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Foto: Andreas Kristl

Foto: Horst Dolak

Foto: Johannes Puch

Sand, Gras und Wärme

Rettung einer vom Aussterben bedrohten Schmetterlingsart in Kärnten von Mag. Robert Heuberger

Projektbeschreibung

Kiefernsaateule Naturpark Dobratsch
Kiefernsaateule (Agrotis vestigialis)
(Foto: Gailberger)

Die Kiefernsaateule (Agrotis vestigialis) weist in Europa eine äußerst weit verstreute inselartige Verbreitung auf. Im Larvalstadium ist der Nachtfalter auf spezielle sandige Lebensräume mit besonders lückigen Grashorsten angewiesen, wie sie an unverbauten Flüssen zu finden sind. Diese Flächen sind auch Lebensraum anderer hochspezialisierter Arten aus den Familien der Käfer, Spinnentiere etc.

Durch die massive Verbauung der Gail im Bereich des Naturparks Dobratsch ist eine natürliche Überschwemmung und ein Sandein- und -abtrag im Lebensraum ausgeschlossen und die offenen Flächen verwachsen und verbuschen massiv. Das hätte für diese Tierart in Kürze das Aussterben bedeutet. Ein Ausweichen des Falters in andere Lebensräume ist nicht möglich.

Intensive Überprüfungen entlang anderer Teilbereiche der Gail und der Gailitz erbrachten keine weiteren Nachweise der Kiefernsaateule. Dies unterstreicht die Wichtigkeit der Erhaltung der Reste dieses speziellen Lebensraums, ohne den Kärnten eine Anzahl von Tierarten unwiederbringlich verlieren würde.

Agrotis vestigialis ist ein Kleinod für Kärnten. Die Art ist laut Tierartenschutzverordnung vollständig geschützt und in der Roten Liste der gefährdeten Tierarten Kärntens völlig berechtigt als „vom Aussterben bedroht“ eingestuft.

Maßnahmen zur Arterhaltung:
Die Umsetzung des Standorterhalts erfolgte durch Rodung und Abtransport der größeren Baumstämme und anschließendes Abtragen der obersten Humusschicht (ca. 2 bis 4 cm). Diese wurde mittels Schubraupe in einer Breite von ca. 4 Metern abgetragen und das Material samt den vorhandenen Wurzelstöcken usw. am Gaildamm abgelagert. 
Die Umsetzung ist auf mehrere Jahre angedacht: Im Jahr 2018 wurde eine Schubraupenbreite belassen und eine Breite abgetragen. Je nach Sukzession der Flächen wird jährlich eine Einschätzung vorgenommen, wann die nächsten Sandfreilegungen mittels Schubraupe nötig sind.

Schautafel zu Information beim Radweg (Foto: Robert Heuberger)

Kommunikation:

Die Fläche liegt direkt am vielbefahrenen Drauradweg. Da in der Bevölkerung derzeit eine sehr hohe Sensibilität für Wälder und Bäume besteht und „Bagger-/Schubraupenarbeiten“ in diesen Bereichen oft zu starken Bürger*innen-Protesten führen, war eine intensive Kommunikation als „Artenschutzprojekt“ vor, während und nach den baulichen Maßnahmen nötig. Die äußerst positive Berichterstattung in den Medien führte zu sehr guter Akzeptanz in der Bevölkerung.

Im Jahre 2019 wurde ein „Nachtleuchten“ als Monitoring für die gesetzten Maßnahmen durchgeführt. Dies wurde als Naturpark-Veranstaltung ausgeschrieben und es beteiligten sich zahlreiche Interessierte daran. Dabei konnten auch Weibchen der Kiefernsaateule entdeckt werden. Damit dürfte der Bestand des Falters gesichert sein. Weitere öffentliche Monitorings sind im Jahr 2020 ff geplant.

Eine Schautafel entlang des Radweges informiert über die Besonderheit dieses Standortes.

Kosten und Finanzierung:
Die Kosten beliefen sich gesamt auf € 3.400,--. Das Projekt wurde über Mittel der Naturschutzabgabe der Stadt Villach finanziert.

Resümee

Die Umsetzung ist sehr gelungen, die Maßnahmen wurden von der Bevölkerung sehr gut angenommen.

Ausblick

Im heurigen Jahr 2020 sind weitere Maßnahmen am Standort geplant. Durch die geschaffenen Ruderalstandorte sind nunmehr invasive Neophyten aufgekommen (Kanadische Goldrute), diese werden vom Naturpark-Ranger gemeinsam mit Schüler*innen der Naturpark-Schulen gejätet. Im August 2020 ist wiederum ein Monitoring in Form eines Nachleuchtens geplant, auch ist abzuschätzen, wann die nächste Freilegung mit Schubraupen zu erfolgen hat.

Service-Angaben

Naturpark Dobratsch • Klagenfurter Str. 66 • 9500 Villach
Mag. Robert Heuberger • Tel.: +43 (0) 664 / 120 27 6
E-Mail: robert.heuberger@ktn.gv.at 

Wissenschaftliche Begleitung:
Dr. Christian Wieser • Landesmuseum für Kärnten
E-Mail: christian.wieser@landesmuseum.ktn.gv.at


Sand, Gras und Wärme (PDF-Download: 0,3 MB)

Stand: April 2020


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