Zusammenfassung der

Masterarbeit

Christina Rittmannsperger

Die Relevanz von Fotografie im Naturschutz

Am Beispiel der Dokumentation von Renaturierungsprojekten als Kommunikationsmittel für die Öffentlichkeitsarbeit

Die Masterarbeit von Christina Rittmannsperger untersucht die Bedeutung von Fotografie im Naturschutz, mit besonderem Fokus auf die Dokumentation von Renaturierungsprojekten in Österreich für die Öffentlichkeitsarbeit. Ausgangspunkt war das 2024 verabschiedete EU- Renaturierungsgesetz, das erstmals verbindliche Ziele für die Wiederherstellung geschädigter Ökosysteme festlegt und damit einen wichtigen Schritt im europäischen Naturschutz darstellt. Vor diesem Hintergrund gewinnt die visuelle Dokumentation ökologischer Maßnahmen und Prozesse zunehmend an Bedeutung. Ziel der Arbeit war es, methodische Ansätze zu entwickeln, die komplexe ökologische Prozesse mithilfe der Fotografie sowohl für die breite Öffent- lichkeit verständlich als auch wissenschaftlich nachvollziehbar darstellen. Aufbauend auf wissenschaftlicher Recherche und empirischen Untersuchungen wurden die Ergebnisse in einer praxisorientierten Guideline zusammengeführt, die Fotograf*innen als Anleitung dient, um Renaturierungsprojekte fachgerecht zu begleiten, ökologische Veränderungen nachvollziehbar zu dokumentieren und die gesellschaftliche Akzeptanz sowie die ökologische und soziale Relevanz von Projekten transparent zu vermitteln.

Ein zentrales Ergebnis der Arbeit ist, dass Fotografie eine doppelte Funktion erfüllt: Sie dient einerseits als wissenschaftliches Dokumentationsinstrument, das ökologische Veränderungen systematisch und nachvollziehbar festhält, und andererseits als strategisches Medium der Um weltkommunikation, das komplexe Prozesse verständlich macht, emotionale Zugänge schafft und das gesellschaftliche Bewusstsein für Naturschutzmaßnahmen stärkt. Die Analyse von drei ausgewählten Renaturierungsprojekten anhand von Bildanalysen, Expert*inneninterviews und einer Online-Befragung zeigt, dass Fotografie besonders wirksam ist, wenn sie narrative Struk turen nutzt und visuelles Storytelling einsetzt. Durch Bildserien, Vorher-/Nachher-Vergleiche und zeitliche Abfolgen lassen sich langfristige Entwicklungen wie Vegetationswachstum, Rück kehr von Zielarten oder die Umgestaltung von Gewässern anschaulich darstellen, die einzelnen Momentaufnahmen entgehen.

Die Arbeit zeigt, dass die Effektivität fotografischer Dokumentation stark von Planung und Ziel definition abhängt. Bereits zu Projektbeginn sollten die Ziele der Aufnahmen, die Nutzung der Bilder und die Zielgruppen klar definiert werden, um wissenschaftliche Vergleichbarkeit und kommunikative Wirkung zu gewährleisten. Die kontinuierliche Begleitung von Projekten über deren gesamte Laufzeit ermöglicht eine nachvollziehbare Darstellung ökologischer Veränderun gen und erhöht die Aussagekraft der fotografischen Ergebnisse. Gleichzeitig erfordert dies eine enge Abstimmung mit den Projektpartner*innen sowie die Berücksichtigung ökologischer, ethi scher und rechtlicher Rahmenbedingungen, um den Schutz sensibler Lebensräume und geschützter Arten zu gewährleisten.

Ein weiteres zentrales Ergebnis betrifft die Zielgruppenorientierung und Bildsprache.

Für wissenschaftliche Zwecke stehen Genauigkeit, Vergleichbarkeit und Reproduzierbarkeit im Vordergrund, während die Öffentlichkeitsarbeit narrative Strukturen, visuelle Ästhetik und emotionale Ansprache benötigt. Die Arbeit zeigt, dass beides miteinander kombiniert werden kann, wenn Fotografie als visuelles Storytelling eingesetzt wird. Eine dramaturgisch aufgebaute Bildauswahl und begleitende Kontextinformationen erhöhen die Verständlichkeit komplexer ökologischer Prozesse, fördern die Identifikation der Öffentlichkeit und steigern die Wertschät zung für Renaturierungsmaßnahmen.

Die empirischen Untersuchungen bestätigen zudem, dass methodische Vielfalt die Wirksamkeit der Dokumentation erhöht. Bildserien, Serienaufnahmen über längere Zeiträume sowie pers pektivische Aufnahmen aus unterschiedlichen Blickwinkeln ermöglichen es, sowohl räumliche als auch zeitliche Dimensionen ökologischer Entwicklungen sichtbar zu machen. Diese Ansätze liefern wertvolle Daten für wissenschaftliche Auswertungen, Monitoring und Evaluierung, wäh rend sie gleichzeitig die Kommunikation gegenüber der Öffentlichkeit unterstützen. Persön liche Geschichten von Projektbeteiligten oder Gemeinden verstärken die emotionale Bindung und fördern die gesellschaftliche Akzeptanz der Maßnahmen.

Ein wesentliches Ergebnis der Arbeit ist außerdem, dass die fotografische Begleitung von Re naturierungsprojekten hohe fachliche Anforderungen stellt. Sie sollte ausschließlich von pro fessionellen Fotograf*innen durchgeführt werden, die ökologische Grundkenntnisse, ethische Sensibilität, technisches Know-how und narrative Kompetenz miteinander verbinden können. Nur so lassen sich wissenschaftliche Genauigkeit, ästhetische Qualität und erzählerische Kraft erfolgreich vereinen.

Die Arbeit zeigt, dass die Potenziale fotografischer Dokumentation im Naturschutz noch nicht ausgeschöpft sind. Zukünftige Forschung könnte neue Technologien wie KI-gestützte Analysen, automatisierte Mustererkennung oder satellitengestützte Daten mit klassischer Fotografie kombinieren, um ökologische Veränderungen präziser zu erfassen. Partizipative Ansätze wie Citizen-Science-Projekte bieten die Chance, die Datengrundlage zu erweitern und die lokale Identifikation mit Renaturierungsprojekten zu stärken. Auch die langfristige Wirkung fotografi scher Narrative in unterschiedlichen medialen Kontexten sowie interdisziplinäre Kooperationen zwischen Fotografie, Umweltpsychologie und Kommunikationswissenschaft sind vielverspre chende Forschungsfelder. Fotografie erweist sich im Naturschutz als gestaltendes Medium, das wissenschaftliche Dokumentation und Umweltkommunikation verbindet, ökologische Prozesse transparent macht und gesellschaftliche Unterstützung stärkt. Sie bleibt ein zentrales Werk zeug, das Forschung, Politik und Öffentlichkeit zusammenführt und die Wahrnehmung von Naturschutzmaßnahmen nachhaltig prägt. 

Hard Facts

  • Name: Christina Rittmannsperger
  • Universität: University of Applied Sciences St. Pölten
  • Studiengang: Digital Design
  • Titel der Masterarbeit: Die Relevanz von Fotografie im Naturschutz: Am Beispiel der Dokumentation von Renaturierungsprojekten als Kommunikationsmittel für die Öffentlichkeitsarbeit

Die Masterarbeit kann hier heruntergeladen werden: PDF-Download (10,2 MB)

© envato: anatoliy_gleb
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