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Foto: goodluz/fotolia

Masterarbeit von Nastasja Harnack

Naturrauminventur des subalpinen Fichtenwaldes am Gerhardstein im Naturpark Weißbach bei Lofer

Beim Gerhardstein handelt es sich um ein dicht bewaldetes Hochplateau (ca. 360 ha) im Naturpark Weißbach zwischen 1200 und 1600 m ü. A., welches von allen Seiten von steilen Hängen begrenzt ist. Auf dem Plateau befinden sich überwiegend subalpine Fichtenwälder im Alter von ca. 200 Jahren, die durch vergangene intensive Nutzungen im Zuge der Salinenholzbeschaffung überprägt sind. Seit einigen Jahren verzichten die Bayerischen Saalforste, als Eigentümer des Waldgebietes, im gesamten Bereich freiwillig auf eine Nutzung - lediglich Borkenkäfermanagement findet noch statt, wobei die Stämme entrindet werden und dann auf der Fläche verbleiben. Ziel der Diplomarbeit ist den derzeitigen Waldzustand zu erfassen und die weitere Waldentwicklung zu beobachten. Die in dieser Arbeit erlangten Erkenntnisse liefern Informationen über die natürliche Sukzession von ehemals intensiv bewirtschafteten Fichtenwäldern. Mit einer systematischen Erhebung werden die Waldverhältnisse am Gerhardstein unter naturschutzfachlichen Gesichtspunkten analysiert und dargestellt. Neben klassischen waldbaulichen Parametern wie etwa Oberhöhen, Durchmesserverteilung, stockendes Volumen und Zuwachs wird der Totholzanteil und dessen Qualität bestimmt, Biotopbaummerkmale identifiziert und kleinräumige Sukzessionsphasen beurteilt. Die Erhebungen fanden im August und September 2018 statt. In einem zweiten Schritt wird auf Grundlage dieser Daten eine Simulation über 25 Jahre mit dem Einzelbaumwachstumsmodell MOSES (MOdelling Stand rESponse) durchgeführt, um die Entwicklungstendenz des Waldes einschätzen zu können.

 

Forschungsfragen

1. Wie sehen die derzeitigen Waldverhältnisse am Gerhardstein unter naturschutzfachlichen Gesichtspunkten aus?

  • Oberhöhen, Durchmesserverteilung und weitere Parameter zur Einschätzung der derzeitigen Stabilität, Vitalität und Mortalität des Bestandes
  • Quantifizierung des Totholzvorrates und Bestimmung dessen Qualität
  • Identifikation naturschutzrelevanter Strukturen (Biotopbäume, Sonderstandorte) und Determinierung der Strukturvielfalt
  • Verjüngungsaufnahme und Erhebung des derzeitigen Wildeinflusses

2. Welche Sukzessionsphasen können am Gerhardstein identifiziert werden?

  • Veränderung der Baumartenzusammensetzung in der herrschenden Schicht und in der Verjüngung
  • Veränderung der Diversitäts- und Strukturparameter
  • Veränderung des Totholzvorrates und dessen Anteil am Lebendvorrat

3. Welche naturschutzfachliche Bedeutung hat der Bestand am Gerhardstein heute und in Zukunft? 

 

Ergebnisse

Am Gerhardstein stocken rund 320 Vfm/ha. Im 500 m² Probekreis wurden insgesamt vier Baumarten erfasst. Auf die Stammzahl bezogen ist die Fichte mit 90 % die dominierende Baumart. In den Fichtenbeständen treten nur in geringem Ausmaß andere Mischbaumarten auf, wie Lärche mit ca. 8 % der Individuenzahl. Tanne und Bergahorn kommen nur sehr vereinzelt vor. Mit vielen schwachen und nur einigen starken Bäumen entspricht die BHD-Verteilung am Gerhardstein einem Plentergefüge. In der Verjüngung konnten fünf Baumarten festgestellt werden: Fichte, Bergahorn, Lärche, Weißtanne und Rotbuche, wobei die Fichte auch hier dominiert. Nur ein geringer Anteil der Verjüngung ist vom Wild beeinflusst. Über die gesamte Fläche des Gerhardsteins wurden 79,7 Vfm/ha Totholz mit einem durchschnittlichen Mittendurchmesser von 27,4 cm ermittelt. Der Lage nach fallen insgesamt 52 % auf liegendes, 34 % auf stehendes, 3 % auf hängendes Totholz und 10,6 % auf Stöcke. Auf Grundlage der erhobenen Daten kann der Bestand am Gerhardstein als ein strukturreicher Bestand mit einer großen Bedeutung für die standortstypische Vegetation und für naturschutzrelevante Tierarten, wie Auerwild, beurteilt werden. Die Simulation in MOSES ergab unter anderem aufgrund des größer werdenden Fichtenanteils eine Entwicklung in Richtung Terminal- bzw. Schlusswaldphase auf dem gesamten Plateau, welche für ausgewählte Standortseinheiten noch feiner bestimmt werden konnte. Insgesamt ergab sich aus der Simulation eine Tendenz zu einer höheren Strukturvielfalt bei gleichzeitig geringerer Baumartendiversität, wie sie für einen subalpinen Fichtenwald typisch ist. 

 

Download

Die Masterarbeit "Naturrauminventur des subalpinen Fichtenwaldes am Gerhardstein im Naturpark Weißbach bei Lofer" (2020) von Nastasja Harnack wurde an der Universität für Bodenkultur Wien verfasst und kann hier heruntergeladen werden (PDF-Download: 4,2 MB).

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