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Foto: Andreas Kristl

Foto: Horst Dolak

Foto: Johannes Puch

Obstklaubm – nix vawiastn

Ein Sozialprojekt mit Freiwilligen im Naturpark Obst-Hügel-Land von DI Rainer Silber

Ausgangslage

Gemeinsames Streuobstklauben – ein integratives Sozialprojekt fördert die biologische Vielfalt, Foto: Naturpark Obst-Hügel-Land

Im Naturpark Obst-Hügel-Land bleibt trotz aller Bemühungen jedes Jahr viel Streuobst ungenutzt liegen. Die aktuellen Streuobstpreise sind für LandwirtInnen nicht rentabel; vielfach fehlen in den Betrieben auch die Zeit und die Verwertungsmöglichkeiten. Andererseits sind in den Naturparkgemeinden AsylwerberInnen untergebracht, die gerne einer sinnvollen Beschäftigung nachgehen würden. Im Jahr 2014 entstand die Idee, diese beiden Fakten im Rahmen eines integrativen Sozialprojektes zusammenzubringen.

Eckdaten für Freiwillige

Der Erlös von 10.000 kg Streuobst wurde für den Gemeinschaftsgarten und Schulungsraum beim AsylwerberInnenheim verwendet, Foto: Rudolf Ortner

Worum geht es? Was können die Freiwilligen tun?
AsylwerberInnen klauben gemeinsam mit freiwilligen HelferInnen Streuobst, das ansonsten liegen bleiben würde. Die Äpfel und Birnen werden an Naturpark-LandwirtInnen verkauft und zu Most bzw. Saft verarbeitet. Mit dem Verkaufserlös wird wiederum ein anderes Sozialprojekt für Flüchtlinge unterstützt.

Was können die Freiwilligen mit ihrem Engagement bewirken?
Durch das Sammeln von nicht genutztem Mostobst wird das Bewusstsein für den Wert von Lebensmitteln geschärft. „Nix vawiastn“, also nichts verschwenden, ist das Motto dieses Projektes. Das gesammelte Streuobst kommt in die Wertschöpfungskette und stellt für die Most- und Safterzeuger die Basis für hochwertige Naturpark-Spezialitäten dar. Auch die GrundbesitzerInnen, die ihre Obstbäume in das Projekt einbringen, haben das Gefühl, dass ihr Obst einen Wert hat und pflegen dadurch eher die Bäume und die Wiesen. Das wiederum fördert die Artenvielfalt in diesen Streuobstwiesen. Ein besonders wichtiger Aspekt in diesem Projekt ist der Austausch zwischen den AsylwerberInnen und den HelferInnen.

Dauer des freiwilligen Einsatzes
Die Einsätze der Freiwilligen (AsylwerberInnen, HelferInnen) sind flexibel. Je nach Obstjahr werden mehrere halb- oder ganztägige gemeinsame Sammelaktionen vom Projektteam organisiert. Die Freiwilligen verrichten in einer Saison zwischen fünf und 50 Arbeitsstunden pro Person.

Zielsetzungen und Inhalte

Das Projekt verbindet soziales Engagement, Integration von MigrantInnen, Landschaftspflege und einen respektvollen Umgang mit Lebensmitteln. Durch das Projekt werden nicht genutzte Streuobstwiesen aufgewertet und das Mostobst einer Verwertung zugeführt.

Die Aktionen finden jährlich im September und Oktober statt. Das Projektkernteam besteht aus wenigen Personen (Naturparkmanagement, Flüchtlingsbetreuer, Ideengeber).

Bei der Durchführung des Projektes gilt es folgende Beteiligte und Kooperationspartner zu motivieren und zu koordinieren:

  • AsylwerberInnen und deren Betreuer bzw. Betreuungsorganisationen,
  • freiwillige HelferInnen aus der Region (u.a. ehrenamtliche HelferInnen im Bereich der Flüchtlingsbetreuung, NaturvermittlerInnen, Privatpersonen),
  • StreuobstwiesenbesitzerInnen und
  • obstverarbeitende Betriebe.

Vor dem Projektstart im Jahr 2014 waren die rechtlichen Rahmenbedingungen zu klären. Wichtig für das Gelingen des Vorhabens waren u.a.:

  • eine Unfall- und Haftpflichtversicherung für die Freiwilligen über den Projektpartner ULF (Unabhängiges Landesfreiwilligenzentrum/Land OÖ),
  • die Bestätigung der Gemeinnützigkeit des Projektes durch die Naturparkgemeinde Scharten und
  • die Abgrenzung des Projektes zur Erwerbsarbeit von saisonalen ObsterntehelferInnen auf Tafelobstbetrieben, d.h. es wird nur Obst auf Streuobstwiesen geklaubt, nicht jedoch in Erwerbsobstanlagen.

Resümee

Das Resümee der ersten beiden Projektjahre ist sehr positiv und fand auch medial hohe Beachtung. Bei rund 22 Obstklaub-Einsätzen mit insgesamt rund 125 Freiwilligen (zur Hälfte AsylwerberInnen) wurden knapp 10.000 kg Streuobst gesammelt. Die Erlöse (bisher ca. € 1.600,--) wurden z.B. für den Aufbau eines Gemeinschaftsgartens beim Asylwerberheim in Leppersdorf verwendet. Dort können sich die Flüchtlinge nicht nur mit eigenen Lebensmitteln versorgen, sondern der Garten entwickelt sich auch zunehmend zu einem Treffpunkt, an dem die Menschen aus der Umgebung direkten Kontakt mit den Migrantinnen und Migranten aufnehmen können. Ein Teil des Erlöses wurde auch für die Renovierung und Adaptierung des Schulungsraumes im Asylwerberheim verwendet.

Abgesehen von einfachen Anschaffungen (Handschuhe, Säcke, Werkzeug) fallen keine finanziellen Aufwendungen im Projekt an. Der Transport der AsylwerberInnen zu den Streuobstwiesen wird von Freiwilligen vorgenommen, die Abholung des Obstes meist durch die Abnehmer selbst organsiert.

Als Herausforderung stellt sich die Kommunikation mit den AsylwerberInnen dar. Aufgrund des Wechsels in den Flüchtlingswohnheimen muss das Projekt Jahr für Jahr neu vorgestellt werden. Die Bereitschaft der AsylwerberInnen, beim Projekt mitzumachen ist sehr unterschiedlich. Manche sind hochmotiviert und bei sämtlichen Aktionen dabei, andere wiederum nur schwer für das Projekt zu gewinnen.

Ausblick

Das Projekt soll auch in Zukunft angeboten werden. Der Bedarf ist vorhanden. Es soll weiterhin der Freiwilligencharakter des Projektes im Vordergrund stehen und nicht die Erwerbsarbeit durch AsylwerberInnen im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten. Noch stärker als bisher soll die Zusammenarbeit mit Naturpark-Schulen und anderen Freiwilligenprojekten (z.B. Jugendliche, Sozialtage bei Firmen etc.) forciert werden.

Service-Angaben

Naturpark Obst-Hügel-Land • GF Rainer Silber
Kirchenplatz 1 • 4076 St. Marienkirchen/Polsenz
Tel.: ++43 (0) 72 49 / 47 112-25 • E-Mail: info@obsthuegelland.at
Website: www.obsthuegelland.atwww.facebook.com/obstklaubm

Stand: November 2016


Der Artikel wurde im Zuge des Projekts „Biodiversität durch Freiwilligenarbeit in Naturparken – Lebensräume pflegen, biologische Vielfalt erhalten, Bewusstsein schaffen“ mit Unterstützung des Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft erstellt.

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