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Foto: Verein Naturparke Niederösterreich / Fotograf: www.pov.at

Foto: Hochgebirgs-Naturpark Zillertaler Alpen

Foto: Barbara Derntl

Insektenreiche Naturparke

Insekten spielen in ihrer Fülle eine Schlüsselfunktion für funktionierende Ökosysteme: Wesentliche Teile der Nahrungsnetze bilden Insekten, viele große Tiere sind von ihnen abhängig. Dazu sind sie wichtig für den Bodenaufbau und sie kontrollieren mögliche Schädlinge. Ein großer Teil der Nutzpflanzen, und damit unsere Lebensmittelversorgung, ist von bestäubenden Insekten abhängig. Gerade Insekten sind in ihrer Vielfalt prädestiniert, uns das Faszinierende der Naturvielfalt zugänglich zu machen.

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Insekten in Ökosystemen

Insekten sind die mit Abstand artenreichste Tiergruppe weltweit. 90 Prozent aller Tierarten weltweit sind Insekten. Eine Million Arten sind weltweit bekannt, viele Arten sind aber noch unentdeckt, in Österreich sind es rund 42.000 Arten. Sie alle weisen sechs Beine, drei Köperteile, zwei Fühler und meist zwei paar Flügel auf. Die artenreichsten heimischen Insektengruppen sind Hautflügler (Wespen, Wildbienen …) und Zweiflügler (Fliegen, Mücken …) mit je rund 10.000 Arten, danach folgen die Käfer mit rund 8.000 verschiedenen Arten. Die Fülle ist aber enorm, so leben von den weniger bekannten Gruppen in Österreich beispielsweise rund 950 Wanzen- und 650 Zikadenarten. Insekten besiedeln vom Boden bis in die Baumkronenbereiche, von den Küsten bis vor die Gletscherstufe in den Gebirgen alle Landlebensräume. Nur die Meere (bis auf wenige Wanzen) haben sie nicht besiedelt. Die Anzahl an Arten und die Menge an Tieren sichert das Funktionieren der Ökosysteme und die Selbstregulation der Natur. Sie benötigen aber eine ausreichende Menge an natürlichen und wenig genutzten Lebensräumen.

In den letzten Jahren wurde durch diverse Studien ein massiver Rückgang der Insektendichten in der mitteleuropäischen Kulturlandschaft festgestellt – der Rückgang ist deshalb alarmierend, weil Insekten in Wirkgefüge der Natur eben eine Sonderfunktion einnehmen und wesentlich für die selbstregulierenden Vorgänge in der Natur zuständig sind:
Sehr viele Insekten sind spezialisierte Räuber und ernähren sich von anderen Insekten, Weichtieren oder Spinnentieren. Einige davon neigen aufgrund ihrer Fähigkeit dazu, sich in Massen zu entwickeln und Kultur- oder Nutzpflanzen zu befallen. Das macht sie zu Schädlingen. Sind ausreichende naturnahe Lebensräume in Ackerbaugebiet, naturnahe Gärten, naturnahe Wälder vorhanden finden Nützlinge auch einen Lebensraum und können so auf natürlicher Weise dazu beitragen schädliche Tiere in Schach zu halten. Diese Lebensräume zu erhalten ist wichtig, ein Ohrwurm- oder Marienkäferquartier aufzustellen kann einen kleinen Beitrag liefern.

Insekten sichern die Blütenvielfalt, mehr und größerer Früchte und tragen gerade in der Landwirtschaft zu einer Ertragssteigerung bei. Beispiele sind Baum- und Strauchobstsorten, Raps, Sonnenblume, Ackerbohne, Kürbis, Paradieser. Auch die Qualität wird durch Bestäubung verbessert, die äußere Form, der Zucker- und Säuregehalt sowie die Lagerfähigkeit verbessert. Ein Drittel der Bestäubung wird von der Honigbiene erledigt, der Rest von wildlebenden weiteren Insekten, die nur dann vorkommen, wenn sie geeignete Lebensräume vorfinden und nicht durch Pestizide vernichtet werden. Totholz, Brachen, blütenreiche Wiesen und gestufte Waldränder sind der Schlüssel dazu. Jedes Blatt, das zu Boden fällt, jedes Tier und jede Pflanze, die abstirbt, wird in seine Bestandteile zerlegt, Nährstoffe werden frei gegeben und dienen der nächsten Generation von Pflanzen als Lebensgrundlage. Zu diesem ewigen Kreislauf tragen viele verschiedenen Organismen bei, neben Asseln, Schnecken, Pilzen und Bakterien sind es eben auch Insekten, die für Bodenfruchtbarkeit wichtig sind. Gerade in der Landwirtschaft ist ein gesundes Bodenleben die Grundlage des Wirtschaftens und eines langfristig nachhaltigen Erfolgs in der Lebensmittelproduktion.
Selbst für Wissenschaftler/innen ist die Fülle an bei uns vorkommenden Insekten unüberschaubar. Jede einzelne Art spielt in ihrem Lebensraum und im Wirkgefüge mit anderen Tier- und Pflanzenarten eine Rolle in Netzwerk der Natur und trägt so zur Stabilität und Ausgewogenheit von Lebensräumen bei. Je mehr Arten in der Landschaft vorkommen, umso vielfältiger ist sie und stabiler gegenüber Änderungen von außen, wie etwa Klimaerwärmung, invasive, nicht heimische Arten oder bei Schädlingsvermehrungen.

Gerade Insekten sind in ihrer Vielfalt, dem Formenreichtum, der Farbenpracht und weil sie uns ständig umgeben, prädestiniert, das Schöne und Faszinierende (aber auch das Abstoßende, Lästige oder Gefährliche) der heimischen Naturvielfalt als emotionales Erlebnis inszenieren zu können.
Jeder kann dazu mehr oder minder dazu beitragen Insektenlebensräume zu erhalten. Die heimische Natur wartet überall mit Überraschungen und Aha-Erlebnissen auf uns. Nicht nur in den naturnahen und den verbliebenen strukturreichen Landschaften in Naturparken, selbst in Parks, im Schulhof, im Hausgarten kann die Schönheit und Fülle von Tier- und Pflanzenarten entdeckt werden. Gerade Insekten sind, weil sie de facto überall vorkommen und zum Teil auch stark mobil sind, außer in der Winterszeit jederzeit zu beobachten.

„Insekten sichern das Funktionieren von Nahrungsnetzen, die Bestäubung sowie den Ausgleich an Räubern und Beutetieren – wo sie ausreichend Lebensmöglichkeiten vorfinden, ist die Lebensmittelversorgung gesichert, werden Schädlingsauftreten verringert und die Vielfalt und Schönheit der Natur ist erlebbar.“


Erstaunlich, aber wahr

  • Rekord der Artenvielfalt: Keine andere Tiergruppe ist nur annähernd so artenreich. Es sind mehr als eine Million Arten (> 1.000.000) bekannt, viele sind noch unentdeckt!
  • Uralt: Schon seit 480 Millionen Jahren gibt Insekten auf der Erde, lange bevor es Dinosaurier oder Vögel gab. Im Vergleich dazu existiert der moderne Mensch erst seit 300.000 Jahren.
  • Erstaunliche Augen: Insekten sehen mit ihren Facettenaugen. Bei Libellen sind es 30.000 Einzelaugen, jedes liefert ein Einzelbild, die im Gehirn zu einem Ganzen zusammengesetzt werden.
  • Gesangsrekord: Im Verhältnis zu dem nur zwei Millimeter großen Körper ist eine heimische Ruderwanze das lauteste Tier der Welt. Ihr Gesang bring es auf 99,2 Dezibel (mehr als ein Motorrad oder schreiendes Baby), das alles nur, um Weibchen anzulocken.
  • Weitsprungrekord: Eine kleine Wiesenschaumzikade kann bei einer Körpergröße von 7 Millimeter ganze 70 Zentimeter hochspringen. Da müsste vergleichsweise ein Mensch von 1,80 Meter Größe einen Satz von 180 Meter machen.

Was kann ich tun?

Jede und jeder kann, mehr oder minder, etwas für mehr Insekten- und Naturvielfalt in seiner Umgebung beitragen. Insekten sind sehr dankbar für neu geschaffene Lebensräume und werden diese schnell und artenreich besiedeln.

  • Blühfläche oder Blühstreifen anlegen
  • Wiese bis zum Aussamen stehen lassen
  • „wilde“ Wiesenstreifen und -ecken im Garten stehen lassen, die weder gemäht noch betreten werden: Brennnessel, Gräser und Klee sind für viele Insekten überlebenswichtig!
  • Hecke pflanzen: In heimischen Wildstrauchhecken fühlen sich Käfer, Bienen, Schmetterlinge und Vögel sehr wohl.
  • Brachestreifen stehen lassen
  • alte und tote Bäume stehen lassen
  • Wildblumenbeet anlegen
  • Wildrosen anstelle von Zierrosen setzen und
  • ein Nasch- und Kräutergarten für Mensch und Insekten:
  • „bienenfreundlicher Garten“ gestalten
  • keine Pestizide verwenden
  • Unterkünfte für Nützlinge bauen (z. B. Marienkäfer, Ohrwürmer, Florfliegen)
  • nur organischen Dünger verwenden (z. B. Kompost)
  • im Herbst das Laub unter Bäumen und Sträuchern liegen lassen
  • liegen gelassenes Laub, Häufen mit Astschnitt und Totholz sind ein wertvoller Rückzugsort für Insekten
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