Mit dem Beginn der Beweidungssaison startet ein ebenso traditionsreiches wie innovatives Naturschutzprojekt der Naturparke
In sieben Regionen Österreichs wird eine interessante und nachhaltige Form der Beweidung umgesetzt – getragen von selten gewordenen Haustierrassen und mit dem klaren Ziel, wertvolle Lebensräume langfristig zu sichern.
Der Zeitpunkt könnte symbolischer kaum sein: Die Vereinten Nationen haben das Jahr 2026 zum „Internationalen Jahr der Weidelandschaften und des Hirtentums“ erklärt. Damit wird weltweit auf die enorme Bedeutung von Weidelandschaften aufmerksam gemacht – sie bedecken mehr als die Hälfte der globalen Landfläche. Auch in Österreich prägt Beweidung seit Jahrhunderten die Kulturlandschaft. Rund die Hälfte der landwirtschaftlichen Nutzfläche ist Dauergrünland, genutzt auf Almen, Weiden und Hutflächen.
Beweidung von 100 Hektar Naturschutzflächen
Beweidung hat in Naturparken eine lange Tradition. Sie hat vielerorts jene vielfältigen Kulturlandschaften erst hervorgebracht, die heute als besonders schützenswert gelten. Doch das von der Stiftung Naturparke initiierte Projekt geht einen entscheidenden Schritt weiter: Erstmals bündeln mehrere Naturpark-Regionen ihre Kräfte in einem gemeinsamen, modellhaften Ansatz. Auf über 100 Hektar Trocken- und Halbtrockenrasen, Streuobstwiesen, Flussuferbereichen und Almen wird eine naturnahe, ressourcenschonende Bewirtschaftung umgesetzt.
„Dabei steht ein besonderer Gedanke im Mittelpunkt: Gefährdete Nutztierrassen werden gezielt eingesetzt, um gefährdete Wildtier- und Pflanzenarten zu schützen. Mit dem Start der Beweidung wird deutlich: Naturschutz, Landwirtschaft und Kulturerbe lassen sich – gerade im internationalen Jahr der Weidelandschaften – erfolgreich verbinden.“, so Marelli Asamer-Handler, Gründerin der Stiftung Naturparke.
Alte Rassen – neue Schlüsselrolle
Viele traditionelle Haustierrassen wie z.B. Zackelschafe, Aostaziegen, Konikpferde oder auch die Pinzgauer Rinder sind heute selbst vom Aussterben bedroht. Moderne Hochleistungsrassen haben sie weitgehend verdrängt. Doch gerade die alten, robusten und genügsamen Tiere sind für extensive Beweidung ideal geeignet. Sie kommen mit kargen Standorten zurecht, sind trittsicher und fördern durch ihr Fressverhalten eine vielfältige Vegetation.
Im Einsatz sind unter anderem Nutztierrassen mit teils nur noch sehr kleinen Beständen. Daher wird dadurch nicht nur Landschaftspflege, sondern auch aktiver Erhalt genetischer Vielfalt betrieben.
Hotspots der Biodiversität sichern
Die beweideten Flächen zählen zu den artenreichsten Lebensräumen Europas. Sie bieten seltenen Tier- und Pflanzenarten einen unverzichtbaren Rückzugsraum. Arten wie Kiebitz, Ziegenmelker, Neuntöter, Wiedehopf oder Smaragdeidechse sind auf offene Landschaften angewiesen. Auch seltene Insekten wie der Apollofalter oder spezialisierte Arten wie die Bechsteinfledermaus profitieren direkt von der Pflege dieser Flächen.
Ohne Beweidung drohen diese Lebensräume zu verbuschen: Gehölze breiten sich aus, offene Bodenstellen verschwinden, Brutplätze gehen verloren und Nahrungsquellen versiegen. Die Folgen sind dramatisch – für Bodenbrüter ebenso wie für spezialisierte Schmetterlingsarten.
Beteiligte Naturparke im Überblick
- Krainer Steinschafe im Naturpark Weinidylle
- Pinzgauer Rinder im Naturpark Weißbach
- Aosta-Ziegen in Naturpark Riedingtal
- Konik-Pferde im Naturpark Leiser Berge
- Zackelschafe im Naturpark Neusiedler See – Leithagebirge
- Alpine Steinschafe im Natur- und Geopark Steirische Eisenwurzen
- Walachenschafe und Bulgarenziegen im Naturpark Sierningtal