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Foto: Andreas Kristl

Foto: Horst Dolak

Foto: Johannes Puch

Zwei auf einen Streich – Arten- und Hochwasserschutz

Das Projekt LIFE Lech – Dynamic River System Lech (LIFE15 NAT/AT/000167) von Mag. Marlene Salchner

Projektbeschreibung

Der Lech bei Höfen - Blickrichtung Rieden, Foto: Mario Posch

65 km Fluss pur im Außerfern – das ist der Tiroler Lech mit seinem breiten Geflecht aus Flussarmen, Schotterinseln und Auwäldern. Er ist der letzte Wildfluss der Nordalpen. Wildflusslandschaften zählen in Zentraleuropa zu den am meisten gefährdeten Landschaftstypen. Das Zusammenspiel von Wasser, Geröll, Steinen, Kies und Sand, die Neigung des Flussbetts und die Strömungsgeschwindigkeit des Wassers spielen eine entscheidende Rolle für die freie Gestaltungskraft des Wildflusses. Diese Dynamik ist charakteristisch für einen Wildfluss.

Platz für Siedlungen und landwirtschaftliche Flächen aber auch der Schutz der Bevölkerung vor Hochwasser, führten im 20. Jahrhundert zu Verbauungen des Flussbetts. Dazu wurden Dämme und Steinmauern an der Uferseite und ins Flussbett hinein errichtet. Auch Geschiebesperren in den Seitenbächen wurden gebaut und vermehrt Schotter entnommen. Nicht ohne Folgen! Es kam zur Eintiefung der Flusssohle und zur Absenkung des Grundwasserspiegels. Das hatte Auswirkungen auf die Tier- und Pflanzenwelt, da die Spezialisten der Wildflusslandschaft und die angrenzenden Lebensräume auf regelmäßige Überflutungen angewiesen sind.

An elf Standorten am Oberlauf des Tiroler Lech sowie im Grenzverlauf auf deutschem Staatsgebiet sollen flussbauliche Maßnahmen zur Redynamisierung gesetzt werden. Hier befinden sich Gebiete, die großes Potential für die Ausbildung von Schotterbänken und Pionierhabitaten haben. Um die natürliche Dynamik des Flusses wiederherzustellen, sollen Flussverbauungen entfernt, das Flussbett verbreitert, Nebenarme angelegt und Querverbauungen gekürzt werden. So wird auch der Hochwasserschutz verbessert. Gleichzeitig soll durch die Revitalisierungsmaßnahmen die Eintiefung der Flusssohle gestoppt und der Grundwasserspiegel stabilisiert bzw. angehoben werden. Zudem sollen in dem Gebiet Artenschutzmaßnahmen gesetzt werden, die von einem umfangreichen Monitoring-Programm begleitet werden. Auch die Besucherlenkung im Natura 2000-Gebiet Tiroler Lech soll verbessert und die Bevölkerung, Gäste und Fachpublikum informiert werden.

All diese Maßnahmen sollen dazu beitragen, dass gefährdete Lebensräume sowie Pflanzen- und Tierarten eine geeignete Heimat finden. Von dem Projekt LIFE Lech profitieren beispielsweise die Auenlandschaft, die Koppe (Cottus gobio), die Gefleckte Schnarrschrecke (Bryodemella tuberculata), der Flussregenpfeifer (Charadrius dubius), der Flussuferläufer (Actitis hypoleucos) und die Deutsche Tamariske (Myricaria germanica).

Zahlen & Fakten:
Projektnummer:      LIFE15 NAT/AT/000167
Projektzeitraum:     1. September 2016 – 31. Dezember 2021
Budget:                   € 6.093.220,--
EU‐Förderung:        € 3.655.932,--
Projektleitung:         Bundeswasserbauverwaltung Tirol, Baubezirksamt Reutte
Partner:                   Wasserwirtschaftsamt Kempten, Deutschland
                                Amt der Tiroler Landesregierung, Abteilung Umweltschutz
Öffentlichkeitsarbeit:    Naturpark Tiroler Lech

Resümee

Schon im Zeitraum von 2001 bis 2007 war das Natura 2000-Gebiet Tiroler Lech Schauplatz eines LIFE Projekts. Hier wurden erste positive Schritte zur Redynamisierung des Flusslebensraums gesetzt. Auf diesen Erfolg will das Projekt LIFE Lech aufbauen. Ziel des Projekts ist es, die natürliche Dynamik des Flusses und seiner angrenzenden Auwälder mit ihren typischen Pflanzen- und Tierarten zu erhalten.

Ausblick

Flussregenpfeifer mit Jungem, Foto: Felix Lassacher

Einige der elf flussbaulichen Maßnahmen wurden bereits abgeschlossen und andere Bauarbeiten werden gerade begonnen. Das Monitoring zu den unbelebten (abiotischen) und belebten (biotischen) Umweltfaktoren ist größtenteils abgeschlossen und wird am Ende des Projekts wiederholt. Dadurch kann festgestellt werden, wie sich der Fluss und die Bestände der Tiere und Pflanzen entwickelt haben. Auch ein Artenschutzkonzept wurde ausgearbeitet. Anhand dieses Konzepts werden Maßnahmen erarbeitet, die möglichst vielen Arten helfen, wieder dauerhaft am Lech eine Heimat zu finden. All diese Arbeiten werden von der Öffentlichkeitsarbeit begleitet. Sie umfasst u.a. die Erstellung und Betreuung der Homepage www.life-lech.at, die Erstellung von Informationstafeln sowie Presseartikeln und die Ausrichtung von Informationsveranstaltungen.

Service-Angaben

Naturpark Tiroler Lech • Geschäftsführerin: Mag. Anette Kestler
Klimm 2 • 6644 Elmen • Tel.: +43 (0) 664 / 416 84 65
E-Mail: info@naturpark-tiroler-lech.at
Web: www.naturpark-tiroler-lech.at

Projektteam (s. o. „Zahlen & Fakten“)

Projektleitung: Bundeswasserbauverwaltung Tirol, Baubezirksamt Reutte
DI Wolfgang Klien • Allgäuer Str. 64 • 6600 Reutte
Tel.: +43 (0) 512 / 508 4680 • E-Mail: w.klien@tirol.gv.at • Web: www.tirol.gv.at

Projektpartner 1: Amt der Tiroler Landesregierung, Abteilung Umweltschutz
Dr. Reinhard Lentner • Eduard-Wallnöfer-Platz 1 • 6020 Innsbruck
Tel.: +43 (0) 512 / 508 3454 • E-Mail: r.lentner@tirol.gv.at • Web: www.tirol.gv.at

Projektpartner 2: Wasserwirtschaftsamt Kempten, Deutschland
Martin Mohr • Rottachstraße 15 • 87439 Kempten
Tel.: +49 (0) 831 / 52610 170 • E-Mail: martin.mohr@wwa-ke.bayern.de
Web: www.wwa-ke.bayern.de



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