Zusammenfassung der

Masterarbeit

Felician Nöth

Kartierung und Vegetationsanalyse des „Kleinen Ahornbodens“

Naturpark Karwendel

Zielsetzung der Arbeit

Die vorliegende Masterarbeit beschäftigt sich mit der Kartierung und Vegetationsanalyse des Kleinen Ahornbodens im Naturpark Karwendel. Ziel der Arbeit war es, den aktuellen Bestand der Bergahorne (Acer pseudoplatanus) zu erfassen, die Altersstruktur der Population zu analysieren, Veränderungen der Landschaftsentwicklung zu dokumentieren sowie den Einfluss der Beweidung auf die Vegetation zu untersuchen. Hierfür wurden bestehende Daten der Ahorndatenbank Tirol mit einer aktuellen Bestandsaufnahme kombiniert. Ergänzend erfolgten Luftbildanalysen historischer Orthofotos, Altersklassifizierungen der Bäume sowie Vegetationsaufnahmen auf einer beweideten und einer eingezäunten Vergleichsfläche. Die eingezäunte Fläche diente dabei als Referenzfläche, auf der der Ausschluss von Beweidung und sonstiger Bewirtschaftung simuliert wurde, um langfristige Veränderungen der Vegetation ohne Nutzungseinfluss untersuchen zu können.

Entwicklung des Bergahornbestandes

Die Bestandsanalyse zeigt, dass die Anzahl der Bergahorne am Kleinen Ahornboden in den letzten Jahrzehnten deutlich zugenommen hat. Besonders seit 2010 ist ein starker Anstieg junger Individuen festzustellen, der vor allem auf gezielte Pflanzmaßnahmen sowie Schutzmaßnahmen durch Einzäunungen zurückzuführen ist. Gleichzeitig weist die Altersstruktur des Bestandes eine deutliche Ungleichverteilung auf. Während junge und sehr alte Bäume vergleichsweise häufig vertreten sind, ist die mittlere Altersklasse deutlich unterrepräsentiert. Diese Altersverteilung deutet darauf hin, dass in den kommenden Jahrzehnten eine strukturelle Lücke im Bestand entstehen könnte. Viele der heute vorhandenen Altbäume haben bereits ein außergewöhnlich hohes Alter erreicht und werden daher voraussichtlich sukzessive ausfallen. Da gleichzeitig nur wenige mittelalte Individuen vorhanden sind, die deren ökologische Funktionen übernehmen könnten, besteht langfristig die Gefahr einer Unterbrechung der Bestandskontinuität.

Landschaftsentwicklung und Sukzession

Die Analyse historischer Orthobilder dokumentiert zudem eine deutliche Veränderung der Landschaftsstruktur. Während der Kleine Ahornboden in der Vergangenheit durch einen hohen Anteil offener und halboffener Flächen geprägt war, hat die Gehölzbedeckung in den vergangenen Jahrzehnten deutlich zugenommen. Insbesondere Fichten (Picea abies) und Legföhren (Pinus mugo) breiten sich zunehmend auf ehemaligen Weideflächen aus und treten verstärkt in Konkurrenz zu den charakteristischen Bergahornbeständen. Die Ergebnisse verdeutlichen damit die fortschreitende Sukzession und den Verlust jener halboffenen Weidestrukturen, die den Landschaftscharakter des Kleinen Ahornbodens wesentlich prägen und zahlreichen spezialisierten Tier- und Pflanzenarten als Lebensraum dienen.

Vegetationsentwicklung unter Beweidungseinfluss

Die Vegetationsaufnahmen zeigen, dass sich beweidete und eingezäunte Flächen hinsichtlich ihrer Artenvielfalt nur geringfügig unterscheiden, jedoch deutliche Unterschiede in der Artenzusammensetzung aufweisen. Auf den eingezäunten Flächen konnten bereits Veränderungen festgestellt werden, die auf eine zunehmende Verbuschung sowie die Entwicklung dichterer Gehölzbestände hindeuten. Diese Entwicklung zeigt, dass bereits innerhalb weniger Jahre deutliche Veränderungen der Vegetationsstruktur auftreten können, wenn die traditionelle Nutzung ausbleibt. Die Ergebnisse unterstreichen somit die zentrale Bedeutung einer extensiven Beweidung für den Erhalt der charakteristischen Bergahornweiden und ihrer ökologischen Funktionen.

Schlussfolgerungen und Handlungsempfehlungen

Die Arbeit kommt insgesamt zu dem Schluss, dass der Kleine Ahornboden trotz erfolgreicher Fördermaßnahmen vor bedeutenden Herausforderungen steht. Neben den Auswirkungen des Klimawandels und einer möglichen Zunahme von Extremwetterereignissen stellen insbesondere die Überalterung eines Teils des Bergahornbestandes sowie die fortschreitende Verbuschung zentrale Risiken für den langfristigen Erhalt dieser einzigartigen Kulturlandschaft dar. Zur Sicherung der Bergahornweiden werden daher die Fortführung von Pflanzmaßnahmen, der Schutz ökologisch wertvoller Altbäume sowie regelmäßige Pflegemaßnahmen wie die Entfernung konkurrierender Gehölze empfohlen. Langfristig wird deutlich, dass der Erhalt des Kleinen Ahornbodens nicht allein durch seinen Schutzstatus gewährleistet werden kann, sondern weiterhin eine angepasste und extensive Bewirtschaftung erfordert.

Hard Facts

  • Name: Felician Nöth, MSc
  • Universität: Leopold-Franzens-Universität Innsbruck 
  • Studiengang: Ökologie und Biodiversität
  • Titel der Masterarbeit: Kartierung und Vegetationsanalyse des „Kleinen Ahornbodens“

Die Masterarbeit kann hier heruntergeladen werden: PDF-Download 

© Veronika Settles
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