Baumschläfer & Co: Forschung und Wanderausstellung

Kürzlich fand in Nordtirol/ Längenfeld das 2. Jahrestreffen des laufenden INTERREG-Projektes „Der Baumschläfer und Co in der Terra Raetica“ statt. In grenzüberschreitender Zusammenarbeit der Regionen im Dreiländereck Österreich, Italien und der Schweiz forschen Kleinsäuger-Expert:innen zu den vier, teils seltenen und europaweit streng geschützten Bilch-Arten Baum-, Garten-, Siebenschläfer und Haselmaus. Aus den Forschungsergebnissen werden konkrete Schutzmaßnahmen für diese besonderen Arten formuliert und umgesetzt. Eine faszinierende Wanderausstellung zu den vier Bilch-Arten wird aktuell konzipiert und wird ab Mitte Juni 2026 im Naturpark Haus in Längenfeld gezeigt.

Derzeit sind sie zwar noch im tiefen Winterschlaf aber schon bald werden sie die Wälder und teils auch die nähere Umgebung des Menschen wieder mit ihrer Anwesenheit bereichern. Die Rede ist von den sog. „Bilchen“ oder „Schlafmäusen“. Diese kleine, scheue Gruppe von Nagetieren umfasst den Siebenschläfer, den Gartenschläfer, die Haselmaus und den Baumschläfer. Speziell der Baumschläfer, aber auch die anderen Bilch-Arten, werden im Rahmen eines INTERREG-Projektes unter Koordination des Naturpark Ötztal im Dreiländereck Italien (Nationalpark Stilfser Joch), der Schweiz (Biosphärenpark Engiadina-Val Müstair) und Nordtirol (Naturpark Ötztal, Naturpark Kaunertal) genauer unter die Lupe genommen. Die Untersuchungsflächen im Ötztal liegen am Winkelberg in Längenfeld sowie im Piburger Wald. Zudem konnte ein Masterstudent des Ökologiestudiums an der Univ. Innsbruck gewonnen werden, weitere Standorte im Naturpark Ötztal (Umhausen, Sölden) im Hinblick auf die vier Bilch-Arten zu beforschen.

Projektkoordinator und Naturpark Ötztal-GF Thomas Schmarda freut sich: „Die internationale Zusammenarbeit über die Grenzen hinweg ist bei diesem Projekt besonders spannend und fruchtbar. Die bislang spärlichen Kenntnisse zu dieser versteckt lebenden Kleinsäugergruppe können durch das laufende Projekt maßgeblich verbessert werden.“

Die beteiligten Kleinsäuger-Expert:innen untersuchen im Rahmen des Projektes das Nahrungsspektrum, die Lebensraumansprüche, den Aktivitätsrhythmus und die Populationsbiologie der Bilche. Aus den Ergebnissen werden ua grenzüberschreitende Schutzmaßnahmen für die vier Bilch-Arten abgeleitet. Das Projekt läuft noch bis April 2027.

Wechselausstellung „Musca und ihre Freunde“

Um die Gruppe der Bilche auch in der heimischen Bevölkerung der Terra Raetica-Region bekannt zu machen und für ihren Schutz zu werben, wird derzeit eine Wechsel-Ausstellung konzipiert. Dabei werden die vier Bilcharten an acht interaktiven Themenstationen multimedial vorgestellt. Die 3-sprachige (de-it-rumantsch/vallader) Ausstellung wird am Freitag, 19. Juni 2026 im Naturpark Ötztal anlässlich des 20-jährigen Bestandjubiläums offiziell eröffnet. Ab September geht die Ausstellung dann auf Tour durch die benachbarten Länder.

Projektpartner

Die Koordination dieses INTERREG-geförderten Projektes liegt beim Naturpark Ötztal/ Nordtirol in Zusammenarbeit mit der Genossenschaft für Weiterbildung und Regionalentwicklung GWR/ Südtirol. Assoziierter Partner ist die UNESCO Biosfera Engiadina Val Müstair/Graubünden. Das Projekt wird von der EU über das INTERREG-Programm (Italien – Österreich) und vom Land Tirol (Abteilung Umweltschutz) gefördert und von den Regionalmanagements Imst, Landeck und Vinschgau unterstützt. Zudem beteiligen sich am Projekt die Schutzgebiete in der Terra Raetica.

Wissenschaftliche Partner:innen

  • apodemus – Institut für Wildtierbiologie (Haus im Ennstal, Österreich)
  • Eva Ladurner, Kleinsäuger-Expertin (Marling, Italien)
  • Öko Tester – Ökologische Gutachten und Inventare/Pro Bilche (Basel, Schweiz)

Zitate

„Der Baumschläfer ist eine streng geschützte, aber sehr verborgen lebende Art. Da er nur selten beobachtet wird, wissen wir bislang wenig über seine Verbreitung in Tirol und seine ökologischen Ansprüche. Das Projekt trägt wesentlich dazu bei, diese Wissenslücken zu schließen und den Schutz dieser faszinierenden Art zu verbessern.“ 

Christine & Stefan RESCH, Fa. apodemus – Institut für Wildtierbiologie, Nordtirol.

Wir sind nach mehreren Jahren gemeinsamer Projekte zu den Bilchen ein toll eingespieltes Team. Der Austausch mit den Terra Raetica-Kolleg:innen ist sehr bereichernd, denn trotz der geographischen Nähe kristallisieren sich immer wieder spannende lokale Eigenheiten – bei Mensch und Tier – heraus! So liefert unsere Zusammenarbeit über die Landesgrenzen deutlich mehr Kenntnisse über die Ansprüche des seltenen Baumschläfers als ein Alleingang.

Eva LADURNER, Kleinsäugerexpertin, Südtirol.

„Schlafmäuse sind weder Schädlinge noch Randerscheinungen. Sie wirken als Regulatoren im Wald: Der Gartenschläfer jagt Insekten, der Siebenschläfer nutzt Mastjahre und Höhlen, die Haselmaus kommt auch mit einfachen Nahrungsangeboten zurecht – alle reagieren sensibel auf Struktur, Störungen und Vielfalt. So verbinden Schlafmäuse die Ebenen des Waldes miteinander. Sie gestalten den Wald nicht durch Eingriffe, sondern durch ihre Rolle im ökologischen Geflecht…“

Regula TESTER, Fa. Öko Tester, Kleinsäugerexpertin, Schweiz

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