügbar unter https://wandlitz-auf-den-punkt.de/assets/files/W04_2019.pdf, zuletzt abgerufen am 18.05.2020

Weltklimarat IPCC (2019): IPCC‐Sonderbericht über Klimawandel und Landsysteme, online verfügbar unter https://www.de-ipcc.de/254.php, zuletzt abgerufen am 18.05.2020


ZENAPA im Naturpark Barnim (PDF-Download: 0,4 MB)

Stand: August 2020


Dieser Artikel entstand im Rahmen des Projektes "Klimaschutz in Naturparken" und wurde von Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie gefördert.

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