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Foto: Raymond Clement / Naturpark Our

Foto: Franz Kovacs

Klimastrategie der Naturparke

Strategien und Initiativen für zukunftsfähige Natur- und Kulturlandschaften

Wie auch der aktuelle IPCC-Bericht (2022) deutlich macht, ist es angesichts des bisherigen und vor allem zu erwartenden Klimawandels allerhöchste Zeit, zu handeln. Natürliche und naturnahe Lebensräume spielen sowohl im Klimaschutz als auch in der Klimawandelanpassung eine wesentliche Rolle. Sie dienen beispielsweise als natürliche CO2-Speicher (insbesondere Moore), produzieren Sauerstoff und beeinflussen das Mikroklima. Naturschutz liefert daher einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz bzw. zur Klimawandelanpassung und auch umgekehrt! Dies wird u. a. durch viele gemeinsame Zielsetzungen von Naturparken und Klimaschutzinitiativen verdeutlicht.

Die aktuellen Krisen „Klimawandel“ und „Rückgang der biologischen Vielfalt“ hängen eng zusammen und müssen deshalb in ihrer Wechselwirkung zueinander betrachtet und gemeinsam bewältigt werden. Dadurch können Synergien gebildet werden, es sind aber auch Zielkonflikte zu beachten – etwa beim Ausbau der erneuerbaren Energien. In diesen Bereichen müssen Maßnahmen besonders umsichtig geplant und umgesetzt werden. Bereits jetzt können die Naturparke eine Vielzahl an Projekten vorweisen, die einen Beitrag zum Klimaschutz und zur Klimawandelanpassung leisten – sie setzen also viele „Klimamaßnahmen“  um.

Generelles Ziel der Naturparke ist der Schutz einzigartiger österreichischen Natur- und Kulturlandschaften: Rund 7% der Bundesfläche sind als Naturparke ausgewiesen. Um die Rolle und die Beiträge der Naturparke zum Klimaschutz bzw. zur Klimawandelanpassung zu konkretisieren, wurde 2021 in einem mehrstufigen Prozess unter aktiver Einbindung von Stakeholdern auf Naturpark-, Länder- und Bundesebene die vorliegende „Klimastrategie der Naturparke Österreichs“ (PDF-Download: 2,33 MB) erarbeitet.

Unsere Vision

Aus der Analyse bereits vorliegender Strategien, den Ergebnissen der Stakeholder-Workshops und der Einbindung von Expert*innen-Wissen wird folgende Vision für die Naturparke Österreichs abgeleitet:

Auf Basis ihrer Kompetenz in der nachhaltigen Regionalentwicklung und ihrer starken Verankerung in den Regionen profilieren sich Naturparke österreichweit als Vorzeige-Regionen für die Verknüpfung von Klimamaßnahmen und Biodiversitätsschutz.

Relevante Aktivitätsfelder

Um die Kompetenzen und auch Ressourcen der Naturparke gezielt einzusetzen, wurden – in Anlehnung an die österreichische Strategie zur Anpassung an den Klimawandel – vier Aktivitätsfelder definiert, in denen erfolgsversprechende Umsetzungsmöglichkeiten bestehen:

Ökosysteme und Biodiversität

Die Bundesstrategie zur Anpassung an den Klimawandel führt folgende Zielsetzung zu diesem Aktivitätsfeld an:

„Erhaltung und Förderung von Biodiversität und Ökosystemen sowie ihrer Funktionen durch Schutz klimawandelvulnerabler Arten, Vernetzung von Lebensräumen, nachhaltiger Landnutzung sowie Anpassung von Naturschutzkonzepten an klimawandelbedingte Veränderungen.“

Tourismus

Die Bundesstrategie zur Anpassung an den Klimawandel führt folgende Zielsetzung zu diesem Aktivitätsfeld an:

„Sicherung Österreichs als attraktiver und nachhaltiger Tourismusstandort durch Nutzung klimawandelbedingter Potenziale und Forcierung umweltfreundlicher Anpassungsmaßnahmen.“

Land- und Forstwirtschaft

Die Bundesstrategie zur Anpassung an den Klimawandel führt folgende Zielsetzung zu diesen Aktivitätsfeldern an:

„Sicherung einer nachhaltigen, ressourcenschonenden und klimafreundlichen (landwirtschaftlichen) Produktion sowie Erhalt und Verbesserung der ökologischen Leistungen der Landwirtschaft bei veränderten klimatischen Bedingungen.“

„Erhalt der multifunktionalen Wirkungen des Waldes durch seine nachhaltige und an klimatische Veränderungen angepasste Bewirtschaftung.“

Verkehrsinfrastruktur und Mobilität

Die Bundesstrategie zur Anpassung an den Klimawandel führt folgende Zielsetzung zu diesem Aktivitätsfeld an:

„Übergeordnetes Ziel: Sicherstellung eines funktionsfähigen, sicheren und klimaverträglichen Verkehrssystems durch eine an klimawandelbedingte Veränderungen angepasste Verkehrsinfrastruktur."

Besondere Bedeutung hat dabei das Aktivitätsfeld „Biodiversität und Ökosysteme“, da Naturparke eine hohe Kompetenz in diesen Themenbereich einbringen können.

Maßnahmenempfehlungen für Naturparke

Des Weiteren wurden Maßnahmenempfehlungen für die Naturparke und ihre Ländervereine sowie den Verband der Naturparke Österreichs (VNÖ) abgeleitet, die in diesen Aktivitätsfeldern umgesetzt werden können:

Integration

Aktive Integration von Klimaaspekten in bestehende Aktivitäten

  • Einarbeitung des Klimathemas in Naturpark-Strategien bzw. andere regionale Strategien
  • Einbinden des Themenfeldes Klima in möglichst viele Aktivitätsbereiche der Landesorganisationen bzw. Naturparke (z. B. Beschaffungswesen in den Büros, Angebotsentwicklung, Schutzmaßnahmen etc.)
  • Integration des Klima-Themas in das Naturvermittlungs-Angebot und Integration in Mobilitäts-Angebote

Klimakompetenz

Kompetenzaufbau und Aufbereitung des Themas

  • Kompetenzaufbau für das neue Thema (z. B. durch Weiterbildungen, Veranstaltungen) und auch Kompetenzverteilung zwischen den örtlich aktiven Organisationen
  • Zusammenarbeit auf Landesebene mit Kooperationspartnern in der Aus- und Weiterbildung von beispielswiese Natur- und Landschaftsvermittler*innen, in der Pädagog*innen-Weiterbildung (z. B. Lernraum Natur) usw.

Synergien durch Kooperation

Entwicklung von Synergien mit Klima-Kooperationspartnern

  • Erweiterung des eigenen Netzwerks um Ansprechpersonen aus Landesklimakoordinator*innen, Nachhaltigkeitskoordinator*innen der Länder, KEM, KLAR, Klimabündnis, e5, Natur im Garten etc.
  • Koordination der Maßnahmenempfehlungen mit Grundeigentümer*innen, Pächtern etc. zu Umsetzungsvorhaben auf der Fläche
  • Weiterentwicklung des Aktivitätsfeldes „Erhalt der vielfältigen Kulturlandschaft“ in Zusammenarbeit mit Landwirt*innen und landwirtschaftlichen Organisationen auf Naturpark-Ebene
  • Identifizieren von möglichen gemeinsamen Aktivitäten mit gegenseitigem Nutzen: Kooperationspotenziale zwischen Naturparken und KLAR / Klimabündnis: „Klimafitter Wald“, Mobilität, Boden, Green Events, Schulen (Klimabündnis Österreich betreibt eine Zusammenarbeit mit 700 Schulen österreichweit), Naturpark-Infostellen als Klimabündnisbetriebe, Naturpark-Partnerbetriebe als Klimabündnisbetriebe (evtl. in die Kriterien mit aufnehmen), alle Naturpark-Gemeinden werden Klimabündnisgemeinden usw. Naturparke sind „Meister der regionalen Vernetzung“!
  • Naturparke können KEM, KLAR, CLAR bzw. Klimabündnis-Partner werden.
  • Die Naturpark-Arbeitsprogramme sollen mit jenen der KEM / KLAR abgestimmt werden, da sich die Gebietskulisse oft überlagert.
  • Gegenseitige Verknüpfung / Verlinkung auf Websites, in Newslettern, Print-Produkten etc.
  • Gegenseitige Einladung zu Vernetzungstreffen, Sitzungen, aktive Teilnahme an einschlägigen, regionalen Plattformen; evtl. auch Einbindung in Gremien
  • Zusammenarbeit mit der in allen Bundesländern tätigen Initiative „Natur im Garten“, z. B. bei den Themen Moorschutz / Torfverzicht, Verwendung von regionalvermehrten Gehölzen und regionalem Saatgut, Grüne Infrastruktur im Siedlungsbereich, Beratungs- und Bildungsangebot. Nähere Informationen unter www.naturimgarten.at

Bewusstseinsbildung

Koordinierte Informations-, Kommunikations- und Öffentlichkeitsarbeit

  • Darstellung von bereits durchgeführten bzw. aktuellen Aktivitäten im Bereich Klimaschutz und Klimawandelanpassung
  • Sichtbarmachung des Themas, gemeinsam mit Partnern (z. B. Klimabündnis): Die Naturparke können eine Vorreiterrolle einnehmen, sich ein Profil erarbeiten als Vorzeige-Regionen für Klimamaßnahmen im Aktivitätsfeld „Ökosysteme und Biodiversität“. Forcierung von Klimabündnis-Partnerschaften: die Naturpark-Organisationen, -Gemeinden und  Partnerbetriebe
  • Öffentlichkeitsarbeit der Naturparke für Energiesparmaßnahmen
  • Vorbildfunktion der Naturparke und Naturpark-Gemeinden in der Kombination von Biodiversitäts- und Klimamaßnahmen (z. B.: klimafreundliche Veranstaltungen, eigenes Reiseverhalten, Energieversorgung innerhalb der Organisation, Energieeffizienz im Büro, Wasserverbrauch, Lebensmittel etc.)

Anpassungen der oben genannten Aktivitätsfelder und Maßnahmenempfehlungen sind in einzelnen Naturparken bzw. Bundesländern aufgrund regionaler Gegebenheiten und auf Basis vorhandener Ressourcen und Strukturen natürlich erforderlich. Dabei sind freilich auch die Empfehlungen des jeweiligen Bundeslandes respektive dessen Klimastrategien zu berücksichtigen.

Hervorzuheben sind das Interesse und die Bereitschaft der Beteiligten auf allen Ebenen, Klimaschutz und Klimawandelanpassung in die Naturpark-Arbeit zu integrieren und dadurch die Naturpark-Idee weiterzuentwickeln.


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