Sprudelnde Stimmen in der Lech-Quell-Landschaft

Leidenschaftliche Jodler, Klänge von Alphorn, Harfe, Geige, unterhalb der traumhafte Formarinsee, oberhalb der Blick auf die Rote Wand. In der Abendsonne verbanden sich die Musik und die Aufmerksamkeit für die Landschaft fast ‚surreal’ zu einem Erfahrungsraum zwischen Naturwahrnehmung, kultureller Praxis und Begegnung.  

Rund 50 singbegeisterte und wasserengagierte Menschen aus Bayern und Österreich kamen zusammen, um die alpine Quell-Landschaft des Lechs zu erkunden. Die Initiative starteten Nico Döring und Doro Heckelsmüller, Landsberg am Lech, Gründerin von Singing Planet, gemeinsam mit ihrer Duo-Partnerin Magdalena Fingerlos aus Vorarlberg, beide Musiktherapeutinnen und Musikerinnen. In Kooperation mit Nora Schneider vom Naturpark Tiroler Lech entstand ein People to People Projekt, gefördert durch INTERREG Bayern–Österreich und die Europäische Union, deren Idee selbst auf Verbundenheit gründet.

Das abendliche Freiluftkonzert bei der Freiburger Hütte und die sonntägliche Jodelwanderung auf dem Lechweg vom Formarinsee nach Zug, verbanden Naturerlebnis, Lauschen, sich selbst in „Jodelschwingung“ versetzen, Interaktion und Wissensvermittlung auf einzigartige Weise. Flüsse sind mehr als ökologische Systeme. Sie sind Träger von Erinnerungen, Beziehungen und kulturellen Erfahrungen. Wo sie ihre Vielfalt verlieren, verändert sich auch das Verhältnis des Menschen zu seiner Mitwelt. Von der Universität Würzburg angereist zeigte Dr. Florian Betz auf, wie komplex das Ökosystem des Lechs ist und dass der Fluss nur in seiner Gesamtheit aus Wasser, Geschiebe, Vegetation und Flussauen zu denken ist. Ein natürlicher Fluss lebt von Dynamik und unterliegt ständiger Veränderung. Während der Tiroler Lech noch in größeren Strecken frei fließen kann, ist der bayerische Lech stark von Staustufen beeinflusst. Das Geschiebe wird in den Stauseen abgelagert und fehlt flussabwärts. Als direkte Folge davon hat der Lech sich über die Zeit stark eingetieft, was sich nicht zuletzt in einem sinkenden Grundwasserspiegel zeigt – mit negativen Folgen für Natur und Mensch, der das durch den Lech gespeiste Grundwasser zum Beispiel in Augsburg als Trinkwasser fördert.

Der Lech, auf deutscher Seite zum Energielieferanten reduziert? Dr. Nico Döring, zeigte auf, wie die Staustufen dem Fluss seine natürliche Kraft nehmen und wie wichtig es ist, sich für das Wohlergehen und die Eigenrechte unserer Flüsse einzusetzen. Als unser größter erneuerbarer und klimarelevanter Wasserspeicher hat er durch die Wasserkraftwerke mit der Stauhaltung und abgeschnitten von seinen Auen wesentliche Anteile seines Speichervolumens verloren.

Nora Schneider und Kathrin Hüffmeier vom Naturpark Tiroler Lech, verwiesen auf die überregionale Bedeutung des Flusses und ordneten das Gebiet wie eine geologische Landkarte ein. Unter zahlreichen Funktionen, erzählten sie, fungiert der Lech als Transporteur für Pflanzensamen, wodurch er eine Florenbrücke nach Süddeutschland bildet.

Dieses Wochenende vermittelte ganz ‚real’ Weitsichtigkeit und Sensibilität mit uns und unserer Mitwelt. Mitte Juni wurde bereits die Loisach-Quell-Landschaft besucht; die junge Isar und der Tiroler Lech sind für kommendes Jahr geplant.

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