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Foto: Ewald Neffe

Foto: Archiv Naturpark Weißbach

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Hochwasserschutz Tiroler Lech

Interview mit DI Wolfgang Klien, Baubezirksamt Reutte, geführt vom Naturpark Tiroler Lech

DI Wolfgang Klien/Foto: Marlene Salchner

NPTL: Du leitest mit Herz und Seele im Baubezirksamt Reutte den Bereich Wasserwirtschaft. Warum identifizierst du dich so stark mit deinem Beruf?

KLIEN: Ich bin seit 40 Jahren als Wasserbauer für den Tiroler Lech tätig. In dieser Zeit war der große Wandel von den harten Verbauungen zum naturnahen Flussbau. Der Lech bietet durch seine Voraussetzungen die einmalige Gelegenheit einen weitgehend natürlichen Gebirgsfluss wieder herzustellen. Die Verantwortung für diesen in Europa einmaligen Fluss war mir fast immer ein Vergnügen und nie eine Last.

NPTL: Im LIFE Lech-Projekt werden insgesamt 12 flussbauliche Maßnahmen vorgenommen. Welche Auswirkungen auf Mensch und Umwelt werden erwartet?

KLIEN: In Siedlungsbereichen wurden vielerorts Dämme zum Schutz gegen Hochwasser gebaut. Dadurch verringerten sich die natürlich bestehenden Überflutungsflächen, wie etwa die weitläufigen Sand- und Kiesbänke. Die Lech-Aufweitungen durch das LIFE Lech-Projekt schaffen somit zusätzliche Flächen für den Rückhalt von Hochwasser. Sie dienen sozusagen als Ausgleich für die Errichtung von Hochwasserdämmen in den Siedlungsbereichen und tragen gleichzeitig zum einzigartigen Ökosystem bei. Der Schutz für Mensch und Natur erhöht sich gleichermaßen!

NPTL: Heißt das, dass die Aufweitungen am oberen Lech bei einem Hochwasserereignis auch einen positiven Einfluss auf die Gemeinden im Raum Reutte haben?

KLIEN: Durch den Hochwasserrückhalt im Lechtal in den neuen Aufweitungsflächen wird die Hochwasserspitze für die Unterlieger im Talkessel von Reutte gekappt und damit die Hochwassergefahr vermindert. In der Marktgemeinde Reutte wird voraussichtlich bereits im nächsten Jahr mit den Hochwasserschutzmaßnahmen für den Ortsteil Lüß begonnen. Der Ausgleich für den Retentionsraumverlust durch diese Maßnahmen wird mit den neu geschaffenen Überflutungsflächen des LIFE Lech-Projektes ausgeglichen.

NPTL: Von welchen bisherigen Erfolgen am Lech kannst du berichten?

KLIEN: Bereits vor 15 Jahren wurde das erste LIFE Lech-Projekt am Lech und an der Vils verwirklicht. Die dabei ausgeführten Maßnahmen haben sich bewährt und wurden von vielen Fachleuten und auch NGOs besichtigt und als Vorbild für ihre Projekte verwendet. Dieser erfolgreiche Weg wurde deshalb auch im aktuell laufenden LIFE Lech-Projekt eingeschlagen.

Naturpark Tiroler Lech vom 19.06.2020

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