Säugetiere in den Österreichischen Naturparken
Säugetiere zählen zur Klasse der Wirbeltiere. Namengebend und kennzeichnend ist das Säugen des Nachwuchses mit Milch. Säugetiere haben (zumindest in der embryonalen Entwicklung) ein Fell und eine gleichwarme Körpertemperatur, was sie von der Umgebungstemperatur zum größten Teil unabhängig macht.
Exklusivmerkmale, abgesehen vom Säugen, sind Gehörknöchelchen, die die Schwingungen des Trommelfells ans Gehirn weiterleiten, und ein Zwerchfell, das Brust- und Bauchraum voneinander trennt. Der Körperbau ist als Anpassung an die jeweiligen Lebensbedingungen sehr vielfältig – von der Maus bis zum Elefanten ist alles dabei.
Alpensteinbock
Der Alpensteinbock, ein äußerst gewandter Felskletterer, war im Mittelalter als „kletternde Apotheke“ bekannt und heiß begehrt unter Wilderern. Ausgerottet und wiedereingebürgert – eine Leidensgeschichte von Kopf bis Fuß – mit Happy End?
Die kletternde Apotheke
Heute ist der Alpensteinbock den meisten Alpenbewohnern ein Begriff, aber an seine Berühmtheit im Mittelalter kommt er nicht mehr heran – Gott sei Dank, denn als Hauptlieferant von Magensteinen, den so genannten Bezoaren, wurde er enorm stark bejagt und in den Ostalpen sogar gänzlich ausgerottet. Im Mittelalter wurden dem Bezoar heilkräftige und magische Wirkungen nachgesagt und als Arznei etwa gegen Pest, Fieber, Epilepsie und Seitenstechen eingesetzt.
Aber nicht nur die Bezoare erfreuten sich großer Beliebtheit, in den Ostalpenländern wurde bevorzugt das Horn des Alpensteinbocks für die Zubereitung von Arzneien verwendet, in der Schweiz und in Westeuropa wiederum das Blut. Sogar Losung, Fett, Haut, Herz, Hoden usw. wurden verarbeitet und für Heilzwecke verwendet. Die Beschaffenheit seiner Hörner machte den Alpensteinbock nicht nur für medizinische Zwecke höchst beliebt, sondern auch für die Hornschnitzerei. Gegenstände, wie Becher, Dosen, Kelche und Anhänger, ab dem Mittelalter hergestellt für Klerus und Adel, haben die Zeit überdauert und existieren zum Teil heute noch. Bereits im 17. Jahrhundert wurde der Schwund der Alpensteinböcke registriert und man versuchte über drakonische Strafen für Wilderei diesen einzudämmen, leider erfolglos. In den Alpen starb das Tier gänzlich aus.
Erste Einbürgerungsversuche ab dem 18. Jahrhundert vom Appenin (Gebirge in Mittelitalien) aus blieben leider hinter den Erwartungen zurück, zumindest in Österreich. Erst ab 1924 konnten erste neue österreichische Kolonien in Salzburg und der Steiermark begründet werden. Die Einbürgerung wurde weiter ausgedehnt und heute leben wieder rund 4.000 Tiere in Österreich.
König der Alpen
Der europaweit geschützte Alpensteinbock ist ein echter Kletterexperte und bewohnt Höhenbereiche zwischen 1.300 m und 3.000 m Seehöhe. Er ist ein Sonnenliebhaber und mag es gerne warm und trocken. Im Sommer hält er sich gerne auf südexponierten Rasen- und Felshängen auf, wo auch die Spinnweb-Hauswurz zuhause ist. Für sein charakteristisches Fluchtverhalten, die Aufwärtsflucht, benötigt er Felswände, -klüfte oder -schluchten. Auch ein freier Rundblick ist ihm sehr recht.
An seine Wintereinstände stellt er weit spezifischere Ansprüche. Hier spielen Schneelage, Niederschlagsmenge, Hangneigung, Felsanteil und Bewaldungsgrad eine große Rolle. Sind die optimalen Lebensraumbedingungen nicht gegeben, fällt es ihm schwer, zu überleben. Er meidet besiedeltes und beweidetes Gelände, auf Almen ist er somit so gut wie nie zu bewundern. Hat er ein geeignetes Habitat gefunden, ist der Alpensteinbock ein geselliges Tier, allerdings mit klassischer Rollenverteilung. Die alten Böcke streifen einzeln umher, während die Geißen sich um den Nachwuchs kümmern und in einer Herde von 10-20 Tieren zusammenleben. Die männliche Jugend lebt in Junggesellenherden zusammen, bis für sie die Paarungsreife erreicht ist.
Der König der Alpen ist in ein felsiges Reich zurückgekehrt. Medizinische Wunder erwartet keiner mehr, Bewunderung ist angesagt.
Bechsteinfledermaus
Die Bechsteinfledermaus (Myotis bechsteinii) ist mittelgroß mit einer Flügelspannweite von 25 bis 30 cm und einem Gewicht von 7 bis 12 g. Sie hat auffällig lange Ohren. Das Rückenfell der erwachsenen Tiere ist rötlich-braun, das der Jungtiere hellgrau. Sie kann bis ca. 20 Jahre alt werden.
Strukturreiche Streuobstwiesen sind typische Jagdgebiete für die Bechsteinfledermaus. Streuobstwiesen stellen durch die Kombination von unterschiedlich alten Obstbäumen und einer extensiv genutzten Wiese einen besonders artenreichen Lebensraum dar. Es finden hier sowohl Bewohner lichter Wälder, als auch der offenen Kulturlandschaft Platz. Das reiche Nahrungsangebot lockt die verschiedensten Tiere in Streuobstwiesen, vor allem Insekten und andere Kleinlebewesen. Diese wiederum dienen vielen Vogelarten aber z.B. auch Fledermäusen als Nahrungsquelle.
Die Bechsteinfledermaus ist sehr standorttreu; die Sommer- und Winterquartiere liegen meist unter 50 Kilometer voneinander entfernt (Kurzstreckenwanderer). Als Sommerquartier werden Baumhöhlen, Stammanrisse und Fledermauskästen als Ersatzquartiere; als Winterquartier unterirdische Hohlräume (Höhlen, Stollen, Keller) sowie möglicherweise auch Baumhöhlen genutzt.
Die meist kleinen Wochenstubenkolonien umfassen ca. 30 Weibchen und ihre Jungtiere, eine Wochenstubenkolonie nutzt mehrere Baumhöhlen als Sommerquartier, ein häufiger Wechsel zwischen verschiedenen Tagesschlafplätzen ist typisch; die Männchen leben den Sommer über alleine oder in kleinen Gruppen. Die Bechsteinfledermaus ist eine in Österreich seltene Fledermausart. Sie ist in der Roten Liste Österreichs als „gefährdet“ eingestuft. In der FFH-Richtlinie ist sie in Anhang II und IV aufgeführt.
Eichhörnchen
Das Eichhörnchen (Sciurus vulgaris) ist an eine baumbewohnende und kletternde Lebensweise angepasst. Es hat ein Gewicht von ca. 200 bis 400 g, die Kopfrumpflänge beträgt 20 bis 25 cm. Der buschige Schwanz ist 15 bis 20 cm lang und dient als Kletter- und Balancierhilfe. Die Oberseitenfarbe variiert von Hellrot bis Braunschwarz; die Bauchseite ist weiß oder cremefarben. Das Winterfell ist dichter als das Sommerfell, zusätzlich haben sie im Winter bis zu 3,5 cm lange, rotbraune Ohrpinsel.
Das Eichhörnchen kommt in Laub- und Mischwäldern vor und fühlt sich auch in Parkanlagen und Gärten sehr wohl, solange genug Versteckmöglichkeiten existieren. Es hat zwei Paarungszeiten, eine im ausgehenden Winter mit Wurf im März oder April und eine im späten Frühjahr mit Wurf zwischen Mai und August. Es kommen
1 bis 6 Junge, die bei der Geburt, taub, blind und nackt sind, zur Welt.
Eichhörnchen gehören zu den Allesfressern. Ihre Nahrung variiert nach Jahreszeit von Beeren, Früchten und Samen über Knospen und Pilze bis hin zu Tieren, wie z.B. Würmern, Larven und Schnecken. Sie legen im Herbst Vorräte für den Winter an.
Ihre natürlichen Feinde sind Baummarder, Wildkatze, Uhu, Habicht und Mäusebussard. Den Greifvögeln können die Eichhörnchen häufig entkommen, indem sie in kreisenden Bewegungen um den Baumstamm herumlaufen.
Europäisches Ziesel
Das europäische Ziesel (Spermophilus citellus) ist ein gelb-braun-graues, mittelgroßes Nagetier. Es misst ohne den dicht behaarten, rund 5 bis 7 cm langen Schwanz etwa 20 cm. Je nach Jahreszeit wiegt es zwischen 200 bis 430 g. Charakteristisch ist das „Männchen-Machen“, das den Tieren eine bessere Übersicht gibt und das rechtzeitige Erkennen von Gefahren ermöglicht. Bei Gefahr geben die Tiere ihre typischen „Pfiffe“ ab.
Die Art ist in den pannonischen Grassteppen und den agrarisch geprägten Kultursteppen bis ins östliche Mitteleuropa verbreitet. Weide-, Mager- und Trockenrasen der Tief- und Hügelländer Ostösterreichs sind die wichtigsten Habitate für die heimischen Zieselbestände. Heute sind die Vorkommen auf die Reste ehemaliger Trockenrasen, wiesenartige Raine und Böschungen sowie auf Sekundärlebensräume wie Sport- und Golfrasen, Flugplätze, Kasernen- und Fabriksgelände zurückgedrängt.
Ziesel sind rein tagaktiv. Sie leben in Bauen: Der Dauerbau liegt bis zu 1 m tief, besteht aus mehreren Röhren und einem Nestraum und hat bis zu fünf Eingänge. Dort verbringen die Ziesel die Nacht und den Winter und ziehen ihre Jungen auf. Als Abort dient eine zweite Kammer oder ein blind endender Gang. Weiters werden Schutzbaue angelegt, die meist nur aus einfachen Röhren bestehen. In diese flüchten die Ziesel bei drohender Gefahr. Obwohl sie in Kolonien leben, besitzt jedes Tier seinen eigenen Bau.
Das Ziesel hält Winterschlaf und ist daher nur zwischen Mitte März und Ende September zu beobachten. Nach dem Winterschlaf erfolgt die Paarung. Die Jungen werden in der Nestkammer geboren und sind bei der Geburt nackt und blind. Sie wiegen nur etwa 6 g. Nur das Weibchen kümmert sich um die Jungenaufzucht. Die Wurfgröße beträgt zwischen 2 bis 10 Junge, die ca. 6 Wochen gesäugt werden.
Die Nahrung der Ziesel besteht vor allem aus Samen. Sein Name „Spermophilus“ bedeutet Samenfreund. Daneben werden auch Wurzelwerk, Zwiebel, Knollen, Gräser, Kräuter, aber auch Insekten und andere wirbellose Tiere gefressen. Über den Sommer müssen sich die Tiere eine bis zu 5 mm dicke Fettschicht anfressen von der sie während des Winterschlafs zehren.
Während des Winterschlafs sinkt die Körpertemperatur von 37 bis 38°C auf 6 bis 7°C ab. Vor rund 50 Jahren galt das Ziesel noch als Kulturschädling und es wurden „Schwoaferlprämien“ für jedes erlegte Ziesel ausbezahlt. Durch eine großräumige Lebensraumzerstörung ist das Ziesel aber heute stark bedroht und steht auf der Österreichischen Roten Liste und gehört nach europäischem Naturschutzrecht zu den streng zu schützenden Tierarten von gemeinschaftlichem Interesse.
Feldhase
Feldhasen (Lepus europaeus) haben ein Gewicht von ca. 3 bis 6 kg und eine Länge von bis zu 70 cm. Die Hinterfüße können rund 18 cm lang werden. Die Fellfarbe variiert von rostgelb bis rötlich-braun. Ihre Ohren sind blassgrau, haben aber an den Spitzen schwarze dreieckige Flecken. Zur Zeit der Fortpflanzung sind sie tagaktiv, ansonsten dämmerungs- und nachtaktiv. Feldhasen vermehren sich sehr schnell; sie haben 3 bis 4 Würfe pro Jahr mit jeweils 1 bis 5 Jungen.
Sie ernähren sich ausschließlich pflanzlich. Besonders gern verstecken sie sich im langen Gras der Wiesen. Sie halten sich überall dort auf, wo es für sie ein Versteck gibt. Dort bleiben sie auch bis man ihnen sehr nahe kommt, erst dann flüchten sie. Aufgrund der starken Intensivierung der Landwirtschaft ist der Bestand des Feldhasen in vielen Regionen Europas rückläufig.
Fischotter
Auf den ersten Blick erscheinen Fischotter verspielt und putzig. Wer genauer hinsieht, bemerkt aber schnell, dass diese Nachtschwärmer in vielerlei Hinsicht bemerkenswert sind: Fischotter sind großartige Schwimmer, die sich verspielt im Wasser wälzen, schlammige Uferböschungen hinab rutschen und pfeifen. Der Aufbau ihres Felles mit über 50.000 Haaren pro cm² lässt uns staunen, aber das ist noch lange nicht alles!
Apnoetaucher und Nachtschwärmer
Fischotter gehören, wie der Dachs, das Wiesel oder der Iltis, zur Familie der Marder – mit dem kleinen Unterschied, dass der Fischotter als Lebensraum das Wasser gewählt hat, die anderen marderartigen aber Landlebensräume bevorzugen. Der Wassermader, wie der Fischotter wegen seiner verwandtschaftlichen Beziehungen auch manchmal genannt wird, ist aus vielerlei Hinsicht ein wahrhaft bemerkenswertes Tier. Sein Fell ist ein „Hightech-Schutzanzug“, perfekt geschaffen für das Leben und Überleben im Wasser. Mit über 50.000 Haaren pro cm² besitzt der Fischotter eines der dichtesten Felle der gesamten Tierwelt. Der Mensch hat übrigens im besten Falle maximal 900 Haare pro cm² auf seinem Kopf, im Alter können es noch viel weniger werden. Nicht genug damit, sind die einzelnen Haare der Otter, wie bei einem Reißverschluss miteinander verzahnt. Das Fell ist dadurch superdicht und kein Wasser dringt bis zur Haut vor.
Während er schwimmt verfangen sich Luftbläschen zwischen den Haaren. Auch das hat seinen Sinn. Dadurch wird das Fell zu einem optimalen Wärmeschutz. Der Fischotter kann so, da er keinen Winterschlaf hält, sogar in kalten Wintern im Wasser herumschwimmen und auf Beutefang gehen. Dabei entpuppt er sich als wahrer Apnoe-Taucher. Bis zu 8 Minuten bleibt er, ohne einmal aufzutauchen und Luft zu holen, unter Wasser, um seiner Beute hinterher zu jagen. Dies tut er gewöhnlich in der Dunkelheit, wenngleich er auch selten tagsüber beobachtet werden kann. Bevorzugt besteht seine Beute aus Fisch, aber sein Speiseplan sieht auch Frösche, Wasservögel, Nagetiere bis zur Größe der Bisamratte, Krebse und dann und wann auch Schlangen vor.
Fischotter in Oberssauce
Der Fischotter bewohnt alle Arten von Süßwasserlebensräumen. Besonders wohl fühlt er sich in Fließgewässern und Auen mit einer reichen Fischfauna. Ohne einer entsprechenden Dichte an Beute kann er seinen lebhaften, quirligen Lebensstil nicht aufrechterhalten. Denn allzu bald würde der Verlust an Energie den Gewinn an Nahrung übersteigen. Deswegen geht er bei der Jagd auch besonders effizient vor. Er versucht mit kleinstmöglichem Aufwand viel Beute zu machen. Sein Hauptaugenmerk liegt dabei auf kranken und geschwächten Tieren. Diese sind leichter zu erhaschen und deswegen ein lohnenswerter Fang. Dadurch spielt der Otter in natürlichen, ökologisch ausgewogenen Lebensräumen, eine wichtige Rolle bei der Gesunderhaltung der Fischbestände.
In der Vergangenheit galt der Otter bei uns als nahezu ausgestorben. Ein Grund dafür war die direkte Jagd des Menschen auf ihn. Schon im Mittelalter wurde ihm nachgestellt. Dem Fischotter wurde einfach der Status als Säugetier abgesprochen. Als „fischähnliches“ Wesen stellte er so eine perfekte, angeblich richtig zubereitet, wohlschmeckende Fastenspeise dar. „Pastete vom Fischotter“ oder „Fischotter in Oberssauce“ waren damals keine unüblichen Gaumenfreuden. Auch das Fell des Wassermarders war sehr beliebt und wurde hoch gehandelt. Flussverbauungen und die Beseitigung der Ufervegetation an Fließgewässern setzten ihm schwer zu und drängten den Otter mehr und mehr zurück.
Seit Ende der 1980er Jahre erholen sich die Bestände des Fischotters aufgrund von Artenschutzprojekten wieder. Auch die Verbesserung ihrer natürlichen Lebensräume durch den Wasserbau zeigte positive Auswirkungen auf den Otter. So fand dieses faszinierende Tier den Weg zurück in unsere heimische Landschaft.
Gämse
Ausgewachsene Gämsen (Rupicapra rupicapra) können eine Kopf-Rumpf-Länge von ca. 110 bis 130 cm und eine Widerristhöhe von 70 bis 85 cm erreichen. Das Gewicht der Weibchen liegt zwischen 25 und 40 kg, Männchen sind im Durchschnitt etwa 10 kg schwerer. Die Fellfarbe ist im Sommer schmutzig rotbraun und im Winter dunkelbraun mit weißem Bauch.
Gämsen kommen im gesamten Alpenraum in Herden von etwa 15 bis 30 Tieren vor. Sie mögen einen ungestörten Lebensraum, deshalb findet man sie auch in unzugänglichen Gebieten (Felsen etc.). Sie ernähren sich von Blättern, Kräutern und Gräsern, im Winter auch von Flechten und Moosen. Ende Mai oder Anfang Juni wirft die Gämse meist ein Junges, selten 2 oder 3, das drei Monate gesäugt wird. Die Geißen werden nach zwei Jahren geschlechtsreif.
Krainer Steinschaf
Krainer Steinschafe (Ovis orientalis aries) sind mittelgroß und feingliedrig, mit geradem Nasenprofil und kurzen waagrecht stehenden Ohren. Ihre grobe Wolle ist meist weiß oder schwarzbraun, seltener grau und gescheckt. Gesicht und Beine sind unbewollt, der Schwanz ist mit Wolle bedeckt. Die Tiere haben meistens keine Hörner, nur ca. 10% der Schafe und Widder tragen Hörner. Die Schafe erreichen ein Gewicht von 50 bis 60 kg, Widder 70 bis 80 kg.
Die Vegetationsperiode verbringen die Schafe auf der Weide, den Winter im Stall. Optimal ist eine extensive Weidehaltung ohne Kraftfutter.
Das Krainer Steinschaf ist traditionell ein Milchschaf mit asaisonalem Brunftzyklus. Die durchschnittliche Milchleistung liegt zwischen 300l und 500l. Durch die hervorragenden Muttereigenschaften sind die Tiere auch für die reine Mutterschafhaltung sehr gut geeignet. Drei Ablammungen in zwei Jahren sind möglich, Zwillinge sind häufig. Das ideale Erstablammalter liegt bei 16 bis 18 Monaten.
Das Krainer Steinschaf war einst im Dreiländereck Kärnten, Slowenien und Friaul weit verbreitet, wo es zur Milch- und Käsegewinnung gehalten wurde. Um die Milchleistung zu steigern wurde das Krainer Steinschaf in Slowenien ab den 1960er Jahren verstärkt mit dem Ostfriesischen Milchschaf gekreuzt. In einigen Gebieten ist es in seiner Reinform erhalten geblieben, wie etwa in den slowenischen Alpen im Gebiet des Triglav-Nationalparks. Dort wurden 1986 noch reinrassige Schafe gefunden, von denen einige 1988 und 1991 nach Österreich importiert wurden. 1992 erfolgte die Anlegung eines Herdenbuchs. Seit 1995 ist das Krainer Steinschaf als „hochgefährdet“ im ÖPUL-Programm verankert.
Luchs
Der eurasische Luchs (Lynx lynx) hat eine Körperlänge von 80 bis 120 cm und eine Schulterhöhe von 50 bis 70 cm. Männchen wiegen zwischen 20 und 25 kg, Weibchen zwischen 15 und 20 kg. Das Fell ist braun mit dunklen Flecken, die Körperoberseite ist im Sommer rötlich bis gelbbraun, während des Winters grau bis graubraun.
Die Tiere leben als Einzelgänger, die vor allem in der Dämmerung und nachts jagen. Während des Tages ruhen Luchse in ihren Verstecken. Zu ihrer Nahrung zählen kleine und mittelgroße Säugetiere und Vögel. Ihr Lebensraum sind große Waldareale mit dichtem Unterholz. Die Paarungszeit liegt zwischen Februar und April. Nach einer Tragzeit von 73 Tagen kommen 2 bis 5 Junge zur Welt. Das Tier steht unter Artenschutz.
Merinoschaf
Merinoschafe (Ovis orientalis aries) werden besonders wegen ihrer Wolle gezüchtet, aber auch die Fleischgewinnung spielt bei der Haltung eine große Rolle. Sie erreichen ein Alter von 10 bis 12, maximal 20 Jahren. Das männliche Tier nennt man Bock oder Widder, das weibliche wird als Mutterschaf, Au, Aue oder Zibbe bezeichnet. Die Tragzeit der Schafe beträgt ca. 5 Monate und es werden durchschnittlich ein bis zwei Lämmer geworfen.
Von Frühling bis Herbst grasen die Schafe auf den Trockenrasen, dabei wechseln sie den Standort immer wieder. Die Schafe werden häufig eingesetzt, um die Verbuschung zu verhindern, die Vegetation kurz zu halten und damit den typischen Trockenrasen zu erhalten.
Murmeltier
Murmeltiere (Marmota marmota) haben eine Körperlänge von ca. 50 cm zzgl. eines 15 cm langen Schwanzes und wiegen ca. 8 kg. Der Pelz ist dicht und grau in unterschiedlichen Farb- und Helligkeitsvarianten, der braune Schwanz buschig behaart mit schwarzem Farbtupfer am Ende. Sie haben vier große Nagezähne, die das ganze Leben nachwachsen.
Sie leben in Kolonien auf tiefgründigen Almen und Weiden im Gebirge, wo sie weitläufige Baue anlegen können. Sie fressen hauptsächlich Gräser und Kräuter und halten sechs Monate Winterschlaf. Murmeltiere besitzen Drüsen, mit deren Ausscheidungen Artgenossen erkannt und Kolonien abgegrenzt werden.
Reh
Ausgewachsene Rehe (Capreolus capreolus) haben eine Körperlänge von 93 bis 140 cm und erreichen eine Schulterhöhe zwischen 54 und 84 cm. Sie wiegen je nach Ernährungszustand zwischen 11 und 34 kg. Das Haarkleid ist im Sommer auf der Körperoberseite und den Außenseiten des Körpers glänzend, wobei die Färbung individuell von einem dunklen Braunrot bis zu einem Fahlgelb variieren kann. Die Innenseite der Läufe und der Unterbauch sind heller und gelblicher. Der Übergang vom Sommer- zum Winterhaarkleid erfolgt im September und Oktober. Er verläuft zunächst unauffällig, weil die roten Sommerhaare das wachsende graue Winterhaar lange optisch überdecken.
In der ursprünglichen Waldlandschaft Europas besiedelte das Reh Waldlichtungen, Waldrandzonen sowie andere, unterwuchsreiche und baumarme Lebensräume. Rehe sind Wiederkäuer und werden als „Konzentratselektierer“ bezeichnet, da sie ausschließlich leicht verdauliche Nahrung bevorzugen. Grundsätzlich sind Rehe bestrebt, in dem Lebensraum zu bleiben, in dem sie geboren wurden.
Bei Rehen kommt es im Gegensatz zu anderen Hirscharten zur Keimruhe. Das befruchtete Ei entwickelt sich erst ab Dezember und führt in Mitteleuropa zur Geburt der Jungtiere (Kitze) vorwiegend im Mai und Juni des folgenden Jahres. Die Gesamttragezeit beträgt durchschnittlich 290 Tage oder 9,5 Monate.
Kitze, die von Menschen aufgezogen werden, können sich sehr problematisch entwickeln. Handaufgezogene Bockkitze, die nie mit Artgenossen spielten, entwickeln die gleichen Verhaltensmerkmale wie natürlich aufwachsende Kitze. Sie sind allerdings auf den Menschen geprägt und nehmen ihn auch als Kampfpartner an.
Rind
Die Hausrinder stammen vom Auerochsen ab und werden heute in vielfältigen Rassen gezüchtet. So gibt es spezielle Rassen für die Milchproduktion, andere geben mehr Fleisch. Rinder sind Wiederkäuer und können daher Milch und Fleisch aus Gras produzieren. Von Juni bis September grasen sie auf Almen und Weiden. Im Winter werden sie in Laufställen mit Heu und Silage gefüttert.
Rinder (Bos primigenius taurus) sind im Allgemeinen ungefährlich – sie greifen nur an, wenn sie sich oder ihre Kälber bedroht fühlen. Auf der Alm sind sie für die Offenhaltung der Flächen enorm wichtig, sonst würden unsere Almen auf Grund der Höhenlage bald mit Bäumen zuwachsen.
Rotfuchs
Das Fell ist oberseits rötlich, unterseits weiß, die unteren Teile der Beine sowie die Hinterseiten der Ohren sind schwarz. Das Körpergewicht der Männchen liegt zwischen 5,5 und 7,5 kg, und die Körperlänge bei 65 bis 75 cm. Weibchen sind etwas leichter und kleiner. Die Schwanzlänge variiert zwischen 35 und 45 cm.
Der Rotfuchs (Vulpes vulpes) stellt keine besonderen Anforderungen an seinen Lebensraum. Er kommt in Wäldern, Grasland, Äckern und sogar in Siedlungsgebieten vor. Die Beutetiere von Füchsen sind vorwiegend kleine Nagetiere, sie fressen aber auch Schnecken, Würmer und sogar Obst. Der Rotfuchs wird mit etwa 10 Monaten geschlechtsreif. Füchse paaren sich nur einmal im Jahr in der sogenannten Ranzzeit. Nach einer Tragzeit von ca. 50 Tagen gebiert das Weibchen, die Fähe, durchschnittlich vier bis sechs Junge.
Füchse leben meistens in umfangreichen Bauen, die sie entweder selber graben oder von Dachsen übernehmen. In sehr großen Bauen kommt es vor, dass Fuchs und Dachs gemeinsam darin leben.
Rothirsch
Der Rothirsch (Cervus elaphus) ist eines der größten an Land lebenden Säugetiere Mitteleuropas. Die voll entwickelte Geweihlänge liegt zwischen 90 und 120 cm, das Gewicht des Tieres zwischen 100 und 320 kg. Das Fell hat im Sommer eine helle kastanienbraune Farbe. Weibchen sind bedeutend kleiner als Männchen. Nur die männlichen Tiere tragen ein Geweih, das einerseits Waffe, andererseits Statussymbol ist.
Der natürliche Lebensraum dieser dämmerungs- und nachtaktiven Tiere ist der Wald. Rothirsche ernähren sich in erster Linie von Gras, aber auch von Baumrinde, Kräutern, Feldfrüchten etc. Männchen werden mit 5 bis 6 Jahren geschlechtsreif, Weibchen mit 2 bis 4 Jahren. Die Paarungszeit (Brunftzeit) ist im Herbst im September und Oktober – hier ertönt auch das kraftvolle „Röhren“ des Rothirsches. Die Hirsche verlassen die Weibchen, wenn die Brunft vorüber ist, und rotten sich für den Rest des Jahres zu „Junggesellen“-Rudeln zusammen. Die Trächtigkeitsdauer liegt bei durchschnittlich 235 Tagen. Die Jungen werden etwa 7 Monate gesäugt.
Wildschwein
Wildschweine sind seit geraumer Zeit österreichweit im Vormarsch. Aufgrund der Klimaerwärmung werden unsere Winter immer milder und kürzer und die Zeiten der Nahrungsknappheit nehmen ab. Infolgedessen kommt es zu einem Anwachsen der Bestände.
Vom „Brechen“ und „Rauschen“
Das Wildschwein, das aufgrund seines dunklen, fast schwarzen Fells auch als „Schwarzwild“ oder „Schwarzkittel“ bezeichnet wird, gehört der Ordnung der Paarhufer an. In der Jägersprache werden die paarigen Hufe als „Schalen“ bezeichnet. Damit zählt das Wildschwein wie auch Hirsch, Reh und Gämse zum sogenannten „Schalenwild“. Im Gegensatz zu Hirsch & Co ist das Wildschwein jedoch kein Wiederkäuer sondern ein Allesfresser. Um zu den Wurzeln, Knollen, Würmern und Insektenlarven zu gelangen brechen die Schweine mit ihrer Schnauze die obere Erdschicht auf und pflügen dabei im wahrsten Sinne des Wortes den Boden um. Ein Stück Schwarzwild kann dabei jährlich bis zu 4 ha Wald- und Wiesenoberfläche bewegen und hat damit eine wesentliche Bedeutung für die Bodendurchlüftung im Wald.
Wildschweine sind sehr anpassungsfähig und nutzen ein breites Spektrum an Lebensräumen. Bevorzugt halten sie sich in feuchten Laub- und Mischwäldern auf, da sie dort die herbstliche Mast an Bucheckern und Eicheln nutzen können und ausreichend feuchte Stellen für ihr Schlammbad finden.
Die geselligen Tiere leben in Familienverbänden, den Rotten, die von alten, erfahrenen Weibchen angeführt werden. Der Kern einer Rotte ist die Leitbache und ihre Frischlinge sowie weibliche Nachkommen unterschiedlichen Alters. Junge Männchen werden im Alter von etwa 1,5 Jahren verstoßen. Geschlechtsreife männliche Tiere leben als Einzelgänger und schließen sich nur während der „Rauschzeit“ von November bis Jänner der Rotte an. Nach einer Tragzeit von knapp vier Monaten werden vier bis neun Frischlinge geboren. Die Mitglieder einer Rotte erkennen sich am Geruch. „Hosenflicker“ sind übrigens zwei- bis dreijährige männliche Wildschweine, deren Wehrhaftigkeit noch zu wünschen übrig lässt. Ganz im Gegensatz zu ausgewachsenen Keilern, deren verlängerte Eckzähne im Unter- und Oberkiefer, die sogenannten „Hauer und Haderer“ ernstzunehmende Waffen darstellen.
Schweine auf dem Vormarsch
Im 18. und 19. Jahrhundert waren Wildschweine aus weiten Teilen Mitteleuropas verschwunden. Seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts nehmen die Bestände jedoch stark zu. Die Ursache für den Zuwachs liegt in der hohen Fortpflanzungsleistung der Art in Kombination mit den Folgen der Klimaerwärmung. Bei gutem Futterangebot – vor allem in den Wintermonaten – werden die Jungtiere früher geschlechtsreif, zudem verringert sich ihre Sterblichkeit. Auch die Fruchtbarkeit der reifen Bachen steigt an. Neben der Klimaerwärmung spielt aber auch der Mensch ganz unmittelbar eine Rolle: Vor allem durch die Intensivierung der Landwirtschaft, aber auch durch falsche Fütterung, werden ungewollt Nahrungsquellen für das Schwarzwild verfügbar gemacht. Damit kommt es zwangsläufig zu einem Anwachsen der Bestände. Auf der Suche nach neuen Lebensräumen dringen Wildschweine sogar in Städte ein und nutzen Parks, Gärten und Friedhöfe zur Futtersuche. Auch vor Spielplätzen wird nicht Halt gemacht, da die stets gut gefüllten Mülleimer eine attraktive Nahrungsquelle darstellen.
In Österreich ist die Anzahl an erlegten Tieren seit 1950 um mehr als das Hundertfache angestiegen. Im Jagdjahr 2015/16 wurden rund 31.700 Stück Schwarzwild geschossen. Dazu kommen knapp 900 Stück Fallwild – mehr als 500 allein durch den Straßenverkehr. Da sich Wildschweine durch ein hohes Lernvermögen, ein sehr gutes Gedächtnis und ein ausgeprägtes Zeitempfinden auszeichnen, gestaltet sich die Bejagung zunehmend schwieriger.
Wimperfledermaus
Die Wimperfledermaus (Myotis emarginatus) hat eine Körperlänge von 41 bis 53 mm und eine Flügelspannweite von 220 bis 245 mm. Das Gewicht beträgt zwischen 7 und 15 g. Sie haben ein langes, wolliges, dreifarbiges Rückenfell und die Flügel sind relativ breit ausgebildet.
Diese Fledermäuse haben eine wärmeliebende Art und beziehen ihr Sommerquartier etwa in Burgen. So findet sich die größte Kolonie von Wimperfledermäusen in Mitteleuropa in der Burg Lockenhaus im Naturpark Geschriebenstein-Irottkö. Den Winter verbringen sie kopfüber hängend in Höhlen, Felsspalten und hohlen Bäumen. Als Säugetiere bringen Fledermäuse lebende Junge zur Welt, die bis zur Selbständigkeit mit Muttermilch ernährt werden. Danach fressen sie kleine Insekten und Spinnen. Die Fledermäuse werden im Alter von ein bis zwei Jahren geschlechtsreif und haben nur einen Fortpflanzungszyklus pro Jahr. Tragzeit, abhängig vom Ernährungszustand der Mutter, liegt zwischen 40 und 60 Tagen. Pro Wurf werden in der Regel ein, selten zwei Junge geboren. Die Wimperfledermaus zählt zu den bedrohten Tierarten, und ist daher landesgesetzlich geschützt.