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Foto: Andreas Kristl

Foto: Horst Dolak

Foto: Johannes Puch

Bestäuberparadiese im Naturpark Nagelfluhkette

Artenreiche Kleinbiotope für Bienen und Insekten von Carola Bauer

Projektbeschreibung

Vorbereitung der untersten Berme für den Lehrpfad. (Foto: Naturpark Nagelfluhkette)

Der Naturpark Nagelfluhkette möchte Bestäuberparadiese für Bienen und Insekten in den verschiedenen Mitgliedsgemeinden (sieben auf Allgäuer- und acht auf Bregenzerwälder-Seite) schaffen. Im Kampf gegen Umwelteinflüsse ist es für unsere Bestäuber äußerst wichtig mit ausreichend Nahrung, Nistmaterial und Möglichkeiten an Lebensräumen versorgt zu sein. An erster Stelle stehen hierbei die Schaffung von artenreichen Flächen in den Gemeinden, sowie die Umsetzung von artgerechten Insektenbehausungen. Hierbei handelt es sich nicht nur um typische „Insektenhotels“. Vielmehr sollen Lebensräume und naturnahe Behausungen, wie z. B. durch Totholz oder Sandflächen geschaffen werden. Nichtgenutzte Grünstreifen in Blühflächen zu verwandeln trägt entscheidend zum Überleben der Biene und anderer Insekten bei. Umweltbewusstseinsbildung darf bei diesem Projekt selbstverständlich nicht fehlen. Nur wer mit eigenen Augen sieht und versteht, kann sich auch in Zukunft für unsere Bestäuber, allen voran die Biene, einsetzen!

Das Projekt wurde bzw. wird im Naturpark Nagelfluhkette derzeit unter Beteiligung dreier Mitgliedsgemeinden umgesetzt und lief von Juni 2018 bis Dez. 2019.

Immenstadt – Schauplatz der Wildbiene (abgeschlossen):
Westlich des Steigbachtobels in Immenstadt befindet sich in ca. 750 m Seehöhe eine Hangverbauung, die nach einer Hangrutschung im Jahr 2006 errichtet wurde. Die für Aufwertungsmaßnahmen vorgesehene Projektfläche umfasst rund 2.500 m²: drei aus Wasserbausteinen errichtete Hangsicherungen mit dazwischenliegenden Bermen aus Kies und Schotter. Gerhard Honold, der Leiter des Referates für Forst und Naturschutz, hat hier das Projekt in die Hand genommen und gemeinsam mit Praktikanten*innen und Lehrlingen die Flächen in einen Bienenlehrpfad mit strukturreichen Blühinseln verwandelt. Eine Berme wurde hierbei den Besucher*innen zugänglich gemacht und zur Wissensvermittlung genutzt (Anbringen von Infotafeln, Insektenhotels, Lehrpfad mit Beispielen für die Schaffung von Strukturreichtum). Die restlichen Bermen wurden mit Blühsträuchern und Saatgut aufgewertet und sind nun soweit wie möglich sich selbst überlassen.

Die Fläche „Naturbündt“ nach dem Aufstellen des „Bildungsstadls“. Alle weiteren Arbeiten stehen hier noch aus. (Foto: Naturpark Nagelfluhkette)

Riefensberg – Schauplatz der Honigbiene (abgeschlossen):
Es hat sich eine freiwillige Arbeitsgruppe von Riefensbergern unter der Leitung vom Imkerobmann Vinzenz Lässer zusammengefunden, die sich um alle Belange gekümmert hat. Besonders das Kulturgut, die Tradition und die Erhaltung der Artenvielfalt liegen den Beteiligten am Herzen. Ein Stück Land, das „Naturbündt Neuhaus“, welches von der Gemeinde Riefensberg für das Projekt zur Verfügung gestellt wurde, wird nun beispielgebend in naturnaher Weise und ohne Einsatz von chemischen Mitteln nach alten Traditionen bewirtschaftet. Die bereits vorhandene Artenvielfalt von Bäumen, Sträuchern und Wiesenpflanzen wurde mittels behutsamer Aufforstung mit alten Obstbaumsorten, dem Anlegen von buchtigen Strauchsäumen und dem Einbringen von heimischem Saatgut weiter gesteigert. Die Lehrlinge der Vorarlberger Wirtschaftskammer Innung-Holzbau errichteten einen sogenannten „Bildungsstadl“, der heute als Schauimkerei dient und so das Leben der Honigbiene erforschen lässt. Schautafeln unterstützen dabei oder informieren die Besucher*innen auf der Fläche. Durch Trockensteinmauern, Sandflächen, Totholz und Co wurden zusätzlich Flächen für die Wildbienen geschaffen.

Fischen – neuer Lebensraum für Wildbienen (Umsetzung 2021):
Der Standort in Fischen liegt direkt in einem Erholungsgebiet (Kurpark) und bietet sich somit gut für begleitende Öffentlichkeitsarbeit an. Die Fläche wurde bereits einmal neu begrünt, um eine artenreiche Blumenwiese zu schaffen. Aufgrund des hohen Nährstoffangebots konnten sich aber nur Arten der Intensivwiesen durchsetzen. Mit der Fläche in Fischen wird gezeigt, wie aus nährstoffreichen und somit für die Artenvielfalt wenig bietenden Flächen, neue Blühflächen mit vielen verschiedenen Arten entwickelt werden können. Es wird mit ausschließlich heimischen Arten gearbeitet. Zusätzlich werden kleinstrukturierte Lebensräume, wie z. B. durch das Ausbringen von Totholz oder Sand- und Lehmflächen, geschaffen, um den Lebensraum für die Wildbiene zu erweitern. Besucher*innen werden an den einzelnen Standorten darüber informiert. Schulungen, v. a. der Gemeinde- und Bauhofmitarbeiter*innen schaffen ein Bewusstsein für die richtige Bewirtschaftung von artenvielfältigen Flächen und stehen in Fischen im Vordergrund. Nach diesem Beispiel sollen in der Gemeinde weitere Flächen angelegt und gepflegt werden.

Ziele des Projekts

Das zentrale Ziel des Projekts ist es, Wissen über den Lebensraum der Wild- und Honigbiene, aber auch anderer Insekten, und deren Lebensgrundlagen nicht nur an Kinder und Jugendliche sondern auch an Erwachsene zu vermitteln. Zusätzlich werden am Riefensberg alte Traditionen des Bewirtschaftens, wie mit der Sense mähen oder „Huinza“ bauen, zum Leben erweckt und ein Bewusstsein für die artgerechte Bewirtschaftung von Flächen geschaffen.

Flächen wieder selbst versamen lassen, um heimisches Saatgut gewinnen zu können, das Wiederansiedeln von alten Obstsorten, das Schaffen von natürlichen Behausungen für Insekten aller Art und eine Kleinstrukturiertheit der Lebensräume gestalten und erhalten, stehen bei diesem Projekt im Vordergrund.

Resümee

Durch dieses Projekt konnten Grundlagen für die weitere Arbeit des Naturparks in zusätzlichen Naturpark-Gemeinden geschaffen werden. Gleichzeitig konnten die Naturpark-Mitarbeiter*innen durch die Zusammenarbeit mit dem Umweltbüro Grabher ausreichend Know-how erlangen, das nicht nur bei weiteren „Bienen-Projekten“ Anwendung finden kann, sondern auch als Wissen in unsere Naturpark-Schulaktionen oder Führungen mit einfließen wird.

Die Zusammenarbeit mit freiwilligen Projektgruppen muss gut durchdacht sein und erfordert meist mehr Aufwand, als mit erfahreneren Projektpartnern zu arbeiten. Dies ist kein Hindernis, nur der zeitliche Mehraufwand sollte hier mit einberechnet werden.

Ausblick

Die „Schau- und Aufklärungsflächen“ wurden nachhaltig angelegt und wir erreichen so künftig bei Führungen, Workshops und Aktionen mit Schulklassen nicht nur Kinder, sondern auch Interessierte, Einheimische und Tourist*innen. Das Projekt wird in unsere „Mit dem Ranger unterwegs“-Touren, sowie den Naturpark-Schulaktionen integriert. Die Konzepte, die vom Bienenexperten Markus Grabher für die drei Beispielflächen gefertigt wurden, dienen als Anleitung für die weiteren Naturpark-Gemeinden, die bereit sind, kleine Bestäuberparadiese zu schaffen.

Service-Angaben

Naturpark Nagelfluhkette
Projektbearbeitung: Carola Bauer
Platz 370 • 6952 Hittisau
E-Mail: vorderwald@naturpark-nagelfluhkette.eu
Web: www.nagelfluhkette.info info@astronomie.at


Bestäuberparadiese im Naturpark Nagelfluhkette (PDF-Download: 0,5 MB)

Stand: Jänner 2021


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