Wie lässt sich Natur erleben und gleichzeitig schützen? Mit seinem Besucherlenkungskonzept zeigt der Naturpark Mürzer Oberland, wie gezielte Information, klare Leitsysteme und attraktive Angebote dazu beitragen können, sensible Naturräume zu bewahren. Die Erfahrungen aus dem Naturpark stoßen inzwischen auch international auf großes Interesse.
Das Besucherlenkungskonzept des Naturparks Mürzer Oberland stößt mittlerweile auch über die Steiermark hinaus auf Interesse. Am 10. September konnte das Konzept im Rahmen der Abschlusskonferenz des grenzüberschreitenden Interreg-Projektes „Ecovisit SKAT“ im Schloss Marchegg einem internationalen Fachpublikum vorgestellt werden.
Bereits im Juni 2021 startete der Naturpark Mürzer Oberland im Rahmen des regionalen LEADER-Programmes das Pilotprojekt „Natur schützen durch Besucherinnen- und Besucherlenkung“. Ausgangspunkt war die zunehmende Belastung einzelner sensibler Naturräume durch Freizeit- und Erholungsnutzung. Ziel war es daher, Naturerlebnis und Naturschutz besser miteinander zu verbinden und Besucherströme gezielt zu lenken, anstatt ausschließlich mit Verboten und Einschränkungen zu arbeiten.
Dazu wurden unter anderem bestehende Wanderwege, Parkräume, öffentliche Verkehrsanbindungen und Leitsysteme hinsichtlich ihrer Eignung und der Belastbarkeit des Naturraumes bewertet. Ein Schwerpunkt lag auf einem möglichst einheitlichen analogen und digitalen Informationssystem. Gleichzeitig wurden sensible Naturräume bewusst aus einer verstärkten touristischen Bewerbung herausgenommen. Mit Informationsmaßnahmen und Kurzfilmen wurden zudem Themen wie Skitouren in Jungwäldern, Wildruhezonen, forstliche Sperrgebiete, das Verlassen markierter Wege und der Schutz der Biodiversität aufgegriffen.
Das Förderprojekt wurde Ende 2025 abgeschlossen, die Besucherlenkung wird vom Naturpark jedoch als laufende Aufgabe weitergeführt. Eine zusätzliche Verankerung erhielt das Thema im ebenfalls 2025 fertiggestellten und von der Naturschutzabteilung des Landes finanzierten Managementplan des Naturparks Mürzer Oberland. Dieser orientiert sich an den vier Säulen der Naturparke – Schutz, Bildung, Erholung und Regionalentwicklung – und definiert unter anderem Besucherlenkung, Lebensraummanagement, Biotopverbund, Kommunikation, Jugendarbeit und nachhaltigen Naturtourismus als wichtige Handlungsfelder für die kommenden Jahre.
Umso erfreulicher war die Anfrage des internationalen Projektes Ecovisit SKAT, das von November 2023 bis Oktober 2026 österreichische und slowakische Partner im Naturraum zwischen Wien und Bratislava verbindet. Beteiligt sind der Nationalpark Donau-Auen, die Region Marchfeld, DAPHNE sowie der Staatliche Naturschutz der Slowakei. Auch hier steht die Frage im Mittelpunkt, wie steigender Besucherdruck und der Schutz sensibler Naturräume miteinander vereinbart werden können.
Im Rahmen von Ecovisit SKAT werden unter anderem Besucherzählungen und Befragungen durchgeführt, Besuchereinrichtungen und Themenwege weiterentwickelt sowie Umweltbildungs- und Bewusstseinsmaßnahmen umgesetzt. Ein wesentlicher Ansatz besteht darin, Besucherinnen und Besucher aktiv in den Schutz der Biodiversität einzubeziehen. Damit bestehen zahlreiche inhaltliche Parallelen zu den Erfahrungen des Naturparks Mürzer Oberland.
Nach der Präsentation in Marchegg wurde von mehreren Seiten großes Interesse an den umgesetzten Maßnahmen und den bisherigen Erfahrungen gezeigt, unter anderem von Vertreterinnen und Vertretern des Biosphärenparks Wienerwald sowie des WWF im Bereich der Marchauen.
„Das Interesse anderer Schutzgebiete bestätigt uns darin, die Besucherlenkung konsequent weiterzuführen. Für uns geht es nicht darum, Menschen aus der Natur auszusperren. Entscheidend sind gute Information, verständliche Leitsysteme und attraktive Angebote, damit Naturerlebnis und der Schutz sensibler Lebensräume miteinander vereinbar bleiben“, betont Naturpark-Geschäftsführer Andreas Steininger.
Für den Naturpark Mürzer Oberland ist der fachliche Austausch damit nicht nur eine Anerkennung der bisherigen Arbeit, sondern auch ein Auftrag, die aktive Besucherlenkung als wichtigen Beitrag zum Schutz der Natur und der Biodiversität weiterzuentwickeln.