Jetzt ist es auch amtlich bestätigt und der Naturpark Mürzer Oberland kann über eine bemerkenswerte Entdeckung berichten: Gemeinsam mit der Biberberaterin des Landes Steiermark, Alexa Bökenbrink, war das Naturparkteam letzte Woche entlang der Mürz unterwegs, um Hinweise auf die Rückkehr des Bibers zu überprüfen. Und tatsächlich: Frische Fraß- und deutlich erkennbare Nagespuren an jungen Weiden zeigen, dass der scheue Landschaftsgestalter im Naturpark am Oberlauf der Mürz aktiv ist.
„Der Biber liebt Weiden“, erklärt Alexa Bökenbrink. „Sie sind reich an wertvollen Inhaltsstoffen und für ihn eine wichtige Nahrungsquelle – besonders im Winter.“ Das Schälen der Rinde und Fällen von Bäumen sei eine typische Winteraktivität, da in dieser Jahreszeit kaum alternative Pflanzen zur Verfügung stehen. „Im Sommer frisst er dagegen auch viele Kräuter wie etwa Giersch und Brennnesseln“, ergänzt sie. „Der Biber ist ein echter Pflanzen-Generalist und reiner Vegetarier, der im Jahresverlauf ein vielfältiges Nahrungsspektrum nutzt.“ Hinweise wie Biberrutschen wurden bei der Begehung nicht festgestellt – dafür aber zahlreiche frische Nagespuren, die klar auf einen aktiven Biber schließen lassen.
Immer wieder kommt bei Land- und Forstwirten die Sorge auf, der Biber könnte die Mürz aufstauen. Dazu sagt die Expertin eindeutig: „Nein, das ist ausgeschlossen. Die Mürz ist viel zu breit und wasserreich – ein Biber könnte hier nur sehr schwer einen Damm bauen, außerdem ist die Wassertiefe ausreichend, sodass es nicht nötig ist, diese durch Aufstauen einzustellen.“
Alexa Bökenbrink betont zudem, dass jene Problemlagen, die man z.B. aus der südlichen und südöstlichen Steiermark kennt, im Mürzer Oberland nicht auftreten werden. Im Südosten unseres Bundeslandes treffen Bibervorkommen häufig auf sehr intensiv genutzte landwirtschaftliche Flächen direkt entlang der Gewässer. „Im Oberen Mürztal ist die Situation anders“, erklärt sie. „Im Mürzer Oberland wird nicht so intensiv bis ans Ufer bewirtschaftet. Die Landwirtschaftsform ist naturnaher, extensiver, kleinteiliger und lässt mehr Raum für natürliche Uferstrukturen. Das reduziert das mögliche Konfliktpotenzial enorm.“
Für den Naturpark ist die Rückkehr des Bibers vor allem ein positives ökologisches Zeichen – auch wenn seine Anwesenheit in der Bevölkerung manchmal mit Sorge betrachtet wird. „Gerade deshalb ist es wichtig, sachlich zu informieren und den Biber nicht vorschnell als ein Problem zu sehen“, betont Alexa Bökenbrink. Der Naturpark und die Steiermärkische Berg- und Naturwacht stehen dem geschützten Tier interessiert gegenüber und werden seine Aktivitäten weiterhin aufmerksam beobachten.
„Wer frische Fraßspuren oder andere Hinweise entdeckt, darf uns diese Meldungen jederzeit weitergeben.“ Der Biber bleibt ein scheues Wildtier, das Ruhe und Abstand braucht, um sich langfristig anzusiedeln. Der Naturpark wird fortlaufend berichten und lädt Besucher ein, die Auenlandschaften aufmerksam wahrzunehmen – denn ein faszinierender Baumeister hat begonnen, im Mürzer Oberland wieder Spuren zu hinterlassen.