Zusammenfassung der

Masterarbeit

Elisabeth Fladerer

Establishing a sound scientific base for an evaluation and a reissue of the management plan "Landscape protection area Großer Ahornboden in the Alpine Park Karwendel"

(Tyrol, Austria)

Hintergrund und Zielsetzung

Eine der größten Bergahornweiden des Alpenraums stellt das Landschaftsschutzgebiet „Großer Ahornboden“ im Naturpark Karwendel (Tirol, Österreich) dar. Die sycamore maple wooded pastures wurden über Jahrhunderte durch die Interaktion zwischen Landwirtschaft und Naturlandschaft geformt. Das unregelmäßige Mosaik aus Baumveteranen und offenen Weideflächen besticht heute durch den hohen ästhetischen Wert, bietet Raum für Erholung und landwirtschaftliche Nutzung, bewahrt ein wertvolles historisches sowie kulturelles Erbe und spielt eine nicht zu unterschätzende Rolle für den Tourismus. Zugleich stellt der Große Ahornboden aus Sicht des Naturschutzes ein Zentrum der Biodiversität („Hotspot“) dar, das sich insbesondere auch durch das Vorkommen gefährdeter und geschützter Arten auszeichnet. Innerhalb der Bergahornweiden nimmt der „Große Ahornboden“ hinsichtlich seines Bekanntheitsgrades, Forschungsstandes, Managements und seines Schutzstatus eine Vorreiterrolle für ein. Eine Inventur der Bergahornpopulation im Jahr 2001 legte die alarmierend hohe Zahl an absterbenden und abgestorbenen Bäumen bei fehlender Regeneration dar. Auf diese Situation reagierte man bereits vor über zwanzig Jahren mit der Erstellung eines Managementplans (MMP), der die entscheidenden Weichen stellen sollte, um diese einzigartige Kulturlandschaft langfristig zu erhalten. Da aktuelle Kennzahlen jedoch fehlten, führte ich im Rahmen meiner Masterarbeit im Frühjahr und Sommer 2022 eine Bestandsinventur der Bergahornbäume am „Großen Ahornboden“ durch. Ich setzte mir zum Ziel, den Bestand im Jahr 2022 quantitativ zu dokumentieren sowie meine Ergebnisse mit der Inventur 2001 zu vergleichen und relevante Entwicklungen aufzuzeigen. Darauf aufbauend kann der Erfolg, der im MMP vorgeschlagenen Maßnahmen evaluiert werden und potenzieller Handlungsbedarf aufgedeckt werden. Zudem widmete ich mich in dieser Masterarbeit der Frage, ob der Vitalitätszustand der Bergahornpopulation am Großen Ahornboden aus Laserscandaten abzuleiten ist.

Methodik

Die Erhebung der Baumpopulation im Jahr 2022 erfolgte in mehreren Arbeitsschritten. Zunächst verglich ich den bereits existierenden Baumkataster aus dem Jahr 2001, in dem sämtliche Bergahornbäume als point features mit einer eindeutigen Nummer (ID) gespeichert waren, mit den Orthophotos der Jahre 1953, 1974, 2001 in ArcMap, um Fehler in den Ausgangsdaten ausschließen zu können. Anschließend kontrollierte ich alle für das Jahr 2001 als vital vermerkten Bäume anhand des Orthophotos des Jahres 2019 hinsichtlich ihres Fortbestehens. Die Ergebnisse der Luftbildinterpretation wurden sowohl mit Laserdaten aus dem Jahr 2020 als auch im Feld gegengeprüft und verfeinert. Für die Evaluierung der Veränderungen in der Bergahornpopulation im Zeitraum 2001 bis 2022 berechnete ich eine Referenzpopulation, in der lediglich die Schnittmenge, der im MMP und im Baumkataster aus dem Jahr 2022 registrierten Bäume, enthalten war. Um die Aussagekraft einer Vitalitätsbeurteilung der Bergahornbäume am Großen Ahornboden mittels Laserdaten beurteilen zu können, entwickelte ich einen Beurteilungsbogen, anhand dessen ich diverse Parameter an 200 Stichprobenbäumen im Feld erhob, die auf den allgemeinen Gesundheitszustand eines Baumes schließen lassen. Die Vitalität wurde anschließend durch das Kombinieren der Einzelindikatoren ermittelt.

Ergebnisse

Der finale Baumkataster für das Jahr 2022 enthält 3291 Elemente, wovon 2430 vitale Ahornbäume darstellen. Weiters wurden 52 Dürrständer, 50 Baumstümpfe und 116 Bäume, die vermutlich abgeschnitten wurden, gezählt. Eine natürliche Regeneration konnte in elf Bereichen beobachtet werden. Die Gesamtbilanz der Bergahornpopulation für den Zeitraum 2001 bis 2022 ist negativ. Eine zunehmende Überalterung des Bestandes kombiniert mit fehlenden Nachpflanzungen und konkurrierende Schutz- und Nutzungsinteressen stellen auch weiterhin die größten Herausforderungen der kommenden Jahre dar. Baumgreise (ancient trees) bilden den prozentual größten Anteil der Bergahornpopulation. Ein Großteil hatte bereits im Jahr 2001 seine natürliche Altersgrenze erreicht. Aufgrund dieser unvermeidbaren Mortalitäten scheint die Totholzkontinuität zumindest mittelfristig gesichert.

Langfristig werden ökologisch wertvolle Habitatstrukturen (wieder) weiter zunehmen, wenn junge Bergahornbäume zu Veteranen oder Baumgreisen werden. In Anbetracht der zeitlichen Dimension, die ein Bergahornbaumleben umfasst, stellt eine kontinuierliche Nachbildung sowie uneingeschränkte Erhaltung des Altbestandes die zentrale Säule zur Erhaltung des Großen Ahornbodens samt seiner vielfältigen Landschaftsleistungen dar. Erfreulicherweise konnte die Ausfallquote der Pflanzungen seit dem Jahr 2001 auf Null reduziert werden. Die Verwendung von autochthonem Pflanzgut, das Anlegen von Pflanzgruben, das Einhalten der im Management definierten Ausschlussflächen sowie eine Umzäunung der Jungpflanzen zum Schutz gegen Verbiss scheinen sich absolut zu bewähren. Die Zahl der Nachpflanzungen liegt jedoch deutlich unter den im MMP geforderten Sollwerten. Sollte sich die Verjüngungssituation in den nächsten rund zwanzig Jahren nicht deutlich verbessern, schätze ich die nachhaltige Sicherung des Bergahornbestandes in seiner heutigen Form als gefährdet ein. Angesichts der vielfältigen, teilweise gegensätzlichen Nutzungsansprüche drängt sich die Notwendigkeit auf, die Kulturlandschaft bewusst zu gestalten und zu erhalten. Bei der Planung von Maßnahmen sollten die Interessen aller menschlichen, tierischen und pflanzlichen Bewohner-, Betrachter- und BewirtschafterInnen mit einbezogen werden.

Eine standartisierte Vitalitätsbeurteilung der Bergahornbaumpersönlichkeiten am „Großen Ahornboden“ scheint keine aussagekräftigen Ergebnisse zu liefern.

Hard Facts

  • Name: Fladerer Elisabeth
  • Universität: Universität Innsbruck 
  • Studiengang: Environmental Management of Mountain Areas
  • Titel der Masterarbeit: Establishing a sound scientific base for an evaluation and a reissue of the management plan „Landscape
    protection area Großer Ahornboden in the Alpine Park Karwendel“ (Tyrol, Austria)

Die Masterarbeit kann hier heruntergeladen werden: PDF-Download (8 MB)

© Herfried Marek
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