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Foto: goodluz/fotolia

Masterarbeitvon Caroline Nagl-Springer

Schützen und Nützen?! – Naturparke als Möglichkeitsräume für den Schutz und die Nutzung von Natur- und Kulturlandschaften

Das zugrundeliegende Problem dieser Masterarbeit bildete der Umstand, dass österreichische Naturparke mit einer Vielzahl an Aufgaben und Funktionen beauftragt werden. Sie stellen multifunktionelle Landschaften dar, in denen der Schutz von Natur und die Nutzung derselbigen zusammengedacht werden sollten. Nachdem Naturparke allerdings keine eigenständige Schutzgebietskategorie in Österreich darstellen und damit nur wenig Verbindlichkeiten einfordern können, kommt es oftmals zu Konflikten zwischen Schutz und Nutzen. Ausgehend davon ergab sich die leitende Forschungsfrage dieser Masterarbeit, welche lautet: Inwiefern gelingt es Naturparken Schutz und Nutzen miteinander in Einklang zu bringen?

In ihren Aufgabenstellungen sowie ihren Zielsetzungen sind österreichische Naturparke darauf ausgerichtet ein gleichrangiges Miteinander zwischen Natur und Mensch bzw. zwischen Schützen und Nützen herzustellen. Damit reagieren sie in besonderer Weise auf den Begriff der „Mitwelt“ von Meyer-Abich (1990).

Naturparke umfassen vor allem gewachsene Kulturlandschaften. Schutz und Nutzen stehen dabei in einer historisch gewachsenen Verbindung zueinander. Denn weder Landschaftsform noch Biodiversitätsausprägung wären ohne menschliches Zutun in diesen Landschaften vorhanden. Wie aus der Analyse der Experteninterviews hervorging, geht es in österreichischen Naturparken vorrangig um die Art und Intensität der Nutzung von Landschaften. Unter Berücksichtigung dieser Komponenten werden Schutzansprüche umgesetzt.

Unter diesem Aspekt betrachtet markieren Konflikte in österreichischen Naturparken jene Bereiche, in denen ein Ungleichgewicht zwischen Schutz und Nutzen besteht. Spannungen in Naturparken entstehen aufgrund der Verschiedenheit an Nutzergruppen und Nutzungsinteressen. Dazu konnte festgestellt werden, dass vor allem Landwirtschaft und Tourismus mit all ihren Verzahnungen ein hohes Konfliktpotential in Naturparken vorweisen. Ausgangspunkt der Spannung bildet dabei vor allem die raum-zeitliche Konzentration dieser Landnutzungsformen. In den Experteninterviews wurde neben diesen beiden Bereichen auch divergierende kommunale Entwicklungsinteressen als Ursache von Konflikten zwischen Schutz und Nutzen genannt. Dabei wurde vor allem die Frage aufgeworfen, wieviel Entwicklung und Veränderung in österreichischen Naturparken zulässig ist. Eine eingehendere Untersuchung dieser Fragestellung würde sich vor allem im Kontext angepasster Schutzziele und des Klimawandels lohnen.

 

Ergebnisse & Schlussfolgerung

Vor dem Hintergrund der Konfliktprävention und -lösung wurde innerhalb dieser Masterarbeit aufgezeigt, dass integrative Strategien ein höheres Ausmaß an Akzeptanz gegenüber Schutzzielen im Naturpark mit sich bringen sowie nachhaltiger wirksam sind als segregative Strategien. Dies kann damit begründet werden, dass ihr Fokus auf dem Schließen von Synergien zwischen Schutz und Nutzen liegt.

Das Schaffen von Synergien erfolgt in österreichischen Naturparken entlang des 4-Säulen Modells. Schutz und Nutzen werden dabei netzwerkartig miteinander gedacht. Die Fragestellung in welchen Bereichen nun Synergien zwischen Schutz und Nutzen in Naturparken geschlossen werden können, kann daher nicht eindeutig beantwortet werden. Pröbstl-Haider brachte diesen Umstand im Interview auf den Punkt, indem sie sagte: „Das ist mehr eine Frage des Wollens als des Könnens.“ (IP1: 362-363). Kerncharakteristikum aller Synergiemöglichkeiten ist dabei die Ausbildung von regionalen und interregionalen Netzwerken zwischen Naturpark und wichtigen Stakeholdern. Ein wesentliches Ergebnis dieser Masterarbeit ist daher, dass österreichische Naturparke grundlegend über Netzwerke funktionieren. Auch deren Schutzfunktion baut darauf auf. Was allerdings fehlt, sind stärkere Verbindlichkeiten von Seiten der Bundesländer sowie des Bundes.

Derzeit ist die Qualität der Naturparkarbeit im Kontext von Schutz und Nutzen stark von der Verortung des Naturparkes sowie vom Engagement des jeweiligen Naturparkmanagements und der Bevölkerung abhängig. Dieser Umstand spitzt sich vor mangelhafter Ressourcenausstattung immer weiter zu. Sofern nicht mehr Verbindlichkeiten eingefordert werden und Naturparke im Sinne einer Qualitätsoffensive evaluiert werden, besteht die Gefahr des Verkommens zu Worthülsen. Denn Naturparke unterscheiden sich dann nur in wenigen Punkten von Normallandschaften. Gleichzeitig erheben sie aber den Anspruch Möglichkeitsräume für eine nachhaltige Entwicklung zu sein, in denen ein gleichrangiges Miteinander von Schutz und Nutzen bzw. von Natur und Mensch gelebt wird.

Das Herstellen einer ausgewogenen Schutz-Nutzen-Balance sowie das Gelingen qualitätvoller Naturparkarbeit steht dabei in enger Abhängigkeit zu folgenden Faktoren und Rahmenbedingungen:
·      Politischer Zuspruch
·      Qualitätskriterien und Qualitätsoffensive
·      verbesserte Ressourcenausstattung
·      Policy-Mix
·      Planungssicherheit und politisches commitment
·      Partizipation
·      strategische Ausrichtung und konkreter Managementplan
·      Pflegen eines kontinuierlichen Dialogprozesses.

Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass Naturparke einen wesentlichen Beitrag zum Natur- und Kulturlandschaftsschutz auf regionaler Ebene leisten. Ihnen gelingt es tragfähige regionale Netzwerke aufzubauen und gemeinsam mit regionalen Stakeholdern innovative Projekte im Kontext von Schutz und Nutzen zu realisieren. Diese Projekte berücksichtigen in vielerlei Hinsicht die natur- und kulturräumliche Ausstattung der Region und versuchen Schutzansprüche in Nutzungsmuster wesentlicher Nutzergruppen zu integrieren. Naturparke betreiben damit Natur- und Kulturlandschaftsschutz, welcher auf die Region, die Bevölkerung und deren Bedürfnisse zugeschnitten ist. Die Entwicklungen der letzten 20 Jahre haben gezeigt, dass Naturparke für mehr stehen können als für schöne Landschaften. Diese Entwicklung hin zu einem Schutzinstrument läuft allerdings Gefahr aufgrund mangelhafter Verbindlichkeiten, fehlendem politischen Engagement, unzureichender Evaluierung und geringer Ressourcenausstattung untergraben zu werden.

 

Download

Die Masterarbeit "Schützen und Nützen?! – Naturparke als Möglichkeitsräume für den Schutz und die Nutzung von Natur- und Kulturlandschaften" (2021) von Caroline Nagl-Springer wurde an der Universität Wien verfasst und kann hier heruntergeladen werden (PDF-Download: 1,7 MB).

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