Anlässlich des 20-jährigen Bestehens des Naturpark Ötztal stand am Samstag, den 11. Juli 2026, die biologische Vielfalt im Mittelpunkt. Beim Fest der Artenvielfalt verbanden sich wissenschaftliche Forschung, Naturvermittlung und regionale Genusskultur zu einem abwechslungsreichen Programm für die ganze Familie. Zahlreiche Besucher*innen nutzten die Gelegenheit, beim Naturpark Haus in Längenfeld die Vielfalt der heimischen Natur hautnah zu erleben. Schon ab Freitagabend kartierten Expert*innen viele Tier-, Pflanzen- und Pilzarten an ausgesuchten Untersuchungsräumen im gesamten Ötztal.
Am Samstag-Morgen schwärmten weitere Fachleute aus ganz Österreich in die Untersuchungsgebiete im Naturpark Ötztal Bergsturzwald Forchet, Amberger See, Ötztaler Wiesen, Piburger See, Engelswand, Hoher Nachtberg und Ochsenkopf bei Obergurgl aus. Ihr Ziel war es, innerhalb eines Tages möglichst viele Arten nachzuweisen. Die dabei erhobenen Daten bilden eine wertvolle Grundlage für die wissenschaftliche Arbeit des Naturparks und fließen künftig in Bildungsprogramme, Führungen und die Naturvermittlung ein. Ein besonderes Highlight war zB der Fund der Schmetterlingsart Engadiner Bäre (Arctia flavia) im Vorderen Ötztal. In Nord-Tirol stark gefährdete und im Ötztal nachgewiesene Rote Liste-Pflanzen-Arten sind zB die Heidenelke (Dianthus deltoides) oder der Siebenstern (Lysimachia europaea). Der Nachweis dieser bemerkenswerten Arten unterstreicht einmal mehr die außergewöhnliche Bedeutung der Naturpark-Region Ötztal für die Artenvielfalt.
Auch Landesrat René Zumtobel ließ es sich nicht nehmen, die Expert*innen im Ötztal persönlich zu begrüßen. Er betonte die Bedeutung der Biodiversität für Tirol und würdigte den Naturpark Ötztal als wichtigen Partner in der Bewusstseinsbildung und im Schutz der heimischen Natur. „Klimaschutz ist Artenschutz, weshalb es besonders wichtig ist, unsere Tier- und Pflanzenwelt regelmäßig zu erfassen, sie kennen zu lernen und darauf aufbauend die richtigen Maßnahmen abzuleiten. Mit dem Fest der Artenvielfalt wollen wir Menschen über die Bedeutung der Biodiversität in unserem Lebensraum informieren, sie sensibilisieren und sie für unsere besonderen Naturschätze in Tirol begeistern. Der Naturpark Ötztal ist dafür der perfekte Vermittler, der Besonderheiten unseres Lebensraums einfach und zielgruppengerecht aufbereitet, Neugier und oft auch Leidenschaft bei Interessierten weckt.“
„Naturkundliche Expert*innen sind uns die „liebsten“ Gäste, weil sie Wissen mit ins Tal bringen – Wissen über die Natur, das wir anschließend über Schulprogramme, geführte Wanderungen und viele weitere Angebote an die Menschen weitergeben können“, sagte Naturpark-Geschäftsführer Thomas Schmarda. Das Fest der Artenvielfalt sei zugleich einer der Höhepunkte im heurigen Jubiläumsjahr des Naturparks.
Christian Anich, Obmann des Vereins Artenvielfalt, hob die Bedeutung der Veranstaltung hervor: „Artenvielfalt ist ein wichtiger Indikator für den Zustand unserer Lebensräume. Mit dem Fest bringen wir wissenschaftliche Forschung und Naturvermittlung zusammen und zeigen, wie wertvoll – aber auch wie verletzlich – unsere Ökosysteme sind. Neben dem Erheben hochwertige Daten ist insbesondere die Vernetzung unter den Expert*innen ein sehr zentraler Aspekt des Tages der Artenvielfalt.“
Für Projektkoordinatorin Brigitte Oberweger vom Naturpark Ötztal stand vor allem die Botschaft im Mittelpunkt: „Artenvielfalt bedeutet verschiedenste Tiere, Pflanzen und Lebensräume. Alles ist miteinander verbunden – und wir Menschen sind Teil dieses Ganzen.“ Das Fest habe die Verbindung zwischen wissenschaftlichen Erkenntnissen und dem Verständnis für den Wert der Natur- und Kulturlandschaft auf anschauliche Weise vermittelt.
Beim abwechslungsreichen Nachmittagsprogramm konnten die Besucher*innen an zahlreichen Mitmachstationen selbst aktiv werden. Gemeinsam mit der Pop-up-University und dem Botanischen Garten Innsbruck wurden Pflanzen erforscht, bei Citizen-Science-Projekten wie iNaturalist oder dem Viel-Falter-Monitoring Arten dokumentiert und spannende Einblicke in die wissenschaftliche Arbeit gewonnen. Ein Pilzexperte präsentierte seine Funde des Tages und vermittelte Wissenswertes über die Welt der Pilze. Führungen durch den Naturgarten und die Ausstellung im Naturpark Haus rundeten das Programm ab.
Großen Anklang fanden auch die regionalen Genuss-Standln, an denen Ötztaler Produzent*innen Lebensmittel und Naturprodukte präsentierten, die einen wertvollen Beitrag zur Artenvielfalt leisten oder deren nachhaltige Nutzung sichtbar machen. Die Längenfelder Bäuerinnen sorgten mit Kaffee und Kuchen für beste Verpflegung. Beim Kinderquiz wurden Naturpark-T-Shirts sowie die „Kuhle Schokolade“ der Tiroler Edlen verlost.
Ein besonderes Augenmerk lag zudem auf der nachhaltigen Durchführung der Veranstaltung: Das Fest der Artenvielfalt wurde als Green Event Tirol zertifiziert. Mit der Anreiseempfehlung per Fahrrad oder öffentlichen Verkehrsmitteln, regionaler Verpflegung, Mehrweg- und Abfallvermeidung sowie zahlreichen weiteren Nachhaltigkeitsmaßnahmen setzte der Naturpark Ötztal auch organisatorisch ein sichtbares Zeichen für einen verantwortungsvollen Umgang mit der Natur und Ressourcen.
Das Fest der Artenvielfalt zeigte eindrucksvoll, wie Wissenschaft, Naturschutz, Umweltbildung und regionale Wertschöpfung erfolgreich miteinander verbunden werden können. Es war zugleich ein weiterer Höhepunkt im Jubiläumsjahr „20 Jahre Naturpark Ötztal“ und machte deutlich, dass der Schutz der Artenvielfalt nur gemeinsam gelingen kann.