Simon Eisele
Der Weißrückenspecht (Dendrocopos leucotos) im Naturpark Karwendel
Modellierung der Habitateignung anhand eines Expertenmodells
Bei dieser Masterarbeit wird ein Habitatmodell für den Weißrückenspecht im Naturpark Karwendel berechnet und kartografisch aufbereitet. Der Ansatz basiert auf Literaturrecherche und Expertenbefragungen. Das Expertenmodell dient als Grundlage zur Detaillierung bestehender Managementpläne. Somit kann die Arbeit einen wichtigen Beitrag leisten, um konkrete Maßnahmen auf lokaler Ebene zu empfehlen. Die Methodik ist in drei Teile untergliedert: die Konzeption des Modells, eine Revierkartierung sowie daraus folgende Anpassungen des ersten Modellansatzes und Maßnahmenvorschlägen für einen Teilbereich des Naturparks. Das Modell wurde durch Überlagerung von Rasterdateien in ArcGIS Pro erstellt. Die Revierkartierung erfolgte auf fünf Flächen zu je drei Begehungen in den Monaten April bis Juni. Als Beibeobachtung wurden syntope Arten aufgenommen. Die Evaluierung des ersten Modellansatzes erfolgte anhand einer Flächenstatistik innerhalb der abgegrenzten Reviere sowie innerhalb der mittleren Aktionsradien zur Brutzeit. Die Maßnahmenvorschläge wurden in Abstimmung mit dem Naturpark Karwendel für das Rißtal erstellt. Dabei wurde analysiert, welche Defizite bei der Habitateignung vorlagen und wie die Habitate erhalten oder verbessert werden können.
Bei der Evaluierung zeigte sich, dass die wichtigsten modellierbaren Faktoren die Totholzmenge, der Waldtyp, die Hangrichtung und -neigung, der Überschirmungsgrad und die Beeinträchtigung durch Erschließung sind. Beim ersten Modellansatz wurde zudem der Datensatz Nutzung verwendet, welcher aufgrund von widersprüchlichen Ergebnissen in der Flächenstatistik für das endgültige Modell gestrichen wurde. In alten Laub- und Mischwäldern mit hohem Totholzvorkommen konnten mehr Weißrückenspechte nachgewiesen werden. Die Art wurde auch in Bereichen mit modellierter ungeeigneter Habitateignung nachgewiesen. Der Verbreitungsschwerpunkt aller bekannten Nachweise im Naturpark befand sich im Höhenbereich zwischen 900 Meter und 1300 Meter. Bei den syntopen Arten zeigte sich, dass jene Arten, die ähnliche Habitatansprüche wie der Weißrückenspecht stellen, in dessen Aktionsradius häufiger auftreten. Im Gegensatz dazu nahm die Stetigkeit von Arten mit konträren Ansprüchen ab.
Das Modell ist als Anhaltspunkt gut geeignet, um potenzielle Habitate des Weißrückenspechts im Karwendel abzubilden und somit Maßnahmenvorschläge auf lokaler Ebene herauszuarbeiten. Die Übertragbarkeit des Modells auf andere Standorte ist limitiert, da die gewählten Eignungswerte, die Datensätze und deren Kategorisierung auf den modellierten Bereich angepasst sind. Das Vorkommen in ungeeigneten Bereichen ist erklärbar, da kleinflächige Bereiche nicht modellierbar sind, diese in Einzelfällen aber ausreichend für ein mögliches geeignetes Habitat sein können. Für ein optimales Habitatmanagement empfiehlt es sich, einen Multimodellansatz heranzuziehen. Bei den syntopen Arten lassen sich aufgrund der geringen Stichprobenmenge lediglich Tendenzen erkennen. An die Resultate dieser Arbeit könnten weitere Forschungsarbeiten anknüpfen. Denkbar sind klimatische und anthropogen beeinflusste Zukunftsszenarien. Außerdem kann basierend auf diesem Modell für den gesamten Naturpark ein detaillierter Managementplan ausgearbeitet werden. Alles in allem handelt es sich hierbei um eine sinnvolle, praxisnahe Forschungsarbeit, die interdisziplinäre Kompetenzen vereint und zur positiven Entwicklung des Artbestandes beiträgt.