Jeder

profitiert

So profitierst du davon

Mit ein wenig Motivation und im Garten vorhandenen Materialien können in kurzer Zeit richtige Insektenparadiese entstehen. Nicht nur Expertinnen, sondern auch Schülerinnen, Betriebe und Privatpersonen sind im Stande, ungenutzte Plätzchen im Garten neu aufleben zu lassen. Auch Gemeinden sind eingeladen, Grünflächen für das Wohlbefinden der Bevölkerung umzugestalten und damit auch für Insekten attraktiven Lebensraum zu schaffen. Dieser Nutzen wird von der Tierwelt gleichermaßen geschätzt wie von Einheimischen und Erholungssuchenden.

Es erfolgt eine Darstellung der vielen Vorteile von Kleinflächen sowie eine Information über die Planung. Zudem finden sich Ratschläge, wo bei der Anlage Unterstützung eingeholt werden kann.

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Privatpersonen

Beim Anlegen eines Insektenparadieses im Garten tritt häufig die Sorge auf, dass die Fläche als „Wildnisgebiet“ unberührt bleiben muss oder die persönliche Lieblingsblume als ökologisch wertlos gilt und entfernt wird. Ein insektenfreundlicher Garten soll jedoch stets auch der menschlichen Erholung und Freude dienen. Durch eine entsprechende Gartenplanung lassen sich verschiedene Bedürfnisse auf engem Raum vereinen.

Ein Insektengarten ist zudem als Spielfläche für Kinder geeignet; es empfiehlt sich lediglich, Bereiche wie die wilde Ecke oder den Totholzhaufen räumlich getrennt von aktiven Spielzonen, wie etwa einem Fußballtor, zu positionieren. Sobald ein vielfältiges Angebot an heimischen Stauden etabliert ist, steht den Insekten eine bunte Nahrungsgrundlage zur Verfügung. In diesem Rahmen finden auch nicht-heimische Zierpflanzenzüchtungen ihren Platz, sofern eine unkontrollierte Ausbreitung unterbunden wird.

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Arbeit die Früchte trägt

Die Arbeit im eigenen Garten ist sehr bereichernd und nicht nur eine üppige Obst- und Gemüseernte erfüllt einen mit Stolz. Wenn man nach Umsetzung insektenfreundlicher Maßnahmen im Garten erlebt, wie es summt und brummt, merkt man, dass man selber wirklich etwas bewirken kann für den Erhalt der Biodiversität.

Freude am Beobachten und Forschen

In einem strukturreichen Insektengarten wird man eine Vielzahl an Arten beobachten können, deren Existenz man sich davor gar nicht bewusst war. Man kann im eigenen Zuhause zum / zur Entdecker*in werden und staunen. Besonders gut gelingt dies auch gemeinsam mit Kindern, die schnell Details entdecken, die Erwachsenen oft verborgen bleiben.

Ökologische Schädlingsbekämpfung

Durch Schaffung verschiedener Kleinlebensräume im Garten, fördert man auch das Vorkommen von Nützlingen wie Marienkäfer, Florfliegen, Ohrwürmer oder verschiedene Wanzen-Arten. Diese bekämpfen unentgeltlich und ökologisch unterschiedliche Schadorganismen wie Blattläuse, Wollläuse oder Spinnmilben.

Heilkräuter ernten

Eine Vielzahl der heimischen Wildkräuter lässt sich sowohl kulinarisch als auch als Heilkräuter verwerten. Mit entsprechender Literatur ausgestattet, kann die Pflanzenwelt im Garten erschlossen und gezielt eingesetzt werden.

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Wenn bereits ein Garten vorhanden ist, der Schritt für Schritt insektenfreundlicher gestaltet werden soll, kann bereits mit Hilfe dieses Handbuchs gestartet und Maßnahmen umgesetzt werden. Die Planung eines Insektengartens kann selber vorgenommen werden, indem dieser gedanklich in verschiedene Bereiche eingeteilt und überlegt wird, welches Element wo Platz finden könnte. Sollte ein Garten gänzlich neu angelegt werden, kann auch fachliche Beratung durch Gärtnerinnen mit Erfahrung zu naturnaher Gartenanlage hinzugezogen werden. Wenn das Vorhaben besteht, gleich mehrere oder größere insektenfreundliche Anlagen im Garten vorzunehmen, wären auch Landschaftsplanerinnen hilfreiche Ansprechpartner*innen. Dann kann sichergegangen werden, dass die richtige Pflanzenwahl für den Standort erfolgt und in den Folgejahren an der Vielfalt Freude herrscht.
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Im Prinzip braucht es in erster Linie nur den Garten und Eigeninitiative. Je nachdem für welche Maßnahmen sich entschieden wird, kann gleich losgegangen und z.B. mit vorhandenem Schnittmaterial einen Totholzhaufen angelegt oder im Randbereich des Gartens eine bunte Samenmischung aus regionalen Arten eingesät werden. Heimische Pflanzen können aus regionalen Gärtnereien bezogen werden – es empfiehlt sich nachzufragen, ob Spritzmittel eingesetzt werden, damit keine unfreiwillig mit Pestiziden behandelte Pflanzen in den Insektengarten gesetzt werden. Es gibt auch eigene Online-Shops, die sich auf heimische Wildblumen spezialisiert haben. Fachbetriebe des REWISA-Netzwerks helfen bei der Gestaltung naturnaher Gärten.

Schulen und Kindergärten

Die Naturerfahrung in der Kindheit ist in vielerlei Hinsicht äußerst wertvoll. Kleinkinder profitieren enorm von der vielfältigen Reizumgebung, die die Natur bietet, ohne eine Überforderung auszulösen. Schulkinder können in der Natur den Entdeckerdrang ausleben und authentisch agieren. Die Natur stellt für Kinder den angestammten Lern- und Erlebnisraum dar.

Kindern und Jugendlichen die Bedeutung der Biodiversität näherzubringen, ist eine Aufgabe von enormer Bedeutung – als Erwachsene von morgen wird das künftige Handeln maßgeblich Einfluss darauf haben, wie sich die Lebensräume und die vielfältigen tierischen Bewohner entwickeln. Durch aktives Handeln und den Einsatz für Insekten wird die eigene Selbstwirksamkeit spürbar. So entsteht von klein auf ein Gefühl der Verantwortung für den Erhalt der Tier- und Pflanzenwelt.

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Was kann ich tun?

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Neugierde wecken, Wahrnehmung schärfen

Natur begegnet den Kindern überall – egal ob im Schulgarten, am Rand des Kinderspielplatzes, im eigenen Garten oder beim Wochenendausflug. Die Begeisterungsfähigkeit von Kindern für „Krabbeltiere“ ist anfänglich meistens sehr groß, doch durch fehlende Auseinandersetzung mit dem Thema kann das Interesse verloren gehen oder sogar eine Abneigung entstehen. Durch gezieltes Heranführen an die außergewöhnlichen Eigenschaften von Insekten und Aufzeigen ihrer großen Bedeutung für unser tägliches Leben, lässt sich die Begeisterung erhalten oder neu erwecken.

Natur bietet optimale Reizumgebung

Die Vielfalt der Natur bietet Raum für Entdeckungen und verschiedene Formen, Farben und Materialien regen die Fantasie an. Gleichzeitig ist in der Natur ein gewisses Maß an Kontinuität gewährleistet, was den Kindern die nötige Sicherheit vermittelt. Für die geistige Entwicklung von Kleinkindern ist eine möglichst vielfältige Reizumgebung äußerst wichtig und die Natur bietet hierfür ein optimales Maß. Zudem weiß man mittlerweile, dass Naturerleben für Kinder eine Förderung der Motorik, Reduktion von Stress sowie die Verbesserung der Konzentrationsfähigkeit mit sich bringen kann.

Werte sichtbar machen

Durch Anlage insektenfreundlicher Kleinlebensräume am Schulgelände werten Schulen die Flächen auf und sorgen für eine vielfältige Umgebung mit Erkundungsmöglichkeiten. Außerdem können Schulen so ihre Werte eindrucksvoll sichtbar machen – damit wird die Haltung der Schulleitung und der Pädagog*innen nach außen transportiert und ein Alleinstellungsmerkmal geschaffen.

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Um als Bildungseinrichtung aktiv zu werden, macht es Sinn zuerst zu überlegen, welche Flächen man zur Verfügung hat und wie diese genutzt werden können. Nicht nur eine Schulwiese, sondern auch ein Innenhof, eine Dachterrasse oder ein Parkplatz können mit Kleinlebensräumen aufgewertet werden. Die Besitzverhältnisse und die Verantwortlichkeit für die Durchführung etwaiger Pflegemaßnahmen (ggf. auch in der Ferienzeit) sollen vor der Umsetzung von Maßnahmen jedenfalls geklärt sein.

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Die österreichischen Naturparke sind sehr wichtige Kooperationspartnerinnen für Schulen und Kindergärten. Mittlerweile gibt es in Österreich über 180 Naturpark-Schulen und mehr als 90 Naturpark-Kindergärten oder Horte. Wenn sich eine Bildungseinrichtung in einem Naturpark befindet, lohnt sich jedenfalls die Kontaktaufnahme mit dem Naturparkmanagement. Ansonsten sind Naturvermittlerinnen, Ökobüros und Naturschutzorganisationen ebenfalls wichtige Ansprechpartner*innen, die mit einer Schule oder einem Kindergarten Einsätze für Insekten und Umweltbildungstage durchführen können. Wenn das nötige Hintergrundwissen bereits vorhanden ist, kann mit diesem Handbuch auch direkt zur Umsetzung geschritten und mit den Kindern Kleinlebensräume angelegt werden. In der Broschüre „Landschaften voller Superhelden“ des Verbandes der Naturparke Österreich finden sich weitere hilfreiche Inhalte. Vielleicht gibt es in der Gemeinde auch Flächen, die für diesen Zweck zur Verfügung gestellt werden würden.

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Betriebe und Tourismus

Insekten stellen die artenreichste Gruppe in der Tierwelt dar – sie bilden somit einen wesentlichen Teil der Biodiversität, also der Vielfalt der Arten, Gene und Lebensräume. Diese Vielfalt wiederum ist die Grundlage für besonders wichtige Leistungen der Natur, den so genannten Ökosystemdienstleistungen.

Dazu zählen intakte Böden, die Verfügbarkeit von sauberem Trinkwasser, die Speicherung von Kohlenstoff sowie die Sicherung der Ernährung – rund ein Drittel der Nahrungsmittel weltweit ist abhängig von der Bestäubung durch Insekten und andere Tiere. Erholung in attraktiven Naturlandschaften stellt für immer mehr Tourist*innen ein wichtiges Kriterium bei der Wahl der Urlaubsdestination dar.

Der Erhalt der Vielfalt des Lebens bedeutet folglich den Erhalt der Lebens- und Wirtschaftsgrundlagen. Um diese außerordentlich wichtigen Funktionen zu bewahren und zu stärken, können in Betrieben vielfältige Beiträge geleistet werden – angefangen am eigenen Betriebsgelände bis hin zu umfassenden Biodiversitätschecks des Unternehmens.

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Schutz vor Überschwemmungen, Abmilderung von Hitze

Intakte, vielfältige Lebensräume bieten Schutz vor Bodenerosion und tragen zur Regulierung des Klimas bei – sowohl auf globaler Ebene als auch im Kleinen. Grünflächen und Baumpflanzungen helfen bei der Entschärfung von Hitzeinseln – es lohnt sich hier also in mehrfacher Hinsicht Flächen nicht zu versiegeln, sondern insektenfreundlich zu gestalten. Diese Maßnahmen sind für das lokale Kleinklima in Zeiten der Klimaerwärmung zudem von hoher Wichtigkeit. Wenn man an das große Ganze – also Biodiversität an sich – denkt, sind Kleinlebensräume als Trittsteine sehr wichtig für die Förderung dieser Vielfalt und damit auch für den Erhalt intakter Ökosysteme. Diese wiederum bieten Schutz vor Überschwemmungen und sind außerdem natürliche CO2-Speicher.

Weniger Aufwand und Kosten 

Bisher ungenutzte Flächen am Betriebsgelände können in artenreiche Blühflächen umgewandelt werden, die nur mehr einmal im Jahr gemäht werden müssen und somit den Pflegeaufwand gegenüber konventionellen Rasenflächen deutlich reduzieren. Durch Anlage einer naturnahen Hecke wird ebenfalls der Arbeitsaufwand auf Dauer reduziert im Vergleich zu konventionellen Pflanzungen die mehrmals im Jahr gepflegt oder sogar jährlich erneuert werden müssen.

Glaubwürdige Unternehmenskommunikation statt Greenwashing

Unternehmen, die sich mit den eigenen Auswirkungen auf die Biodiversität auseinandersetzen, um ihren negativen Input auf die Biodiversität zu reduzieren und mit konkreten Maßnahmen aktiv einen Beitrag zur Förderung der Insektenvielfalt leisten, können davon auch in der Öffentlichkeit profitieren. Durch Aufzeigen der durchgeführten Initiativen und das erarbeitete Expertenwissen zeichnen sie sich als glaubwürdige Partner*innen im Einsatz für den Erhalt der biologischen Vielfalt aus. Diese Merkmale können und sollen zu Marketing- und Kommunikationszwecken eingesetzt werden – Ihr Betrieb kann hier mit positivem Beispiel vorangehen.

Natur als Tourist*innenmagnet

Für Gast- und Beherbergungsbetriebe sind Alleinstellungsmerkmale, um Tourist*innen anzuziehen, von großer Bedeutung. Durch insektenfreundliche Gestaltung der eigenen Flächen wertet man die Umgebung optisch auf und zeigt, dass Nachhaltigkeit im Betrieb gelebt wird. In Zusammenarbeit mit Naturvermittler*innen können maßgeschneiderte Angebote für die Gäste geschaffen werden, die von der Erholung in den artenreichen Natur- und Kulturlandschaften profitieren können.

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Wenn ein Betriebsgelände oder Flächen rund um einen Gastbetrieb vorhanden sind, können aus diesem Handbuch Maßnahmen unterschiedlicher Größenordnung ausgewählt werden. Zuerst wird mit einer Planungsphase gestartet, in der es ratsam wäre, dass bei größeren Maßnahmen externe fachliche Unterstützung herangezogen wird. Danach kann in die Umsetzung gegangen und das Betriebsgelände für Insekten aufgewertet werden. Um die Auswirkungen des Unternehmens auf die Biodiversität im Detail zu erfassen, ist eine Analyse der Wertschöpfungs- und Lieferketten der entscheidende Schritt. Umfassende Informationen dazu bietet die Business and Biodiversity-Initiative „Biodiversity in Good Company“.

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Eine gute Anlaufstelle um Kooperationspartner*innen zu finden sind die Naturparke in der Umgebung, die evtl. gemeinsam mit Naturpark-Schulen am Betriebsgelände aktiv werden könnten. Wenn ein Betrieb in einem der 47 österreichischen Naturparke liegt, kann bei Erfüllung der Kriterien das Prädikat „Naturpark-Partnerbetrieb“ verliehen werden, um von dem Know-How und Netzwerk des Naturparks zu profitieren.

Alternativ können auch Naturschutzorganisationen oder im Naturschutz aktive Privatpersonen oder Vereine zu Rate gezogen werden. Ökologische Planungsbüros oder Gärtnereien mit Erfahrung zum Thema naturnahe Begrünung wären ebenfalls wichtige Kooperationspartnerinnen. Kontakte können dazu auch in der Gemeinde erfragt werden. Die eigenen Mitarbeiterinnen können ebenfalls wichtige Partner*innen bei der Umsetzung von biodiversitätsfreundlichen Maßnahmen am Betriebsgelände sein.

Gemeinden als Orte der Vielfalt

Gemeinden bieten aufgrund der unterschiedlichen räumlichen Gegebenheiten mit eigenen Flächen und den zahlreichen Akteur*innen besonders vielfältige Möglichkeiten, den Insektenreichtum nachhaltig zu fördern. Außerdem können Gemeinden als Multiplikatorinnen die positiven Effekte von Maßnahmen für die Biodiversität weit über die geografischen Grenzen hinaustragen.

Es erweist sich in vieler Hinsicht als gewinnbringend, den Schutz der biologischen Vielfalt als Querschnittmaterie in der Gemeinde mit vielen Interessierten (z. B. Bauhof, Kindergärten, Schulen, Berg- und Naturwacht, Naturparke, naturverbundene Bürger*innen) zu verankern und bei sämtlichen Vorhaben von Raumplanung, Flächenpflege und Infrastruktur mitzuberücksichtigen.

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Was kann ich tun?

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Erhöhung der Lebensqualität

Die biologische Vielfalt ist von unschätzbarem Wert für Gesundheit und Wohlbefinden. „Grün statt Grau“ lautet die Devise – die naturnahe Gestaltung von Grünflächen und Schaffung zusätzlicher Kleinlebensräume steigert die Lebensqualität der lokalen Bevölkerung, z.B. durch Entschärfung von Hitzeinseln. Naturkontakt hat außerdem nachweislich zahlreiche positive Auswirkungen auf die psychische Gesundheit und hilft beispielsweise beim Stressabbau. Zudem bieten selbst kleine Flächen Möglichkeiten der unmittelbaren Naturbeobachtung und des Naturerlebnisses für Klein und Groß.

Weniger Aufwand und Kosten

Gerade wenn es um die Pflege gemeindeeigener Flächen geht, lohnt es sich, auf insektenfreundliche Bewirtschaftung zu setzen, um Aufwand in der Pflege und oft auch in den Kosten zu reduzieren. Blühflächen und Extensivwiesen werden nur ein bis zwei Mal im Jahr gemäht. Außerdem werden bei extensiver Bewirtschaftung Kosten eingespart, die für den Einsatz von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln anfallen würden. Wenn keine geeigneten Mähgeräte vorhanden sind, können diese Arbeiten evtl. an Landwirt*innen ausgelagert werden. Die Anlage von mehrjährigen Staudenbeeten stellt im Vergleich zur jährlichen Neubepflanzung der Rabatte ebenfalls eine Maßnahme zur Einsparung von Kosten dar.

Aufwertung des Ortsbildes und Steigerung der Bekanntheit

Blühflächen, Feuchtbiotope und artenreiche Hecken sind wunderschön anzusehen und tragen zu einem vielfältigen Ortsbild bei. Mit einfachen Maßnahmen lassen sich bunte Biodiversitätsinseln oder außergewöhnliche Käferburgen anlegen. Die Gemeindebewohner*innen können sich daran erfreuen und selber tätig werden. Mit begleitender Bewusstseinsbildung werden die Ökoinseln schnell zum Gesprächsthema und sorgen auch über die Gemeindegrenzen hinaus für Bekanntheit. Diese kann für Marketingzwecke genutzt werden und nachhaltigen Tourismus fördern. Und selbst, wenn die Flächen im Spätsommer braun werden und „schlampig“ aussehen, sind sie als Nahrungs- und Versteckmöglichkeiten für Kleintiere von Bedeutung. Vielfach fehlen dazu das Bewusstsein und das Wissen in der Bevölkerung, eine begleitende Information und Kommunikation kann hilfreich sein.

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Aus diesem Handbuch können Maßnahmen unterschiedlicher Größenordnung für die Gemeinde ausgewählt werden. Dann beginnt die Planungsphase und es wird überlegt, wo diese Maßnahmen umgesetzt und langfristig erhalten werden können. Es ist ratsam, jetzt fachliche Beratung hinzuzuziehen – entweder durch bereits in der Gemeinde vorhandene Wissensträger – wie z.B. die österreichischen Naturparke in Naturpark-Gemeinden – oder mit Hilfe externer Fachleute, wie z.B. einem ökologischen Planungsbüro. Wenn ein Konzept inkl. Personal- und Kostenplanung vorliegt, kann gemäß den Anleitungen in diesem Handbuch losgelegt werden.
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Besonders wichtig sind für den langfristigen Erfolg der Maßnahmen die eigenen Mitarbeiterinnen – allen voran diejenigen, die für die Pflege der Flächen verantwortlich sind – die Bauhof-Mitarbeiterinnen. Diese sollen bereits in die Planungsphase miteinbezogen und umfassend über den Hintergrund der Maßnahmen und die Bedeutung der Aktivitäten informiert werden.

Wichtige Kooperationspartnerinnen auf Gemeindeebene sind fachkundige Personen, die sich für Biodiversität und Ökologie engagieren und ihr Wissen zur Verfügung stellen. Fündig wird man z.B. unter den VertreterInnen von Schutzgebieten (z.B. Naturpark-Mitarbeiterinnen oder Natura 2000-Schutzgebietsmanagerinnen), bei NGOs, Berg- und Naturwacht oder Naturschutzorganisationen oder ökologisch gut informierten Privatpersonen. Viele Landwirtinnen und Jägerinnen haben ein gutes praktisches Wissen (z.B. für Blühflächen). Wichtige Partnerinnen können auch die Klima- und Energie-Modellregionen (KEM)- und KLAR!-Regionen sein, indem man die Synergien von Klima- und Biodiversitätsschutz nutzt und gemeinsam Vorhaben umsetzt.

Auch mit der LEADER-Region, der die Gemeinde angehört, kann ein sehr wichtiger Partner für den Biodiversitätsschutz gewonnen werden. Dazu lohnt sich ein Blick in die lokale Entwicklungsstrategie (LES) um auszuloten, ob ein gemeinsames Biodiversitätsprojekt mit der Lokalen Aktionsgruppe (LAG) umsetzbar wäre. In einigen LEADER-Regionen ist bereits Vieles an Erfahrung und Know-How zu Biodiversität vorhanden.
Ansonsten sind Schulen, Kindergärten, Gesundheitseinrichtungen oder Unternehmen mit eigenem Betriebsgelände wertvolle Kooperationspartner*innen, die man ins Boot holen sollte.

Gemeinden gemeinsam im Einsatz im Naturpark Südsteiermark

Im Naturpark Südsteiermark zeigen verschiedene Gemeinden auf, wie es gehen kann. Sie schreiten mit gutem Beispiel voran und setzen zahlreiche Maßnahmen für die Insektenvielfalt auf öffentlichen Grünflächen um. In Zusammenarbeit mit dem Naturpark leistet der öffentliche Raum einen wichtigen Beitrag zur Förderung der Biodiversität und die Gemeinden profitieren auch von den Vorteilen der naturnahen Begrünung.

Naturparke in Österreich
Ausflugstipps