Pflanzen in Naturparken
Die Österreichischen Naturparke beheimaten eine Vielzahl interessanter Pflanzenarten – darunter finden sich charateristische ebenso wie außergewöhnliche. Um diese Vielfalt zu erhalten, setzen die Österreichischen Naturparke zahlreiche Projekte zum Schutz und Erhalt der Biodiversität um. Taucht ein in die faszinierende Pflanzenwelt der Naturparke und entdeckt die heimische Flora.
Ein- und zweijährige Pflanzen
Der Winter ist für alle Lebewesen eine Stresssituation. Pflanzen haben verschiedene Anpassungen zum Überdauern entwickelt. Einjährige Pflanzen überwintern als Samen, treiben im Frühjahr aus, blühen im Sommer und entwickeln im Herbst neue Samen, die wieder den Winter überdauern. Die Pflanze selbst stirbt ab.
Zweijährige Pflanzen hingegen überwintern einmal, meist als sehr bodennahe Blattrosette, und kommen erst im zweiten Jahr zur Blüte und Samenreife
Gewöhnliche Vogelmiere
Die Gewöhnliche Vogelmiere (Stellaria media) ist rasenbildend, der Stängel niederliegend und einreihig behaart. Die Blätter sind eiförmig spitz. Die Vogelmiere blüht weiß. Sie kommt häufig in Äckern, Gärten und Weinbergen vor.
Die Vogelmiere ist reich an Calcium, Kalium, Magnesium und Eisen. Ihr Gehalt an den Vitaminen A, B1, B2, B3 und C ist hoch, ebenso ihr Gehalt des Spurenelements Selen.
Der Geschmack der Vogelmiere ist sehr mild, ähnelt dem von Blattsalat und erinnert etwas an Kukuruz-Körner. Sie wird in ganzen Büscheln geerntet und es sind alle oberirdischen Teile verwendbar. Sehr gut eignet sie sich als Blattspinat oder Gemüsebeilage. Aber auch Suppen und Rohkostsalate schmecken hervorragend.
In der Volksmedizin gilt die Pflanze als entzündungshemmend, schmerzlindernd und verdauungsfördernd. Sie hilft bei Krämpfen, Rheuma und Blasenkrankheiten und kann äußerlich bei Hautausschlägen eingesetzt werden.
Diese Beschreibung wurde uns dankenswerterweise vom Verein Naturparke Steiermark zur Verfügung gestellt, der sich stark für den Schutz der Biodiversität einsetzt. Expert*innen der Firma grünes handwerk haben sie verfasst.
Königskerze
Die Großblütige Königskerze (Verbascum thapsiforme) ist eine zweijährige Halbrosettenpflanze. Im ersten Jahr bildet sich eine Blattrosette aus; im zweiten Jahr kommt es zu einem extremen Höhenzuwachs (bis 2,5 m). Die Blütenfarbe ist gelb, die Blüten stehen in einem endständigen, langen walzenartigen Blütenstand zusammen. Von Juni bis August blüht die Pflanze von unten nach oben allmählich auf. Die oberirdischen Teile der Königskerze sind dicht filzig behaart.
Als Standort bevorzugt die Pflanze trockene, nicht nährstoffreiche Böden. In der Volksmedizin wir die Königskerze gegen Rheuma und bei Husten verwendet.
Kürbis
Der Kürbis (Cucurbita pepo) wächst als einjährige Kletterpflanze oder kriechende Pflanze mit einer maximalen Ausdehnung von 10 m. Die goldgelbe trichterförmige Blüte hat einen Durchmesser von 7 bis 10 cm. Die Früchte sind drei- bis fünffächrige, sehr große und vielsamige Panzerbeeren. Form, Größe und Farbe variiert je nach kultivierter Sorte sehr stark. Bei den Wildformen ist die Fruchtwand hart und verholzt und bleibt lange intakt. Die Samen sind flach, im Umriss oval und haben einen verdickten Rand.
Angebaut wird der Kürbis auf Äckern zur Gewinnung von Fruchtfleisch und Kernen. Kürbisse sind vielfältig nutzbar: Die gerösteten Kerne sind gut für die Prostata, Kernöl wird auf Salat, Eierspeise und Eis gegessen und das Fruchtfleisch findet Verwendung für Suppen und Beilagen.
Der Kürbis ist übrigens eine der ältesten Feldfrüchte weltweit, viel älter als Mais und Bohnen. Schon vor 12.000 Jahren wurde er laut Archäologen in Peru von den damaligen Ureinwohnern angebaut und genutzt. Botanisch gesehen ist der Kürbis eine Beere und ist somit wohl die größte Beere der Welt.
Wilde Möhre
„Zahm“, also gezähmt und kultiviert, ist was für den Hausgarten – unsere „Naturpark-Pflanze des Monats“ August ist das nicht, denn sie präsentiert sich ungezähmt und unkultiviert und trägt den Namen „Wilde Möhre“.
Familiär gliedert sie sich bei den Doldenblütengewächsen ein, die oft gemieden werden, weil schwierig zu bestimmen; nicht so unsere Wilde Möhre, die ganz charakteristische Merkmale aufweist. Diese blüht jetzt in extensiv genutzten Wiesen, wo sie in vielen der Österreichischen Naturparke noch zu finden ist.
Ein ganz besonderer Doldenblütler
in leicht zu erkennender weißer Doldenblütler, der jetzt gerade in bunten Blumenwiesen zu bewundern ist, dessen Pfahlwurzel den Boden lockert und ausgesprochen gut schmeckt und dessen Blüten unterschiedlichste Tierarten zu einem Besuch anlocken, ist unsere Pflanze des Monats – die Wilde Möhre.
Viele Strahlen gehen von einem Punkt aus und an deren Endpunkt beginnt wieder ein Büschel voller Strahlen, an deren Ende kleine Einzelblüten sitzen – das ist das Grundverzweigungsmuster des Blütenstandes der meisten Doldenblütengewächse (Doppeldolde). Und weil daraus im Umriss ein kleiner, meist weißer Schirm aus sehr vielen Einzelblüten gebildet wird, werden die Doldenblütler untereinander leicht verwechselt.
Unsere Wilde Möhre weist am Ausgangspunkt des Blütenstandes schmale und wenig verzweigte lange Hüllblätter auf, die wie kleine Dolche erscheinen. Öfters ist in der Mitte des Blütenstandes eine dunkelviolette Einzelblüte zu entdecken. Das gibt´s nur bei unserer „Naturpark-Pflanze des Monats“ August. Und an warmen Plätzen kann jetzt schon der junge Fruchtstand beobachtet werden, welcher sich ganz typisch vogelnestartig nach oben zusammenkrümmt und aus borstigen Spaltfrüchten aufgebaut ist.
In ihrem ersten Lebensjahr wächst die Wilde Möhre oberirdisch zu einer kleinen Grundblattrosette heran. Diese Blätter sind mehrfach gefiedert, also verzweigt, bestehen aus kurzen linealischen Einzelabschnitten und sind oft behaart. Unterirdisch bildet sie eine Pfahlwurzel aus, die bis fingerdick werden kann.
Im zweiten Lebensjahr gelangt sie fast immer zur Blüte. Diese erscheint im Hochsommer oder, wenn die Wiese bis dorthin schon einmal gemäht wurde, im Spätsommer, also im Zeitraum Mitte Juli bis Mitte September. Die Früchte reifen bis in den Frühherbst, worauf der Rest der Pflanze abstirbt und nur die Samen überdauern. Somit ist unsere Wilde Möhre eine zweijährige Pflanze.
Magere, artenreiche Blumenwiesen sind der bevorzugte Lebensraum der Wilden Möhre, aber auch an offenen Wegrändern ist sie als Pionierpflanze bis in die Bergstufe hinauf zu finden. Die nektarreichen Blüten werden gern von Fliegen, Wildbienen und Käfern besucht, welche die Bestäubung übernehmen. Die kräftige Pfahlwurzel lockert den Boden und ergibt für uns Menschen, nach der Ernte im nichtblühenden Zustand im Herbst oder Frühjahr (1. Standjahr!) und zusammen mit dem Kraut der Pflanze in Butter gebraten, ein ausgesprochen schmackhaftes Wildgemüse. Aber auch den Raupen vom Schwalbenschwanz schmecken die Blätter der Wilden Möhre sehr gut und Streifenwanzen laben sich gern an den Früchten.
Neue Lebensräume bzw. die Ausbreitung am Standort erfolgt über die Samen, welche aufgrund ihrer Klettwirkung meist von Tieren verbreitet werden. Sie sind rasche Lichtkeimer, benötigen aber offene Böden, wie sie nur an nährstoffärmeren Standorten zu finden sind.
Die Wilde Möhre ist damit eine Pflanzenart, die für unsere extensiv und nachhaltig genutzte Kulturlandschaft typisch ist. Daher können wir sie auch noch vielfach in den bunten Blumenwiesen unserer Österreichischen Naturparke bewundern.
Zwiebeln, Knollen und Rhizome
Viele Pflanzen überwintern ohne oberirdische Teile. Sie haben unterirdische Überdauerungsorgane ausgebildet, die unterschiedliche Formen haben können. Zwiebeln und Knollen sind den meisten aus der Küche geläufig (z.B. Küchenzwiebel und Kartoffel). Rhizome sind verdickte Teile des Sprosses, die auch Wurzelstöcke genannt werden; ein bekannter Vertreter ist hier der Kren.
Bärlauch
Vorhang auf für das schmackhafte Frühlingskraut! Sobald die Sonne den Waldboden erwärmt, tritt er auf die Bühne. Der Bärlauch sagt der Frühlingsmüdigkeit den Kampf an, putzt unsere Körper durch und liefert Vitamine. Ein echter Tausendsassa.
Seid ich deine Blätter kenne, sammle ich dich
Kaum ein anderes Wildkraut ist in unserer modernen Zeit so populär. Dank seiner vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten und heilsamen Wirkungen wird der Bärlauch wieder hochgeschätzt. Vor dem Sammeln in freier Wildbahn schrecken jedoch viele zurück – und Vorsicht ist in der Tat geboten, Panik jedoch unbegründet, solange der/die SammlerIn „Gutes von Bösem“ unterscheiden kann. Wahrhaft lebenswichtig ist es, die Blätter des Bärlauchs gut zu kennen und somit eine Verwechslung mit der tödlich giftigen Herbstzeitlose auszuschließen. Die beiden Pflanzen können nämlich, besonders in Auwäldern, in gemeinsamen Beständen auftreten. Dabei ist darauf zu achten, dass die Blätter des Bärlauchs gekielt sind (d.h. der Längsnerv tritt an der Blattunterseite hervor) und sich die Blattober- und Blattunterseite farblich unterscheiden. Außerdem treten die Blätter des Bärlauchs jeweils einzeln aus der Erde und sind nach ihrer Entfaltung gestielt. Mit diesem Wissen gewappnet empfiehlt es sich, einmal in Ruhe beide Pflanzen zu betrachten und sich ihre Wuchsform einzuprägen – am besten, wenn sich die Gelegenheit ergibt, die „Verdächtigen“ nebeneinander wachsend vorzufinden.
Der Auftritt des Bärlauchs in den frühlingshaften Wäldern währt jedoch nicht allzu lange. Wie auch andere Frühjahrsblüher nutzt er die bis zum Boden fallenden Sonnenstrahlen dieser Jahreszeit, um sich zu entfalten. Beginnt sich das Kronendach zu schließen wird es jedoch Zeit für ihn, seine Blätter einzuziehen und sich auf die Ruhephase vorzubereiten. Für den Rest des Jahres wird er nun die Bühne anderen Pflanzen überlassen und sein „Comeback“ im nächsten Frühling feiern.
Wirksam – nicht nur gegen Hexen
Es ist nicht das erste Mal in der Geschichte, dass der Bärlauch ins Rampenlicht rückt. Ob in Mythologie, Heilkunst oder Kulinarik, seit jeher lenken verschiedene Motive das Interesse immer wieder auf diese Pflanze. Als Heil- und Nutzpflanze ist der Bärlauch seit dem Altertum bekannt. Schon die Kelten und Germanen schrieben dem bärenstarken Lauch magische Kräfte zu. Seine Fähigkeit, Hexen und böse Geister zu vertreiben, spiegelt sich beispielsweise im Brauchtum des „Ramschelfestes“, das in Thüringen am Wochenende vor Walpurgi (Nacht zum 1. Mai) gefeiert wurde. Dabei zogen die Dorfbewohner in die Wälder um „Ramschel“ (= Bärlauch) zu ernten und damit das Vieh vor den Heimtücken der Hexen zu schützen. Die Römer verliehen dem Bärlauch sogar den klingenden Namen „Herba Salutaris“ (= heilsames Kraut). Sie schätzten vor allem seine heilsame Kräfte bei Bluthochdruck, Verdauungsstörungen, Arteriosklerose und Bronchitis. Seine Heilwirkungen sind zahlreich und vor allem den im Bärlauch enthaltenen ätherischen Ölen und Senfölglycosiden zuzuschreiben. Heute hat der Bärlauch als „neues altes Wildgemüse“ wieder Eingang in unsere Küchen gefunden. Sogar in Supermärkten ist er zu finden; als saisonales Schmankerl hat es das Kraut auch auf die Speisekarten der Haubenküchen geschafft. Und erstmals erobert der Bärlauch neue Dimensionen: Eine Suchanfrage im Internet nach „Bärlauch“ spuckt über eine Million Einträge aus – allen voran diverse Rezepte und Nutzungsvorschläge. Hier tut es gut einmal inne zu halten, aus der digitalen Welt auszusteigen und sich an einem lauen Frühlingstag genussvoll in den Auwald zu begeben, um ein reales Büschel würzigen Bärlauchs zu pflücken. Mit der frischen Ernte nehmen wir die Erinnerungen an Vogelzwitschern und erwachenden Frühling mit nach Hause. Und mit etwas Glück führt uns die Suche nach Bärlauch auch an einem Autümpel vorbei, in dem sich Moorfrösche gerade in Balzgruppen einfinden. Alles in allem – ein Fest für alle Sinne.
Einfache Mondraute
Die einfache Mondraute (Botrychium simplex) ist aufgrund seines unterirdischen Wurzelwachstums nur kurze Zeit im Jahr oberirdisch sichtbar. Jedes Jahr treibt die Pflanze einzeln stehende, rundliche, 3 bis 4 cm große Blätter aus. Überragt werden diese Grundblätter von den fortpflanzungsfähigen Pflanzenteilen, die eine Größe von bis zu 15 cm erreichen können. Auf ihnen sitzen rund 5 bis 15 kugelförmige sogenannte Sporangien. Diese sind gelb, bei der Reife rotbraun.
Der Farn wächst oft einzeln auf mäßig trockenen bis feuchten Standorten im Bereich der Zwergstrauchheiden und Borstgrasrasen (Hauptvorkommen), die nur lückenhaft bewachsen sind. In Österreich sind aktuell nur Wuchsorte in der Steiermark (Turracher Höhe, Gurktaler Alpen) und in Nordtirol (inneres Ötztal) bekannt. Im inneren Ötztal wurden Exemplare der einfachen Mondraute erst im Jahr 1989 entdeckt. dieser Standort ist zugleich höchster bekannter Verbreitungsort. Aufgrund ihres kleinen Wuchses ist die Mondraute ehr konkurrenzschwach.
In der alpinen Stufe (Lebensraum Gebirge) fehlt die schützende Baumschicht. Alle Lebewesen sind hier den klimatischen Extremen der Witterung ausgesetzt. Insbesondere die Ausrichtung auf Sonn- oder Schattseite spielt eine Rolle für die vegetationskundliche Besiedelung. Im Bereich der alpinen Stufe dominieren die Zwergstrauchheiden, die u.a. durch die Rostblättrige Alpenrose oder den Zwergwacholder gebildet werden.
Die Mondraute genießt absoluten Schutz. Sie ist über den Anhang II der EU-Schutzrichtlinie Natura 2000 strengstens geschützt und wird auf der österreichischen Roten Liste gefährdeter Pflanzen als „vom Aussterben bedroht“ genannt.
Feuerlilie
Die Feuerlilie (Lilium bulbiferum) ist eine ausdauernde, krautige Zwiebelpflanze, die Wuchshöhen zwischen 20 und 90 cm erreicht. Der Stängel ist rot oder schwarz gefleckt, daran sitzen längliche Laubblätter, die bis zu 10 cm lang werden. Die Blüten erreichen
4 bis 6 cm Länge, sind leuchtend rot oder gelbrot und haben auf der Oberseite dunkelbraune, behaarte Erhebungen.
Unter den sonst häufig stark duftenden Arten der Gattung Lilium bildet die Feuerlilie eine seltene Ausnahme, da sie gänzlich duftlos ist. Die Pflanze steht unter Schutz.
Herbstzeitlose
Die Herbstzeitlose ist die einzige Pflanze, die im Herbst blüht und deren Blätter und Früchte erst im nächsten Jahr zu sehen sein werden, weshalb sie als „zeitlos“ gilt. Sie blüht in zartem Rosa, dabei ist sie die giftigste unserer Wildpflanzen – eine Verwechslung mit dem Bärlauch endet fatal.
Tod in Rosa und Grün
Ein Krokus im Herbst, der rosa blüht? Weit gefehlt! In der Erscheinung der Blüte ähneln sie sich zwar, aber Krokus und Herbstzeitlose sind nur sehr, sehr weitschichtig miteinander verwandt. Unsere Pflanze ist die einzige in Österreich, die im Herbst blüht, deren Blätter und Früchte aber erst im nächsten Jahr zu sehen sein werden. Und diese Blätter sehen jenen des Bärlauchs täuschend ähnlich, was bei einer Verwechslung fatal endet – doch dazu später. Die jetzt blühende Pflanze wird von Faltern, Bienen und langrüsseligen Fliegen besucht, welche den angebotenen Nektar sammeln. Dabei wird die Pflanze auch bestäubt, somit der Pollen übertragen. Die Befruchtung, also die Verschmelzung von männlichen und weiblichen Zellen im Fruchtknoten, erfolgt tief unter der Erde im Inneren einer Zwiebel erst im Winter. Dann wird Jahr für Jahr eine Tochterzwiebel gebildet, welche die „Mutterzwiebel“ ersetzt und etwas tiefer als diese liegt – die Zwiebel gräbt sich selbst jedes Jahr ein wenig ein! Und im kommenden Frühjahr erscheinen dann erst die Blätter und bis zum Frühsommer reifen die Samen in den dreispaltigen Kapseln – eine wahrlich zeitlose Pflanze.
Colchicin ist der namensgebende Inhaltsstoff unserer Pflanze Colchicum autumnale. Benannt nach der Kolchis, einer antiken Landschaft am Ostrand des Schwarzen Meeres, war dies die Heimat der erfahrenen Zauberin Medea aus der Argonauten-Sage – und die Herbstzeitlose war ihr pflanzliches Gift. Schon wenige Blätter oder gar nur ein paar Samen führen einen erwachsenen Menschen in ein bis zwei Tagen in den Tod durch Atemlähmung. Damit ist unsere Pflanze des Monats September die giftigste heimische Wildpflanze.
Giftig, aber wichtig
Die giftige Herbstzeitlose bleibt auf der Weide stehen – erfahrene Rinder fressen sie nicht, unerfahrenes Jungtier aber ist in Gefahr. Und auch im getrockneten Heu bleibt die Giftwirkung erhalten. Wieso rotten wir die Pflanze nicht aus? Die Herbstzeitlose wächst in unterschiedlichen Lebensräumen: in Auwäldern und vor allem auf nicht zu nährstoffreichen Wiesen. Durch Düngung geht sie zurück und verschwindet, auch eine häufige Mahd verträgt sie nicht. Auf vielfach gemähten Futterwiesen fehlt sie daher. Typisch ist sie auf den einmal im Herbst gemähten Streuwiesen, aber auch auf bunten Blumenwiesen. Finden wir sie, wissen wir: Da wird nicht gedüngt, das ist eine Extensivwiese. Und auf solchen Wiesen gibt es noch viele andere Pflanzenarten zu bewundern, welche wiederum Nahrungsgrundlage und Lebensraum für viele Insektenarten sind. Es lohnt also sich zu merken, wo derzeit die Herbstzeitlose blüht, denn diese Wiesen werden im nächsten Jahr ganz sicher bunt und vielfältig sein – und damit ein Ort der Lebensfreude!
Dass die Herbstzeitlose auch in Auwäldern gedeiht, ist vielen unbekannt, denn wer ist jetzt noch dort unterwegs? Aber im Frühling werden es wieder viele sein, die durch diese wundervollen Wälder streifen. Ja und dann sind sie vielleicht auf der Suche nach dem Bärlauch. Ob wir dann noch wissen, dass die Blätter der Herbstzeitlose beidseitig gleichfärbig sind, die vom Bärlauch aber andersfärbig auf Ober- und Unterseite bzw. dass der Geruch kein gutes Unterscheidungsmerkmal ist? Im März werden wir nochmal darüber sprechen!
Illyrische Gladiole
Die Illyrische Gladiole (Gladiolus illyricus) ist eine ausdauernde, krautige Pflanze, die 25 bis 50 cm hoch wird. Die schwertförmigen Laubblätter sind 10 bis 40 cm lang. Die Blüten sind dunkel rosa bis violett und die Blütezeit von Ende Mai bis Mitte Juni.
Die Pflanze wächst auf Feuchtwiesen, die einmal im Jahr gemäht werden. Die Illyrische Gladiole ist strengstens geschützt und kommt in Österreich nur in Südkärnten vor und kann im Naturpark Dobratsch gefunden werden.
Kren
Der Kren (Armoracia rusticana) ist eine ausdauernde, krautige Pflanze, die 50 – 120 cm hoch wird. Das Überdauerungsorgan ist eine senkrechte, walzenförmige Pfahlwurzel, die eine Länge von 30 – 40 cm und einen Durchmesser von 4 – 6 cm erreicht. Zum Stängel hin ist die Wurzel vielköpfig und am Wurzelende ästig; sie hat viele Seitenwurzeln. Die Laubblätter sind sowohl grundständig als auch über den Stengel verteilt; sie variieren im Aussehen. Die grundständigen Blätter haben einen Balttstiel mit bis zu 60 cm Länge, die Blattspreite ist oval-lanzettlich, meist 20 – 45 cm lang und der Blattrand stark gekerbt und teils gewellt. Die Blätter am Stengel haben kurze Blattstiele, die Blattspreite ist lineal-lanzettlich und der Blattrand je höher desto glatter. Die Blütezeit ist von Mitte Mai bis Juli. Der Blütenstandschaft erreicht Höhen von bis zu 1,20 m. Der traubige Blütenstand kann Durchmesser bis zu 40 cm erreichen. Die stark duftenden Blüten sind zwittrig und vierzählig, die Kronblätter weiß und 5 -7 mm lang. Die Früchte sind 4-6 mm lange Schoten, in denen sich die Samen befinden. Diese sind oval, braun und fast glatt.
Ursprünglich stammt der Kren wahrscheinlich aus dem südöstlichen Russland, wurde aber schon sehr früh als Kultur- bzw. Gewürzpflanze verwendet und so in ganz Europa heimisch. Verwildert kommt der Kren am Rand von feuchten Wiesen, Bachläufen und Flussufern auf stickstoffreichen Ruderalstandorten vor. In Österreich wird die Pflanze hauptsächlich in der Süd- und Oststeiermark angebaut und jährlich rund 4.000 t produziert. Die Bezeichnung „Steirischer Kren“ ist seit 2009 eine von der EU geschützte geografische Angabe.
Das Wort „Kren“ kommt aus dem Slawischen und bedeutet weinen. Die Meerrettichwurzel ist im unverarbeiteten Zustand geruchlos, wird sie aber geschnitten oder gerieben, hat sie einen stechenden, zu Tränen reizenden Geruch. Der Meerrettich enthält sehr viel Vitamin C und wird gerne verwendet, um die Abwehrkräfte zu stärken. Er wirkt auch kreislaufanregend und hustenlösend. Das Einatmen des Duftes hilft gegen Kopfschmerzen, da leichte Verspannungen gelöst werden. Außerdem ist Kren hilfreich bei Magen-Darm-Störungen und hat eine krebsvorbeugende Wirkung.
Pyrenäen Schaftmilchstern
Der Pyrenäen-Schaftmilchstern (Loncomélos pyrenáicus subsp. sphaerocárpus) ist eine ausdauernde Zwiebelpflanze, die Höhen von 30 bis 80 (selten 100) cm erreicht. Er hat meist 5 bis 6, grundständige Laubblätter; die ziemlich dick, lineal-lanzettlich, rinnig und 2 bis 10 mm breit sind. Die Farbe ist graugrün und sie bleiben kürzer als der Stängel. Zur Blütezeit sind sie bereits absterbend.
Pyrenäen-Schaftmilchsterne haben weiße, endständige, reichblütige (30 bis 50-blütige) Blüten-Trauben. Diese sind zuerst kegelförmig gedrungen, später verlängert; die Blütenstiele sind abstehend. Die Blütezeit ist im Juni und Juli; die Blüten sind nachts geöffnet. Die Samen sind 3 bis 4 mm lang, schwarz und in Kapseln.
Die Pflanze wächst auf Wiesen, in Gebüschen, an Waldrändern, auf Äckern und auf Ruderalstellen. Die Art befindet sich auf der Roten Liste Österreichs und ist als „gefährdet“ eingestuft; regional ist sie im Alpengebiet, im Vorland nördlich der Alpen und im Pannonischen Gebiet stärker gefährdet.
Schopfige Traubenhyazinthe
Die Schopfige Traubenhyazinthe (Muscari comosum) erreicht Wuchshöhen von 30 bis 70, teilweise bis 100 cm. Die sehr tief im Boden sitzende Zwiebel des Geophyten hat einen Durchmesser von etwa 1 cm, wobei die Zwiebelhülle braun gefärbt ist und das Innere rosa. Die Blätter sitzen in einer Rosette und sind etwa 10 mm breit und 40 mm lang. Die Blüten stehen in lang gestreckten, eher lockeren Trauben. An der Spitze des Blütenstandes befinden sich blauviolette, aufwärtsgerichtete, unfruchtbare Blüten, die in einem Schopf angeordnet sind. Darunter stehen die blassbraunen, röhrig-glockenförmigen, fruchtbaren Blüten waagrecht ab.
Die Pflanze kommt an Ackerrändern, in Weingärten, auf Halbtrockenrasen und in lichten Gebüschen besonders über Löss vor. Sie mögen warme Tage und kühle Nächte sowie wenig Niederschlag. Die Schopfige Traubenhyazinthe kann am besten während der Blütezeit zwischen Mai und Juni gefunden werden. Ihre Blätter ziehen früh ein und sind im Sommer verschwunden. Im nördlichen Voralpengebiet ist sie stark gefährdet.
Türkenbundlilie
Der Türkenbund (Lilium martagon) ist eine mehrjährige, krautige Zwiebelpflanze, die Wuchshöhen zwischen 30 und 150 cm erreicht. Zwischen Juni und August erscheint ein Blütenstand mit bis zu 16 duftenden, nickenden Blüten, die eine typische Turbanform haben. Die Blüten sind meist fleischrosa, manchmal auch trübviolett bis hell braunrot und haben meist eine dunkle Punktierung. Die Blätter stehen in 4 bis 8 Scheinquirlen aus 8 bis 14 Blättern, die von unten nach oben kleiner werden, sonst sind diese wechselständig angeordnet. Die lanzettlichen Laubblätter werden etwa 15 cm lang und 5 cm breit. Sie sind glattrandig und kahl.
Die Türkenbundlilie besiedelt bewaldete Höhenlagen, insbesondere lichte Buchen- und Mischwälder, wie auch Gebirgswiesen und Hochstaudenfluren. Sie zählt zu den bekanntesten heimischen Arten der Liliengewächse und gedeiht in halbschattiger, kühler Lage. Die Pflanze verströmt besonders abends und auch nachts einen schweren, süßen Duft, der vor allem langrüsselige Schmetterlinge anlockt.
Schachblume
Mit hübschen und ungewöhnlichen Blüten begrüßt die Schachblume den Frühling. Jedoch lässt sich die nickende Schönheit bei uns immer seltener blicken. Ihre Lebensräume verschwinden nach und nach, was sie zu einer stark gefährdeten Pflanze macht.
Die Schachblume und ihre Verwandten
Ihre auffälligen glockig-nickenden Blüten machen die Schachblume zu einer äußerst attraktiven Pflanze. Nicht nur die bräunlich-purpurne Färbung findet sich selten als Blütenfarbe, auch das schachbrettartige Muster ist einzigartig. Bei ihrem Anblick taucht vielleicht eine Ahnung auf wie: „Kenn ich zwar nicht, aber kommt mir dennoch irgendwie bekannt vor“. Eine gute Spur, die uns zur Verwandtschaft der Liliengewächse führt, wo auch Tulpe, Hundszahnlilie und Gelbstern zuhause sind. Mit ihnen hat die Schachblume die langgezogenen, etwas fleischigen Blätter und die Art des Blütenbaus gemein. Eine weitere Gemeinsamkeit ist die Ausbildung einer Zwiebel, die die Pflanze befähigt, schon früh im Jahr auszutreiben, was ihr gegenüber der restlichen Vegetation einen Vorsprung verschafft. So kann sie noch ein paar Wochen lang Sonnenlicht tanken, bevor sie von den umgebenden Pflanzen beschattet wird.
Für den Menschen ist die Schachblume giftig. Besonders die Zwiebel enthält giftige Alkaloide, die zu Kreislaufbeschwerden, Erbrechen und Krämpfen, bei hoher Dosis auch bis hin zum Herzstillstand führen können. Der wissenschaftliche Gattungsname „Fritillaria“ leitet sich übrigens vom lateinischen „fritillus“ ab, was „Würfelbecher“ bedeutet und sich auf das schachbrettartige Muster der rotbraunen Blüten bezieht.
Sensibel trotz Zwiebel
Wer auf einem Frühlingsspaziergang die Schachblume bei uns in ihrem natürlichen Lebensraum besuchen möchte, wird sich bald fragen, wo sie denn überhaupt noch zu finden ist. In Österreich existieren nur mehr drei Vorkommen dieser anmutigen Pflanze. Sie liegen im Oststeirischen Hügelland bei Großsteinbach und im südburgenländischen Strem-Tal bei Hagensdorf und Luising im Naturpark Weinidylle. Die Schachblume benötigt nährstoffarme Feuchtwiesen, die erst später im Jahr gemäht werden. Diese Lebensräume sind durch die Intensivierung ihrer landwirtschaftlichen Nutzung stark gefährdet. Die Veränderung im Wasserhaushalt durch Trockenlegung der Standorte verträgt sie nicht. Auf Düngung reagiert sie empfindlich und ihre Zwiebel beginnt zu faulen. Auch eine frühe Mahd würde den Bestand schwächen. Dank der in ihrer Zwiebel gespeicherten Nährstoffe ist die Schachblume zwar in der Lage, bereits im April Blätter und Blüten zu entwickeln, jedoch sind die Samen erst Ende Juni reif. Dann beginnen auch die oberirdischen Teile der Pflanze zu verwelken, die Zwiebel sammelt erneut Nährstoffe, um für die nächste Vegetationsperiode gerüstet zu sein, und bereitet sich auf eine Ruhephase vor, die bis ins nächste Jahr dauert. Von der Erhaltung der letzten natürlichen Schachblumenvorkommen profitieren letztlich viele weitere Pflanzen, die auf diese nassen und mageren Standorte angewiesen sind. Und schließlich können sich auch Blütenbesucher, wie beispielsweise die Große Holzbiene, daran erfreuen, dass sie auf diesen, in der Jahreszeit sonst eher blütenkargen Flächen, auf pollenspendende Schachblumen treffen können.
Scharbockskraut
Das Scharbockskraut (Ranuculus ficaria) ist eine niederliegende Pflanze, die oft an den Knoten wurzelnd. Die Blätter sind herzförmig, ganzrandig und oberseits stark glänzend. Die Blüten sind gelb mit einem Durchmesser von ca. 2 – 3 cm. Das Scharbockskraut kommt in nährstoffreichen und feuchten Au- und Mischwäldern sowie Gebüschen vor.
Die Blätter sind reich an Vitamin C, Gerbstoffen sowie Saponinen. Die Wurzeln enthalten Gerbstoffe, Asparagin und das Ferment Urease. Die Blätter schmecken sauer-scharf, die Wurzeln hingegen nussig und sind stärkereich. Sie eignen sich hervorragend für Eiergerichte, Kräuteraufstriche und Salate. Aufgrund des steigen-den Protoanemoningehalts sollte man das Scharbockskraut nur vor der Blüte ernten und verspeisen.
Das Scharbockskraut wurde früher aufgrund seines hohen Vitamin C-Gehalts bei Skorbut und Frühjahrsmüdigkeit gegessen. Es ist blutreinigend und wird bei Hautunreinheiten und Hämorrhoiden angewendet.
Diese Beschreibung wurde uns dankenswerterweise vom Verein Naturparke Steiermark zur Verfügung gestellt, der sich stark für den Schutz der Biodiversität einsetzt. Expert*innen der Firma grünes handwerk haben sie verfasst.
Zwergschwertlilie
Die Zwergschwertlilie (Iris pumila) ist ein ausdauernder Geophyt, der Wuchshöhen von 5 bis 15 cm erreicht. Die Blütezeit ist im April und Mai. Die Laubblätter sind schwertförmig, spitz, graugrün, 6 bis 20 mm breit und bis zu 10 cm lang.
Die im Burgenland stark gefährdete Pflanze kommt in pannonischen Felssteppen vor. Sie haben einen auffälligen Blütenfarbenpolymorphismus, d.h. in derselben Population gibt es meist bunt gemischt blass gelb bis gelb blühende neben purpurviolett bis dunkelviolett blühende Exemplare. Dies dient der Täuschung von Insekten.
Orchideen
Orchideen sind ausdauernde Pflanzen, die den meisten besonders durch ihre auffallenden Blüten bekannt sind. Sie sind eine sehr artenreiche Pflanzengruppe, deren Vertreter auf der ganzen Welt vorkommen.
In der Regel haben Orchideen sehr winzige Samen, die nur durch das Zusammenspiel mit einem Pilz keimen können. Eine weitere Besonderheit ist, dass die Knospe sich beim Aufblühen dreht, sodass der obere Teil (die Lippe) nach unten kommt und als Anflugorgan für Insekten dient.
Fliegen-Ragwurz
Die Fliegen-Ragwurz (Ophrys insectifera) ist eine ausdauernde, krautige Pflanze, die Wuchshöhen von 15 – 40 cm erreicht. Sie ist ein Geophyt, der zwei unterirdische Knollen ausbildet. Die Stängel sind dünn und grünlich-gelb. Die Blätter sind in einer grundständigen Rosette angeordnet, wobei die 2 – 5 Blätter steil aufrecht stehen.
Die Blütezeit dauert von Anfang Mai bis Juli. 2 – 12 Blüten stehen locker angeordnet in einem langen Blütenstand zusammen, den man mit einer Ähre vergleichen könnte. Die Blüten sind zwittrig, dreizählig und zygomorph, d.h. sie sind an einer Achse gespiegelt. Die Kelchblätter sind 5 – 9 mm lang und 3 – 4 mm breit. Die fadenförmigen, behaarten Kronblätter sind 6 – 10 mm lang. Die Lippe ist dreilappig, 10 – 12 mm lang und der Mittellappen gespalten. Die Farbe ist braun mit leichter Tendenz zu rot. In der Mitte der Lippe steht ein grau-blaues, leicht metallisch gefärbtes Mal.
Die Fliegen-Ragwurz kommt nur in Europa vor, da aber auch in kälteren Gebieten und Höhenstufen von collin bis subalpin. Sie mag lockere Böden, die kalkhaltig, lehmig oder tonig sind und eine gute Humuseinmischung aufweisen. Sie gedeiht auf Magerrasen, Trockenrasen, Halbtrockenrasen und in lichten Kiefernwäldern.
Die Fliegen-Ragwurz ist eine typische Insektentäuschblume. Die Blütenblätter täuschen die Form von Grabwespen vor und locken die männlichen Tiere auch mittels eines Duftstoffes bzw. Sexualhormons an. Diese versuchen die Lippe zu begatten und nehmen so die Pollenlinien auf. Grundsätzlich ist die Bestäubung durch Insekten aber eher spärlich, meist erfolgt Selbstbestäubung. Die Kapselfrüchte werden durch Wind oder Tiere verbreitet, sie enthalten mehrere Tausend winzig kleine Samen, die durch den Wind sogar bis zu 50 km weit getragen werden können.
Gelber Frauenschuh
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Gelber Frauenschuh (Cypripedium calceolus) wird 15 bis 20 cm hoch und blüht von Anfang Juni bis Mitte Juli. Die Blüten erinnern in ihrer Form an Schuhe. Die vier äußeren purpur- bis schokoladenbraunen Blütenblätter sind etwa 5 cm lang. Sie haben eine spitze Form und umgeben breit abstehend den gelben „Schuh“. Die Blätter sind länglich-oval.
Die ausdauernde, krautige Pflanze kommt in lichten Wäldern mit kalkhaltigen Böden vor. Die Pflanze ist widerstandsfähig gegen Kälte. Sie ist geschützt und durch Zerstörung ihrer Habitate und Wildentnahmen stark gefährdet.
Holunder-Knabenkraut
Das Holunder-Knabenkraut (Dactylorhiza sambucina) wird 10 bis 30 cm hoch und blüht von Anfang Mai bis Anfang Juni. Die Blüten treten in zwei Farbvarianten, in gelb und rot, auf. Am Lippengrund befindet sich eine purpurne oder gelbe Musterung. Die 4 bis 7 Laubblätter sind lanzettlich, grün gefärbt, ungefleckt und laubwerfend.
Die ausdauernde Pflanze kommt auf frischen bis mäßig trockenen Magerweiden, an Gebüschsäumen und vereinzelt bei Wacholderbeständen vor. Bei dieser Art entstehen immer wieder Hybriden mit anderen Orchideen. Sie sind Standortzeiger für den Naturschutz.
Kohlröschen
Das Kohlröschen (Nigritella nigra subsp. austriaca) erreicht Wuchshöhen von 8 bis 27 cm und blüht von Juni bis August. Der Blütenstand ist zur Vollblüte etwas breiter als hoch und kugelig. Die Blütenhüllblätter sind dunkel-rotbraun bis dunkel-braunrot.
Die Pflanze wächst im Hochgebirge auf Kalkmagerrasen. Das sind sehr artenreiche Vegetationsformen, bestehend aus unterschiedlichsten Gräsern und Kräutern darunter seltene Orchideenarten. Es sind sehr trockene, warme und wegen der geringen Mächtigkeit der Böden auch nährstoffarme Standorte.
Die Blüte des Kohlröschens duftet angenehm nach Vanille und die Pflanze ist besonders geschützt. Die Verbuschung von artenreichen Almwiesen durch Latschen und Fichten wird zu einem zunehmenden Problem. Das Zuwachsen der Almen kann mit Hilfe von Schwendarbeiten verhindert werden, auch ein Entsteinen ist auf bestimmten Teilflächen notwendig, damit sich wertvolle Kalkmagerrasen wieder ausbreiten können.
Sumpf-Stendelwurz
Die Sumpf-Stendelwurz (Epipactis palustris) ist eine ausdauernde, sommergrüne, krautige Pflanze und ein Wurzelgeophyt. Es kommt durch die Ausbildung von Neutrieben während der Wachstumszeit zu einer vegetativen Vermehrung. Der Stängel ist aufrecht und erreicht eine Höhe von 20 – 50 cm. Am Grund desselben sitzen 2 – 4 schuppenartige, grün bis violette Blätter; die 5 – 8 Laubblätter sind lanzettlich spitz geformt und haben eine Länge von 5 – 10 cm. Der Blütenstand ist 6 – 15 cm lang und meist lockerblütig mit 5 – 20 zwittrigen Blüten. Die drei äußeren Blütenhüllblätter sind lanzettlich geformt, meist günlich gefärbt und rot-violett überlaufen. Die beiden oberen Blätter des inneren Kreises sind eiförmig und weiß bis hellrosa mit violetten Linien. Die Lippe ist zweigliedrig und 9 – 13 mm lang. Der hintere Teil ist schüsselförmig und weiß mit rötlich-violetten Linien, der vordere Teil ist rund, weiß, mit einer orangeroten Linie um den Grund und am Rand gewellt. Beide Teile sind durch ein bewegliches Glied verbunden. Blütezeit ist zwischen Juni und August.
Die Pflanze kommt in Europa und Vorderasien vor. Im Voralpengebiet und in den tieferen Lagen ist sie zerstreut zu finden, über 1.500 m Seehöhe wächst sie nicht mehr. Die Sumpf-Stendelwurz mag kalk- oder basenreichen, stickstoffarmen, sickerfeuchten bis staunassen, feinkörnigen und humusreichen Boden. Sie ist lichtliebend und dadurch auf eine niedrige Vegetation bzw. Mahd angewiesen.
Die Bestäubung der Sumpf-Stendelwurz erfolgt durch Insekten wie Bienen, Fliegen und Grabwespen, wobei es selten auch zur Selbstbestäubung kommen kann. Die Samen enthalten kein Nährgewebe, d.h. sie können nur durch das Zusammenkommen mit einem Wurzelpilz keimen.
Gräser
Als Gras werden einkeimblättrige, krautige Pflanzen bezeichnet, die unscheinbare Blüten und lange schmale Blätter haben. Botanisch gehören Gräser zur Ordnung der Süßgrasartigen. Alle Getreide (z.B. Weizen, Hafer, Hirse, Mais und Reis) sind Süßgräser und bilden die Ernährungsgrundlage der Menschen und zahlreicher Tiere.
Federgras
Das Federgras (Stipa pennata) ist eine ausdauernde krautige Pflanze, die dichte Horste bildet. Die Halme stehen aufrecht, haben zwei bis vier Knoten, werden 25 bis 70 cm hoch und sind unter der Rispe rau. Die Blattscheiden sind kahl oder mehr oder weniger dicht etwa 0,1 mm lang behaart. Die Blütezeit ist von Mai bis Mitte Juni.
Es kommt auf Trockenrasen und Trockenlebensräumen, wie z.B. lückigen Steppenrasen, felsigen Hängen und lichten Wäldern, auf sommertrockenen, warmen, basenreichen, häufig kalkhaltigen, flachgründigen, nährstoffarmen, steinigen oder seltener sandigen Böden vor. Es handelt sich um eine Lichtpflanze und einen Wärmezeiger.
Das Federgras gilt als eines der Wahrzeichen der Wachau und als ein Symbol der Winzer. Es steht unter Naturschutz und darf nur für lokale Brauchtumszwecke, z.B. als Hutschmuck oder als Schmuck für traditionelle Trachten gepflückt werden.
Hartmans-Segge
Die Hartmans-Segge (Carex hartmanii) ist eine mehrjährige Pflanze und wird 30 bis 70 cm hoch. Sie bildet lange Ausläufer und wächst lockerrasig. Die Blätter sind grasgrün und kurz zugespitzt. Die grundständigen Blattscheiden sind braun bis rotbraun und fein netzfaserig. Sie blüht von April bis Juni und hat großteils weibliche, nur am Grund wenige männliche Blüten.
Der Lebensraum dieser Segge sind Feuchtwiesen und Verlandungsgesellschaften an Bächen, Nasswiesen-Mulden und oft heterogene und höher wüchsige Kalkflachmoore. Sie wächst oft kleinflächig aber in dichten Beständen und besiedelt wechselfeuchte, stau- bis sickernasse, mäßig nährstoff- und basenreiche, oft auch kalkarme, neutrale bis mäßig saure, torfig-humose, sandige oder reine Lehm- und Tonböden. Sie ist eine Ordnungscharakterart für Pfeifengraswiesen.
Scheidiges Wollgras
Das Scheidige Wollgras (Eriophorum vaginatum) wird bis zu 60 cm hoch und wächst lockerrasig mit langen Ausläufern. Die Blätter sind lang und schmal. Das Scheidige Wollgras blüht von Mai bis Juni. Die Früchte ähneln weißen Flocken und werden auch als „Moorblüte“ bezeichnet; tatsächlich handelt es sich aber um Samen.
Die mehrjährige Pflanze mag offene und halboffene feuchte Moorflächen. Die Härchen der Fruchtwolle verwendete man als Watteersatz für die Wundbehandlung und als Polsterfüllung. Fasertorf aus den Blattscheiden wurde in Notzeiten zur Herstellung von groben Spinnwaren oder Karton verwendet.
Schmallblättriges Wollgras
Wenn der Wind über den Sumpf bläst, tanzen sie wie kleine Watteknäuel. Die zarten Fruchtstände des Wollgrases bringen fröhliche Abwechslung in die oft düstere Moorlandschaft und laden uns ein, auch diesem besonderen Lebensraum Beachtung zu schenken.
Eine windige Angelegenheit
Wenn das Schmalblättrige Wollgras zwischen März und Mai blüht, tut es das vollkommen unspektakulär. Weder leuchtend bunte Blüten, noch besondere Düfte locken Bestäuber an – sein Trick ist: Das Wollgras wird, wie auch viele andere Vertreter der gras- und binsenartigen Pflanzen, durch den Wind bestäubt. Während die winzigen Nussfrüchte in dichten Fruchtständen heranreifen, verlängern sich die sogenannten „Perigonborsten“ (= Ersatz für die Blütenhülle rund um Fruchtknoten und Staubblätter) jeder Blüte zu langen Haaren und bilden schließlich die markanten, weiß-wolligen Fruchtstände, mit denen das Wollgras unsere Blicke auf sich zieht. Es ist also die Frucht und nicht die Blüte, welche bei dieser Pflanze unsere Aufmerksamkeit erregt! Und der Wind kommt noch einmal zum Einsatz: Und zwar dann, wenn die Samen reif und bereit für ihre Ausbreitung sind. Während sich die Blauflügel-Prachtlibelle an Pflanzenhalme klammert, um nicht mit dem Wind verblasen zu werden, segeln die Fruchtstände mit Hilfe der langen Haare davon. Sie werden an anderen geeigneten Standorten keimen und uns später wieder mit ihren Wattebäuschen anlocken.
Weniger ist mehr
Wir dürfen uns ehrlich freuen, wenn wir das Wollgras in seiner natürlichen Umgebung antreffen dürfen. Denn es ist wirklich nicht mehr allzu häufig. Als Bewohner von nährstoffarmen Mooren ist das Wollgras, wie sein gesamter Lebensraum, sehr sensibel gegenüber Eingriffen in das Ökosystem. Nach dem Motto „weniger ist mehr“ reagiert es sehr empfindlich auf Düngung und Entwässerung, also Maßnahmen, die meistens eine intensivere landwirtschaftliche Nutzung zum Ziel haben. So ist das Wollgras traditionell auch als gute Streupflanze bekannt, also als Bewohnerin von nassen Wiesen, die nur einmal im Herbst gemäht werden und deren Erträge aufgrund ihres geringen Futterwertes nur als Einstreu in Ställen genutzt werden. Früher wurden aus den wolligen Samenhaaren auch Kerzendochte geflochten und Kopfkissen damit ausgestopft. Aufgrund ihrer Brüchigkeit eignen sich die wolligen Knäuel jedoch nicht als Wollersatz.
Die Pflanzen enthalten Bitterstoffe und Gerbsäure, Wirkstoffe, die in der Naturheilkunde zur Kräftigung des Körpers und gegen Durchfall eingesetzt werden. Sowohl die jungen Triebe als auch geschälte Wurzeln können roh oder gekocht genossen werden. Übrigens weist auch die lateinische Bezeichnung des Wollgrases, nämlich „Eriophorum„, auf seine charakteristischen Fruchtstände hin. Der Name leitet sich von den griechischen Wörtern „erion“ = Wolle und „pherein“ = tragen ab.
Mehrjährige, krautige Pflanzen
Bei diesen Pflanzen verholzen die oberirdischen Pflanzenteile nicht oder nur wenig und bleiben krautig weich. Im Gegensatz zu den anderen krautigen Pflanzen überdauern sie mehrere Jahre und blühen und fruchten (meist) in jedem Jahr erneut.
In den österreichischen Naturparken kommen eine Vielzahl dieser Pflanzen vor, sodass wir ihnen eine eigene Seite gewidmet haben:
Sträucher und Kletterpflanzen
Sträucher sind ausdauernde, verholzende Pflanzen, die keinen Stamm als Hauptachse ausbilden. Sie können bodendeckend oder aufrecht wachsen und haben meist mehrere Stämme, die aus bodennahen Knospen treiben.
Kletterpflanzen haben statt eigener stützender Strukturen Klettertechniken entwickelt, mit denen sie große Höhen erreichen können, ohne selbst tragende Stängel auszubilden. Sie finden an anderen Pflanzen, Felsen oder Klettergerüsten Halt, um zum Sonnenlicht zu kommen.
Alpen-Heckenkirsche
Bei der Alpen-Heckenkirsche (Lonicera alpigena) handelt es sich um einen wenig verzweigten, ein bis zwei Meter hohen Strauch, der durch seine überschaubare Größe ein ideales Gartengehölz ist, wenn man mit seinem Platz im Garten haushalten muss.
Im Dunkeln ist gut munkeln
Anders als der Mensch, der Kalkablagerungen in diversen Haushalts-geräten oder Blutgefäßen weniger mag, ist die Alpen-Heckenkirsche eine richtige Kalkliebhaberin. Auf schattigen Standorten im zu den Nördlichen Kalkalpen gehörenden Naturpark Karwendel findet sie daher optimale Wuchsbedingungen. Gerne wächst sie in Hochstauden- und Schlagfluren, an Säumen und Wegen von krautreichen Bergmisch- und Schluchtwäldern und kann hoch oben im Gebirge über 2.000 m Seehöhe vorkommen. Und da sie eine so angenehme Wuchshöhe hat, die selten drei Meter Höhe erreicht und im Garten immer Pflanzen für den Schatten gesucht werden, wurde die Alpen-Heckenkirsche als eine Charakterart für den Naturpark Karwendel von den Naturparkmitarbeiter*innen ausgewählt.
Blüht mit Sti(e)l
Ganz entgegen ihrer Wuchshöhe, bei der sich die Gehölzart eher zurückhaltend gibt, hält es die Alpen-Heckenkirsche mit ihrer Blüte. Die ist wunderschön auffällig. Die rötlichen bis rotbraunen Blüten sitzen paarweise auf einem gemeinsamen Stiel, der ungefähr zwei- bis dreimal so lange ist wie die Blüten selbst. Die trichterförmige Blütenkrone ist zweilippig, das heißt die Blütenblätter sind verschieden hoch verwachsen und haben seitlich zwei deutliche Einschnitte. Für die Bestäubung in den luftigen Gebirgshöhen sorgen Wespen und (alpine) Hummelarten.
Aus Zwei mach Eins
Bei den Früchten der Alpen-Heckenkirsche lohnt es sich, den Beeren erhöhte Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Auf den ersten Blick sehen sie wie einfache rote Beeren aus, doch der Schein trügt. Es handelt sich jeweils um ein Fruchtpaar, also zwei Früchte, die vollständig miteinander verwachsen sind. Ab August trägt der Strauch seine rot glänzenden Früchte, die einem selbst in düsteren Schluchten recht auffällig entgegenleuchten. Im Gegensatz dazu sind die Früchte der Gewöhnlichen Heckenkirsche (Lonicera xylosteum), die ebenfalls schattige, kalkhaltige Standorte bevorzugt, nicht bzw. höchstens am Grund miteinander verwachsen und „eindeutig als Zwei“ zu erkennen. Also einfach ein wenig auf die Früchte geschaut und eine Verwechslung der beiden Heckenkirschen-Arten war einmal.
Eine doppelt glatte Angelegenheit
Die gegenständig angeordneten Blätter der Alpen-Heckenkirsche sind oval, zugespitzt und haben einen glatten Rand sowie eine glatt glänzende Unterseite. Greift man das Blatt an, bestätigt sich der glatte Gesamteindruck. Die Blätter der Gewöhnlichen Heckenkirsche sind hingegen deutlich behaart und greifen sich richtig weich an. Um sich das zu merken, hilft die kleine Eselsbrücke, dass es in den Alpen durch Schnee und Eis öfter einmal glatt ist.
Alpen-Heckenrose
Die Alpen-Heckenrose (Rosa pendulina) zählt ganz sicher zu unseren schönsten heimischen Wildrosen. Auch ihr zweiter, gerne verwendeter deutscher Name „Gebirgs-Rose“ weist auf ihren bevorzugten Lebensraum hin. Sie schafft es als einzige Rosenart über die Baumgrenze. Wenn man es nur mit den Namen und nicht mit den Pflanzen zu tun hat, besteht ein wenig Verwechslungsgefahr mit der Alpenrose, die ebenfalls in unseren Alpen zu Hause ist. Diese zählt jedoch gar nicht zur Familie der Rosengewächse, sondern zur Familie der Heidekrautgewächse und unterscheidet sich in Aussehen und Wuchsform sehr stark von unserer Alpen-Heckenrose.
Mehr Borsten als Stacheln
Die Alpen-Heckenrose wächst strauchförmig und wird zwischen einem halben und zwei Meter groß. Im Gegensatz zu anderen heimischen Rosenarten wie der Hunds-Rose meint es unsere Alpen-Heckenrose gut mit unserer Haut. Die meist nur wenigen Stacheln sind eigentlich eher Borsten und regen bei Berührung mehr den Kreislauf an als zu verletzen. Das macht sie auch für den Garten so interessant. Oft befinden sich nur an den unteren Zweigen wenige Stacheln und damit ist sie gut von anderen Rosenarten der Gebirgsregionen zu unterscheiden. Die unpaarig gefiederten Blätter werden um die zehn Zentimeter lang und bestehen aus sieben bis elf dünnen Einzelblättchen.
Rosige Zeiten
Die Alpen-Heckenrose blüht wie die meisten ihrer Familie zwischen Juni und August. Die Blüten haben eine intensive kräftige rosa bis dunkel- purpurrote Färbung, die dem Rosenforscher schon von weitem entgegenleuchtet.
Hart im Nehmen
Die Alpen-Heckenrose ist winterhart, verträgt Temperaturen von bis zu – 33° C und ist nicht sehr wählerisch was ihren Wuchsort angeht. Sie wächst gerne an sonnigen bis halbschattigen Standorten, zum Beispiel an Bach- oder Seeufern, Gebüsch- und Waldmänteln oder in lichten Bergwäldern. Sie ist aber auch die Wildrose, die am meisten Schatten verträgt. Daher findet man sie oftmals auch in Schluchtwäldern. Die Alpen-Heckenrose bildet durch Ausläufer lockere Bestände, wächst auch gut als Hecke und kann deshalb zur attraktiven Befestigung von Hängen dienen.
Alles Hagebutte
Aus den Samen der hübschen Blüten entwickeln sich im Laufe des Sommers die Hagebutten. Sie hängen bei der Alpen-Heckenrose an langen Stielen, und sind im Gegensatz zur „normalen“ Hagebutte, die von der Hunds-Rose stammt, in der Regel länglich bzw. ei- oder flaschenförmig ausgebildet. An ihrem Ende befinden sich noch die Kelchblätter der verwelkten Blüte. Diese sind bei der Alpen-Heckenrose übrigens anders als bei den meisten Rosenarten, nämlich ganzrandig.
Die Früchte sind ab August pflückreif, schmecken aber umso süßer, je reifer sie sind. Oft bleiben die Früchte über den Winter bis zum Frühling am Strauch hängen und können dann immer noch gesammelt und genossen werden. Hagebutten sind nicht nur für den Menschen nahrhaft, auch viele Tiere wie Kolkraben, Krähen, Seidenschwänze, Tannenhäher, Birkhühner oder Füchse mögen sie sehr. Im Inneren der Frucht befinden sich übrigens viele kleine Nüsse, welche feine, wiederhakenbestückte Härchen haben und als Juckpulver den Weg in so manchen Kinderkragen gefunden haben.
Am besten verwendet man die Hagebutte allerdings kulinarisch. Sie enthält sehr viel Vitamin C und wird somit als natürliches Nahrungsergänzungsmittel bei Vitamin C-Mangel oder bei Erkältungen eingesetzt.
Vielseitige Verwendung
Die Hagebutten können zwar roh gegessen werden, am häufigsten werden sie jedoch zu Tee verarbeitet. Etwas gewitzter lassen sich die ungetrockneten Blüten für ein sogenanntes „Rosenblüten-Joghurt“ verwenden. Dazu benötigt man die doppelte Menge an Blütenblättern wie Joghurt, püriert diese und mischt sie danach sofort unter das Joghurt. Anschließend kann man es noch mit Honig oder Ahornsirup süßen. Schmeckt gut, hebt die Stimmung und stärkt die Nerven!
Besenheide
So spät im Jahr wie sie blüht kaum wer: In zartem Rosa auf kurzen holzigen und stark verzweigten Trieben erfreut uns die Besenheide im späten Herbst noch mit ihren zarten rosafärbigen Blüten. Die Blätter der Besenheide, wie sie noch genannt wird, sind schuppenförmig und dicht anliegend.
Wir zeigen unter anderem, wie diese Pflanze zu ihrem Namen kam und welche Verwendungsformen der Mensch für diese spät im Jahr blühende Schönheit gefunden hat.
Erika ist was anderes
Gern und oft wird die Besenheide als „Erika“ verkauft – sie ist eine willkommene Pflanze in Zierbeeten, wo sie als im Herbst blühende Bodendeckerin eingesetzt wird. Aber wer genau schaut, sieht alsbald den Unterschied zwischen diesen beiden Zwergsträuchern: Die Blätter der Besenheide sind schuppenförmig übereinander liegend, wogegen bei der im Frühling blühenden Schneeheide oder Erika die Blätter nadelförmig sind und weit abstehen. Die Blüte der Besenheide täuscht uns gern, denn was da rosa blüht, sind die Kelchblätter. Die sind bei den meisten anderen Pflanzen unscheinbar und grün. Die eigentlichen Blütenblätter sind nur halb so lang und nur bei genauem Hinschauen zwischen dem Kelch zu erkennen.
Der botanische Name unserer Pflanze, Calluna, leitet sich aus dem Griechischen „kallynein“ her, was „schön machen“ bedeutet. Damit ist das Wohnhaus gemeint, denn früher wurden die langen und vielfach verzweigten zähen und holzigen Stängel der Besen(!)heide zu gut kehrenden Besen gebunden. Diese fegten dermaßen gut, dass selbst üble Stimmungen und böse Wünsche anderer Menschen aus dem Haus gekehrt wurden, so die Sage. In der Volksheilkunde werden die getrockneten Blüten und Blätter als harntreibender, stark entwässernder Tee eingesetzt. Da die Pflanze viele Gerbstoffe enthält, können die Blüten auch als farbgebende, stark aromatische Speisewürze eingesetzt werden.
Und weil die Besenheide so spät im Jahr blüht, geht es sich mit dem Ausreifen der Früchte heuer nicht mehr aus. Erst im kommenden Frühling öffnen sich die Kapseln und geben die winzigen Samen frei, welche vom Wind verbreitet werden.
Sauer und mager
Der alte Name „Heide“ bezeichnete ein unbebautes, karges Gebiet. Namensgebend dafür ist unsere Besenheide: Sie gedeiht nur auf ausgesprochen nährstoffarmen und sauren Böden bei sehr extensiver Nutzung. Durch stärkere Beweidung, häufigere Mahd und vor allem Düngung wird sie rasch zurück gedrängt. Bis in die zweite Hälfte des letzten Jahrhunderts war sie noch auf Weideflächen der Tieflagen und Ebenen weit verbreitet. Heute finden wir sie fast nur mehr auf mageren Weiden der Berglagen außerhalb der Kalkgebirge. So auch auf vielen Almen, wo etwa Wildschweine nach Nahrung suchen. Das Wachstum auf solch kargen Böden ermöglicht der Besenheide eine spezielle Form der Mykorrhiza, also der Symbiose der Pflanzenwurzeln mit Pilzen, welche bei der Nährstoffaufnahme behilflich sind.
Die zarten rosafärbigen Blüten der Besenheide bieten reichlich Nektar an leicht zugänglicher Stelle an. Damit wird unsere Pflanze gern von Insekten besucht, ganz besonders von Honigbienen, welche hier noch eine späte Tracht vorfinden. Aber auch spezialisierte Sand- und Seidenbienen sind auf den Nektar der Besenheide angewiesen. Ist das Wetter im Herbst schlecht und sind daher keine Insekten mehr unterwegs, verlängert die Besenheide einfach ihre Staubfäden und der Pollen wird reichlich über den Wind abgegeben und verbreitet: So ist die geschlechtliche Vermehrung in jedem Falle sicher gestellt. Als Nahrung dient die Besenheide den Raupen einiger Sackträger-Falter sowie den Larven von Rüsselkäfern.
Deutsche Tamariske
Wer die Deutsche Tamariske in natura zu Gesicht bekommt, kann sich glücklich schätzen, denn sie ist bei uns mittlerweile sehr selten. Der Rispelstrauch, wie sie noch genannt wird, gilt als DER Maßstab für naturnahe Fließgewässer und Flusslandschaften und kann im Naturpark Tiroler Lech bewundert werden. Die Deutsche Tamariske ist ein einzigartiger Strauch mit rosa Blüten und graugrünen, schuppenförmigen Blättern – widerstandsfähig, extrem, selten und anspruchsvoll.
Tamariske ist nicht gleich Tamariske
Bei „Tamariske“ denken viele an einen Zierstrauch für den eigenen Garten oder vielleicht an die letzte Reise nach Nordafrika, wo Tamarisken an Straßenrändern zu finden sind. Unsere heimische Deutsche Tamariske ist zwar mit diesen verwandt, aber doch etwas ganz Eigenes. Sie ist ein kleiner, bodennah reich verzweigter Strauch mit rutenartigen Ästen. Die Blätter sind graugrün und dachziegelartig dem Zweig angedrückt. Damit ergibt sich eine ganz eigentümliche Wuchsform, da die Blätter aus größerer Entfernung praktisch nicht zu sehen sind und der graugrüne bis blaugrüne Farbton der Pflanze überrascht. Auffällig ist unser Strauch während der Blütezeit von Mitte Mai bis spät in den Juni hinein. Dann leuchten die langen und steif aufrecht stehenden hellrosa Blütentrauben am Ende der Zweige und Äste im Sonnenlicht. Die bestäubte Blüte wächst zu einer einen Zentimeter langen schmalen Kapsel aus, welche zur Reifezeit mehr als 100 Samen freigibt. Diese Samen tragen einen Haarschopf und sind ausgezeichnete Schirmchenflieger. Ähnlich wie bei Weiden ist die Keimfähigkeit der Samen ausgesprochen hoch, jedoch nur von kurzer Dauer und erlischt nach etwa einem Monat.
Der botanische Name unserer Pflanze „Myricaria“ ist griechischen Ursprungs und bedeutet „Rispelstrauch“, so auch der weniger gängige, zweite deutsche Name der Tamariske. Abgeleitet dürfte diese Bezeichnung vom altsemitischen murr sein, was „bitter“ bedeutet, denn die Rinde der Pflanze schmeckt sehr bitter und wurde als gerbstoffreiche Droge eingesetzt. Der Artbeiname germanica bedeutet, dass die Pflanze ursprünglich nach einem Vorkommen in Deutschland beschrieben wurde, obgleich unsere Deutsche Tamariske von den Pyrenäen bis zur Mongolei vorkommt.
Sowas von selten
Noch vor 100 Jahren war die Deutsche Tamariske an vielen Fließgewässern in Österreich eine sehr häufige Art, beinahe so wie Weiden. Aber sie benötigt einen sehr naturnahen Gewässerverlauf, da sie gegenüber anderen Arten, wie z.B. den Weiden, wenig konkurrenzstark ist und nur auf häufig sich verändernden Standorten dauerhaft vorkommt. Wird also eine Schotterbank jährlich umgelagert, so fühlt sich unsere Tamariske wohl, denn sie kann selbst bei einer 25 cm starken Überschotterung wieder bis zur Oberfläche durchtreiben – das vermag kein anderes Gehölz! Solche naturnahen Fließgewässer sind die Kinderstube für zahlreiche Fischarten, wie auch der Bachforelle und damit Nahrungsgrundlage z.B. für den Fischotter. Wurde ein Gewässerlauf begradigt und das Ufer befestigt, so gibt es keine Schotterbänke mehr und die Tamariske wird von Weiden verdrängt. In solchen Fällen: auf Nimmer-Wiedersehen. Denn mittlerweile ist die Deutsche Tamariske eine unserer seltensten heimischen Pflanzenarten.
In vielen Bundesländern Österreichs ist die Deutsche Tamariske bereits ausgestorben. Großflächige natürliche Vorkommen existieren nur mehr in Tirol, vor allem an Lech, Isel und Zubringern zur Isel, und sind an letzteren auch Anlass für einigen Streit: Denn mit einem Wasserkraftwerksbau verschwinden die von einem Wildfluss geprägten Flusslandschaften und damit auch die sich bei einem Hochwasser umlagernden Schotterbänke und mit ihnen unter anderem die Standorte für die Tamariske. Wiederansiedelungsprojekte gibt es in einigen Bundesländern, aber nur in wenigen, wie in Kärnten an der Drau, hat dies auch nachhaltig funktioniert.
Darum können sich all die, welche eine Deutsche Tamariske an einem natürlichen Standort entdecken durften, mehr als glücklich schätzen: Hier lebt und werkt ein wildes Gewässer, bildet die Grundlage für einen hochdynamischen Lebensraum, ein Ökosystem mit vielen besonderen und hochspezialisierten Pflanzen- und Tierarten.
Dirndl
Der Dirndl-Strauch (Cornus mas) kann zwischen 4 und 8 m hoch werden, wobei die Stämme eine Dicke von 15 bis 20 cm erreichen können. Die Rinde ist anfangs gelbgrau und blättert später in dünnen verbogenen Schuppen ab. Die Blätter sind eiförmig-elliptisch und ca. 4 bis 10 cm lang. Die Oberseite ist glänzend. Die Blüten sind goldgelb; sie erscheinen von Februar bis April vor den Blättern am alten Holz. Die Früchte sind glänzend rot, länglich und etwa 2 cm lang. Das rote Fruchtfleisch ist essbar, aber säuerlich.
Der wärmeliebende Strauch wächst auf sonnigen, buschbestandenen Hängen, in lichten Wäldern, an Waldrändern und in Hecken. Er ist nicht wählerisch und verträgt auch lichten Schatten.
Durch die frühe Blüte ist die Kornelkirsche eine wichtige Bienennährpflanze. Vögel ernähren sich durch die Früchte und finden im Gehölz Schutz. Die Früchte haben einen hohen Vitamin C Gehalt und werden für Marmeladen und Obstbrände verwendet.
Echter / Gemeiner Seidlbast
Der Seidelbast (Daphne mezereum) ist ein kleiner, wenig verzweigter Strauch, der eine Höhe von 40 bis 125 cm erreichen kann. Die Blüten sind weiß bis rosafärbig und sitzen in Reihen direkt am Ast auf. Die Blütezeit ist im April und Mai. Die Früchte sind rote oder gelbe Beeren. Laubblätter entwickeln sich nur an den Triebspitzen.
Die Pflanzen wachsen an Wald- und Wegesrändern und sind typische Buchenbegleiter. Als Standorte werden kalkhaltige und nährstoffreiche Böden von Laubmischwäldern, insbesondere Buchen- und Eichen-Hainbuchenwaldgesellschaften bevorzugt. Sie mögen trockene und lichtreiche Standorte. Rinde und Samen enthalten ein sehr starkes Gift.
Eingriffeliger Weißdorn
Der Eingriffelige Weißdorn (Crataegus monogyna) ist ein Strauch oder kleiner Baum, der Wuchshöhen von 2 bis 6 m erreicht. Seine Äste haben zahlreiche kräftige Dornen. Die 5 bis 7 cm langen Laubblätter sind in 3 bis 7 Lappen geteilt. Die von Mai bis Juni vorkommenden Blüten sind in Gruppen von 5 bis 25 Stück angeordnet und haben einen Durchmesser von 8 bis 15 mm. Die 8 bis 10 mm langen, eiförmigen Früchte sind dunkelrot.
Die Licht- und Halbschattenpflanze wächst in Laub- und Mischwäldern, an Waldrändern, Hecken, Feldgehölzen sowie an Felsenhängen und bevorzugt kalkreiche Böden. Der Eingriffelige Weißdorn ist eine Heilpflanze für Herzerkrankungen. Die Früchte sind essbar, aber nicht sehr wohlschmeckend.
Faulbaum
Beim Faulbaum (Frangula alnus) liegt die Frage nach der Namensherkunft auf der Hand. Die Namen Faulbaum und Stinkbaum verdankt er seinem leichten Fäulnisgeruch der Rinde. Bis ins 19. Jahrhundert wurde der Faulbaum für die Herstellung von Munition gebraucht. Nebst Schwefel und Salpeter wurde für die Herstellung von Schwarzpulver nämlich auch Holzkohle verwendet, und diese wurde oft aus dem Holz vom Faulbaum gewonnen. Daher die Bezeichnung Pulverholz.
Wächst fast überall
Der Faulbaum ist ein sommergrüner Strauch, der meist nicht höher als drei Meter wird aber bei geeigneten Bedingungen auch bis acht Meter Höhe erreichen kann. Er ist fast in ganz Europa beheimatet, meist in Niedermooren, Erlenbruchwäldern und Auwäldern zu finden, wächst aber auch auf trockeneren Standorten, sofern sie gut durchlichtet und nicht zu nährstoffreich sind. Man findet ihn von der Ebene bis in mittlere Gebirgslagen.
Zum Fressen gern
Neben dem Purgier-Kreuzdorn ist der Faulbaum die einzige geeignete Nahrungspflanze, die den Raupen des Zitronenfalters munden und unverzichtbar für das Vorkommen der gelben Frühjahrsfalter sind. Wer in Garten und freier Natur also gerne Zitronenfalter haben möchte, muss sich einen Faulbaum pflanzen. Das Laub des Faulbaumes wird auch von anderen Falterarten wie dem Faulbaum-Bläuling gefressen und die Blüten werden von Bienen, Wespen, Schlupfwespen, Fliegen, Käfern und Faltern (speziell vom Kleinen Eisvogel) besucht.
Ganz gut zu erkennen
Wer sich sicher sein möchte, ob das Gehölz vor der Nase wirklich ein Faulbaum ist, dem helfen nachfolgende Merkmale. Die Blätter sind eiförmig mit auffälligen Blattnerven, die sich vor dem Blattrand bogig vereinen. Die unscheinbaren grünlich-weißen Blüten entspringen aus den Blattachseln und die Beeren sind anfangs grün, werden später rot und in der Reife schwarz-violett. Im Herbst färben sich seine Blätter gelb. Auch im Winter gibt es einige gut sichtbare Erkennungsmerkmale. Die Rinde hat weiße, strichförmige Pusteln, die Äste stehen fast waagrecht ab. Besonders charakteristisch ist die flammenartig geformte Endknospe.
Langzeitblüher
Die Hauptblütezeit des Faulbaums ist im Vollfrühling und Frühsommer, doch vereinzelte Blüten findet man auch noch bis in den Herbst hinein. Deshalb sind an einem Strauch neben den reifenden Früchten oft auch noch junge Blüten zu finden und erfreuen viele blütenbesuchende Insekten, weil ihnen der Faulbaum dank der ausgedehnten Blühphase lange Zeit als Nahrungsquelle zu Verfügung steht.
Die Beeren sind nicht für alle giftig
Die Beeren fallen zwischen September und Dezember bei ihrer Reife ab. Für Menschen sind sie zwar ungenießbar und giftig, von Vögeln werden sie aber gerne und risikofrei gefressen. Das erfolgt zum Beispiel durch Wacholderdrosseln und Fasane, die für eine Verbreitung unserer Faulbäume in freier Wildbahn sorgen und die Vermehrungsinitiative des wunderbar eigenartigen Gehölzes im Naturpark Dobratsch in idealer Form ergänzen.
Felsenbirne
Die gewöhnliche Felsenbirne (Amelanchier ovalis) bezaubert uns mit ihrer an Edelweiß erinnernden Blüte im Erstfrühling und knalliger Blattfärbung im Herbst gleich zweimal im Jahr. Sie wächst als aufrechter, meist stark verzweigter Strauch und kann bis zu vier Meter Höhe erreichen. Auch das macht sie für die Verwendung im Garten überaus sympathisch.
Bring me Edelweiß
Die Felsenbirne gehört zu den Rosengewächsen. Im Gegensatz zu den meist rundlichen Blütenblättern der Verwandten (Kirschen, Birnen, Schlehe, Weißdorn, Rosen, etc.) sind die reinweißen Blütenblätter der Felsenbirne länglich und schmal.
Da sie in aufrechten, traubigen Blütenständen zusammenstehen und die Blattunterseiten der die Blüte begleitenden jungen Blätter weiß-flizig behaart sind, ergibt sich ein einzigartiger Blüheindruck.
Die Felsenbirne und die Felsen
Der Felsen im Namen rührt vom bevorzugten Standort des Gehölzes her, denn die Felsenbirne liebt felsigen Untergrund und mag es noch dazu warm und sonnig. In Österreich findet man sie bis in Höhen von zirka 1.800 Meter, im Naturpark Dobratsch kommen die Sträucher auch in etwas höheren Lagen noch gut zu Recht.
„Apfel“ oder „Birne“?
Der botanische Gattungsname Amelanchier leitet sich von der französisch-provenzalischen Bezeichnung „amelanche“ für die Früchte unserer heimischen Amelanchier ovalis ab. Das Wort „amelanche“ ist dabei wahrscheinlich keltisch-gallischen Ursprungs und bedeutet „Äpfelchen“. Das passt auch gut für die Fruchtform der Felsenbirne. Der Name Birne dürfte vielmehr auch mit der Form der Blätter zu tun haben, die ein wenig an Blätter unserer Wild-Birnen erinnern. Die Laubblätter der Felsenbirne sind eiförmig bis verkehrt eiförmig und am Blattrand deutlich fein gezähnt. Die jungen Blüten und Blätter verfügen über einen dichten Filz aus weiß-silbrigen Haaren, welche vor Kälte und vor Wasserverlust schützen. Später sind die Blätter oberseits kahl und matt-grün, unterseits gelblich behaart.
Heimvorteil nützen
Wenn man sich die ganze Pflanze mit ihrer besonderen Wuchsform, den Blüten und Früchten ein wenig eingeprägt hat, kann man sie eigentlich mit keinem anderen Strauch der heimischen Flora verwechseln. Am ähnlichsten sind unserer heimischen gewöhnlichen Felsenbirne aus Nordamerika stammende, in Gärten oder Parks angepflanzte Verwandte. Die blühen früher und zeigen größere Früchte, haben aber nicht die jahrtausendealte Selektion und Anpassung an unser Klima und unsere Böden mitgemacht. Da können unsere heimischen Felsenbirnen ihren Heimvorteil hinsichtlich Wuchskraft, Vitalität und Einpassung in die Nahrungs- und Bestäubungsrhythmik der heimischen Insekten ausspielen.
Schmackhafte Früchtchen
Die mehlig-süß schmeckenden Früchte können direkt vom Strauch genascht, zu Marmelade verarbeitet oder getrocknet als Rosinen-Ersatz genossen werden. Da auch viele kleine und größere Wildtiere auf die Früchte stehen, bietet sich eine Pflanzung im Garten an. Dann hat man einerseits die Früchtchen gleich vor der Nase und solange man keine Unmengen der Früchte verspeist, ist auch ihr geringer Blausäuregehalt kein Problem. Andererseits können die Felsenbirnen in der freien Naturweiter ihre Funktionen als Nahrungs- und Lebensraum für Vögel wahrnehmen und als wichtige Nektarpflanze für mehrere Schmetterlingsarten dienen. Ganz besonders freut sich zum Beispiel im Naturpark Dobratsch das Große Wiener Nachtpfauenauge über die wilden und vermehrten Felsenbirnen. Als wichtige Nahrungspflanze für die Raupen zeigt unsere Felsenbirne eindrucksvoll ihre besondere Stellung in der heimischen Gehölzflora.
Gemeiner Wacholder
Der Gemeine Wacholder (Juniperus communis) wächst als aufrechter bis kriechender Strauch oder kleiner Baum bis 10 m Höhe. Er hat immergrüne, sehr spitze Nadeln, die dem Schutz vor Weidetieren dienen. Die Entwicklung zum reifen, beerenförmigen Zapfen dauert drei Jahre; die Ernte der schwarzbraunen, bläulich bereiften Wacholderbeeren erfolgt im September.
Der Wacholder ist zweihäusig, d.h. männliche und weibliche Blüten befinden sich auf getrennten Pflanzen. Der Strauch mag trockene, magere Böden. Wacholder wird zum Würzen, Räuchern und zum Schnapsbrennen genutzt.
Gemeines Heidekraut
Das gemeine Heidekraut (Calluna vulgaris) ist ein verholzender, immergrüner Zwergstrauch, der eine Wuchshöhe von 10 bis 50 cm erreichen kann. Die Blätter sind nadelförmig und stehen in Büscheln. Die Besenheide blüht von Juli bis Oktober hellrot bis selten weiß. Die Blüten sind glockenartig und bilden eine einseitige Traube.
Die Pflanze mag helle, lichte Wälder, Moorlandschaften, Sandflächen, Kiefernbruchwälder, Felsen und dergleichen. Wichtig ist, die Verbuschung und Verwaldung durch permanente Pflegemaßnahmen zu verhindern.
Die Triebe wurden auch als Besen verwendet und dienten ebenso zum Färben wie zur Ledergerbung. Der wissenschaftliche Name der Gattung Calluna kommt ursprünglich vom griechischen Wort für „Saubermachen“ oder „Wischen“. Die Blüten ergeben einen beruhigenden Tee. Außerdem ist das Heidekraut eine hervorragende Honigpflanze.
Grüner Veltliner
Der Grüne Veltliner (Vitis vinifera subsp. vinifera) ist eine Kletterpflanze, die eine Wuchshöhe von 2 bis 10 m erreichen kann. Aus dem mehrjährigen verholzten Teil wachsen jedes Jahr Triebe, auf denen die Blätter sitzen. Diese sind 3 bis 5 gelappte, lang gestielte Laubblätter. Die Weinrebe gedeiht besonders gut auf Lössböden und wird in ganz Niederösterreich angebaut.
Verwendet werden die Trauben als Tafeltrauben oder Rosinen bzw. für Wein und Traubensaft. Der Grüne Veltliner ist die in Niederösterreich am häufigsten angebaute Rebsorte.
Heidelbeere
Die Heidelbeere (Vaccinium myrtillus) ist ein mehrjähriger Strauch, der bis 30 cm hoch wird. Die Blüten sind rötlich und nickend; die Blütezeit ist im Mai und Juni. Die schwarzblauen Früchte können etwa ab Juli geerntet werden. Die Blätter sind 2 bis 3 cm lang, eiförmig bis elliptisch.
Der Strauch kommt auf kalkfreien Böden in der Sonne und im Halbschatten vor. Man findet ihn neben Wegen, auf Heiden oder in schattigen Nadelwäldern.
Heidelbeeren helfen gegen Durchfall und Nachtblindheit. Es werden Säfte, Tees und Liköre erzeugt. Die Früchte hinterlassen auf den Zähnen und Lippen eine schwarze Färbung.
Hundsrose
Die Hundsrose (Rosa canina) ist ein sommergrüner, lockerer Strauch, mit bogig überhängenden Zweigen, die mit ihrer grünen Färbung auch Photosynthese betreiben. Die Pflanze wird 2-3 m hoch, als Spreizklimmer auch höher und kann ein Alter von bis zu 300 Jahren erreichen. Die Dornen sind in Wirklichkeit Stacheln, die leicht abgestreift werden können und als Kletterorgane bzw. Fraßschutz dienen. Die Laubblätter sind wechselständig angeordnet und in Blattstiel und Blattspreite gegliedert. Die Blattspreite ist unpaarig gefiedert mit 5 oder 7 Fliederblättern, die elliptisch bis eiförmig sind und deren Rand gesägt ist. Die Herbstfärbung ist fahlgelb.
Die Hundsrose hat viele Blüten, die einzeln oder bis zu zehnt zusammenstehen und keinen Nektar haben. Die Blütezeit ist im Juni, die Einzelblüten sind nur wenige Tage geöffnet. Die Blüten sind zwittrig, fünfzählig und haben eine doppelte Blütenhülle. Die Blütenkrone hat einen Durchmesser von 3,5 – 4,5 cm und die Kronblätter sind meist hellrosa, seltener weiß oder kräftig rosa gefärbt.
Der Artname canina deutet auf die Häufigkeit der Pflanze hin; sie ist sozusagen „hundsgemein“, kommt also praktisch überall vor. Sie ist die häufigste wild wachsende Rose in Mitteleuropa. Man findet sie in ganz Europa, mit Ausnahme von Finnland und Isalnd, zudem im Nordwesten Afrikas und in Vorderasien.
Die Früchte werden Hagebutten genannt und sind Sammel-Nüsschen. Die einzelnen Nüsschen werden dabei von einem gemeinsamen, fleischigen, rot gefärbten Fruchtbecher umschlossen. Hagebutten sind länglich-elliptoidisch oder eiförmig; ihr Stiel ist meist zwei mal so lang wie die Hagebutte selber.
Die Hagebutten sind sehr Vitamin C reich und werden vielfältig verwendet, z.B für Tees, Hagebuttenwein und Hagebuttenöl. Weitere Verwendung findet die Hundsrose als Unterlage zur Veredelung von Rosen, als Bodenfestiger, zur Wiederbegrünung und für Misch- und Schutzpflanzungen. Die Fruchtreife ist im Oktober und November wobei die Früchte oft im Frühling noch am Strauch hängen.
Die Licht- bis Halbschattenpflanze bevorzugt trockene bis frische Böden, die basenreich, mäßig sauer bis milde sind. Sie ist ein Pioniergehölz und kommt in Gebüschen, Waldsäumen, an Straßen- und Wegrändern sowie in lichten Wäldern vor und kann in den Alpen bis in Höhenlagen von 1.680 m gefunden werden.
Holler
Der Schwarze Holunder (Sambucus nigra) ist ein Strauch oder kleiner Baum, der eine Wuchshöhe von bis zu 11 m erreichen kann und stark verzweigt ist. Die Rinde ist graubraun und korkartig und auf jungen Zweigen sitzen helle Korkporen. Die Laubblätter sind gegenständig angelegt und unpaarig gefiedert. Die Blattfiedern sind etwa 30 cm lang und haben 5 – 7 elliptische Einzelblätter, die ca. 12 cm lang sind.
Die kleinen Blüten fassen sich in bis zu 30 cm großen, flachen Schirmrispen zusammen. Die Blüten sind weiß bis leicht gelblich, fünfzählig und haben einen frischen, fruchtigen Duft, den die Pflanze auch verströmt, wenn man die Laubblätter zwischen den Fingern zerreibt. Die Blütezeit ist ab Mai bis in den Juni. Die Holler-Beeren (eigentlich Steinfrüchte) sind ca. 6 mm groß, anfangs rot, später schwarz und reifen im August und September. Auch die Stiele, auf denen die Früchte sitzen, färben sich in der Reife rötlich. Verbreitet werden die Früchte hauptsächlich durch Vögel. Die Pflanze kann bis zu 100 Jahre alt werden.
Der Schwarze Holunder gehört zu den in Mitteleuropa häufigsten Straucharten. Er ist robust und anspruchslos und gedeiht gut im Halbschatten, auf Unkraut- und Ruderalfluren, auf Waldlichtungen oder an Wegrändern. Er ist ein Stickstoffzeiger und ist in den Alpen bis ca. 1.500 m Seehöhe anzutreffen. Der Holler wird auch kultiviert, wobei die Steiermark das größte Anbauzentrum Österreichs und Europas ist.
Die Blüten und Früchte des Hollers finden Verwendung als Heilmittel, Lebensmittel und Farbstoff. Roh genossene Früchte können zu Durchfall und Erbrechen führen, abgekocht als Saft, Mus, Marmelade oder Suppe sind sie bedenkenlos zu genießen. Die Blüten können herausgebacken oder zu Saft verarbeitet werden. Weit verbreitet ist die Mischung dieses Saftes mit Sekt. Da die Beeren sehr Vitamin C-haltig sind, sind sie ein gutes Mittel gegen Erkältungen und Grippe. Auch Tees aus Rinde und Blütenständen gelten als Hausmittel gegen Erkältungskrankheiten, Nieren- und Blasenleiden sowie zur Stärkung von Herz- und Kreislauf.
Die Beeren enthalten einen violetten Farbstoff, der früher zum Färben von Haaren und Leder eingesetzt wurde. Heute wird er in der Lebensmittelindustrie zum Färben von Süßigkeiten und Molkereiprodukten verwendet. Im Phänologischen Kalender ist der Schwarze Holunder eine Zeigerpflanze. Wenn die Beeren reif werden, beginnt der Herbst. Auch im Volksglauben nimmt der Holler eine bedeutende Rolle ein. Das Abhacken oder Verstümmeln eines Hollers brachte Unglück und Tod. Wenn Teile abgestorben sind, zeigte das den Tod eines Familienmitglieds an. Im Hausgarten ist der Holler ein Lebensbaum und Beschützer des Hauses gegen schwarze Magie, Feuer und Blitzeinschlag. Auch gute Hausgeister sollen im Holunder wohnen; dadurch entwickelte sich der Spruch, dass man vor einem Hollerbusch den Hut ziehen soll.
Pimpernuss
Die Pimpernuss (Staphylea pinnata) ist ein wahres Kleinod unter den heimischen Gehölzen. Zur Blütezeit im Mai ist sie mit ihren weißen, zart duftenden, traubigen Blütenrispen ein echter Augenschmaus und Zierde für jeden Garten. Aber auch während der Fruchtreife ist die Pimpernuss mit ihren blasig aufgetriebenen, lampionähnlichen Früchten, in denen an windigen Tagen die hartschaligen Kerne aneinander klappern, ein richtiger Hingucker.
Im Freistand kann der große Strauch einen Kronendurchmesser von vier bis fünf Metern erreichen und ungefähr so hoch wie eine Haselnuss werden. Die an Halbschatten angepasste Art hält zwar im Bestandesinneren von Laubwäldern lange mit, aber erst im Waldmantel, in parkartig aufgelichteten Hainen und in Hecken bekommt sie ihre charakteristische pilzförmige Pflanzengestalt. Sie bevorzugt Edellaubwälder (z.B. Eichenwälder), die meisten Vorkommen gibt es in der Gruppe der Linden-Ahorn-Wälder.
Unverwechselbar
Unsere Pimpernuss ist von allen anderen heimischen Gehölzarten leicht zu unterscheiden. Keine andere heimische Strauch- oder Baumart besitzt die für die Pimpernuss typischen Endknospen in Form eines „Victory-Zeichens“ und die charakteristische, netzartige Zeichnung der älteren Rinde.
Eine außergewöhnliche Blüte
Die Pimpernuss-Blüte zeigt sich etwas nach dem Blühbeginn der Vogelbeere und ein wenig vor dem Weißdorn. Die zahlreichen traubighängenden, weißen Blütenrispen ziehen eine Vielzahl von Insekten an. Die Blüten werden zwar von Bienen besucht, wegen des spezifischen Duftprofils werden aber auch Fliegen und Schwebefliegen angelockt. Der für den Weißdorn so charakteristische Rosenkäfer fehlt bei der Pimpernuss übrigens als typischer Bestäuber, denn der Käfer kann bei den hängenden Blüten der Pimpernuss einfach nicht landen.
Wie die Pimpernuss zu ihrem Namen kommt
Zur Fruchtreife bildet die Pimpernuss eine lampionähnliche, blasig aufgetriebene, papierartige Hülle, in der hartschalige Samen sitzen. Zur Zeit der Vollreife sitzen die Samen in der Fruchtkapsel nur mehr ganz locker am Hocker, bilden ein Trenngewebe aus und nabeln sich schließlich von der Mutterpflanze ab. Wenn sich nun die lampionartige Hülle im Wind bewegt, klappern die darin befindlichen Kerne hörbar aneinander.
Verstärkt wird dieser Effekt durch die langen und dünnen Fruchtstiele, an denen die Pimpernuss-Früchte wie an einer Pendelschnur befestigt sind. Eben dieses „Pempern“ der Samen hat sich im deutschen Namen niedergeschlagen.
Die Größe hat Bestand
Die auch als „Nüsse“ bezeichneten Samen der Pimpernuss sind nur perlengroß und wurden früher wegen ihrer schönen glatten Oberfläche häufig für Ketterln oder Rosenkränze verwendet. Dazu werden die glatten Nüsschen einfach von der Ansatzstelle her durchbohrt und aufgefädelt. Eine Besonderheit der Pimpernuss ist die Größenkonstanz der Samen. Wenn es der Pflanze schlecht geht, bildet sie pro Hülle weniger Samen aus, aber an der Größe wird nicht gerüttelt!
Rostblättrige Alpenrose
Bekannt aus Heimatfilmen lässt ihr Name „Almrausch“ Bilder von romantischer Bergwelt auftauchen und steht für unverbrauchte Landschaft. Die Schönheit der Berge bezaubert mit purpurroten Blüten und hat auch sonst Interessantes zu bieten.
Wir zeigen, was dieses stark giftige Heidekrautgewächs, das zwischen 30 und 130 cm hoch wird, so besonders macht und wie andere Lebewesen von ihrem Vorkommen profitieren.
Rosarot auch ohne Brille
Die reich verzweigten, immergrünen Alpenrosen-Gebüsche sind in unseren Alpen an und über der Waldgrenze anzutreffen. Erst bei genauerer Betrachtung fällt auf, dass sich hinter den Alpenrosen, oder „Almrausch“ im Volksmund, zwei unterschiedliche Arten verbergen: Neben der Rostblättrigen Alpenrose, die saure Böden bevorzugt, kommt auch noch ihre Schwesternart, die Bewimperte Alpenrose, vor. Diese wächst jedoch nur in den Kalkgebirgen und vertritt dort quasi unsere Rostblättrige Alpenrose. Der Artbeiname „Rostrot“ rührt von einem Merkmal der Laubblätter her, die unterseits im Alter durch Schuppenhaare rostbraun gefärbt sind. Im Gegensatz dazu ist die Laubblattunterseite der Behaarten Alpenrose grün und die Blattränder sind deutlich bewimpert. Die purpurroten Blüten des Almrauschs erscheinen zwischen Juni und August in dichten Blütenständen. Danach reifen in holzigen Kapselfrüchten die Samen heran, welche schließlich durch den Wind verbreitet werden. Im Winter benötigen die Pflanzen eine schützende Schneedecke, um nicht zu erfrieren bzw. zu vertrocknen. Blätter, Früchte, Blüten und sogar der Nektar der Rostblättrigen Alpenrose enthalten giftige Inhaltsstoffe (Andromedoxin, Arbutin, Ursolsäure, Rhododendrin). Als „Folia et stipites Rhododendriferruginei“ wurde sie früher als offizielle Arzneipflanze eingesetzt. Heute wird sie aufgrund ihrer Giftigkeit nur mehr homöopathisch bei Gicht- und Rheumaschmerzen verwendet. Der botanische Name „Rhododendron“ kommt übrigens vom griechischen „Rosenbaum“ (Rhodon = Rose und Dendron = Baum). Die weißblühende Form unsere Pflanze gilt als besonders zauberkräftig. Sie zeigt Goldadern oder andere Schätze an, so heißt es.
Von Pionieren und Eroberern
Vielleicht nicht auf den ersten Blick erkennbar ist, dass die Rostblättrige Alpenrose ausgezeichnete Pionierfähigkeiten bei der Besiedelung von nährstoffarmen Rohhumusböden hat. So ist sie beispielsweise in der Lage Schutthalden zu überwuchern, loses Hangmaterial zu befestigen und den Untergrund für anspruchsvollere Pflanzen vorzubereiten. Während an solchen Standorten ihr großer ökologischer Nutzen klar im Vordergrund steht, kann sie auf Almweiden zu einem lästigen „Unkraut“ werden, da sie als starker Konkurrent zu den wertvollen Weidegräsern und -kräutern auftreten kann. Oftmals hilft schließlich nur mehr ein gelegentliches Schwenden der Gebüsche, um wieder ein für den Menschen zufriedenstellendes Gleichgewicht herzustellen. Immerhin dienen die Almrauschgebüsche auch als wertvoller Lebensraum für Kleinsäuger, Insekten und Spinnen und machen sie damit zum Jagdrevier für Vögel, wie z.B. die Schneefinken, die im Gebirge über der Waldgrenze leben. Die Blütenknospen dienen dem Schneehuhn als wichtige Winternahrung.
Manche haben sich vielleicht auch schon gefragt, was es denn mit den leuchtend roten „Rosenäpfeln“ auf sich hat, die im Herbst oft an den Almrauschbüschen zu beobachten sind. Sind das Früchte? Gehören die zur Pflanze? Nicht ganz, denn das sind Wucherungen, welche weder etwas mit Äpfeln noch mit Rosen zu tun haben. Auch sind es nicht die Früchte des Almrauschs – denn das sind, wie wir schon gehört haben, verholzte Kapseln. Urheber dieser sogenannten Gallen sind Pilze, die das Gewebe auf der Unterseite der Blätter oder im Blütenstand dazu bringen, sich in dieser Form zu verändern.
Schlehdorn
Der Schlehdorn (Prunus spinosa) ist ein Strauch oder auch kleiner Baum, der meistens rund 3 m hoch wird – manchmal auch höher – und ein Alter von bis zu 40 Jahren erreichen kann. Die Pflanze ist sommergrün, sehr dornenreich mit einem stark verästelten Erscheinungsbild. Die Rinde ist dunkel, fast schwarz, bei jüngeren Trieben rotbraun. Die wechselständigen Laubblätter stehen an 2 – 10 mm langen Blattstielen und sind 2 – 5 cm lang; die Breite liegt bei 1 – 2 cm. Die Form der Blätter ist verkehrt-eiförmig, der Rand ist fein gezähnt. Am Grund der Blattspreite befinden sich Nektardrüsen. Die weißen Blüten sind fünfzählig und zwittrig, ihr Durchmesser beträgt etwa 1,5 cm und sie haben einen charakteristischen Mandelduft. Die Blütezeit ist im März und April, vor dem Blattaustrieb.
Die blauschwarzen, bereiften Steinfrüchte sind kugelig bis schwach elliptoid mit einem Durchmesser von 6 – 18 mm. Das grüne Fruchtfleisch löst sich nicht vom Kern und ist sehr sauer und herb; erst nach dem ersten Frost wird es schmackhafter. Die Fruchtreife ist ab Oktober und November, die Früchte bleiben den Winter über am Strauch. Der Schlehdorn ist in Europa, Vorderasien und Nordafrika heimisch. Er wächst an sonnigen Standorten wie Weg- und Waldrändern sowie felsigen Hängen und ist als Heckenpflanze weit verbreitet. Er mag eher kalkhaltige oft auch steinige Böden und besiedelt Höhenlagen von bis zu 1.600 m.
Der Name ist wahrscheinlich auf die Farbe der Früchte zurückzuführen; (S)li bedeutet „bläulich“. Die Schlehe zählt zu den wichtigsten Wildsträuchern für Tiere. Die Blüten geben Nektar für Insekten; die Blätter dienen verschiedenen Schmetterlingsraupen und Käfern als Nahrung. Die Früchte werden von Vögeln gefressen und das Gebüsch selber bietet Tieren Schutz und Nistplatz. Die langen Dornen schützen die Schlehe vor größeren Pflanzenfressern. Die Früchte werden erst nach dem ersten Frost geerntet, da durch die Kälteeinwirkung die bitter schmeckenden Gerbstoffe zum Teil abgebaut werden. Der Schlehdorn ist ein Wurzelkriechpionier; die weitreichenden Wurzeln bilden Schösslinge, sodass oft dichte, undurchdringliche Schlehenhecken entstehen.
Früher wurde mittels der Schlehe das Wetter bzw. der beste Erntezeitpunkt für Getreide bestimmt. Es wurden die Tage zwischen dem Aufblühen der Schlehe und dem Georgi-Tag (23. April) gezählt und so der Erntetermin um den Jakobi-Tag (25. Juli) errechnet.
Sumpfporst
Der Sumpfporst (Rhododendron tomentosum) ist ein mehrjähriger Strauch, dessen Zweige rostbraun und filzig behaart sind. Die Blätter sind immergrün und lanzettförmig, am Rand eingerollt und auf der Unterseite rotbraun. Er kann eine Höhe von 50 bis 150 cm erreichen. Die Blüten sind weiß und in Dolden am Ende der Zweige angeordnet. Die Blütezeit ist zwischen Mai und Juni. Aufgrund ätherischer Öle verbreitet der Strauch einen balsamterpentinartigen Geruch.
Die Pflanze kommt auf sauren, sumpfigen Magerböden vor, besonders in Hoch- und Übergangsmooren. Von der Bronzezeit bis in die frühe Neuzeit wurde er wegen seiner berauschenden Wirkung als Brauzusatz verwendet. Der Sumpfporst ist ein eiszeitliches Relikt und steht in vielen Ländern auf der Roten Liste der gefährdeten Pflanzenarten.
Bäume
Bäume sind ausdauernde und verholzende Pflanzen, die eine dominierende Sprossachse (Stamm) ausbilden. Durch das sekundäre Dickenwachstum (Wachstum in die Breite) nehmen sie auch an Umfang zu. Sie bestehen aus Wurzel, Stamm und Krone.
In den österreichischen Naturparken kommen eine Vielzahl an Bäumen vor, so dass wir diesen eine eigene Seite gewidmet haben.
Hier geht es zu den Bäumen in den österreichischen Naturparken.