Zum Inhalt springen

AA AA AA

Foto: goodluz/fotolia

Masterarbeit von Eva Andrea Mayer

Landschaftsleistungen in randalpinen Kulturlandschaften am Beispiel des Naturparks Almenland (Steiermark)

Die Natur mit ihren Funktionen ist ein bedeutsamer Lieferant von Rohstoffen und anderen lebenswichtigen und lebenserleichternden Leistungen für den Menschen.
Der Ökosystemdienstleistungs-Ansatz, der 1992 von de Groot entwickelt wurde, versucht, den Wert dieser Leistungen möglichst objektiv festzumachen. Er ist mittlerweile ein gängiges Instrument im Naturschutz und der Regionalplanung und wird von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern immer wieder ergänzt und verfeinert. In dieser Arbeit wird stets von „Landschaftsleistungen“ gesprochen, da im Naturparkkonzept das Zusammenspiel von Mensch und Natur der wichtigste Aspekt ist und somit die Landschaft als Ganzes entscheidender ist als einzelne Ökosysteme.
Diese Arbeit stellt sich zur Frage, inwieweit sich die behandelten Raumeinheiten in Bezug auf ihre Landschaftsleistungen voneinander unterscheiden.

Die Grundlage für die Bewertungsmethodik sind die Arbeiten von Hermann et al. (2014) und Wrbka et al. (2012). Für die Auswahl der Samplingflächen wurden zunächst drei repräsentative Großräume ausgewählt (NO, TA, WE) und anschließend per Zufall drei Quadranten mit einer Fläche von je 500x500m pro Großraum ermittelt (NO34, NO69, NO85, TA73, TA129, TA150, WE357, WE536, WE636), die einen Waldanteil von maximal 50% aufweisen, da vorrangig die Offenlandschaft betrachtet werden soll. Zwei der Großräume werden als Kulturlandandschaftstyp „Grünlandgeprägte Kulturlandschaft“ definiert, einer als „Subalpines Weideland“. Somit ergeben sich als Raumeinheiten, die es in Bezug auf ihre Landschaftsleistungen zu vergleichen gilt, zwei Landschaftstypen, drei Großräume und neun Quadranten.

Die Landschaftsleistungen gliedern sich auf in Regulations- (Regulation), Lebensraum- (Habitat), Versorgungs- (Provision) und Landnutzungsleistungen (Carrier), ebenso wie sozio-kulturelle Leistungen (Information). Für die ersten vier Leistungsgruppen dient eine Biotoptypenkartierung als Basis der Berechnung, für die sozio-kulturellen Leistungen ist eine Landschaftscharakterkartierung ausreichend. Die Werte können zwischen 0 und 5 liegen, wobei 0 „keine relevante Beziehung“ und 5 „sehr hohe relevante Beziehung“ bedeutet.

Die Werte der zwei Landschaftstypen unterscheiden sich kaum, jedoch weist das subalpine Weideland bei den Regulations-, Lebensraum-, Versorgungs- und Landnutzungsleistungen etwas höhere Werte auf. Die grünlandgeprägte Kulturlandschaft hat lediglich bei den sozio-kulturellen Leistungen einen besseren Wert. Es gibt signifikante Unterschiede bei der lokalen Klimaregulierung, wildwachsender Nahrung und genetischen Ressourcen, hier weist das subalpine Weideland deutlich höhere Werte auf.

Die Leistungswerte der drei Großräumen sind recht ähnlich, sie unterscheiden sich um maximal 0,5 (WE 2,7 und NO&TA 3,2). TA hat bis auf die Information-Leistungen immer die besten Werte. Es gibt signifikante Unterschiede bei der lokalen Klimaregulierung, wildwachsender Nahrung und sowohl bei den genetischen als auch den medizinischen Ressourcen. Bis auf den Provision-Wert (2,7) von WE und alle Carrier-Werte (1,6 bzw. 1,9) liegt kein Wert unter 3,0, was auf recht gute Leistungen schließen lässt. Es ist allerdings auch kein Wert von über 3,7 zu verzeichnen, was wiederum bedeutet, dass es überall Verbesserungspotenzial gibt.

Zwischen den einzelnen Quadranten gibt es größere Unterschiede. Bei den Versorgungsleistungen unterscheiden sich die Werte sogar um bis zu 1,5. Die Quadranten mit den meisten hohen Werten sind TA129, TA150, WE357, die meisten niedrigen weisen NO85, TA73 und WE536 auf. Signifikante Unterschiede auf Subfunktionsniveau gibt es z.B. bei der lokalen Klimaregulierung zwischen TA73 (1,01) und NO85 (2,86) und bei den genetischen Ressourcen au TA129 (3,73) und WE536 (1,53).

Insgesamt lässt sich sagen, dass alle Hauptgruppen-Werte, bis auf die Landnutzungsleistungen, recht hoch sind, die untersuchten Flächen des Naturparks also gute Landschafsleistungen zur Verfügung stellen.

Dass generell keine allzu großen Unterschiede zwischen den Raumeinheiten zu finden sind, kann damit begründet werden, dass Naturparke im Gegensatz zu z.B. Biosphärenparks nicht in Zonen aufgeteilt sind und daher die Grenzen zwischen den Kulturlandschaftstypen teilweise stark verschwimmen. So gibt es z.B. auch in der grünlandgeprägten Kulturlandschaft durchaus extensivere Weiden und im subalpinen Weideland ebenfalls sehr intensive Wiesen. Ein weiterer Störfaktor stellt die hohe bewaldete Fläche dar, da Wald sehr hohe Werte für viele der Leistungen hat, in dieser Arbeit jedoch die Offenlandschaft im Vordergrund stehen soll.

Um die Landschaftsleistungen hoch zu halten bzw. eventuell teilweise noch zu verbessern, ist es zielführend, gewisse Landschaftselemente zu erhalten und zu fördern. So leisten z.B. Feldgehölze, Baum- und Strauchhecken und Feuchtgebiete einen großen Beitrag zur Wasserregulierung, da sie überschüssiges Wasser speichern können und so das umliegende Land vor Hochwasser schützen können. Auch als Refugium sind Feldgehölze und Baum- und Strauchhecken von Bedeutung. Sie stellen wichtige Trittsteine bzw. Korridore für die Fauna dar.

Diese Arbeit kann mit ihren Ergebnissen als erster Schritt einer den Naturpark übergreifenden Landschaftsleistungsbewertung gesehen werden und helfen, zuständige Personen vor Ort bei Entscheidungsprozessen zu unterstützen. Dadurch kann eine mögliche Degradierung von Landschaftsflächen rechtzeitig erkannt werden, um erhaltende Maßnahmen einzuleiten. Des Weiteren soll die Biotopkartierung als Grundstein für eine flächendeckende Biotopkartierung im Naturpark Almenland dienen.

 

Download

Die Masterarbeit "Landschaftsleistungen in randalpinen Kulturlandschaften am Beispiel des Naturparks Almenland (Steiermark)" (2018) von Eva Andrea Mayer wurde an der Universität Wien an dem Department für Botanik und Biodiversitätsforschung verfasst und kann hier heruntergeladen werden (PDF-Download: 11,8 MB).

Top