Zusammenfassung der

Masterarbeit

Andreas Häusler

Die Auswirkungen natürlicher Störungen auf die Vegetation von (Halb-) Trockenrasen im Nationalpark Thayatal

Hintergrund und Ausgangssituation
Trockenrasen und Halbtrockenrasen zählen zu den artenreichsten und zugleich gefährdetsten Lebensräumen Mitteleuropas. Im Nationalpark Thayatal nehmen sie nur etwa ein Prozent der Gesamtfläche ein, stellen jedoch ein überaus wertvolles Schutzgut dar. Aufgrund ihrer speziellen Standortbedingungen und ihrer hohen Biodiversität sind sie besonders empfindlich gegenüber äußeren Einflüssen. In den letzten Jahrzehnten haben sowohl der Rückgang traditioneller Landnutzung als auch zunehmende Wildtierdichten und klimatische Veränderungen zu einer deutlichen Veränderung dieser Lebensräume geführt. Insbesondere Moose und Flechten (sogenannte Kryptogamen) reagieren empfindlich auf Störungen und sind gleichzeitig wichtige Bioindikatoren für Habitatqualität.

Zielsetzung der Arbeit
Ziel der vorliegenden Masterarbeit war es, die Auswirkungen natürlicher Störungen auf die Vegetation von Trocken- und Halbtrockenrasen im Nationalpark Thayatal systematisch zu untersuchen. Im Mittelpunkt standen dabei biotische Störungen – etwa durch Wildschweine, Rehe,
Mäuse oder Ameisen – sowie abiotische Prozesse wie Kryoturbation (Bodenbewegungen durch Gefrieren und Auftauen). Besonderes Augenmerk wurde auf die Reaktion von Kryptogamen gelegt, da diese in bisherigen Untersuchungen häufig vernachlässigt wurden. Darüber hinaus wurde die Verteilung der Sporengrößen von Moosen als ökologischer Indikator für Ausbreitungsstrategien und Anpassungsfähigkeit herangezogen.

Methodisches Vorgehen
Für die Studie wurden zwei Standorte im Nationalpark ausgewählt. Auf insgesamt 60 Teilflächen wurden im Zeitraum von Mai 2023 bis Mai 2024 in regelmäßigen Abständen Vegetationsaufnahmen durchgeführt. Neben der prozentuellen Erfassung von Pflanzendeckung und Artenzusammensetzung wurden auch phänologische Daten (z. B. Blütezeit) erhoben. Zudem wurden alle beobachteten Störungen genau dokumentiert. Ergänzend flossen mikroklimatische Daten sowie Wetterdaten der GeoSphere Austria in die Auswertung ein.
Besondere Aufmerksamkeit galt dabei Flächen, die gezielt durch künstliche Wildschweinstörungen (experimentell nachgestellt) verändert wurden, um natürliche Sukzessionsprozesse direkt beobachten zu können. Die erhobenen Daten wurden statistisch ausgewertet und mit Ergebnissen einer parallelen Studie zu anthropogenem Betritt verglichen.

Ergebnisse und Erkenntnisse
Im Verlauf des Untersuchungsjahres konnten 43 Gefäßpflanzen- und 45 Kryptogamenarten nachgewiesen werden – ein deutliches Zeichen für die hohe Biodiversität der untersuchten Flächen. Die Auswirkungen der Störungen zeigten sich differenziert: Tierische Störungen, insbesondere durch Wühltätigkeiten, führten häufig zu deutlichen Rückgängen in der Vegetationsbedeckung. Bei den beobachteten Wühlaktivitäten wurde ein Rückgang von rund einem Drittel sowohl bei Gefäßpflanzen als auch bei Moosen festgestellt. Witterungsbedingte Störungen wie Kryoturbation hatten hingegen oftmals neutrale oder sogar positive Effekte. In mehreren betroffenen Flächen nahm die Vegetationsbedeckung nach frostbedingten Bodenbewegungen zu. Die Analyse der Sporengrößen ergab, dass in gestörten Flächen vor allem Moosarten mit kleinen Sporen dominieren – ein Hinweis auf deren größere Mobilität und Fähigkeit zur schnellen Wiederbesiedlung. Die Studie zeigt, dass natürliche Störungen keine rein negativen Einflüsse darstellen, sondern vielmehr wichtige Impulse für die Vegetationsdynamik liefern können. Die Reaktion der Vegetation war dabei stark abhängig von Art, Intensität und Zeitpunkt der Störung.

Hard Facts

  • Name: Andreas Häusler, BSc
  • Universität: Universität Wien 
  • Studiengang: Naturschutz und Biodiversitätsmanagement
  • Titel der Masterarbeit: Die Auswirkungen natürlicher Störungen auf die Vegetation von (Halb-)
    Trockenrasen im Nationalpark Thayatal

Die Masterarbeit kann hier heruntergeladen werden: PDF-Download (2,2 MB)

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