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Foto: AlpPine Spirits

Foto: Hochgebirgs-Naturpark Zillertaler Alpen

Foto: Gerald Prüller

Pflegeplan NEU!

Trockenrasenmanagement im Naturpark Kaunergrat (Pitztal-Fließ-Kaunertal) von Elisabeth Falkeis, MSc

Projektbeschreibung

Die Trockenrasen im Naturpark Kaunergrat bieten dem seltenen Roten Apollo Lebensraum, Foto: Niall Benvie

Das Naturschutzgebiet Fließer Sonnenhänge (Natura 2000 Gebiet) bildet zusammen mit dem Naturschutzgebiet Kauns-Kaunerberg-Faggen den größten Trockenrasenkomplex in Nordtirol. Bekannt sind die beiden Schutzgebiete durch ihren bemerkenswerten Artenreichtum. So wurden in den letzten 50 Jahren über 1.100 Schmetterlingsarten festgestellt, zahlreiche interessante Heuschrecken und Wildbienenarten nachgewiesen sowie seltene Käfer- und Ameisenarten entdeckt

Nach der Gründung des Naturparks Kaunergrat (1998) und der Unterschutzstellung der Fließer Sonnenhänge (2001) wurde vom Land Tirol in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Fließ, den GrundbesitzerInnen und NaturschutzexpertInnen ein Pflegekonzept für die Trocken- und Halbtrockenrasen erstellt. Ziel dieses Pflegeplanes war es, die Vielfalt der Fließer Sonnenhänge zu erhalten.

Der Großteil der Flächen im Schutzgebiet sind semi-natürliche Lebensräume, die sich durch landwirtschaftliche Tätigkeiten wie extensive Beweidung oder Mahd entwickelt haben. Der moderate menschliche Einfluss der traditionellen Bewirtschaftung, der auf den Flächen ausgeübt wird, ist deshalb für deren Erhalt dringend notwendig. Durch die Umsetzung von Maßnahmen wie z.B. Entbuschung oder Neuerrichtung von Weidezäunen, konnte auch die Beweidung wieder aufgenommen werden. Der Trend hin zu einer rasanten Abnahme der Biodiversität wurde dadurch deutlich abgeschwächt. Insgesamt wurden für die Tätigkeiten im Rahmen des Pflegeplanes in den letzten 10 Jahren über 16.000 Arbeitsstunden aufgewendet. Für diese Leistungen wurde die Gemeinde Fließ mit dem österreichischen Kulturlandschaftspreis 2010 ausgezeichnet.

Pflegeplan NEU!
Aus den bisherigen Bemühungen der Wiederherstellung des Weidegebietes ging hervor, dass die Beweidungsintensität im Schutzgebiet in Zukunft räumlich und zeitlich flexibler gesteuert werden muss. Als problematisch erscheinen derzeit die zunehmende Verbuschung (z.T. auch durch invasive Neophyten) sowie eine gebietsbezogene Unter- bzw. Überbeweidung, die sich negativ auf die Artenzusammensetzung auswirken.

Der neue Pflegeplan orientiert sich an so genannten „umbrella species“, also Zielarten charakteristischer Pflanzengesellschaften sowie ausgewählten, xerothermophilen Lepidopteren (Anm.: Schmetterlinge, die trockene, warme Lebensräume bevorzugen), deren Erhalt mit dem zahlreicher anderer Arten einher geht. Schmetterlinge reagieren empfindlich auf ihre Umwelt und können daher sehr gut als Bioindikatoren herangezogen werden. Über ihre Populationsgröße und Bestandsentwicklung lassen sich Rückschlüsse auf den Zustand der Trockenlebensräume im Schutzgebiet treffen. Diese Vorgangsweise stützt sich auf die Ergebnisse verschiedener Forschungsprojekte, die im Zeitraum zwischen 2006 und 2012 umgesetzt wurden. Im Rahmen des neuen Pflegeplans wird zudem angestrebt, wertvolle Magerwiesen im Umfeld des Schutzgebietes, die als wichtige Nektarquelle für verschiedene Tierarten von großer Bedeutung sind, in das Pflegeregime des Vertragsnaturschutzes (ÖPUL-Naturschutz) mitaufzunehmen.

Der neu erarbeitete Pflegeplan adressiert die folgenden drei Bereiche:

  • Weide-Management: Landwirtschaftliche Nutzung als primäre Pflegemaßnahme zur Offenhaltung der Flächen im Schutzgebiet (Koppelhaltung, Beweidung, alternativ Pflegemahd).
  • Naturraum-Management: Definition von Management-Zielarten (xerothermophile Pflanzenarten der FFH-Lebensraumtypen 6210 und 8230 sowie wichtige Futterpflanzen von Schmetterlingen) und Strukturtypen (wichtige Lebensraumstrukturen im Schutzgebiet und besondere Berücksichtigung charakteristischer Heuschreckenarten). Umsetzung von Maßnahmen zur Förderung wichtiger Pflanzengesellschaften (z.B. durch Entbuschung, Beweidung, Weideausschluss, Pflegemahd).
  • Neophyten-Management: Mechanische Bekämpfung invasiver bzw. potentiell invasiver Neophyten.

Finanzierung und Partner: Land Tirol, Tiroler Landesmuseen und Universität Innsbruck.

Resümee und Ausblick

Pflegemaßnahmen auf den steilen Sonnenhängen, hier im Rahmen eines Projekts mit Asylwerbern als Schutzgebietshelfern, Foto: Michael Veit

Die traditionelle, landwirtschaftliche Nutzung ist die einzige Möglichkeit, Halbtrockenrasen als Lebensräume wärmeliebender Arten zu sichern und der besorgniserregenden Bestandsentwicklung verschiedener Charakterarten im Schutzgebiet, z.B. Esparsetten-Tragant (Astragalus onobrychis) oder Walliser Schwingel (Festuca valesiaca), entgegen zu wirken.

Service-Angaben

Naturpark Kaunergrat (Pitztal-Fließ-Kaunertal)
GF Dr. Ernst Partl • Elisabeth Falkeis, MSc, Schutzgebietsbetreuung
Gachenblick 100 • 6521 Fließ
Tel.: ++43 (0) 5449 / 6304 • E-Mail: naturpark@kaunergrat.at
Web: www.kaunergrat.at


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