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Foto: dmitriydanilov62/stock.adobe.com

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Foto: Anja H/Pixabay

Baukünstler an Bäumen, in Hecken und im Wald

Foto: dmitriydanilov62/stock.adobe.com

Weniger auffällig als in der Magerwiese leben auch im Wald sehr viele Insektenarten. Die meisten davon sind an alte Bäume oder Totholz gebunden, weil sie sich darin entwickeln oder ihre Nahrung darin finden – leider fehlt beides in den allermeisten Wäldern, sodass heute der Artenreichtum im Wald reduziert ist. Viele Nützlinge finden daher keine Lebensmöglichkeiten und Schädlinge haben bei Reinkultur von Fichte leichtes Spiel.

Hilfreich gegen so genannte Forstschädlinge sind die Kolonien von hügelbauenden Wald-ameisen. Ihre Nester sind sogar gesetzlich geschützt. Ameisen gehören zu den wenigen heimischen Insekten, die Staaten mit Arbeitsteilung bilden und zudem über ausgeklügelte Lebensstrategien verfügen. Über mit Duftstoffen versehenen Ameisenstraßen funktioniert der Nachschub ins Nest. Ameisen sind hervorragende Baukünstler: Aus Erde und Pflanzenteilen bauen sie riesige Nester, die „Ameisenhügel“, die bis zu zwei Meter hoch sein können, dabei ist der größte Teil des Nests unterirdisch. Eine erstaunliche Leistung, wenn man bedenkt, dass die kleinen Insekten nur rund sechs Millimeter groß sind. Ein Ameisenbau besteht aus einem ausgeklügelten System mit zahlreichen Kammern und Gängen: Von Vorratskammern, Brutkammern, bis hin zu einem integrierten Heizungssystem mit Klimaanlagen!

An sonnigen Waldrändern und an besonntem Totholz sind Bauten und Spuren von Insekten und anderen Kleintieren am leichtesten zu sehen. Vielleicht gelingt die Entdeckung eines Waldmistkäfers oder einer Wildbiene. Mit Sicherheit können im Wald Spechthöhlen entdeckt werden, in deren Nähe die verschiedensten Nachmieter beobachtet werden können.

Was kann ich tun?

  • bestehende Bauten nicht zerstören
  • ist die Umsiedlung eines Hügels von Waldameisen notwendig können speziell ausgebildete Ameisenheger kontaktiert werden
  • Totholz an sicheren Stellen belassen
  • Anlage von artenreichen Hecken aus heimischen, teilweise beerentragenden Gehölzen

Ideen und Tipps

Nachfolgend finden Sie Anregungen und Projektbeschreibungen für verschiedene Aktivitäten, um Kindern und Jugendlichen Baukünstler an Bäumen, in Hecken und im Wald näher zu bringen.

Wir bauen eine Ameisenfarm

Foto: Pixabay/Free-Photos

Bildungsziele: Aufbau eines Ameisenbaues kennen lernen, Verhalten der Ameisen beobachten, kreatives Gestalten


Alter: Kindergarten, Volksschule

Gruppengröße: Gesamtgruppe

Material: leeres Aquarium, Terrarium oder großer Glasbehälter, dunkles Papier, Erde, Blätter, Ameisennahrung: z.B. Obststücke


Ablauf: Mit dunklem Papier werden ein oder zwei Seiten des Aquariums abgeklebt (Ameisen bauen ihre Gänge bevorzugt in dunkler Umgebung). Das Aquarium wird mit feuchter Erde, Blätter und Nahrung für die Ameisen befüllt (Achtung: die Erde sollte nur feucht und nicht nass sein!). Die Kinder dürfen im Garten Ameisen (eines Ameisennestes) sammeln und diese ins Aquarium geben. Tipp: Ameisen findet man z.B. unter Steinen, Holz und Ähnlichem. Die Ameisenfarm sollte gut verschlossen werden, damit die Ameisen nicht hinaus klettern können, trotzdem sollten die Tiere auch noch genug Luft bekommen. Nach einigen Tagen kann das dunkle Papier entfernt werden. Mit etwas Glück können nun bereits die Ameisengänge, die entlang der Scheibe gebaut wurden, sowie das Verhalten der Ameisen beobachtet werden.  Hinweis: Nach ausreichender Beobachtungszeit, sollten die Ameisen wieder dort freigelassen werden, wo sie gefunden wurden.

Die Anleitung finden Sie hier!

 

Weitere Ideen für eine selbstgebaute Ameisenfarm gibt es hier!

Ameisen als Straßenbaukünstler beobachten

Foto: Pixabay/Christina Cordes

Hintergrund: Ameisen bauen nicht nur beeindruckende Wohnbauten – vom Ameisenhügel aus führen zahlreichen Ameisenstraßen in die unmittelbare Umgebung. Die Ameisen markieren dabei mit Duftstoffen den Verlauf ihrer Straßen. So weiß jede Ameise, wo sie hin muss.


Bildungsziele: „Ameisenstraßen“ beobachten und experimentell analysieren


Alter: Kindergarten, Volksschule, Mittelschule

Gruppengröße: Kleingruppe, Gesamtgruppe

Material: Ameisenstraße: Zimt, evtl. Obststück
Laufgeschwindigkeit: 2 Stöcke, Stoppuhr, Stifte, Papier, Taschenrechner
Ameisenslalom: Papier, Würfelzucker, Wasser
Ameisen-Zauberei: blaue oder violette Blüten (z.B. einer Glockenblume oder eines Storchschnabels)


Ameisenstraße

Ameisenstraßen suchen und beobachten: Wo beginnt die Ameisenstraße, wo führt sie hin? Wie lange ist die gefundene Ameisenstraße: Wähle eine Ameisenstraße aus, gehe diese entlang und zähle dabei die Schritte. Auf die Ameisenstraße wird vorsichtig ein Hindernis gelegt und beobachtet was passiert. Wie reagieren die Ameisen auf das Hindernis? Zimt über einen kleinen Teil der Ameisen-straße streuen: Krabbeln die Ameisen über den Zimt oder weichen sie aus? Was passiert, wenn ein Leckerbissen für die Ameisen (totes Insekt, Obststück, etc.) auf die Straße gelegt wird? Wie reagieren die Ameisen?


Laufgeschwindigkeit

Mit zwei Stöcken wird eine definierte Strecke (z.B. 1 m) einer Ameisenstraße markiert. Nun wird die Zeit gemessen die eine Ameise benötigt um die Strecke zurück zu legen. Je nach Alter der Kinder kann diese Beobachtung erweitert werden: Für NMS: Messung der Laufgeschwindigkeit mehrerer Ameisen und Berechnung der durchschnittlichen Geschwindigkeit. Vergleicht die Ergebnisse!


Ameisen-Slalom

Auf einen Zuckerwürfel wird etwas Wasser getropft. Damit kann auf ein Blatt Papier eine Spur, entlang derer die Ameisen laufen sollen, gemalt werden. Anschließend wird das Papier in unmittelbarer Nähe eines Ameisenhügels gelegt und mit Steinen beschwert.

Die bebilderte Anleitung für den Ameisenslalom gibt es hier!


Ameisen-Zauberei

Eine blaue Glockenblumenblüte oder eine violette Storchschnabelblüte vorsichtig auf einen Ameisenhügel legen und beobachten was passiert: Die Ameisen halten die Blüte für einen Feind und bespritzen sie mit Ameisensäure. An den Stellen, wo sich die Säure mit dem blauen Farbstoff der Blüte verbindet, verfärben sich die Blätter rot!

Hirschkäferwiege errichten

Foto: abet – stock.adobe.com

Hintergrund: Der Hirschkäfer, aber auch viele andere Käfer, Fliegen, Wanzen, Pilze usw., brauchen für die Entwicklung oder als Nahrung morsche Eichen-Wurzelstöcke. Der erwachsene Käfer selbst trinkt am liebsten den Saft alter Eichen, den er mit seinen speziell ausgebildeten Mundwerkzeugen saugt. Leider wird es für den Hirschkäfer immer schwieriger alte Eichen und deren Wurzelstöcke zu finden. Durch den Bau einer Hirschkäferwiege kann dem majestätischen Käfer geholfen werden, eine passende Kinderstube für seine Larven zu finden. Verwendet man unterschiedliche Laubholz-Baumarten, kann man mehrere Arten anlocken.


Bildungsziele: Lebensweise, Gefährdung und Schutzmaßnahmen für den Hirschkäfer und andere Totholzbewohner kennenlernen und aktiv helfen; Beobachtungen zur Entwicklung von Kleintieren im Totholz; Bedeutung von Alt- und Totholz im Wald und einer naturnahen Waldbewirtschaftung.


Alter: Volksschule, Mittelschule

Gruppengröße: Gesamtgruppe

Material: alte Eichenstämme und dicke Eichenäste (evtl. auch Eichenrindenstücke), Sägemehl, Eichen-Hackschnitzeln, Spaten, Schaufeln


Ablauf für den Bau einer Hirschkäferwiege: Wichtig ist die richtige Wahl des Standortes: eine sonnige Stelle, idealerweise umgeben von Eichen. Konnte bereits ein Hirschkäfer in näherer Umgebung beobachtet werden (Umkreis von ca. 3 km), eignet sich die Stelle perfekt. Dort wird eine ca. 50 cm tiefe Grube ausgehoben. In diese werden die Eichenstämme und -äste senkrecht gestellt. Die Zwischenräume werden mit Sägemehl und Eichen-Hackschnitzeln, evtl. auch mit Eichen-Rindenstücken aufgefüllt.

Tipp: Die Hirschkäferwiege sollte über die Jahre hinweg immer wieder mit Sägemehl und Hackschnitzeln nachgefüllt werden.

Durch natürliche Prozesse mit Hilfe von Pilzen und Mikroorganismen entwickelt sich in der Käferwiege das optimale Klima für Hirschkäferlarven. Findet ein Hirschkäferweibchen nun die Käferwiege, kann es mit der Eiablage beginnen. Fünf- bis acht Jahre werden die geschlüpften Larven in der Käferwiege verbringen, ehe daraus erwachsene Hirschkäfer schlüpfen. Die erwachsenen Käfer selbst sind besonders gut an lauen Juli-Abenden, wenn sie brummend durch die Lüfte auf der Suche nach einer Eiche fliegen, zu beobachten.

Die bebilderte Anleitung für den Bau einer Hirschkäferwiege finden Sie hier!


Download: Praxismaterial - Hirschkäferwiege (PDF-Download: 0,4 MB)

Loch im Baum – tierische Spurensuche!

Foto: Viktoriia Novokhatska/stock.adobe.com

Hintergrund: Baumhöhlen, -löcher und -spalten können auf verschiedene Arten entstehen, z.B. durch das Ausbrechen morscher Äste, durch Frost und Blitz, durch Baumwunden, durch das Ablösen der Rinde – aber auch durch fleißige Spechte, die ihre Bruthöhle in den Baum meißeln. Während die Spechte die Vorarbeit leisten, ziehen Vögel, Eulen, Fledermäuse, Siebenschläfer und viele weitere Baumhöhlenbewohner gerne als Nachmieter in die fertige Wohnung ein. Aber auch kleinere Bewohner, wie Wildbienen, Hummeln, Wespen, Fliegen und Holzkäfer freuen sich über den fertigen Wohnsitz. Als Unterschlupf, Kinderstube oder Winterquartier: Alte Bäume mit Höhlen, Spalten und Rissen sind wichtige Rückzugsorte für viele Tierarten.


Bildungsziele: Baukünstler und Bewohner von Baumhöhlen kennenlernen, aufmerksam wahrnehmen und erforschen


Alter: Volksschule, Mittelschule

Gruppengröße: Gesamtgruppe

Material: Lupe, Stifte, Schreibunterlage, Zettel


Ablauf: Ausgerüstet als Detektive beginnt die Spurensuche: Im Wald werden die verschiedensten Löcher an den Bäumen entdeckt. Wer ist dafür verantwortlich? Die Suche nach dem Täter beginnt ...

Spurensuche und Beweissicherung: Die Kinder gehen in Gruppen auf Spurensuche. Sie sollen Ausschau nach Löchern, Höhlen und Fraßspuren an den Bäumen in unmittelbarer Umgebung halten. Zur Beweissicherung sollen sie schematisch die gefundenen Baumlöcher und -höhlen aufzeichnen.

Tatverdacht: In der Gruppe wird besprochen von welchen Tieren die Spuren an den Bäumen stammen könnten? Welche Tiere nutzen die entstandenen Höhlen?

Erstellung des Täterprofils: Der/die Gruppen-leiter/in nennt verschiedene Eigenschaften und Verhaltensweisen eines Tieres, das Verursacher der Löcher oder Höhlen ist bzw. diese als Wohnungsstätte, Versteck oder Winterquartier verwendet. Wenn ein Kind ahnt, um welches Tier es sich handeln könnte, legt es seinen Finger auf die Nase. Wenn die meisten Kinder die Nase berühren, dürfen alle gemeinsam das Tier laut nennen.

Beispiel Buntspecht: Er lebt in Wäldern und in Parks. Er frisst am liebsten Insekten und deren Larven, aber auch Samen und Beeren. Er hat einen charakteristischen wellenförmigen Flug. Er baut seine Nester in Höhlen. Im Frühjahr könnt ihr im Wald seine typischen „Klopfgeräusche“ hören.

Lösung des Falles: Gemeinsam wird zusammengefasst, wer die Baumlöcher gebaut hat, welche Tiere sie nutzen und warum alte Bäume mit Löchern, Höhlen und Ritzen so wichtig sind.

Die ausführliche Anleitung finden Sie hier!

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