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Foto: goodluz/fotolia

Masterarbeit von Lisa Schmidt

Einstellungen zur Natur - Eine Befragung der Bevölkerung und der Akteure/-innen der Naturparkschulen Kaunergrat

Das sich wandelnde Verhältnis von Mensch und Natur schaffte Anlass die Studien von Kellert (1979, 1980; Kellert & Berry, 1980) und Schulz (1985) zu Einstellungen zur Natur in ähnlicher Form zu replizieren. Bei dieser Untersuchung wurden Pädagogen der Naturparkschulen und -kindergärten Kaunergrat befragt. Weiterhin wurden Daten der Bevölkerung in Deutschland und Österreich erhoben. Insgesamt wurden 251 Personen befragt. Der Fragebogen von Schulz (1985) wurde für diese Arbeit gekürzt und auf die Ziele angepasst. Die Kategorisierung der Gruppen und der acht Einstellungstypen wurde auf Grundlage der Ergebnisse von Kellert (1980), Schulz (1985) und Palmberg et al. (2018) erstellt.

 

Ergebnisse

Im Nachhinein scheint im Unterschied zur Aufteilung der Einstellungstypen von Kellert (1980) und Schulz (1985) eine Separation der materialistischen Einstellungstypen in die Einzelkategorien dominierend und utilitaristisch sinnvoll. Es bestätigt sich die Annahme, dass es vorteilhaft ist den negativistischen von den positiv-gefühlsbetonten Einstellungstypen zu trennen. Darüber hinaus könnte geprüft werden, ob eine Trennung des naturalistischen von den wissensbasierten Typen sinnvoll wäre. Für spezifische Zwecke ist eine genaue Betrachtung der einzelnen Aktivitätsgruppen unumgänglich. Eine Überarbeitung der Kategorisierung scheint ebenso sinnvoll, wofür ein Vorschlag erarbeitet wurde.

Bei Betrachtung der Rangfolge der Einstellungstypen der gesamten Stichprobe fällt auf, dass die moralistische Einstellung der vorherrschende Einstellungstyp bleibt. Andererseits sind der dominierende und utilitaristische Einstellungstyp am wenigsten vertreten. Im Mittelfeld ist jedoch eine Verschiebung weg von humanistischen und negativistischen hin zu wissensinteressierten Einstellungen erkennbar. Männer zeigen bei dieser Befragung im Gegensatz zu den Vorbildstudien keine stärker wissensbasierten, aber weniger gefühlsbetonte Einstellungen als Frauen. Experten zeigen in dieser Befragung keine besonders ausgeprägten utilitaristischen Einstellungen, während wissensinteressierte Einstellungen vorherrschen. Die verhältnismäßig zeitlich weit zurückliegende Studie von Schulz (1985) und die geringen Unterschiede zu dessen Ergebnissen deuten auf einen langwierigen Prozess des Einstellungswandels und eines Angleichs der Teilgruppen hin. Mit Blick auf die Entwicklungen der Gesellschaft könnte dies darauf hindeuten, dass sich weniger die Naturentfremdung als das Bewusstsein über die Bedeutung der Natur in den heutigen Einstellungen wiederspiegelt.

Unterschiede zwischen verschiedenen Teilgruppen, Einheimischen und deutschen Touristen sollten in der Umweltbildung stets bedacht werden. Einige Ergebnisse der Teilgruppen lassen vermuten, dass eine Unterstützung durch gezielte Umweltbildung einen Wandel hin zu wissensbasierten und weniger (negativ) gefühlsbetonten Einstelllungen unterstützen könnte.

Der Ort – wie zum Beispiel natürliche Lebensräume oder häuslicher Tierbezug – und der Grund einer Beschäftigung mit der Natur – z.B. ein freizeitbezogenes Lernen über die Natur oder das Erholen in der Natur – scheinen eine entscheidende Rolle für die Prägung der Einstellungen zur Natur zu spielen. Zwei Beispiele sollen die Bedeutung verdeutlichen: Für eine erfolgreiche Umweltbildung mit dem Ziel wissensinteressierte Einstellungen zu fördern, haben Bezüge zu natürlichen Lebensräumen und die gezielte Beschäftigung mit der Natur wahrscheinlich die größte Bedeutung. Verfolgt ein Pädagoge zum Beispiel das Ziel negativistische Einstellungen abzuschwächen, könnte die Beschäftigung mit Tieren im häuslichen Kontext bzw. in der Komfortzone der Zielgruppe die gewünschten Einflüsse stärker hervorrufen.

Es wäre für die Naturparkarbeit sicherlich wünschenswert, wenn sich der Naturbezug in den Einstellungen der Naturparkpädagogen wiederspiegelt. In Hinblick darauf ist die Erkenntnis wichtig, dass bei der gezielten Beschäftigung mit der Natur in natürlichen Lebensräumen bei Pädagogen der Naturparkschulen / -kindergärten Optimierungspotenzial zu bestehen scheint. Hier zeigen sich keine Unterschiede in den Einstellungen zu anderen Befragten.

Eine erste Umsetzungsidee für die Umweltbildung eines Naturparks oder anderer Schutzgebiete mit festen Kooperationspartnern könnte aus dem positiven Zusammenhang des eigenen Beitrags zum Naturschutz mit wissensbasierten Einstellungen entwickelt werden. In diesem Kontext könnte zum Beispiel die praktische Umsetzung eines eigenen Beitrags zum Erhalt einer Art oder eines Schutzgebietes als Ansatz dienen, sich als Pädagogen bzw. Bildungseinrichtungen gezielt mit dem Naturschutz vor Ort zu beschäftigen. Gleichzeitig würden die Besuche des Schutzgebietes so einem bestimmten Zweck dienen und das wissensbasierte Interesse der Pädagogen bzw. Einheimischen könnte gefördert werden.

Über systematische Fortbildungen der Lehrkräfte könnte darüber hinaus nachgedacht werden.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die Ergebnisse der Arbeit einen Wandel der Einstellungen hin zu wissensinteressierten Werten andeuten. Die Einstellungen der Bevölkerung scheinen sich anzugleichen. Es können Annahmen über den Einfluss des Ortes und der Gründe des Naturkontakts auf die Einstellungen getroffen werden. Die Einstellungen der Naturparkakteure unterscheiden sich nicht von deren anderer Befragter. Dies deutet darauf hin, dass hinsichtlich der gezielten Beschäftigung mit der Natur in natürlichen Lebensräumen bei der vorliegenden Stichprobe der Naturparkschulen und -kindergärten Optimierungspotenzial besteht. Insgesamt tragen die Ergebnisse dieser Arbeit sicherlich zum erwünschten Erkenntnisgewinn bei und können hoffentlich für die Bildungsarbeit des Naturparks genutzt werden.

 

Quellen

Kellert, S. R. (1979). Phase I: Public attitudes toward critical wildlife and natural habitat issues.
Kellert, S. R. (1980). Phase II: Activites of the american public relating to animals.
Kellert, S. R. & Berry, J. K. (1980). Phase III: Knowledge, affection and basic attitudes toward animals in american society. Zugriff am 20.01.2020.
Palmberg, I., Hermans, M., Jeronen, E., Kärkkäinen, S., Persson, C. & Yli-Panula, E. (2018). Nordic Student Teachers’ Views on the Importance of Species and Species Identification. Journal of Science Teacher Education, 29.
Schulz, W. (1985). Einstellungen zur Natur. Eine empirische Untersuchung. Dissertation. Ludwig-Maximilian-Universität München, München.

Download

Die Masterarbeit "Einstellungen zur Natur – Eine Befragung der Bevölkerung und der Akteure/-innen der Naturparkschulen Kaunergrat" (2020) von Lisa Schmidt wurde an der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe verfasst und kann hier heruntergeladen werden (PDF-Download: 5,4 MB).

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