Ein kleiner, schlangenförmiger Fisch mit der kuriosen Fähigkeit zur Darmatmung wird zum Symbol für den Schutz bedrohter Feuchtgebiete. Der Schlammpeitzger, ist auch im Bezirk Gmünd heimisch und stark bedroht.
Der Schlammpeitzger
Der Schlammpeitzger (Misgurnus fossilis) ist ein Meister der Anpassung. Seine bemerkenswerteste Fähigkeit ist die sogenannte Darmatmung. In sauerstoffarmen Gewässern wie in warmen Altarmen von Auen schwimmt er an die Wasseroberfläche, schluckt Luft und nutzt seinen Enddarm als zusätzliches Atmungsorgan. Im Darm wird der Sauerstoff aufgenommen und die restliche Luft anschließend wieder ausgeschieden. Dabei entstehen mitunter kleine Bläschen und Geräusche, was dem Fisch im Volksmund den Namen „Furzgrundel“ eingebracht hat.
Neben der Kiemen- und Darmatmung kann der Schlammpeitzger auch über die Haut Sauerstoff auf-nehmen. Diese Anpassungen ermöglichen es ihm, auch in schlammigen und zeitweise sauerstoffarmen Gewässern zu überleben. Selbst längere Trockenperioden kann er überstehen wofür er sich bis zu 70 cm tief in feuchten Schlamm eingräbt und seinen Stoffwechsel stark herunterfährt. In diesem Zustand kann er sogar mehrere Monate ausharren.
Auch der Name „Wetterfisch“ verleiht ihm etwas Magisches. Laut Studien aus dem 19. Jahrhundert reagiert der Schlammpeitzger empfindlich auf rasche Luftdruckänderungen, wie sie häufig vor Gewittern auftreten. Dann soll er ungewöhnlich aktiv werden und häufiger an die Wasseroberfläche schwimmen. Früher glaubte man deshalb, er könne Wetterveränderungen vorhersagen und er wurde damals gerne in Fischgläsern als lebendes Barometer gehalten.
Lebensraumverlust & Schutzstatus
Trotz außergewöhnlicher Anpassungsfähigkeiten steht es heute sehr schlecht um den Schlammpeitzger. Flussregulierungen, die Trockenlegung von Auen und Feuchtwiesen, die Abkopplung von Nebenarmen und der Klimawandel haben seine Lebensräume stark reduziert oder verändert. Zusätzlich verschärfen sinkende Grundwasserspiegel, seltenere Frühjahrshochwässer und Nährstoffeinträge aus der Landwirtschaft die Situation.
Obwohl der Schlammpeitzger in der Roten Liste (2007) als „vom Aussterben bedroht“ gelistet ist, wird er heute als „stark gefährdet“ eingestuft. Diese Umstufung bedeutet jedoch keinerlei Entwarnung, sondern spiegelt vor allem eine bessere Datengrundlage, als in den frühen 2000er Jahren, wider.
Heimisch im Bezirk
In Österreich ist der Schlammpeitzger heute nur noch sehr kleinräumig in Nieder- und Oberösterreich, der Steiermark, dem Burgenland und Kärnten nachgewiesen. Wichtige Rückzugsgebiete sind unter anderem der Nationalpark Donau-Auen, die Marchauen, das Neusiedlersee-Gebiet sowie ehemalige Donau-Nebenarme in Oberösterreich. Besonders stabile Bestände mit aktiver Fortpflanzung wurden im Grabensystem der Alten Thaya bei Hohenau und bei Marchegg dokumentiert. Es gibt auch im Bezirk Gmünd noch ein Restvorkommen in der Lainsitz im Bereich der Braunaumündung.
Zuchtprogramme als Rettungsanker
Um den Fortbestand der Art zu sichern, wurden in den letzten Jahren in Österreich mehrere Forschungs- und Schutzprojekte gestartet, wie das Projekt „Rettung für den Wetterfisch“. Dabei wird versucht, den Schlammpeitzger unter kontrollierten Bedingungen nachzuzüchten. In speziellen Aquarien werden die Fische zum Ablaichen stimuliert. Die Aufzucht der Fischbrut ist allerdings sehr anspruchsvoll und brachte auch Rückschläge mit sich. Dennoch konnten inzwischen mehr als 1.700 Jungfische erfolgreich aufgezogen und in geeignete Gewässer ausgewildert werden.
Ein zentrales Prinzip dabei ist der Erhalt der genetischen Vielfalt. Deshalb werden die nachgezüchteten Tiere ausschließlich in jene Gewässer zurückgesetzt, aus denen ihre Elterntiere stammen. Parallel zur nachzucht steht die Wiederherstellung geeigneter Lebensräume für den Schlammpeizger im Fokus. Zu den wichtigsten Maßnahmen zählt hier einerseits die wiedervernässung von Gewässer-Altarmen, um neue Laichplötze zu schaffen. Andererseis werden verlandete Gewässer vorsichtig entschlammt und überGräben miteinander verbunden. So können die Fische wieder zwischen verschiedenen Lebensräumen wandern.
Neue Bewohner im UnterWasserReich
Der Schlammpeizger soll als Fisch des Jahres 2026 möglichst viele Menschen erreichen. Durch gezielte Informationen und die Präsentation dieser einzigartigen Fischart soll sowohl der Schutz der Art selbst, als auch der Schutz ihrer Lebensräume stärker ins Bewusstsein der Menschen gerückt werden. Deshalb kann der sonst meist gut versteckte Bewohner der Auen, pünktlich zum Saisonstart am 28. März auch in den Aquarien des Naturparks Hochmoor Schrems UnterWasserReich aus nächster Nähe beobachtet werden.
Steckbrief
Synonyme: Furzgrundel, Wetterfisch, Gewitterfurzer
Größe: mit bis zu 30 Zentimetern ist der Schlammpeitzger die größte Schmerlenart in Österreich
Alter: maximal 20 Jahre
Körperform: langgezogen, schlangenförmig, Männchen bleiben kleiner haben aber deutlich größere, spitzere Brustflossen
Barteln: Zehn Barteln ums Maul zum Schmecken, Tasten & Riechen
Paarung: Von Mai bis Juni werden bis zu 170.000 Eier an Wasserpflanzen abgelegt
Aktive Zeit: Dämmerungs- und Nachtaktiv
Beim Zootag im UnterWasserReich, am 22. Mai können alle Tiere in einer exklusiven Führung erlebt werden. Schlammpeitzger-Experte Dr. Gerhard Käfer erzählt dabei eine märchenhafte Fischgeschichte für die ganze Familie.