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Foto: goodluz/fotolia

Masterarbeit von Jakob Kößl

Homogenisierung von Wiesen des Lainzer Tiergartens durch naturschutzfachlich begründete Bewirtschaftungsvorschriften

Die artenreichen, mageren Wiesenökosysteme sind österreichweit durch Intensivierung oder Flächenstilllegung stark gefährdet. Eine Erhaltung dieser im Naturschutzgebiet Lainzer Tiergarten vorherrschenden waldfreien Vegetationstypen ist das naturschutzfachliche Ziel und deshalb ist deren Bewirtschaftung in einem Managementplan geregelt (LGBl. für Wien Nr. 45/2008).

Im Rahmen dieses Projekts soll untersucht werden, wie sich die Wiesen im Lainzer Tiergarten in den letzten 18 Jahren floristisch verändert haben und inwieweit sich Änderungen in der Bewirtschaftung und der äußeren Rahmenbedingungen wie Stickstoffdeposition oder Klimawandel auf die Pflanzenzusammensetzung ausgewirkt haben. Dazu wurden 64 ausgewählte Vegetationsaufnahmen, welche 1996 und 1997 von LEPUTSCH (1997) angefertigt wurden, in den Jahren 2014 und 2015 wiederholt. Auf den Aufnahmeflächen fand eine Schätzung der Artmächtigkeit nach der Methode von BRAUN-BLANQUET (1951) statt, wobei 2014/15 eine erweiterte 17-teilige Skala zu Anwendung kam.

Neben dem Vergleich der Artendiversität wurde nach Unterschieden in der Artenzusammensetzung zwischen den Aufnahmejahren gesucht. Die Anwendung einer detrended correspondence analysis (DCA) auf den Gesamtdatensatz ermöglichte eine Gegenüberstellung der Aufnahmen in einem zweidimensionalen Ordinationsraum auf Grundlage der Artenzusammensetzung. Neben allgemeinen Entwicklungen wurde nach Veränderungen in Untergruppen des Datensatzes (Ward-Clustern) gesucht. Um auf Veränderungen der Standortverhältnisse schließen zu können, erfolgte zusätzlich eine Berechnung der Zeigerwerte nach ELLENBERG (1992).

Der mittlere Nährstoffzeigerwert nahm signifikant von 3,8 auf 4,0 zu. Die Einstellung der Düngung im Jahr 2000 führte damit zu keiner Aushagerung der Flächen. Die konstant anhaltende Stickstoffdeposition aus der Luft hat vermutlich zu einem gegenteiligen Effekt und damit einer besseren Nährstoffversorgung der Standorte im Lainzer Tiergarten beigetragen. Vor allem sehr magere Standorte wie Bürstlingrasen- oder Davallseggengesellschaften sind besonders davon betroffen. Düngung soll im Lainzer Tiergarten also weiterhin unterbleiben. Außerdem wird die Messung der jährlichen Stickstoffdepositionen im Lainzer Tiergarten empfohlen, um deren Einfluss auf magere Wiesenökosysteme besser untersuchen zu können.

Die Analyse des Gesamtdatensatzes zeigt zusätzlich, dass es zu einer Homogenisierung des Pflanzenbestandes gekommen ist. Die Aufnahmen unterscheiden sich 2014/15 weniger stark voneinander als noch 1996/97, da eine geringfügige aber signifikante Bewegung der Aufnahmen Richtung Ordinationszentrum erfolgt ist. Auch die Gesamtvariation der beiden Datensätze hat von 4,7 auf 4,2 SD-Einheiten abgenommen. Neben dem ausgleichenden Effekt durch die Düngung aller Flächen über die Stickstoffdeposition kann man diese Entwicklung vor allem darauf zurückzuführen, dass große Wiesenkomplexe zu einem einheitlichen Zeitpunkt gemäht werden. Auch wenn die verschiedenen Vegetationstypen nach wie vor standörtlich klar abgegrenzt sind, wirkt die einheitliche Bewirtschaftung nicht mehr zusätzlich differenzierend. Um dem entgegenzuwirken, wäre der Mahdtermin auf die verschiedenen Vegetationstypen abzustimmen. Im Wesentlichen könnte man dabei den Bewirtschaftungsempfehlungen von LEPUTSCH (1997) auch heute folgen. Auf jeden Fall wird angeraten, nährstoffreiche Wiesensysteme wie die Goldhaferwiesen des Ward-Clusters 2 früher zu mähen, da hier bereits Verbrachungstendenzen zu beobachten sind. Auch ein Zurückdrängen der stark zunehmenden Colchicum autumnale könnte damit erreicht werden. Zusätzlich muss auf eine saubere Mahd in den Wiesenrandbereichen hingewiesen werden, da die naturschutzfachlich wertvollen Vegetationstypen der Furchenschwingel-Trespenböschung (Ward Cluster 6) und der Bürstlingrasen (Ward-Cluster 1), welche zum überwiegenden Teil an Wiesenrändern liegen, eine Zunahme einiger Brachezeiger aufweisen.

Die Artendiversität zeigt einen naturschutzfachlich wünschenswerten Trend und nimmt von durchschnittlich 46 auf 55 Pflanzenarten pro Aufnahmefläche signifikant zu. Zu beachten ist die starke räumliche und zeitliche Heterogenität des Pflanzenbestandes, die durch den hohen Schwarzwildbestand und deren Wühltätigkeit auf den Wiesen verursacht wird. Unter gegebenen Wildeinfluss sind daher Schwankungen in den Artenzahlen zu erwarten. Grundsätzlich tragen die Beweidung durch Wild und die Wühltätigkeit der Wildschweine zu der hohen Artendiversität im Lainzer Tiergarten bei. Beispielsweise sind die stark umgebrochenen und nährstoffreichen Wiesentypen des Ward-Clusters 2 sehr artenreiche Systeme. Auf einigen Aufnahmeflächen des Bürstlingrasen (Ward-Cluster 1) zeigt sich aber, dass massive Wühltätigkeit durchaus zu einer Beeinträchtigung der typischen Artengarnitur führen kann. Daher ist ein Monitoring der Wühlstellen anzuraten, um Auswirkungen der Wühltätigkeit auf den Pflanzenbestand zu untersuchen und Empfehlungen zum Schwarzwildbestand geben zu können.

Der im beobachteten Untersuchungszeitraum stattgefundene Jahresmitteltemperaturanstieg hatte keine Auswirkungen auf den Pflanzenbestand, da der Zeigerwert der mittleren Temperaturzahl keine Veränderungen zeigt. Es ist daher zu keiner Verschiebung der Artengarnitur hin zu wärmeliebenderen Pflanzenarten gekommen.

Ein regelmäßiges Monitoring der Vegetationstypen ist zu empfehlen, um den Erfolg der Wiesenbewirtschaftung zu kontrollieren und gegebenenfalls Adaptierungen vornehmen zu können.

 

Download

Die Masterarbeit "Homogenisierung von Wiesen des Lainzer Tiergartens durch naturschutzfachlich begründete Bewirtschaftungsvorschriften" (2017) von Jakob Kößl wurde an der Universität für Bodenkultur Wien an dem Institut für Botanik: Landschaftsplanung und Landschaftsarchitektur verfasst und kann hier heruntergeladen werden
(PDF-Download: 7,0 MB).

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