Gabriel Staubmann
Bericht zur Lebensraummodellierung des Haselhuhns (Tetrastes bonasia )
im Naturpark Weißbach
Kontext und Zielsetzung
Im Rahmen der Masterarbeit „Modelling the Habitat of the Hazel Grouse (Tetrastes bonasia) in Salzburg, using Maxent“ wurde das potenzielle Vorkommen des Haselhuhns im Bundesland Salzburg modelliert. Aufbauend auf Sichtungen und Fotofallennachweisen aus dem Naturpark Weißbach und den Bayerischen Saalforsten sowie auf hochaufgelösten Fernerkundungsdaten (SAGIS, BFW) wurde mittels der Habitatmodellierungssoftware Maxent die Habitatqualität des Haselhuhns ermittelt.
Dieser Kurzbericht fasst die für den Naturpark Weißbach relevanten Ergebnisse zusammen und beantwortet folgende Forschungsfragen:
- Welche Umweltfaktoren beeinflussen und treiben das Vorkommen bzw. das Lebensraumpotential des Haselhuhns im Naturpark Weißbach?
- Wo liegen Gebiete mit hohem Lebensraumpotential für das Haselhuhn im Naturpark Weißbach?
- Wie können besonders schützenswerte Flächen und Landschaftsteile erhalten für das Haselhuhn im Naturpark Weißbach wirksam ausgewiesen und erhalten werden?
Methodik
Mit Maxent wurden die Beziehungen zwischen Haselhuhn-Nachweisen und Umweltvariablen statistisch modelliert. Grundlage waren topographische, strukturelle und infrastrukturelle Variablen: Höhenlage, Exposition, Baumartenzusammensetzung, Vertikale Heterogenität der Baumhöhen (nDSM), Distanz zu Forststraßen, Distanz zu Fließgewässern.
Das Ergebnis ist eine Karte (KARTE 1) der Habitatqualität (0 = niedrig / 1 = hoch). Durch eine Schwellenwertanalyse („10th percentile training presence“) wurden geeignete und ungeeignete Flächen unterschieden.
Ergebnisse und Karten
Forschungsfrage 1 – Welche Umweltfaktoren beeinflussen und treiben das Vorkommen bzw. das Lebensraumpotential des Haselhuhns im Naturpark Weißbach?
Im Naturpark Weißbach sind nahe Gewässer liegende, strukturreiche Mischbestände mit gleichmäßigem Aufbau und moderater vertikaler Heterogenität besonders geeignet. Geeignete Habitate liegen im Schnitt näher an Fließgewässern (Ø 378 m) und weiter entfernt von Forststraßen (Ø 2 100 m) als ungeeignete (Gewässer Ø 505 m / Straßen Ø 1 594 m). Süd- und Südosthänge sind leicht überrepräsentiert; die Baumartenzusammensetzung zeigt deutlich mehr gemischte Nadelbestände (29,5 %) und weniger Laubreinbestände (3,5 %) als in ungeeigneten Bereichen. Insgesamt bevorzugt das Haselhuhn somit ruhige, gewässernahe, kleinräumig strukturierte Mischwälder mit dichter Strauchschicht und moderater Auflichtung.
Forschungsfrage 2 – Wo liegen Gebiete mit hohem Lebensraumpotential für das Haselhuhn im Naturpark Weißbach?
Die wichtigsten Eignungszentren liegen: Kematenkessel (Europaschutzgebiet) – großflächige, gewässernahe Kernhabitate mit sehr geringer Störungsintensität, Bereich Kallbrunnalm–Mitterkaser – hochwertiger Verbindungsgürtel („Trittsteinzone“) mit hoher Habitatkontinuität, Südöstliche Teile des Naturparks südwestlich des Dießbach-Stausees – ruhige, strukturreiche Wälder, geeignet für Ruhezonen, Litzalm – modellseitig geeignet, jedoch durch touristische Nutzung eingeschränkt. Diese Zonen bilden den räumlichen Schwerpunkt der Haselhuhnvorkommen im Park und sind entscheidend für den Populationszusammenhalt im gesamten Saalachtal.
Forschungsfrage 3 – Wie können besonders schützenswerte Flächen und Landschaftsteile erhalten für das Haselhuhn im Naturpark Weißbach wirksam ausgewiesen und erhalten werden?
Zur langfristigen Sicherung geeigneter Habitate wird ein dreistufiges Zonierungskonzept empfohlen. 1) Kernruhezonen: In straßenfernen, gewässernahen „Hotspots“ (Kematenkessel, südöstliche Parkteile) sollten neue Wege vermieden und forstliche Eingriffe sowie touristische Nutzung – insbesondere zwischen April und Juni (Brut- und Aufzuchtzeit) – minimiert werden. 2) Pufferzonen (100–200 m): Waldarbeiten eingeschränkt; Besucherlenkung durch Informationstafeln und Wegführung. 3) Managementzonen: In stärker frequentierten Bereichen (z. B. Litzalm) werden saisonale Wegsperren, Leinenpflicht für Hunde und temporäre Besucherlenkung empfohlen. Forstlich sind strukturreiche, stufig aufgebaute Mischbestände mit Strauchschicht und punktuellen Lichtfenstern zu fördern. Vermeidungsmaßnahmen: Kahlschläge, intensive Bodenräumung, dichte 2 Rückegassen. Fördernde Baumarten: Birke, Weide, Erle, Pappel, Hasel und beerentragende Sträucher. Monitoring: Ein wiederholbares akustisches Monitoring mit AudioMoth-Recordern entlang eines Rasters von 300–500 m erlaubt eine jährliche Kontrolle der Bestände und der Wirksamkeit von Managementmaßnahmen.
Schlussfolgerung
ussfolgerungDer Naturpark Weißbach stellt innerhalb Salzburgs einen zentralen Rückzugsraum für das Haselhuhn dar. Rund ein Drittel seiner Waldflächen bietet hohes Lebensraumpotenzial.Durch gezielte Zonierung, strukturerhaltende Waldbewirtschaftung, Reduktion von Störungen und regelmäßiges Monitoring kann der Naturpark wesentlich zum langfristigen Erhalt dieser stark gefährdeten Art beitragen – und zugleich als Modellregion für integratives Naturraummanagement im Alpenraum dienen.