Die neuen Maßnahmen umfassen die Wiederherstellung wichtiger Lebensräume und die Rettung einer lokal vom Aussterben bedrohten Moor-Baumart.
Einst war das Schremser Hochmoor mit 300 Hektar das größte Moor Niederösterreichs. Nach der letzten Eiszeit vor grob 8.000 Jahren entstanden, prägt es bis heute die Landschaft im Gemeindegebiet von Schrems und ist eine wertvolle Oase für spezielle Tier- und Pflanzenarten.
In Österreich sind kaum noch unberührte Moorflächen vorhanden und auch das Schremser Hochmoor wurde über Jahrhunderte entwässert sowie durch Torfabbau und Landwidmungsänderung stark verändert. Da Moore zu den empfindlichsten Ökosystemen gehören und stark bedroht sind, ist man in Schrems besonders um ihren Schutz bemüht.
Im Naturpark Hochmoor Schrems werden aktuell auf 1,8 Hektar zwei neue umfassende Renaturierungsprojekte umgesetzt, um die geschädigten Bereiche so naturnah wie möglich wiederherzustellen. Das Naturpark- und Ramsar-Zentrum UnterWasserReich (UWR) leitet die lokalen Maßnahmen und setzt sie direkt vor Ort um. Durch die Bündelung verschiedener Maßnahmen werden Biotopschutz, Artschutz und Klimaschutz mit ökologischer Bewusstseinsbildung und langfristiger Wissenssicherung vereint.
Die Renaturierungen in Schrems werden als Teil eines österreichweiten Biodiversitätsfonds-Gesamtprojekts namens „Wiederherstellung wichtiger Lebensräume in Naturparken“ umgesetzt. Koordiniert wird das Großprojekt vom Verband der Naturparke Österreichs. Insgesamt setzen sieben Naturparke aus vier Bundesländern lokale Teilprojekte zur Lebensraumwiederherstellung um.
Pionierprojekt: Spirkenwälder
Im Mittelpunkt des ersten Schremser Teilprojekts steht die Spirke (Pinus uncinata), die eine sehr seltene Moor-Baumart ist. Im Naturpark Hochmoor existieren noch einzelne, stark geschädigte Individuen. Generell zählen Spirken-Moorwälder zu gefährdeten Lebensraumtypen und stellen in Schrems ein explizites Schutzziel dar. Ohne gezielte Maßnahmen droht diese bis zu 20 Meter hohe Art lokal auszusterben.
Zu ihrer Rettung werden Spirkenzapfen aus einem relativ nahegelegenen Restvorkommen geerntet. Die Samen werden von Dr. Simon Jansen und seinem Team am Institut für Waldbau der Universität für Bodenkultur (BOKU) aufbereitet und aufge-zogen. Anschließend werden die jungen Bäumchen auf bereits hydrologisch sanierten, wiedervernässten Moorflächen aufgeforstet. Die Pflanzung soll nicht flächig, sondern punktuell und an den Standort angepasst erfolgen. Die betroffene Fläche umfasst ca. 1,6 Hektar. Ziel ist es, den lichten Charakter des Moorwaldes zu erhalten und gleichzeitig die Spirke wieder dauerhaft zu etablieren. Langfristig soll eine stabile, sich selbst erhaltende Population entstehen. Da es bislang österreichweit noch kein vergleichbares Unterfangen gibt, werden diese Maßnahmen in Schrems als Pionierprojekt erprobt.
Teilprojekt: Neophytenbekämpfung
Das zweite Teilprojekt widmet sich der Bekämpfung des Indischen Springkrauts (Impatiens glandulifera), einer invasiven Pflanze, die sich vor allem in feuchten Lebensräumen rasant und flächig ausbreitet. Durch ihre hohe Konkurrenzkraft verdrängt sie heimische Moorbewohner und verändert sensible Pflanzengesellschaften.
Das Indische Springkraut kam um 1840 als eingeschleppte Zierpflanze aus dem Himalaya-Gebirge nach Europa. Seit Beginn des 20. Jhdt. ist es in der freien Natur nachgewiesen und breitet sich seither rasant aus. Im Schremser Hochmoor gibt es ein Vorkommen auf rund 0,2 Hektar, das derzeit noch isoliert ist. Durch rechtzeitiges und konsequentes Handeln kann eine weitere Ausbreitung noch verhindert werden. Die Entfernung des Springkrauts erfolgt ausschließlich händisch und besonders schonend für den empfindlichen Moorboden. Dies erfolgt unter Einbindung ehrenamtlicher Helfer:innen. So wird Naturschutz erlebbar gemacht, was einen wichtigen Beitrag zur Bewusstseinsbildung leistet. Die Projektlaufzeit erstreckt sich von Jänner 2026 bis Dezember 2028. Vorbereitende Arbeiten fanden auch schon vor Projektbeginn statt.