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Foto: AlpPine Spirits

Foto: Hochgebirgs-Naturpark Zillertaler Alpen

Foto: Gerald Prüller

Naturschutzplan auf der Alm

Neuauflage in vier Tiroler Naturparken von Dipl.-Geogr. Willi Seifert

Projektbeschreibung

Die Elsalm - eine Alm von hohem naturschutzfachlichen Wert im Tuxertal, Foto: Paul Wechselberger

Bereits im Zeitraum 2008 bis 2013 wurden insgesamt vier derartige Naturschutzpläne im Hochgebirgs-Naturpark Zillertaler Alpen bzw. dem Naturpark Kaunergrat als Pilotprojekt umgesetzt. Dabei konnte man auf verschiedenen Ebenen positive Erfahrungen mit diesem Instrument des Vertragsnaturschutzes sammeln. Im Naturpark Karwendel gab es einen ähnlichen Ansatz, ebenfalls mit positivem Resümee. Das war für vier Tiroler Naturparke (Karwendel, Kaunergrat (Pitztal-Fließ-Kaunertal), Ötztal, Zillertaler Alpen), in denen Almen einen bedeutenden Anteil an der Schutzgebietsfläche ausmachen, der Anlass, gemeinsam mit der Abteilung Umweltschutz den Grundstein für eine Neuauflage dieser Initiative zu legen.

Der Naturschutzplan ist ein Instrument, der die Interessen und praktischen Bedürfnisse der AlmbewirtschafterInnen mit den Schutzzielen der Naturparkbetreuungen vereint. Die externe Begleitung durch ein spezialisiertes Planungsbüro gewährleistet zudem eine neutrale und kompetente Begleitung des Projekts. Die Auswahl der Almen treffen die jeweiligen Naturparkbetreuungen. Kriterien sind dabei insbesondere der naturschutzfachliche Wert (bzw. das Potential) der Almen, die Qualität in Bezug auf das Landschaftsbild sowie die Art der Bewirtschaftung. In einem zweiten Schritt folgen dann die gemeinsame Begehung durch das Planungsbüro, die AlmbewirtschafterInnen und die Naturparkbetreuung. Dabei wird die ganze Alm unter die Lupe genommen und es werden gemeinschaftlich jene Flächen ermittelt und abgegrenzt, auf denen die Naturschutzmaßnahmen umgesetzt werden sollen. Dieses Vorgehen ermöglicht die Formulierung von almspezifischen, hochwertigen und vor allem durch die BewirtschafterInnen umsetzbaren Maßnahmen. Alle Ergebnisse inklusive einer Kalkulation der verschiedenen Maßnahmenflächen werden vom externen Büro in einem Plan festgehalten, der die zentrale und verbindliche Grundlage für die folgende Umsetzung darstellt.

In den vier Tiroler Naturparken sind nach aktuellem Planungsstand in Summe 20 bis 25 Naturschutzpläne angedacht. Dabei sollen im Sommer 2017 die Begehungen stattfinden, die Pläne fertiggestellt und allfällige Bewilligungen eingeholt werden.

In diesem Zusammenhang soll auch ein frühzeitiger Austausch mit den entsprechenden Behörden und Fachstellen (Naturschutz, Forst, Wildbach- und Lawinenverbauung) stattfinden, um eine reibungslose Umsetzung der Projekte zu gewährleisten. Dann können die AlmbewirtschafterInnen die Umsetzung der Maßnahmen in Angriff nehmen, wofür ihnen ein Zeitraum von drei Jahren zur Verfügung steht. Nach dieser Phase findet eine gemeinsame Abschlussbegehung statt, um die Umsetzung der verschiedenen Maßnahmen zu überprüfen. Sie ist entscheidend für die Auszahlung der Fördermittel an die BewirtschafterInnen. Die Fördermittel werden vom Tiroler Naturschutzfonds bereitgestellt.

Umsetzungsschwerpunkte
Ein Fokus liegt auf dem sog. Schwenden, also der Auflichtung zugewachsener Almflächen durch das Entfernen von Zwergsträuchern und Stauden. Hier soll noch stärker als in der Pilotphase (2008 bis 2013) auf die Bedürfnisse von Zielarten wie dem Birkhuhn (Tetrao tetrix) eingegangen werden. Gerade das Birkhuhn, ein Vertreter der Raufußhühner, ist angewiesen auf reich gegliederte, lichte Lebensräume. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Pflege bzw. Instandsetzung von Kulturlandschaftselementen. Dazu zählen vor allem Lesesteinmauern oder -riegel als trockene Spezialstandorte. Sie besitzen eine große Bedeutung für zahlreiche Vertreter der Tier- und Pflanzenwelt, die an diesen Lebensraum angepasst sind. Und nicht zuletzt geht es auch um den Schutz sensibler Flächen wie Feuchtbiotope, sogar innovative Modelle der Behirtung können im Rahmen des „neuen“ Naturschutzplans auf der Alm abgegolten werden.

Resümee

Die Freiwilligen packen tatkräftig an - hier auf der Sulzbodenalm im Zillergrund, Foto: Hochgebirgs-Naturpark Zillertaler Alpen

Die Pilotphase hat gezeigt, dass das Projekt viele positive Wirkungen entfalten kann. Zum einen wurden konkrete Naturschutzmaßnahmen auf der Fläche umgesetzt und damit ein wertvoller Beitrag zur Biodiversität geleistet. Das wurde bei einigen Projekten kombiniert mit der Pflege traditioneller Kulturlandschaftselemente, was zusätzlich positive Effekte auf das Landschaftsbild hat. Und nicht zuletzt hat das Projekt deutlich zur Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen den AlmbewirtschafterInnen und Naturparkbetreuungen beigetragen und das Verständnis für die Anliegen des jeweils anderen erhöht.

Ausblick

Durch den neuen, Naturpark übergreifenden Ansatz erhoffen sich die Projektpartner, die genannten positiven Effekte noch stärker in die Breite transportieren zu können. Dabei werden sie die AlmbewirtschafterInnen bei der Umsetzung, je nach ihren Möglichkeiten, mit Freiwilligenprojekten unterstützen. Dabei ist insbesondere der Alpenverein ein wertvoller Partner, der jährlich Umweltbaustellen bzw. Bergwaldprojekte in Österreich organisiert. Gerade im Hochgebirgs-Naturpark Zillertaler Alpen gibt es hier eine langjährige Partnerschaft. So wurden die BewirtschafterInnen bereits in der Pilotphase mit diesen Projektwochen tatkräftig bei der Umsetzung der Naturschutzpläne unterstützt. Im Naturpark Karwendel gibt es mit dem „Team Karwendel“ eine zusätzliche Plattform, die hier unterstützend tätig werden kann.

Service-Angaben

Hochgebirgs-Naturpark Zillertaler Alpen • GF Dipl.-Geogr. Willi Seifert
Naturparkhaus Nr. 239 • 6295 Ginzling
Tel.: +43 (0) 5286 / 5218-1
E-Mail: willi.seifert@naturpark-zillertal.at
Web: www.naturpark-zillertal.at


Stand: Mai 2017


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