Mit Beginn des Frühjahrs kehren sie zurück an den Tiroler Lech: zwei seltene und gefährdete Vogelarten, der Flussuferläufer und der Flussregenpfeifer.
NATURPARK TIROLER LECH. Nach ihrer langen Reise aus Afrika treffen die Kiesbankbrüter jährlich in ihren Brutgebieten ein. Zur Aufzucht ihrer Jungen suchen sie weite Schotterflächen und ungestörte Uferbereiche auf. Die Vögel sowie ihre Eier sind gut getarnt und äußerst störanfällig. Natürliche Feinde wie Füchse und Marder, aber auch der Mensch und freilaufende Hunde gelten als Gefahr. Störungen können dazu führen, dass die Vögel ihr Gelege verlassen müssen und die Entwicklung des Nachwuchses gefährdet ist.
Beide Arten stehen auf der Roten Liste Österreichs und sind eng an naturnahe Wildflusslandschaften gebunden. Der Tiroler Lech zählt zu den selten gewordenen Brutgebieten dieser Arten: Aktuelle Monitoringdaten zeigen, dass rund 30 Prozent der Flussuferläufer und etwa 90 Prozent der Flussregenpfeifer Tirols hier brüten. „Damit kommt der Region eine besondere Verantwortung zu. Gleichzeitig gelten die Vögel als ‚Zeigerarten‘ – ihr Vorkommen steht für ein intaktes Wildfluss-Ökosystem, das Lebensraum zahlreicher weiteren Arten bedeutet und Retentionsraum für Hochwasser bietet“, betont Geschäftsführerin Nora Schneider.
Um diesen sensiblen Lebensraum zu schützen, wurde im Naturpark Tiroler Lech eine Rangerstelle geschaffen. Konkrete Maßnahmen aus dem bestehenden Besucherlenkungskonzept können nun zielgerichtet umgesetzt und weitergeführt werden. Eine Steuergruppe wurde bereits vonseiten des Naturparks gegründet, bestehend aus StellvertreterInnen der Bergwacht, der BH Reutte, der Naturparkregion Reutte und Lechtal Tourismus. Gemeinsam werden fortan Problemstellungen besprochen und Maßnahmen abgestimmt. Beim ersten Treffen der regionalen Steuergruppe zum Besuchermanagement stand der Schutz der Kiesbankbrüter im Fokus.
Dabei wurde die geplante Beschilderung sensibler Kiesbankbereiche während der Brutzeit definiert. Gelbe Schilder weisen nun punktuell und saisonal im Gelände auf Brutzonen hin: In der Zeit vom 1. April bis 31. Juli sollen die markierten Bereiche frei von jeglicher Störung gehalten werden.
Der Auftakt der Beschilderung erfolgte mit Landesrat René Zumtobel. Der Naturpark schließt sich damit einem einheitlichen Beschilderungssystem an, das bereits in anderen Gebieten wie im Naturpark Karwendel, am Inn und in angrenzenden Regionen in Deutschland erfolgreich Anwendung findet. „Wer die Natur schätzt, der schützt sie auch. Damit diese seltenen Vogelarten hier am Lech und auch am Inn und an der Isar möglichst ungestört brüten können, ist die Rücksichtnahme der Menschen wesentlich. Die einheitlich gestaltete Beschilderung in allen Regionen ist ein wichtiger Schritt, um diese Botschaft direkt vor Ort zu vermitteln“, so Landesrat Zumtobel. Kommunikation ist bei dieser Maßnahme das Schlüsselelement. So führen QR-Codes direkt auf den Schildern zur Wissensvermittlung. Begleitet werden die Maßnahmen durch gezielte Information und Bewusstseinsbildung – von Exkursionen bis hin zu digitalen Angeboten.
Ziel ist es, auf Grundlage von Wissen und Verständnis ein respektvolles Miteinander von Mensch und Natur zu fördern und markierte Bereiche zu schonen. Gleichzeitig bleiben Räume für Erholungssuchende zugänglich „Wir achten auf den Erholungswert für den Menschen, indem Gebiete wie in Brückennähe zugänglich bleiben, erklärt Rangerin Kathrin Hüffmeier. „So kann eine ausgewogene Nutzung als Erholungsraum und gleichzeitige Rücksichtnahme auf sensible Arten mit dem Zutun aller gelingen.“
Indem wir als Besuchende dieses Naturraumes während der Brutzeit auf das Betreten, insbesondere der markierten Kiesbänke, verzichten, Hunde anleinen und auf den Wegen bleiben, können wir zum Bruterfolg und damit zur Rückkehr der Jungvögel im nächsten Frühjahr beitragen.
Tipps:
Wer ein scharfes Auge und viel Geduld mitbringt, kann die seltenen Vögel sogar von den zwei Vogelbeobachtungshütten des Naturparks in Forchach und Häselgehr aus störungsfrei beobachten.
Außerdem bietet das Veranstaltungsprogramm des Naturparks, darunter die Ranger-Führungen, beste Gelegenheit, die eigene Heimat mit neuem Blick zu erkunden. Dabei können faszinierende Entdeckungen gemacht und spannende Zusammenhänge in der Natur erkennt werden. Infos und Anmeldung auf der Website des Naturparks im Eventkalender.