Schutz für Nachtlandschaften
Lichtverschmutzung stoppen
Die zunehmende Lichtverschmutzung stellt eine ernstzunehmende Bedrohung für die Nachtlandschaften und somit auch für die nachtaktive Biodiversität in Österreichs Naturparken dar. Künstliches Licht in der Nacht kann den natürlichen Rhythmus von Tier- und Pflanzenarten empfindlich stören, ihre Lebensräume beeinträchtigen und das ökologische Gleichgewicht aus der Balance bringen.
Das 5-Maßnahmen-Modell
Dieses Modell umfasst die Bereiche Beleuchtungsstrategie, Inklusion der Naturnacht in den Naturpark-Managementplan, Sensibilisierung und Öffentlichkeitsarbeit, ein kontinuierliches Messprogramm sowie die Etablierung von Nachtlandschaftsschutzgebieten. Durch die Umsetzung dieser fünf Maßnahmen können Naturparke einen wichtigen Beitrag zum Schutz der natürlichen Dunkelheit in ihren Regionen leisten und das Bewusstsein für die Bedeutung einer intakten Nachtlandschaft schärfen.
Für jede Maßnahme werden konkrete Handlungsempfehlungen dargestellt, die auch in drei Kategorisierungen nach Impact/Aufwand bewertet werden. Je nach vorhandenen Ressourcen bzw. Möglichkeiten können die vorgeschlagenen Inhalte eine Hilfestellung für die Erarbeitung von Strategien bieten.
1. Beleuchtungsstrategie
Beleuchtungsstrategie
Der erste Schritt für Naturparke, um aktiv gegen Lichtverschmutzung vorzugehen, ist die Entwicklung einer umfassenden Beleuchtungsstrategie. Hierbei geht es darum, im eigenen Bereich sowie in enger Zusammenarbeit mit den betroffenen Gemeinden einen Licht-Management-Plan (LMP) zu erarbeiten.
Dieser Plan sollte als schriftliches Leitbild dienen und verbindliche Richtlinien für den Einsatz von Außenbeleuchtung im Naturpark und den angrenzenden Ortschaften festlegen. Zu den Kernelementen eines solchen LMP gehören beispielsweise Vorgaben zur Abschirmung von Leuchten, um Streulicht zu minimieren, sowie Empfehlungen für warmweißes Licht mit geringen Blauanteilen. Auch die Definition von Betriebszeiten, nach denen die Beleuchtung reduziert oder ganz abgeschaltet wird, ist ein wichtiger Aspekt.
Zusätzlich sollte der Plan Maßnahmen zur Lenkung von Besucherströmen und Regelungen für temporäre Beleuchtungsanlagen, etwa bei Veranstaltungen, enthalten. Ein mehrstufiger Zeitplan, der kurzfristige (5 Jahre) und langfristige (10+ Jahre) Ziele definiert, hilft bei der schrittweisen Umsetzung der Strategie. Naturparke können hier eine koordinierende Rolle einnehmen und die Gemeinden dabei begleiten, ihre Beleuchtung nach den Kriterien des LMP zu optimieren. Die Grundlage für eine solche Beleuchtungsstrategie kann variieren und schlägt sich im Impact/Aufwand nieder.
hoher Impact & Aufwand
- Kriterien von ÖNORM O 1052 sowie von Nachtlandschaftsschutzgebieten als Grundlage für Beleuchtungsstrategien und LMPs (Naturpark -> Dark Sky Parks; Gemeinden -> Dark Sky Communities)
- Miteinbeziehung von Besucherlenkung, Öffentlichkeitsarbeit und Kooperationen
- Entwicklung einer Zukunftsplanung
- Verabschiedung von Gemeinderatsbeschlüssen
mittlerer Impact & Aufwand
- Grundlage eines LMP ist die ÖNORM O 1052; wo möglich werden einzelne Verschärfungen getroffen, speziell nahe und in ökologisch sensiblen Gebieten
- Zukunftsplanung und Unterstützungserklärungen
geringer Impact & Aufwand
- ÖNORM O 1052 als Grundlage für die technische Nutzung von Außenbeleuchtung in Naturparken und Gemeinden
2. Inklusion der Naturnacht in Managementplan
Inklusion der Naturnacht in Managementplan
Um dem Schutz der natürlichen Dunkelheit einen angemessenen Stellenwert einzuräumen, ist es für Naturparke von zentraler Bedeutung, die Thematik der Naturnacht sowie die Wichtigkeit eines natürlichen Nachthimmels fest in ihren Managementplänen zu verankern. Dies beginnt mit einem klaren Bekenntnis zum Wert der Nacht als schützenswertes Gut und der Aufnahme entsprechender Ziele in das Leitbild des Naturparks. Konkret kann dies bedeuten, dass der Naturpark sich verpflichtet, durch gezielte Bildungsarbeit das Bewusstsein für die Bedeutung der Nacht zu stärken, die Auswirkungen von Lichtverschmutzung zu thematisieren und für einen verantwortungsvollen Umgang mit künstlicher Beleuchtung zu werben.
Auch die Gründung einer eigenen Arbeitsgruppe, die sich speziell mit Fragen der Nachtökologie und des Lichtmanagements befasst, kann ein wichtiger Schritt sein. Diese Gruppe kann Expert*innenrunden organisieren, Handlungsempfehlungen erarbeiten und die Umsetzung von Maßnahmen begleiten. Ein weiterer Baustein ist die Integration der Naturnacht in die Öffentlichkeitsarbeit des Naturparks, etwa durch spezielle Führungen, Vorträge oder Ausstellungen. Auch die Kooperation mit externen Partnern, wie Universitäten, Forschungseinrichtungen oder Naturschutzverbänden, kann helfen, das Thema voranzubringen und wertvolles Fachwissen einzubinden.
hoher Impact & Aufwand
- Bildung einer Arbeitsgruppe zur Erarbeitung von Konzepten und Handlungsoptionen für die Management-Planung des Naturparks
- Planung einer wiederkehrenden Öffentlichkeitsarbeit und von Sensibilisierungsmaßnahmen
- laufende Kooperationen mit Vereinen und Organisationen zu Forschung, Kommunikation, Entwicklung, Technik etc. hinsichtlich der Thematik
- Planung von Bildungsangeboten in Naturpark-Schulen
mittlerer Impact & Aufwand
- Öffentlichkeitsarbeit wie Vortragsabende oder Workshops zur Thematik
- Annahme der Thematik und Sensibilisierung durch Weitervermittlung von Information (z. B. Einladung von Expert*innen oder Verteilung von vorhandenen Materialien)
geringer Impact & Aufwand
- Inklusion der Thematik Lichtverschmutzung und Erhaltung der Naturnacht in die Statuen des Naturpark(vereins)
3. Sensibilisierung und Öffentlichkeitsarbeit
Sensibilisierung und Öffentlichkeitsarbeit
Naturparke nehmen durch ihre umfassenden nachhaltigen Tätigkeiten eine wertvolle Rolle in der Umweltbildung und der Sensibilisierung der Bevölkerung für Natur- und Umweltthemen ein. Im Kontext der Lichtverschmutzung bedeutet dies, dass sie aktiv über die Bedeutung der natürlichen Dunkelheit informieren und für einen bewussten Umgang mit der nächtlichen Beleuchtung werben können. Ein Ansatz hierfür ist die Entwicklung spezieller Bildungsprogramme und Veranstaltungsformate, die das Thema Nacht in den Fokus rücken. Denkbar sind geführte Nachtwanderungen, bei denen die Teilnehmer*innen die nächtliche Tier- und Pflanzenwelt entdecken und den Sternenhimmel beobachten können. Auch Aktionen, wie gemeinsames Insektenzählen bei Nacht oder die Suche nach Glühwürmchen können Begeisterung und Verständnis für die Nachtökologie wecken. Begleitend dazu empfiehlt sich die Erstellung von Informationsmaterialien, wie Broschüren, Faltblätter oder Schautafeln, die anschaulich über das Thema Lichtverschmutzung aufklären und konkrete Tipps für eine nachtgerechte Außenbeleuchtung geben. Auch die gezielte Ansprache von Multiplikatoren, wie Schulen, Vereine oder touristische Anbieter, kann dazu beitragen, das Bewusstsein für den Schutz der natürlichen Nacht zu schärfen und die Akzeptanz für entsprechende Maßnahmen zu erhöhen.
hoher Impact & Aufwand
- kontinuierliche Abhaltung von öffentlichen Veranstaltungen zur Nachtnatur und nachtaktiven Biodiversität
- Entwicklung von digitalen Inhalten und Druckmaterial zur Thematik speziell für den Naturpark
- Forschungsprojekte und gezielte Wissenschaftskommunikation zu Naturpark-spezifischen Inhalten (z. B. konkrete nachtaktive Tiere im Gebiet)
mittlerer Impact & Aufwand
- Veranstaltungen zur Naturnacht wie Nachtwanderungen oder Himmelsbeobachtungen
- Auflegen bestehender Drucksorten (z. B. Leitfaden Außenbeleuchtung)
geringer Impact & Aufwand
- Verlinkung von Inhalten zur Lichtverschmutzung und Naturnacht auf der Website des Naturparks
4. Kontinuierliches Messprogramm
Kontinuierliches Messprogramm
Um die Entwicklung der Lichtverschmutzung im Naturpark und den umliegenden Gebieten objektiv bewerten zu können, ist die Etablierung eines kontinuierlichen Messprogramms unerlässlich. Durch regelmäßige bodennahe Messungen der Himmelshelligkeit sowie der Lichtimmissionen lassen sich Trends erkennen,
und mögliche Problemstellungen identifizieren. Für ein aussagekräftiges Monitoring empfiehlt sich eine Kombination aus fest installierten Messgeräten, die dauerhaft Daten erfassen, und mobilen Instrumenten, mit denen gezielte Stichprobenmessungen durchgeführt werden können. Die Auswahl der Messtechnik sollte in Abstimmung mit Fachleuten erfolgen, um eine hohe Datenqualität und Vergleichbarkeit zu gewährleisten. Wichtig ist, dass die gewonnenen Informationen nicht nur intern ausgewertet, sondern auch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Die regelmäßige Veröffentlichung von Messergebnissen in Form eines jährlichen Lichtberichts und/oder einer interaktiven, digitalen Karte schafft Transparenz und ermöglicht es den Bürger*innen, sich über die Situation vor Ort zu informieren. Gleichzeitig können die Daten wertvolle Hinweise liefern, um die
zu überprüfen und das Lichtmanagement kontinuierlich zu optimieren.
hoher Impact & Aufwand
- Kooperation mit Fachleuten zur Installation von Lichtmessinstrumenten und weiteren möglichen Messungen
- kontinuierlich und saisonal variierende, mobile Messungen der Nachthimmelshelligkeit über dem Gebiet (zusätzlich zu wiederkehrenden Auswertungen eines permanent agierenden Lichtmessinstruments)
- Tätigen von Messungen, die den gesamten Himmel aufnehmen (z. B. DSLR-Fotos)
- Miteinbeziehung von atmosphärischen Effekten in Auswertungen (Luftgüte)
- grobe Inventarisierung von Lichtquellen in Naturpark und Gemeinden
mittlerer Impact & Aufwand
- kontinuierliche Quantifizierung der umliegenden Gemeinden sowie der Naturpark-Fläche hinsichtlich Lichtimmissionen (welche Gemeinden haben wie viele Immissionen, welche dimmen bzw. schalten nachts ab etc.)
geringer Impact & Aufwand
- grobe Lichtinventarisierung im Naturpark Überblick durch öffentlich zugängliche Satellitendaten
5. Nachtlandschafts-Schutzgebiete
Nachtlandschafts-Schutzgebiete
Eine besonders effektive Möglichkeit, um die natürliche Dunkelheit langfristig zu bewahren, ist die Ausweisung von speziellen Nachtlandschaftsschutzgebieten. Naturparke nehmen hier eine Vorreiterrolle ein und können sich um eine entsprechende Zertifizierung bemühen, beispielsweise als International Dark Sky Park. Die Kriterien für diese Auszeichnungen sind anspruchsvoll und verlangen ein umfassendes Konzept zum Schutz des Nachthimmels, das weit über die Grenzen des Naturparks hinausreicht. Dafür bietet eine Zertifizierung aber auch große Chancen: Neben dem verbesserten Schutz für lichtempfindliche Arten und Lebensräume kann sie den Naturpark als Destination für einen sanften, naturnahen Tourismus etablieren und zur regionalen Wertschöpfung beitragen. Sie unterstreicht das Engagement des Parks für einen verantwortungsvollen Umgang mit der Nacht und trägt dazu bei, das Thema Lichtverschmutzung stärker ins Bewusstsein von Politik und Gesellschaft zu rücken.
Es gibt verschiedene internationale Organisationen, die sich dem Schutz des Nachthimmels und der natürlichen Nachtlandschaft verschrieben haben. Hierzu zählen DarkSky International aus den USA, die Royal Astronomical Society of Canada (RASC) und die UNESCO Starlight Initiative mit Sitz auf den Kanarischen Inseln. Durch spezielle Programme und Auszeichnungen fördern sie einen bewussten Umgang mit künstlicher Beleuchtung, um den Lebensraum nachtaktiver Tiere zu schützen, Energie zu sparen und die Bevölkerung für den Wert eines ungetrübten Sternenhimmels zu sensibilisieren.
hoher Impact & Aufwand
- Etablierung eines zertifizierten Gebietes, wie z. B. eines International Dark Sky Parks oder Community
- wo möglich, Etablierung höherer Schutzkategorien, wie z. B. eines International Dark Sky Reserve oder Sanctuary
mittlerer Impact & Aufwand
- Entwicklung selbst definierter Schutzzonen, die sich an den Richtlinien globaler Naturnachtgebiete orientieren
geringer Impact & Aufwand
- wo möglich, Minimierung von Lichtverschmutzung durch Anwendung von Kriterien zertifizierter Naturnachtgebiete
Webinarreihe zu Schutzgebieten
Lichtverschmutzung ist auch für Naturparke ein wichtiges Thema, bei dem sie etwas bewegen können. Die 3-teilige Webinar-Reihe „Nachtlandschaften in Naturparken“ mit dem Astrophysiker Dr. Stefan Wallner zeigt, was speziell von Naturpark-Managements getan werden kann. Die Inhalte reichen von technischen Standards und konkreten Handlungsempfehlungen über die gesetzliche Lage und Möglichkeiten zur Gemeindearbeit bis hin zur Bewusstseinsbildung in Naturpark-Region.