NATURPARK ÖTZTAL blickt zum 20-Jahr Jubiläum nach vorne

Mit einem Festprogramm im Rahmen der Regional Mountain Conference feierte der Naturpark Ötztal am 4. und 5. Juli in Obergurgl sein 20-jähriges Bestehen. Im Mittelpunkt stand ein Rückblick auf zwei Jahrzehnte erfolgreicher Schutzgebietsarbeit sowie die Frage, welche Rolle der Naturpark künftig für Natur, Bevölkerung und Tourismus einnehmen wird.

Seit seiner offiziellen Anerkennung im Jahr 2006 hat sich der Naturpark Ötztal zu einer zentralen Plattform für Naturschutz, Umweltbildung, Forschung, Regionalentwicklung und nachhaltigen Tourismus entwickelt. Dies zeigte GF Thomas Schmarda in seinem Jubiläumsvortrag eindrucksvoll anhand einer Zeitreise durch die vergangenen zwanzig Jahre auf. Von den ersten Schritten der Schutzgebietsbetreuung im Jahr 2005 über die Anerkennung als Naturpark, die Erweiterung auf das gesamte Ötztal, den Aufbau von Naturpark-Schulen, Partnerbetrieben und dem Naturpark Haus bis hin zu zahlreichen Artenschutz- und Forschungsprojekten wurde deutlich, wie konsequent sich der Naturpark als regionale Entwicklungsplattform etabliert hat. Heute umfasst der Naturpark über 510 Quadratkilometer geschützte Landschaften und zählt zu den größten Naturparken Österreichs. Seine Arbeit basiert auf den fünf Säulen Naturschutz, nachhaltiger Tourismus, Umweltbildung, Forschung und Regionalentwicklung.

Naturpark ist in der Region angekommen – aber noch nicht in allen Köpfen

Im Anschluss an den Vortrag diskutierten Ernst Schöpf (Obmann Naturpark Ötztal), Carmen Fender (Ötztal Tourismus), Reinhard Scheiber (Obmann Agrargemeinschaft Obergurgl) und Naturpark-Geschäftsführer Thomas Schmarda unter der Moderation von Wolfgang Gurgiser von der Universität Innsbruck über die Frage, ob der Wert des Naturparks heute in der Region angekommen ist. Einigkeit bestand darüber, dass sich die Wahrnehmung des Naturparks in den vergangenen zwanzig Jahren deutlich positiv entwickelt hat. Besonders in den Bereichen Umweltbildung, Zusammenarbeit mit Schulen sowie durch zahlreiche Projekte in den Gemeinden sei der Mehrwert mittlerweile klar sichtbar. Carmen Fender betonte das große Potenzial einer noch engeren Zusammenarbeit zwischen Naturpark, Ötztaler Museen und Lebensraum Ötztal. Reinhard Scheiber verwies darauf, dass sich Einstellungen in der Bevölkerung über die Jahre verändern können. Wichtig sei auch, dass traditionelle Kulturtechniken – etwa die Bewirtschaftung mit der Sense – künftig nicht verloren gehen. Übergreifende Projekte zur Förderung einer vielfältigen Kulturlandschaft wie der „Ötztaler Kulturlandbotschafter“ seien dafür ein gelungenes Beispiel. Für Naturpark-Obmann Ernst Schöpf steht fest, dass der Naturpark auch künftig bewusst auf Qualität statt Quantität setzt. Ziel sei es nicht, Massenbewegungen auszulösen, sondern hochwertige Naturerlebnisse, Wissen und Bewusstsein für Landschaft und Kultur zu vermitteln. Gerade diese „Soft Skills“ würden langfristig den größten Mehrwert für das Tal und die Bevölkerung schaffen.

Strategie 2030: Mehr Aktivitäten direkt in der Landschaft

Der Blick richtete sich aber nicht nur zurück, sondern vor allem nach vorne. Thomas Schmarda zeigte auf, dass der Naturpark mit seiner Strategie 2030 gut auf die kommenden Herausforderungen vorbereitet ist. Zentrale Zukunftsthemen sind die Förderung der Biodiversität, Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel sowie eine stärkere Präsenz direkt auf der Fläche. Geplant sind unter anderem Projekte zur ökologischen Aufwertung von Almflächen, die Bekämpfung invasiver Pflanzenarten, Citizen-Science-Projekte, der weitere Ausbau der Besucherlenkung sowie verstärkte Ranger-Aktivitäten. Ein wesentliches Ziel formulierte Schmarda dabei besonders prägnant: Der Naturpark soll sich in der Wahrnehmung der Bevölkerung vom „nice to have“ zu einem „proud to have“ entwickeln – zu einer Einrichtung, auf die das gesamte Ötztal stolz ist.

Natur erleben im Obergurgler Zirbenwald

Am Sonntag verlagerte sich das Jubiläumsprogramm vom Universitätszentrum hinaus in die Natur. Unter dem Motto „Alpine Ein- und Ausblicke“ konnten Besucherinnen und Besucher entlang des Zirbenwaldes bis ins Rotmoostal an mehreren interaktiven Stationen aktuelle Forschungs- und Naturschutzprojekte kennenlernen. Der Naturpark präsentierte sich am Eingang des Zirbenwaldes mit einem Informationsstand und einem abwechslungsreichen Familienprogramm. Vorgestellt wurden unter anderem das grenzüberschreitende Bilche-Projekt sowie das Tiroler Bartgeiermanagement. Weitere Stationen beschäftigten sich mit der Erforschung alter Zirbenbestände, den Auswirkungen des Klimawandels auf den Bergwald sowie mit der Besiedlung neu entstandener Lebensräume im Gletschervorfeld des Rotmoosferners. Wissenschaftler*innen der Universität Innsbruck machten aktuelle Forschung unmittelbar erlebbar und luden Kinder wie Erwachsene zum Mitmachen und Entdecken ein.

Mit den beiden Jubiläumsveranstaltungen zeigte der Naturpark Ötztal eindrucksvoll, wie sich Naturschutz, Wissenschaft, Tourismus und Regionalentwicklung erfolgreich verbinden lassen. Nach zwanzig Jahren erfolgreicher Arbeit richtet sich der Blick nun auf die nächsten Jahrzehnte – mit dem Ziel, die einzigartige Natur- und Kulturlandschaft des Ötztals gemeinsam mit der Bevölkerung nachhaltig weiterzuentwickeln.

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