Kleinlebensräume

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Kleinlebensräume anlegen

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Kleinlebensräume anlegen

Das Anlegen von Kleinlebensräumen für Insekten ist oft sehr einfach und benötigt keine aufwendige Pflege. Wir zeigen, welche Maßnahmen gesetzten werden können, um einen Garten oder Gemeinde zu einem Refugium für unsere kleinen Superhelden zu machen.

Blühflächen

Artenreiche, extensiv bewirtschaftete Wiesen, also solche, die maximal zweimal im Jahr gemäht und nicht oder nur wenig gedüngt werden, bieten Insekten vielfältige Nahrungsquellen und waren bis vor wenigen Jahrzehnten überall allgegenwärtig. Diese Flächen sind einerseits durch Aufgabe, andererseits durch Intensivierung der Nutzung stark im Rückgang begriffen.

Umso wichtiger ist die Anlage von Blühflächen, die zahlreichen Insekten als Lebensraum oder vorübergehende Versteckmöglichkeit dienen sowie eine essenzielle Nahrungsquelle darstellen. Eine Vielzahl an Arten wie Wildbienen, Hummeln, Schwebfliegen, Schmetterlinge, Wanzen und Zikaden ist auf einer artenreichen Blühfläche zu finden. Damit besonders viele Arten von der Fläche profitieren können, sind neben den standörtlichen Voraussetzungen (insbesondere bezüglich des Nährstoffhaushalts) die richtige Mischung der Pflanzenarten, eine Strukturvielfalt in den Flächen sowie eine angepasste Pflege entscheidend.

Im Vorfeld gilt es, eine geeignete Fläche auszuwählen und die Zustimmung der Grundeigentümer*innen für die Umsetzung der Maßnahme einzuholen. Im Falle privater Flächen sollte man rechtzeitig anfragen und eine schriftliche Nutzungsvereinbarung treffen. Es ist sinnvoll auch gleich festzulegen, wer für die langfristige Pflege der Fläche verantwortlich ist und wer die notwendigen Maschinen dafür zur Verfügung stellen kann. Dann gilt es, den geeigneten Zeitpunkt für die Anlage der Blühflächen festzulegen, am besten im Zeitraum von Mitte März bis maximal Mitte Mai. In Ausnahmefällen kann auch im Herbst ausgesät werden. Für die Anlage eignen sich besonders Schlechtwetterphasen, um sicherzustellen, dass der Boden danach auf keinen Fall austrocknet.

Material und Geräte

  • Saatgut
    • Samenmischung aus heimischen Arten, die sich aus ein- aber besonders vielen mehrjährigen Kräutern zusammensetzt, die Blüten für Insekten aufweisen und damit besonders pollen- und nektarreich sind. Ein genauerer Blick auf die Samenmischungen lohnt sich jedenfalls und auch die Investition in hochwertige Mischungen, damit die Flächen längerfristig bunt blühen.
    • Es gibt sehr große Preisunterschiede, aber hier sollte man auf keinen Fall sparen, wenn man zumindest mehrere Jahre lang Freude an der Blühfläche haben möchte. Eine Möglichkeit ist auch hochwertiges Saatgut mit billigerem zu „strecken“
    • Die empfohlene Mengenangabe für die Aussaat findet sich auf der Verpackung, häufig sind es 2–3 g pro m2.
  • Werkzeug
    • Grabegabel, Rechen, Schaufel, Bodenwalze (optional, bei größeren Flächen hilfreich), Scheibtruhe, evtl. Streuwagen (optional, Aussaat kann auch von Hand erfolgen), ggf. Fräse für Bodenabtrag (abhängig vom Standort)
  • Quarzsand

 

Standort und Fläche

Benötigt wird ein sonniger Standort. Die angelegte Blühfläche sollte so groß wie möglich sein, aber auch bereits kleinere Flächen ziehen schnell Insekten an. Im Hinblick auf den langfristigen Erhalt wäre eine Breite von mindestens 2 m wichtig, im Optimalfall sind es 4 und mehr Meter Breite. Bei schmäleren Streifen kann die Vielfalt der Pflanzen schneller verarmen, weil von außen konkurrenzstärkere Pflanzen nach und nach einwandern oder von angrenzenden Flächen Stickstoffe und Schadstoffe den Bestand beeinflussen.

Kosten und personeller Aufwand

Kosten fallen an für die Blühmischung und den Quarzsand, die Werkzeuge und evtl. für Leihgeräte, falls eine Fräse ausgeborgt werden soll. Benötigt werden je nach Größe der Fläche 1–2 Personen. Die Maßnahme kann auch gut von einer Gruppe umgesetzt werden.

© Nestea

Der erste Schritt der Anlage wird durch die Bodenbeschaffenheit entschieden. Auf extensiv genutzten Randflächen, Böschungen oder Säumen kann gleich mit der Auflockerung des Bodens begonnen werden. Wenn der Boden aufgelockert ist, wird die Fläche mit dem Rechen eingeebnet und eine feinkrümelige Struktur erzeugt.

Bisher intensiv genutzte, nährstoffreiche Standorte benötigen unter Umständen davor einen Umbruch der obersten Bodenschicht, um die bestehende Vegetation zu entfernen. Dafür werden ca. 30 cm mithilfe einer Fräse abgetragen und umgewälzt. Danach muss man dem Boden ca. 2–3 Wochen Zeit lassen, sich abzusetzen. Bei sehr hohem Nährstoffgehalt ist evtl. noch eine weitere Aushagerung, z. B. durch Einarbeitung von Sand nötig oder es erfolgt ein Oberbodenabtrag von 15–30 cm.

Aussaat

Die Aussaat kann mittels Handsaat, Streuwagen oder Sähmaschine erfolgen. Durch Vermischen des Saatguts mit Quarzsand wird eine gleichmäßigere Aussaat ermöglicht. Die Samen sollen abgelegt und nicht tief in den Boden eingearbeitet werden. Wichtig ist allerdings ein Festdrücken der Samen mittels Bodenwalze oder mithilfe einer Schaufel bei kleineren Flächen, damit sie nicht davongeweht werden.

Kurzfristige Pflege

Unbedingt nötig ist die Feuchthaltung des Bodens in der ersten Zeit nach der Anlage, damit der Keimerfolg sichergestellt wird. Die Fläche sollte keinesfalls gedüngt werden. Sechs bis acht Wochen nach der Aussaat könnte ein Pflegeschnitt nötig sein, um das Aufkommen unerwünschter Arten einzudämmen. Dies könnte der Fall sein, wenn offensichtlich eine Pflanzenart aus der Mischung überhandnimmt oder Neophyten, also gebietsfremde Pflanzenarten, wie die Goldrute, Einjähriges Berufkraut oder der Staudenknöterich sich breit machen. Der Schnitt sollte so hoch gemacht werden, dass die mehrjährigen Wiesenblumen noch bis zum Herbst aufblühen können. Das Schnittgut muss von der Fläche entfernt werden, um unerwünschten Nährstoffeintrag zu verhindern.

© E.C.O., Naturpark Kaunergrat

Der Schnitt der Fläche erfolgt in der Regel Anfang September, wenn davor kein Pflegeschnitt nötig ist. Die Blühfläche soll erst gemäht werden, wenn alle Pflanzen zum Aussamen gekommen sind. Das Mähgut sollte auf der Fläche getrocknet werden, um ggf. noch eine weitere Aussamung zu ermöglichen. Nach zwei trockenen Tagen soll das Mähgut entfernt werden.

Mögliche Probleme und Lösungen

  • Unerwünschte Arten eindämmen: Bei verstärktem Aufkommen unerwünschter Arten kann auch ein zweiter Pflegeschnitt im Sommer nötig sein, um das Aussamen dieser Beikräuter zu verhindern. Sollten Schmetterlingsblütler (Leguminosen) wie Kleearten (Rotklee, Inkarnatklee, Schwedenklee, Luzerne) überhandnehmen, ist eine teilweise Neueinsaat mit hochwertigem Saatgut mit vorangehender Bodenbearbeitung notwendig.
    Naturwiesensaatgut braucht Geduld: Bis sich Wiesenblumen auf einem nährstoffreichen Standort wirklich durchsetzen, dauert es 3–5 Jahre.
  • Bis dahin braucht es ein entsprechendes Mähregime (mit Abtransport des Mähgutes) mit Pflegeschnitten, um unerwünschte Pflanzen zurückzudrängen, und Geduld.

Hecken und Gebüsche

Hecken sind als strukturschaffende Landschaftselemente in der Kulturlandschaft nicht wegzudenken. Auch im Siedlungsraum sorgen diese für Abwechslung und etablieren ökologische Nischen. Die positiven Auswirkungen von Hecken sind mannigfaltig: Es findet eine Vernetzung von Lebensräumen statt, es werden Nahrung und Rückzugsorte für Insekten und Vögel geboten, die Bodenerosion wird verhindert, ein Beitrag zur Kohlenstoffbindung sowie zum Humusaufbau geleistet und ein Puffer vor Luftschadstoffen und Lärm geschaffen.

Als Kleinlebensraum an sich hat eine Hecke sehr viel zu bieten – bis zu 900 Tierarten leben in einer Hecke, wobei jede einen bestimmten Bereich nutzt. Besonders wichtig ist es daher, bei der Anlage von Hecken eine mehrreihige und mehrschichtige Struktur zu schaffen und auf Dauer zu erhalten. Bei der Auswahl der Sträucher gilt es, auf heimische Gehölze zu setzen, von denen verschiedene Tierarten profitieren können; dies sind insbesondere beerentragende Arten.

© creativenature.nl-stock.adobe

Es müssen eine geeignete Fläche für die Hecke ausgewählt und die langfristigen Nutzungsrechte geklärt werden. Zu bedenken ist, dass eine Hecke nach dem Anwachsen viel Platz braucht, um aus ökologischer Sicht ihre volle Wirkung zu entfalten. Einzelne Bäume sollen in der Mitte nach oben genügend Platz zum Auswachsen haben. Um den Bezug der Sträucher sollte sich rechtzeitig gekümmert werden, um heimische Setzlinge in guter Qualität zu erhalten. Der beste Zeitpunkt für die Anlage der Hecke ist im Herbst oder im zeitigen Frühjahr.

Material und Geräte

Pflanzen für die Kernzone
Bei der Auswahl der Pflanzen sind die Standortbedingungen (Licht, Trockenheit etc.) mitzudenken.
Beispiele für heimische Heckenpflanzen:

  • Salweide (Salix caprea)
  • Kornelkirsche (Cornus mas)
  • Haselstrauch (Corylus avellana)
  • Schlehe (Prunus spinosa)
  • Schwarzer Holunder (Sambucus nigra)
  • Roter Hartriegel (Cornus sanguinea)
  • Gewöhnliche Felsenbirne (Amelanchier ovalis)

Exotische Züchtungen wie die Thuje oder der Kirschlorbeer verdrängen heimische Sträucher und bieten heimischen Insekten und Vögeln kaum Nahrung. Eine naturnahe Alternative zu den exotischen immergrünen Hecken sind Eiben oder Hainbuchen. Invasive Arten wie Schmetterlingsstrauch, Blauglockenbaum, Essigbaum oder Götterbaum sollten keinesfalls verwendet werden.

Sträucher für die niedrigere Mantelschicht
Hier können z. B. Berberitzen, Wildrosen oder andere Beerensträucher gesetzt werden.

Regionstypisches Saatgut und evtl. heimische Stauden für den Heckensaum
z. B. Wiesen-Storchschnabel, Klebriger Salbei oder Skabiosen-Flockenblume.

Schaufel
Evtl. Kompost

Standort und Fläche

Naturnahe, mehrreihige Hecken (am besten 3–4-reihig) brauchen ausreichend Platz für eine Mindestlänge von rund 20 m und eine Mindestbreite von ca. 6 m. Bei der Standortauswahl sollte gleich der stufige Aufbau inkl. Randstreifen eingeplant werden. Wenn weniger Platz vorhanden ist, empfiehlt sich die Beschränkung auf die Kernzone (2 Reihen) und den Saum.

Die Anlage von Hecken ist an unterschiedlichen Standorten sinnvoll:

  • entlang von Gewässern
  • zwischen Äckern
  • am Oberrand von Böschungen
  • als Begrenzung von Wiesen und Weiden

Bei der Anlage von Hecken sollte die gezielte Verbindung von Lebensräumen (Biotopverbund) mitgedacht werden, denn Hecken sind die „Straßen“ für wildlebende Tiere. Vermieden werden sollte die Pflanzung von Hecken in der Nähe von stark befahrenen Straßen, da sie Fallen für Tiere darstellen, die sich darin zurückziehen und dann aufgeschreckt auf die Straße laufen könnten. Außerdem können die Hecken die Sichtweite der Autofahrer*innen einschränken.

Kosten und personeller Aufwand

Kosten fallen an für die Heckenpflanzen, das Werkzeug zum Graben, für Saatgut oder Stauden für den Heckensaum und evtl. für den Kompost für die Pflanzlöcher. Die Anlage kann gut in einer Gruppe erfolgen, mindestens benötigt werden 2 Personen.

© LightFieldStudios

Die Löcher für die Heckenpflanzen sollten doppelt so tief und breit ausgehoben werden, wie der Wurzelballen groß ist. Bei der Einpflanzung kann auch etwas Kompost ins Pflanzloch gegeben werden. Es muss ausreichend Pflanzabstand zwischen den einzelnen Sträuchern eingehalten werden, je nach Art kann dieser von 50 cm bis 1 m variieren.

Aufbau der Hecke

Bei der Bepflanzung ist der stufige Aufbau der Hecke mitzudenken. Herzstück ist die Kernzone mit den heimischen Heckengehölzen, bei der jedenfalls immer markante Einzelbäume gepflanzt werden, die bis zu fünf Meter hoch werden können. Diese Einzelbäume werden als Überhälter bezeichnet – Bäume, die bei Pflegeschnitten übergelassen werden und zur Strukturvielfalt beitragen.

Eine Hecke umfasst im Idealfall auch die Mantelzone – eine Schicht mit niedrigeren Büschen (bis zu 3 m Höhe), die auch häufig bedornt sind und somit Schutz nach außen bilden. Hier können z. B. Beerensträucher gesetzt werden. Den Abschluss bildet die Saumzone, sie besteht aus verschiedenen ein- und mehrjährigen Blütenpflanzen oder auch heimischen Stauden, die wichtige Futterquellen für Nützlinge darstellen.

Kurzfristige Pflege

In den ersten Wochen nach der Anlage muss die Hecke regelmäßig gegossen werden, bis die Wurzeln Kontakt zum Grundwasser herstellen konnten. Vor allem bei großer Hitze oder ungewöhnlicher Trockenheit ist das besonders wichtig.

© bruce kee/unsplash

Generell gilt es bei naturnahen Hecken nur zurückhaltend zu schneiden. Der ideale Zeitpunkt ist in der Regel im Februar oder März. Frühblühende Sträucher sollten erst im Herbst geschnitten werden. Dabei muss sichergestellt werden, dass keine tierischen Bewohner gestört werden.

Für den langfristigen Erhalt sollten Hecken alle 10–15 Jahre „auf Stock gesetzt“ werden. Dabei werden die Sträucher in wenigen Zentimetern Höhe über dem Boden abgeschnitten. Dies sollte aber nur abschnittsweise erfolgen (max. 30 %), um genügend Lebensraum übrig zu lassen. Einige Einzelgehölze sollten als Überhälter jedenfalls stehen bleiben. Der Wiesensaum vor der Hecke wird in der Regel zweimal im Jahr gemäht, wenn wenig Aufwuchs vorhanden ist auch nur einmal, und das Mähgut wird entfernt.

Totholz

Totholz stellt ein wahres Wundermittel dar, wenn es darum geht, eine große Artenvielfalt zu fördern – Moose, Flechten, Pilze, Spechte und zahlreiche Insekten profitieren von abgestorbenem Baummaterial. Insbesondere Käfer werden durch das Belassen von Altholz begünstigt. Ungefähr ein Drittel aller Käfer, also mehr als 1.400 Arten, kommen ausschließlich an und im Totholz vor. Seltene Wildbienen benötigen Totholz für die Bruten; gleichzeitig fungieren diese als wichtige Bestäuber, beispielsweise im Obstgarten.

Ebenso vielfältig wie die Bewohner sind auch die Formen, in denen Totholz verbleiben kann. Einzelne abgestorbene Äste, Baumstrünke oder auch ein Totholzhaufen in einer geschützten Ecke leisten bereits einen positiven Beitrag. Wichtig ist eine ausreichende Besonnung, damit das Holz trocken verwittern kann und lange Bestand hat. Durch die gezielte Anlage spezieller Totholzlebensräume, wie einer Käferburg, lassen sich außerdem außergewöhnliche Kunstwerke erzeugen, die reich besiedelt werden können.

© www.barfuss-junge.de:stock-Adobe

Neben der Standortwahl geht es auch darum, ausreichend Holz verschiedener Laubbaumarten zu beschaffen in unterschiedlichen Zersetzungsgraden und Stärken.

Material und Geräte

Laubholzstämme
An sich gilt je stärker, desto besser!

  • unterschiedliche Zersetzungsgrade, mehr Frischholz
  • 36 lfm. Stämme mit einem Durchmesser von 15–40 cm, die einzelnen Stämme sollen zwischen 60 und 190 cm hoch sein
  • 18 lfm. stärkere Äste mit 8–12 cm Durchmesser als Abstandshalter zwischen den Stämmen

Sägespäne oder Sand

Werkzeug

  • Spitzhacke, Spaten, Fäustel oder Vorschlaghammer zum Einschlagen der Abstandshalter, Handhacke, Äxte zum Anspitzen der Abstandshalter, Astsäge

Standort und Fläche

Ein sonnenexponierter und windgeschützter Standort in Gehölznähe (Feldgehölz, Hecke oder Wald) ist ideal für eine Käferburg. Die Anlage lohnt sich aber auch im Halbschatten, da Käfer unterschiedlichste Ansprüche haben. Die Grundfläche für die Käferburg sollte 2 mal 2 m betragen und der Untergrund tief genug sein, um ein geeignetes Loch graben zu können. Idealerweise kann man sie direkt über einem alten Wurzelstock bauen.

Kosten und personeller Aufwand

Kosten fallen an für die Stämme, das Werkzeug und die Sägespäne. Es werden zumindest 2 Personen benötigt.

© Naturpark Leiser Berge

Aushub

Eine 60 cm tiefe Grube mit einem Durchmesser von mindestens 2 m wird ausgehoben. Bei wasserundurchlässigem Boden muss eine Abflussrinne angelegt werden, damit das Holz nicht durch das stehende Wasser rasch vermodert.

Aufbau

Der Aufbau der Käferburg erfolgt Reihe um Reihe. Als erstes werden in der ersten, also äußersten Reihe die Stammstücke eingesetzt und mit eingeschlagenen Ästen als Abstandshaltern fixiert. Danach werden die Zwischenräume zur Stabilisierung ca. 40 cm hoch mit Erdreich aufgefüllt und festgestampft. Im Anschluss wird mit den nächsten Reihen gleich vorgegangen. In der Mitte der Käferburg bleibt am Ende ein holzfreier Raum, der – ebenso wie die Zwischenräume der Stämme – mit einem Erde-Sägespäne-Gemisch aufgefüllt wird. Dieser geschützte Bereich wird von den Käfern für die Eiablage und später von den Larven zur Verpuppung genutzt.

Pflege

Um ein Zuwachsen der Käferburg zu verhindern, soll regelmäßig um diese herum gemäht werden. Alternativ kann auch in einer Breite von ca. 50 cm eine Kies- oder Sandfläche um die Stämme angelegt werden. Sandflächen sind gleichzeitig Nistlebensräume für viele Insekten, wie Wildbienen.

Stein- und Sandlebensräume

Sand- und Steinlebensräume sind in der Landschaft auf vielfältige Weise vorzufinden. Steinhaufen und Trockensteinmauern stellen einen traditionellen Bestandteil der Kulturlandschaft dar. Als Blockhalden kommen Steinblöcke in großen Ansammlungen auch ganz natürlich vor. In den verbleibenden Hohlräumen zwischen den Steinen finden spaltenbewohnende Tiere, wie die Zauneidechse, einen Lebensraum. Wärmeliebende Tiere nutzen Spalten und Ritzen von Steinlebensräumen als Versteck vor potenziellen Räubern. Bodennistende und jagende Insektenarten profitieren zudem von offenen Sandflächen und Erdabbrüchen.

Sand- und Steinbiotope existieren in verschiedenster Form und an unterschiedlichen Orten, etwa in Abbau- oder Überschwemmungsgebieten (z. B. in Auen von großen Flüssen). Durch die Anlage von Sand- und Steinlebensräumen, wie einer Steinlinse, wird echten Spezialisten auch außerhalb dieser Gebiete ein Lebensraum geboten und es werden wertvolle Trittsteine für Insekten und Reptilien geschaffen. Außerdem brüten hier besonders viele Wildbienen, die für die Bestäubung wesentlich sind.

© Marek R.Swadzba-stock.acobe.com
© Naturpark Weissensee

Für die Anlage müssen Bruchsteine beschafft werden, im Idealfall kann das Gesteinsmaterial in der Umgebung des Standortes gesammelt werden, wenn dabei keine bestehenden Lebensraumstrukturen zerstört werden. Vor der Anlage sollte sichergestellt werden, dass die Steinlinse an dem Standort langfristig bleiben kann. Die Anlage kann das ganze Jahr über erfolgen.

Material und Geräte

Ortstypische Bruchsteine in unterschiedlicher Korngröße

  • Mindestens 80 % der Steine sollten einen Durchmesser von 20–40 cm haben
  • Kiesgruben- und Steinbruchbetreiber kontaktieren, falls kein Gesteinsmaterial in der Umgebung vorhanden ist

Scheibtruhe

Schaufel oder Bagger (bei größeren Anlagen) für den Aushub

Füllmaterial für die Zwischenräume

Optional: Sand oder Kies für den Boden (sehr empfehlenswert, damit das Zuwachsen verzögert wird)

Optional: Holzstücke, die mitverbaut werden

Standort und Fläche

Für die Anlage der Steinlinse wählt man einen sonnigen Standort auf einer südseitigen Böschung. Idealerweise beträgt das Volumen einer Steinlinse mindestens 5 m3, aber auch 2–3 m3 haben zweifelsohne einen positiven Effekt. Die Grundfläche der Steinlinse sollte ca. 2 mal 2 Meter umfassen. Im besten Fall befindet sich die Steinlinse in der Nähe von ausreichend Futterquellen wie Hecken, Insektengärten oder Gewässern. Es ist sinnvoll mehrere größere und kleinere Linsen in einer Entfernung von 20–30 m anzulegen, um dem Revierbildungsverhalten von Eidechsen entgegenzukommen.

Kosten und personeller Aufwand

Kosten fallen an für den Sand oder Kies, die Bruchsteine, wenn sie nicht gesammelt werden können, und deren Transport (ein Steinbruchbetrieb kann auch den Transport zum Einsatzort übernehmen) sowie für den Aushub (bei größeren Flächen könnte ein maschineller Aushub mit Bagger nötig sein).

Sollte sich die Linse an einer Böschung eines Verkehrswegs befinden, muss fachkundiges Personal sicherstellen, dass sich lösende Steine keine Gefahr darstellen. Der personelle Aufwand ergibt sich aus der Größe der Steinlinse und dem Volumen des Steinmaterials. Es werden 2–3 Personen benötigt.

Zuerst wird eine Grube ausgehoben, die mindestens 80 cm tief sein soll. Am besten gleich bis 120 cm Tiefe ausheben, dann dient die Linse auch als frostsicheres Winterquartier für Reptilien. Die Form der Linse kann variieren (siehe Expert*innen-Tipp).

Der Boden der Grube sollte eine Neigung nach vorne von 10–20 % haben, damit Wasser abfließen kann. Der Grubenboden kann mit Sand oder Kies ausgekleidet werden, dies soll max. 5 % des Volumens der Linse ausmachen.

Anlage

Nun wird die Grube mit den Bruchsteinen aufgefüllt – größere Steine werden eher unten, kleinere flache eher oben und horizontal gelagert. Der Großteil des Gesteinsvolumens der Linse befindet sich am Ende unter der Bodenoberfläche. Wurzeln oder Äste können an der Oberfläche mit eingebaut werden. Die entstehenden Zwischenräume können mit Sand, Kies oder Erde aufgefüllt werden.

Pflege

Der Pflegeaufwand von Steinlinsen ist überschaubar. Im Randbereich der Steinlinse sollte sich ein krautiger Saum bilden, der in Ruhe gelassen werden kann. Falls der Bereich gemäht werden muss, sollte man nie alles auf einmal mähen, am besten höchstens die Hälfte des Saums einmal im Jahr. Die sonnenzugewandte Seite der Linse sollte frei von Gebüsch bleiben und in der Umgebung aufkommende Gehölze oder Bäume müssen zurückgeschnitten werden, damit sie die Linse nicht beschatten. Die Steinlinse darf auch teilweise von niedrigen Pflanzen überwachsen werden und kleine aufkommende Vegetationsinseln dürfen auch bleiben.

© envato/joaquincorbalan

Eine Reptilienburg, also ein Steinhaufen als Domizil für Eidechsen und Schlangen, lässt sich ebenfalls gut selbst gestalten. Die Anleitungen dazu finden sich in der Broschüre „Landschaften voller Superhelden“ des Verbandes der Naturparke Österreichs.

Ein Sandgarten kann als Lebensraum für Sandbienen oder Ameisenlöwen, die räuberischen Larven der Ameisenjungfern, angelegt werden.

Tümpel und Feuchtbiotope

Früher entstanden kleine stehende Gewässer auf natürliche Art und Weise an vielen Orten – Senken und Mulden in der Landschaft füllten sich nach starkem Regenfall mit Wasser. Heute sind diese Kleinlebensräume selten geworden, dabei sind unterschiedlichste Lebewesen auf sie angewiesen – einige Insekten, wie Libellen, bestimmte Ruderwanzen, Wasserläufer und Wasserkäfer, werden in gewissen Entwicklungsstadien oder sogar zeitlebens benötigt. Unter den Amphibien besteht insbesondere bei Gelbbauchunken, Erdkröten, Teichmolchen, Kammmolch-Arten und Teichfröschen eine Bindung an Kleingewässer.

Für die Biodiversität stellen natürlich vorkommende Tümpel und künstlich angelegte Himmelteiche, also Teiche, die nur durch Regenwasser gespeist werden, somit sehr wichtige Lebensräume dar. Ein besonderer Wert ergibt sich durch unterschiedliche Flachwasser- und Tiefwasserbereiche, unregelmäßig verlaufende schattige und besonnte Ufer sowie vielfältige Strukturen, wie Totholz im und um das Wasser, und insbesondere bei Fischfreiheit. Heimische Pflanzen am Gewässer, die nicht überhandnehmen, vollenden den Kleinlebensraum.

© 652234

Der Platz für den Tümpel muss entsprechend der Standortbedingungen ausgewählt und die langfristige Verfügbarkeit abgesichert sein. Bereits bei der Auswahl der Fläche sollten die Übergangsbereiche und mögliche Überschwemmungszonen am Rande des Tümpels eingeplant werden, damit die Vielfalt sich hier optimal entfalten kann. Die Form kann man auch bereits bei der Flächenwahl mitdenken. Unregelmäßige Ufer mit Buchten und Verlandungszonen erhöhen die Strukturvielfalt.

Material und Geräte

Natürliche Abdichtung des Bodens

  • Lehm: Wenn man den Lehm nicht aus dem Boden entnehmen kann, kann man ihn auch als Aushubprodukt bei Kiesgruben bekommen.
  • Waschschlamm: Waschschlamm entsteht als Abfallprodukt in Kiesgruben und kann ebenfalls dort bezogen werden.

Alternative, künstliche Abdichtung mit schadstofffreier Teichfolie

Bodensubstrat Kies- oder Quarzsand (Körnung 0,6–2 mm)

Werkzeug: Schaufel oder Minibagger – je nach Größe und Tiefe

Optional: Heimische Pflanzen zur Initialbepflanzung

Standort und Fläche

Man benötigt einen sonnigen Standort, wo der Aushub einer unterschiedlich tiefen Mulde, in der sich Schmelz- und Regenwasser ansammeln können, möglich ist. Ab 4 m2 Größe lohnt sich die Anlage aus Naturschutzsicht. Zu Äckern und Straßenrändern sollte man einen Pufferstreifen von einigen Metern einplanen, um den Nährstoff- und Schadstoffeintrag möglichst gering zu halten.

Kosten und personeller Aufwand

Im Idealfall hat man Lehm zur Verfügung und kann den Waschschlamm kostenlos oder günstig bei einem Kieswerk beziehen. Alternativ fallen Kosten für die Teichfolie an. Das Bodensubstrat ist ein weiterer Kostenpunkt und ggf. die Pflanzen. Je nach Größe des Tümpels sind 2–3 Personen für die Anlage nötig.

© Jeantrekkeur/AdobeStock

Die bereits festgelegte Form des Tümpels wird grob abgesteckt. Im Anschluss erfolgt der Aushub. Bei größeren Tümpeln empfiehlt sich dafür ein Minibagger, bei kleineren gelingt es auch mit einer Schaufel. Die Mitte des Tümpels sollte die tiefste Stelle sein und zwar mindestens 1 Meter tief – zum Rand hin wird flacher gegraben. Zu bedenken ist, dass die Lehmschicht, die zur Abdichtung aufgetragen wird, etwa 50 cm dick sein sollte – dies muss man beim Aushub hinzurechnen. Alternativ kann man den Boden mit schadstofffreier Teichfolie abdichten und gleich die endgültige Tiefe ausheben.

Die Seichtwasserbereiche sollten etwa ein Drittel der Fläche des Tümpels ausmachen und ca. 30–50 cm tief sein. Am Rand des Tümpels entsteht eine sumpfige Zone, die noch seichter ist.

Der Wert der unterschiedlichen Zonen und Übergangsbereiche
Die unterschiedlichen Tiefen des Tümpels erzeugen verschiedene Zonen, die die unterschiedlichen Bedürfnisse der Tümpelbewohner erfüllen. Von den regelmäßig überfluteten Randbereichen können eine Vielzahl weiterer Arten profitieren. Bei starken Niederschlägen tritt das Wasser über den Rand hinaus und es können mit der Zeit spezielle Feuchtbiotope entstehen, wie feuchte Hochstaudensäume, die mit besonderem Blütenreichtum für Insekten aufwarten. Diese an sich feuchten Lebensräume, die zwischendurch austrocknen, sind auch besonders für Laufkäfer und Spinnen von Bedeutung.

Anlage

Abdichten: Nach dem Aushub wird zuerst die Lehmschicht etwa 50 cm dick aufgetragen. Im Anschluss wird eine Schicht des Waschschlamms auf dem Lehm verteilt, der darin Risse und Poren abdichtet.

Alternativ kann der Boden nach dem Aushub mit der schadstofffreien Teichfolie abgedeckt werden, die über den Rand hinausragen sollte, damit die angrenzende Erde nicht dem Tümpel über die Folie das Wasser entzieht.

Bodenauftrag: Auf den abgedichteten Boden wird eine 20–30 cm dicke Schicht aus Kies oder Quarzsand unterschiedlicher Körnung ausgebracht. Das Wasser wird sich mit dem nächsten starken Niederschlag einfinden.

Bepflanzung

Wenn sich in der Nähe des angelegten Tümpels bereits andere stehende Gewässer befinden, wird sich die Ufervegetation mit der Zeit selbst ansiedeln. Dafür braucht es nur etwas Geduld. Es kann auch eine Initialbepflanzung mit heimischen Sumpf- und Wasserpflanzen vorgenommen werden, wie z. B. mit Sumpfdotterblumen und Blutweiderich. Vor allem bei großer Hitze oder ungewöhnlicher Trockenheit ist das besonders wichtig.

© focus finder-stock.adobe.com

In der Regel ist die Pflege des Tümpels nicht aufwendig. Einfallendes Laub oder verrottendes Pflanzenmaterial sollte entfernt werden. Aufkommende Gehölze im nahen Umfeld sollten entfernt oder stark zurückgeschnitten werden, um eine zu intensive Beschattung zu verhindern.

Bei natürlichen Tümpeln üblich, aber bei unserem Naturschutztümpel nicht erwünscht, ist das vollständige Verlanden und Trockenfallen des Gewässers, insbesondere bei kleineren, seichteren Tümpeln. Um dem Entgegenzuwirken, sollte man alle 3–5 Jahre Rohrkolbengewächse oder sonstige Röhricht-Bestände abschnittsweise ausheben oder ausbaggern.

Insektengärten

Gärten stellen im Siedlungsbereich äußerst wichtige Refugien für Insekten dar. Es gilt dabei jedoch, einige wichtige Grundregeln zu beachten, um die Kleintiere nicht zu vertreiben und langfristig ein vielfältiges Zuhause zu schaffen. Von großer Bedeutung ist die Strukturvielfalt im Garten – das Angebot verschiedener Kleinstrukturen sowie das Zulassen wilder Ecken ermöglichen einen ungestörten Rückzug.

Die Erholungsfunktion des „Wohnzimmers im Freien“ wird dabei nicht eingeschränkt, im Gegenteil – das Beobachten, Lauschen und die Freude an der Vielfalt stellen spannende Gartenaktivitäten für Jung und Alt dar. Wie ein klassischer Bauerngarten zeichnet sich ein Insektengarten durch eine bunte Mischung von Stauden, ein- und mehrjährigen Kräutern sowie vielfältigen Strukturen aus.

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Zur Planung der insektenfreundlichen Gestaltung sollte der eigene Garten begangen und gedanklich in verschiedene Bereiche eingeteilt werden. Dafür lohnt es sich, gleich Papier und Stift mitzunehmen und eine Skizze anzulegen. Bei der Begehung geht es darum, unterschiedliche Strukturen im Blick zu haben und zu überlegen, wo welche Elemente etabliert werden könnten.

Material und Geräte

  • Verschiedene heimische Pflanzenarten
  • Diverse Gartenwerkzeuge
  • Frische Erde für die Pflanzlöcher

 

Standort und Fläche

Jeder Garten ist dazu geeignet ein Insektengarten zu werden. Für die konkrete Auswahl der Pflanzen lohnt es sich, sich mit den Lichtverhältnissen und der Bodenbeschaffenheit (nährstoffarm oder reich, trocken oder nass) auseinanderzusetzen.

Kosten und personeller Aufwand

Kosten fallen bei Neupflanzungen an für die Pflanzen und etwas frische Erde. Beim Setzen mehrjähriger Stauden sind die Folgekosten allerdings deutlich niedriger, da man viele Jahre etwas von den Beeten hat und nicht jedes Jahr neu setzen muss. Der personelle Aufwand ergibt sich aus den eigenen Plänen für den Garten. Man kann auch gut nach und nach Kleinlebensräume anlegen.

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Heimische Pflanzen setzen

Durch Setzen regionstypischer Pflanzen stellt man sicher, dass die vor Ort lebende Insektenfauna an diese Gewächse angepasst ist und von ihnen als Nahrungsquellen optimal profitieren kann. Jedenfalls vermeiden sollte man das Auspflanzen invasiver gebietsfremder Arten (Neophyten). Diese können sich unkontrolliert ausbreiten und haben maßgeblich negative Auswirkungen auf die Vielfalt unserer Ökosysteme. Keinen Gefallen tut man den Insekten, wenn man Pflanzen mit gefüllten Blüten setzt (z. B. Rosen). Dort sind die Staubblätter zu Blütenblättern umgebildet oder nicht erreichbar und es gibt oft weder Nektar noch Pollen.

Um Schmetterlinge, Fliegen, Wildbienen usw. zu fördern, lohnt es sich, auf ein buntes Blütenangebot zu setzen, das im zeitigen Frühling startet und bis in den Herbst hinein mit Nektar und Pollen aufwartet. Pflanzungen können in einem bunten Staudenbeet erfolgen, als Hecke oder Gebüschgruppe, oder auch in Töpfen oder Pflanzkästen. Wenn Platz vorhanden ist, sollte jedenfalls auch eine Blühfläche angesät werden. Diese könnte am Rand des Gartens angelegt und beim Mähen einfach ausgespart werden.

Bodenleben bewahren

Im Boden lebende Insekten wie Springschwänze, aber auch Tausendfüßer oder Regenwürmer tragen zur Humusbildung bei und sorgen für Bodenfruchtbarkeit. Um die Vielfalt im Boden zu fördern, muss dafür gesorgt werden, dass das Gleichgewicht im Boden aufrechterhalten wird. Nährstoffe sollten möglichst nur in dem Ausmaß eingebracht werden, wie sie entnommen werden (z. B. durch Rückschnitt oder Ernte). Die Einbringung von Dünger sollte in organischer Form, also durch tierische oder pflanzliche Abfälle erfolgen – durch die Umsetzungsprozesse profitiert das Bodenleben.

Nützlinge fördern, Schädlinge im Zaum halten

In einem Garten, der der Vielfalt dienen soll, haben chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel nichts verloren. Sie schaden nicht nur den Schädlingen, sondern auch gänzlich unbeteiligten oder auch nützlichen Arten. Durch ein vielfältiges Nahrungs- und Unterschlupfangebot im Garten siedeln sich Nützlinge von selber an – Marienkäfer fressen Blattläuse, Florfliegenlarven speisen gerne Spinnmilben und Blumenwanzen sind ebenfalls erfolgreiche Schädlingsräuber.

Wilde Ecke und andere Rückzugsmöglichkeiten schaffen

Neben eigens angelegten Pflanzungen profitieren die Insekten enorm von einer wilden Ecke im Garten, die tatsächlich unberührt bleibt. Hier können sich Wildkräuter entwickeln, die langsamer als Gras wachsen und auf dem Rasen nie zur Blüte kommen. Gerne siedeln sich in einer wilden Ecke auch Brennnesseln an, die verschiedenen Schmetterlingsraupen als Nahrung dienen und in der unberührten Ecke auch niemanden brennen können.

Über andere Rückzugsorte, wie Totholzhaufen oder Überwinterungsquartiere bis hin zu Nisthilfen im Garten, finden sich weitere Informationen in den anderen Kapiteln dieses Handbuchs.

Nisthilfen & Überwinterung

Durch die voranschreitende Umwandlung natürlicher Lebensräume und die Versiegelung offener Flächen gehen für die Insektenwelt Nistmöglichkeiten und Plätze, an denen eine sichere Überwinterung möglich ist, verloren. Viele dieser Tiere sind hochspezialisiert und stellen sehr bestimmte Anforderungen an den jeweiligen Nistplatz. Unter den Wildbienen finden sich Arten, die Nistanlagen in der Erde errichten, solche, die sich dafür in das Mark trockener Stängel nagen, und wiederum andere, die bereits vorhandene Hohlräume wie Felsspalten nutzen. Auch Lehm als Nistmaterial ist für einige Insekten unabdingbar.

Durch die Anlage von Nisthilfen in unterschiedlicher Ausgestaltung können somit auf kleinem Raum verschiedenste Insektenarten gezielt gefördert werden, da natürliche Standorte dieser Art oftmals vernichtet wurden. Die Bereitstellung von Überwinterungsquartieren unterstützt Insekten, Vögel und Säugetiere dabei, geschützt durch die kalte Jahreszeit zu kommen.

Ein Tontopf wird mit Stroh gefüllt um ein Insekten-Quartier zu bauen
Foto: Naturpark Bauernland
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Zuerst sollte man sich überlegen, wo man einen guten Platz für ein geeignetes Insektenhotel hat und wie groß es werden kann. Dann kann man verschiedene Nisthilfen in einem „Insektenhotel“ kombinieren. Wichtig ist, sich vorher damit auseinander zu setzen, wie Insektennisthilfen jedenfalls nicht aussehen dürfen.

„No-Gos“ bei Insektennisthilfen

  • Ausgefranste Stängel oder rissige, scharfkantige Bohrlöcher in weichem Holz verletzen die zarten Flügel. Damit schadet man den Insekten, statt ihnen zu helfen.
  • Querliegende Halme, die fast vollständig durch Mark befüllt sind, werden von Hohlraumbesiedlern nicht verwendet.
  • Springendes, frisches Holz
  • Lackierte oder anderweitig chemisch behandelte Hölzer haben im Insektenhotel nichts verloren

Standort und Fläche

Nisthilfen können auf Freiflächen, im Garten oder auch auf Balkonen und Terrassen angebracht werden – wichtig ist ein Platz in der Sonne und Schutz vor Regen und starken Winden. Im Idealfall erfolgt die Ausrichtung nach Südost oder Südwest. Die Nisthilfen sollten vor Haustieren geschützt sein, eine erhöhte Montage ist sinnvoll. In der näheren Umgebung sollten die Bewohner Zugang zu genügend geeigneten Nahrungsquellen vorfinden (siehe Kapitel „Insektengärten“ oder „Blühflachen“).

Kosten und personeller Aufwand

Je nachdem wieviel Material bereits im Garten vorhanden ist, kann die Anlage einer Nisthilfe nahezu nichts kosten. Wenn ein größeres „Hotel“ kombiniert werden soll, kommen die Kosten für das Gerüst aus Holz, Brettern für das Dach und die Schrauben hinzu. Die Anlage kann man alleine machen, ein großes Hotel kann man aber auch gut in einer Gruppe bauen.

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Besonders nützlich für Wildbienen, z. B. verschiedene Blattschneiderbienen- und Scherenbienen-Arten

Material und Geräte

  • Baumstämme
    • in einer Länge von 30–100 cm ab 15 cm Durchmesser
    • aus Hartholz wie Eiche, Esche, Obstbäume, Ahorn oder Buche
  • Werkzeug
    • Bohrmaschine und Holzbohrer

Anlage

Die abgestorbenen Laubbaumstämme müssen zuerst entrindet werden. Wenn sie gut durchgetrocknet sind, ist eine glatte und saubere Bohrung möglich. Die Bohrung der Löcher erfolgt niemals ins Stirnholz, sondern immer ins Längsholz. Die Löcher in unterschiedlichen Bohrdimensionen (0,2–1 cm Durchmesser und 5–12 cm Tiefe) werden quer zur Faser seitlich in den Stamm gebohrt. Kleinere Baumstämme können in ein Hotel miteingebaut, größere am Boden aufgeschichtet werden.

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Besonders nützlich für verschiedene Wildbienenarten, wie die Schwarzglänzende Keulhornbiene und einige Grab- und Faltenwespenarten

Material und Geräte

  • Hohle, trockene Pflanzenstängel
    • B. Schilf, Bärenklau oder Ampfer in unterschiedlichen Durchmessern (2–10 mm) und einer Länge von 8–20 cm.
  • Markhaltige Pflanzenstängel
    • B. Holunder, Königskerze, Himbeere oder Rose
  • Bindfaden zum Fixieren der Bündel

Anlage

Bündel aus Pflanzenstängeln, die waagrecht abgelegt werden, lassen sich in einem Insektenhotel gut einsetzen, um Zwischenräume zwischen größeren Holzelementen oder Kisten zu befüllen. Achten Sie beim Schneiden der Stängel auf saubere, splitterfreie Schnittkanten. Trennen Sie die Stängel immer hinter dem natürlich vorhandenen Knoten ab, damit das hintere Ende verschlossen ist. Nun machen Sie aus den hohlen Stängeln in verschiedenen Dimensionen Bündel. Bündel markhaltiger Stängel sollten im Insektenhotel senkrecht aufgestellt werden, dann können marknagende Insekten sie nutzen.

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Besonders nützlich für verschiedene Wildbienenarten, wie die Gehörnte Mauerbiene oder die Rote Mauerbiene (Foto: zimuwe – stock.adobe.com)

Material und Geräte

  • Kisten mit mindestens 15 cm Tiefe
  • Füllmaterial
    • möglichst feiner Lehm, Ton oder Löss
  • Werkzeug
    • Bohrmaschine und Holzbohrer

Anlage

Kisten werden mit Lehm, Ton oder Löss gefüllt. Im Anschluss werden Löcher in einem Durchmesser von 0,4–0,9 cm in das Substrat gebohrt. Die Kisten werden dann so hingelegt, dass die Bohrgänge waagrecht sind. Damit entspricht die Kiste dem Pendant in der Natur – einer Böschung mit offenen Stellen. Durch Bereitstellung von feuchtem Lehm im Garten unterstützt man verschiedene Wildbienen beim Nestbau – sie verschließen damit ihre Bruthöhlen.

Ohrwürmer halten sich tagsüber in Ritzen oder Spalten auf, also finden sie auch in den anderen Nisthilfen Unterschlupf. Um sie gezielt zu fördern, kann man ihnen einfach ein Quartier bauen. Dafür hängt man einen mit Holzwolle oder Stroh gefüllten kleinen Blumentopf verkehrt in einem Baum oder Strauch auf oder befestigt ihn an einem Stecken.

Wichtig ist, dass die Ohrwürmer über den Stecken oder einen Ast direkt in den Topf klettern können. Man kann die Nützlinge mit dem Topf bei Bedarf direkt zu von Blattläusen befallenen Pflanzen umsiedeln.

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