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Foto: goodluz/fotolia

Masterarbeit von Julia Maria Rupanovits

Natur tut gut! Evaluierung der unverbindlichen Übung Naturkunde und Ökologie der Naturparkschule Kaisersdorf

Im Mittelpunkt meiner vorliegenden Arbeit stehen die Effektivität und Auswirkung von Natur und den Erfahrungen in der Natur auf die Entwicklung von Schulkindern im Volksschulbereich. Um die zentrale Frage meiner Arbeit, welche Bedeutsamkeit die Natur im Leben der Schüler*innen in diesem Alter einnimmt, beantworten zu können, entschied ich mich, die unverbindliche Übung Naturkunde und Ökologie in jener Volksschule zu evaluieren, in welcher ich beruflich tätig bin.

 

Methodik & Ergebnisse

Anhand der Auswertung der empirischen Arbeit habe ich das Ziel meiner For- schungsarbeit erreicht und kann die Forschungsfrage „Welchen subjektiven Mehrwert erleben die Schüler und Schülerinnen durch die Teilnahme an der unverbindlichen Übung Naturkunde und Ökologie an der Na- turparkvolksschule Kaisersdorf?“ folgend beantworten:

Die Schüler und Schülerinnen der Naturparkvolksschule Kaisersdorf erleben folgende Faktoren als subjektiven Mehrwert für die Anmeldung zur Einheit Naturkunde und Ökologie:

  • Lernfortschritt, Lernzuwachs
  • Intrinsische Motivation
  • Positive Erlebnisse
  • Neue Erfahrungen gemeinsam mit Gleichaltrigen

Anhand meiner theoretischen sowie empirischen Arbeit fand ich heraus, dass jene Aspekte im vorigen Absatz den Kindern Anlass bieten, um die unverbindliche Übung Naturkunde und Ökologie zu besuchen. Auch für mich als Lehrperson konnte ich klären, welche Faktoren aus subjektiver Sicht der Kinder wichtig sind, damit sie die unverbindliche Übung besuchen.

Die Forschungsfrage im theoretischen Teil meiner Arbeit („Welchen Mehrwert hat das Lernen in der Natur für Kinder?“) kann mit einigen positiven Argumenten beantwortet werden, welche ich nun kurz zusammenfasse.
Erfahrungen in der Natur, die in der frühen Kindheit gemacht werden, sind mitbestimmend für die Persönlichkeit der Kinder. (vgl. Gebhard 2013, 75) In der Natur finden die Kinder neue Aktivitäten und Abwechslung, besonders beim Spielen auf der Wiese, im Wald, im Bach oder im Sumpf. Die besonders innige Verbindung von Kindern zur Natur mit einer besonders offenen Bewusstseinsbildung, welche als „open-mindedness“ bezeichnet wird, beschreibt, dass die Aufgeschlossenheit und Empfindsamkeit für Dinge in der Natur nie wieder so ausgeprägt ist wie im Kindesalter. Häufig beobachtet man dies in der Versunkenheit der Kinder in Naturbeobachtungen oder Erfahrungen. Diese Kontakte in und zur Natur sind für die Ausprägung einer gesunden seelischen Entwicklung essenziell. (vgl. ebd., 77ff) Natur tut dem Kind gut und kann als Therapie für den Körper betrachtet werden. Erholsame und gesundheitsförderliche Wirkungen wurden am kindlichen Körper nachgewiesen. Und nicht zuletzt wirkt die Natur vor allem auf das Immunsystem - in Zeiten, in denen ein Virus die Menschen im Zaum hält, fast ein Wunder. (vgl. Wohlleben 2019)

Die Besonderheit meiner Arbeit zeigt sich vor allem auch in einigen Überschneidungen zwischen Theorie und Empirie.
Aus der Auswertung der Daten im empirischen Teil ging hervor, dass durch Erlangen von unbekannten Informationen in der jeweiligen Einheit und anschaulichem Material sowie neuen Medien ein Zuwachs an Wissen und positivem Verhalten erreicht werden konnte. Eine Überschneidung gibt es deshalb zum Zitat von Raith und Lude, welches besagt, dass „Naturbildung ein ganzheitliches Lernen mit Kopf, Herz und Hand ermöglicht.“ (Raith/Lude 2014, 81)

Im empirischen Teil der Masterarbeit ging außerdem hervor, dass die Bewegung in der Natur, vor allem durch das freie Spiel, zu einem Erholungsfaktor bei den Teilnehmern und Teilnehmerinnen der Einheit führte, welcher zu einer inneren, aus sich selbst entstehenden Motivation führte. Durch das unbewusste Lernen, Spielen und Arbeiten in der Einheit findet eine Abwechslung zum Alltäglichen statt. Gemeinsam mit Freund*innen und Gleichaltrigen kommt es zu einem gegenseitigen Austausch, in welchem positive Erlebnisse und neue Erfahrungen gemacht werden. Gleichermaßen gibt es hier Überschneidungen mit dem Theorieteil, in welchem die beiden Autoren Renz-Polster und Hüther von einem Reichtum an Möglichkeiten in der Natur sprechen und besagen, dass die Natur für Kinder „Freiraum, Spielraum, Beziehungsraum, Entdeckungsraum, Gestaltungsraum, Selbsterfahrungsraum und Rückzugsraum“ ist. (Renz-Polster/Hüther 2016b, 56)

Die Datenerhebung zeigt weiter, dass handwerkliche Tätigkeiten und gestellte Aufgaben die Motivation der Kinder fördern, gern gemacht werden, gleichzeitig herausfordernd sein können und die Kinder in ihrem Tun anregen. Die Ergebnisse meiner Arbeit belegen somit, dass Lernen und Spielen in der Natur den Kindern guttun und die Erholung sie bereichert.

Wenn ich nun den empirischen Teil mit dem theoretischen Teil meiner Arbeit verbinde, dann zeigen mir die Ergebnisse von Raith und Lude noch einmal deutlich, dass der Kontakt zur Natur für die Kinder für das gesamte Leben bedeutsam ist und Erfahrungen, die Kinder in und mit der Natur erleben, die Entwicklung positiv stärken. (vgl. Raith/Lude 2014, 7)

Durch meine Forschungsarbeit entstand Klarheit darüber, welche Aspekte die Einheit bieten muss, um Teilnehmer*innen zur Anmeldung zu motivieren. Mit dem Ergebnis meiner Arbeit kann ich Nachweise für den konkreten Bedarf der unverbindlichen Übung und somit den Ressourcenbedarf argumentieren.

Durch die Dokumentation meiner Arbeit verfasste ich gleichzeitig einen wissenschaftlichen Artikel, der im Netzwerk Bildung für nachhaltige Entwicklung interessant und wichtig ist. Die Forschung sowie die daraus resultierenden Ergebnisse dienen zur Schulentwicklung im Sinne der Entwicklung von Nachhaltigkeit sowie Natur und Umweltschutz als zukunftsrelevante Themen und sind wertvoll für alle Kollegen und Kolleginnen, vor allem im Volksschulbereich. Die Zielsetzung, welche ich mir für meine Arbeit vorgenommen habe, wurde somit erreicht.

 

Fazit

Abschließend möchte ich wiederholen, dass es, wie in meiner Arbeit beschrieben, keine Ersatzwelt für Kinder gibt, die einen Mangel an Naturerfahrungen verspürt haben. Dieser Mangel ist auch in der späteren Entwicklung nicht mehr aufholbar. Deshalb möchte ich als Lehrperson anderen Kollegen und Kolleginnen, vor allem im ländlichen Raum, folgende Anregung mit auf den Weg geben: „Verbringt auch ihr möglichst viel Zeit in und mit der Natur. Das Kind wird es uns einmal danken.“ 

 

Download

Die Masterarbeit "Natur tut gut! Evaluierung der unverbindlichen Übung Naturkunde und Ökologie der Naturparkschule Kaisersdorf" (2021) von Julia Maria Rupanovits wurde an der PH Burgenland verfasst und kann hier heruntergeladen werden (PDF-Download: 0,8 MB).

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