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Foto: Andreas Kristl

Foto: Horst Dolak

Foto: Johannes Puch

Kiebitz-Schutzprojekt

im Naturpark Obst-Hügel-Land von DI Rainer Silber

Projektbeschreibung

Kiebitz-Männchen brütet, Foto: Uhl

Aufgrund der flächendeckenden Intensivierung der Landwirtschaft nahmen die Kiebitz-Bestände in Europa seit den 1980er Jahren um mehr als die Hälfte ab. Zuerst hat der Kiebitz sich von den früher bevorzugten Feuchtwiesen auf Ackergebiete als Nistplätze umgestellt. Seit Jahren bringt er jedoch in den meisten Brutgebieten zu wenige Jungvögel hoch. Seine Bestandszahlen sinken dadurch rasch, auch in Oberösterreich. Um dem Kiebitzsterben rechtzeitig entgegen zu wirken, also nicht erst dann, wenn es zu spät ist, weil letzte, einzelne Paare viel weniger Bruterfolg haben als Brutkolonien, startete Anfang 2016 ein Kiebitz-Schutzprojekt im Naturpark Obst-Hügel-Land. Hier kamen im Jahr 2013 rund 40 bis 50 Paare vor, die größeren Kolonien in den Ortschaften Leppersdorf (Scharten) und Eben (St. Marienkirchen/Polsenz).

Gemeinsam mit BirdLife Österreich und der Abteilung Naturschutz des Landes Oberösterreich wurde ein 2-jähriges Projekt (2016 und 2017) ausgearbeitet.

Die zentralen Projektziele sind:

  • die Verbesserung der Bruterfolge des Kiebitzes in den Projektgebieten und
  • die Bewusstseinsbildung bei den Flächenbewirtschaftern für die Ansprüche des Kiebitzes an seinen Lebensraum

Das Projekt umfasst eine Reihe von Maßnahmen:

  • Basiserhebung der Kiebitz-Bestände in den konkreten Projektgebieten in den Jahren 2016 und 2017
  • Naturschutzfachliche Beratungen für die rund 20 landwirtschaftlichen Betriebe im Projektgebiet
  • Ausarbeitung von Förderpaketen in Abstimmung mit der Abteilung Naturschutz
  • Abschluss von Vertragsnaturschutzmaßnahmen mit FlächenbewirtschafterInnen
  • Evaluierung der gesetzten biodiversitätsfördernden Maßnahmen
  • Öffentlichkeitsarbeit

Im Kiebitz-Schutzprojekt werden jenen LandwirtInnen, die Äcker mit Kiebitz-Kolonien bewirtschaften, von der Abteilung Naturschutz des Landes Oö. Förderungen angeboten, um den Kiebitzen zu einem höheren Bruterfolg zu verhelfen. Im Wesentlichen geht es darum, zur Brutzeit von Mitte März bis Ende Mai Teilflächen so zu bewirtschaften bzw. mit der Bewirtschaftung auszusetzen, dass mehr Gelege ausgebrütet werden und die Küken danach bessere Überlebenschancen haben.

Nach einem gemeinsamen Startprojektworkshop im November 2015 wurden im Februar 2016 direkte Gespräche mit den FlächenbewirtschafterInnen geführt. Die Bereitschaft der Bäuerinnen und Bauern bei gewissen Maßnahmen mitzumachen und fördertechnische Rahmenbedingungen standen im Mittelpunkt dieser Hofbesuche. Parallel dazu arbeitete das Projektteam gemeinsam mit der Abteilung Naturschutz Förderpakete aus. Die Mehrzahl der geplanten Maßnahmen soll im Rahmen des ÖPUL („Regionaler Naturschutzplan“) abgewickelt werden, z.B. Kiebitz-Inseln als Ackerstilllegung, auf bewirtschafteten Ackerflächen oder als Sommergetreide, Kiebitz-Zeitfensterflächen in Acker-Sommerkulturen. Es gibt jedoch auch Maßnahmenpakete für Nicht-ÖPUL bzw. UBB-Betriebe, die aus Landesmitteln finanziert werden, wie Kiebitz-Zeitfensterflächen auf bewirtschafteten Ackerflächen oder ein kleinräumiger Schutz der Kiebitz-Nester.

Die Finanzierung des Projektes erfolgt über verschiedene Schienen. Die Projektarbeiten durch MitarbeiterInnen von BirdLife Österreich sowie die Erhebungen durch eine Praktikantin werden über ein Naturpark-Projekt (LE 2014 bis 2020) abgerechnet. Die Vertragsnaturschutz-Fördermaßnahmen laufen über ÖPUL- resp. Landesmittel.

Resümee

Kiebitz-Küken, Foto: Uhl

Am Ende der Brutsaison lässt sich bereits ein erstes positives Zwischenresümee ziehen. Der Großteil der FlächenbewirtschafterInnen zeigt Interesse am Projekt. Bei den Felderhebungen konnten im Jahr 2016 zumindest 30 Brutpaare im 2 km² großen Projektgebiet gezählt werden.

In der Startphase stimmten fünf Bauern zu, dass Kiebitznester auf ihren Ackerflächen kleinräumig ausgesteckt werden, um bei der Bewirtschaftung auf die Gelege Rücksicht zu nehmen. Ein Landwirt in Eben war bereit, erst nach dem 5. Mai auf einer 4 Hektar großen Fläche Mais anzubauen. Dadurch entstand ein Zeitfenster der Bewirtschaftungspause von Mitte März bis Anfang Mai. Auf diesem Feld brüteten schließlich 8 Paare mit mindestens 16 dokumentierten Jungvögeln.

Eine der Umsetzungsschwierigkeiten dieses Pilotprojektes ist, dass es nur wenig Betriebe im Gebiet gibt, die an der ÖPUL-Maßnahme „UBB“ teilnehmen. Wegen der Kombinationsverpflichtung der hauptsächlich angebotenen ÖPUL-Maßnahme „Naturschutz“ mit „UBB“, kommt diese mehrjährige Vertragsnaturschutzvereinbarung in vielen Fällen nicht in Frage.

Ausblick

In der Brutsaison 2016 gilt es, die Schutzmaßnahmen abzuschließen und den Bruterfolg der Kiebitze auf den Projektflächen zu dokumentieren, um erste Rückschlüsse über die Wirksamkeit der Maßnahmen zu erhalten. Für jene LandwirtInnen, die mehrjährige ÖPUL-Naturschutzmaßnahmen in Anspruch nehmen wollen, sind noch diesen Sommer bzw. vor dem Herbstantrag Beratungsgespräche vorgesehen.

Für 2017 ist geplant, die Gespräche mit den Bäuerinnen und Bauern soweit zu entwickeln, dass die Kiebitz-Schutzmaßnahmen auf mehr Flächen bzw. für einen möglichst großen Teil der lokalen Brutpopulation fortgesetzt werden können. Begleitet werden diese Tätigkeiten auch 2017 von Bestandszählungen und Bruterfolgskontrollen. Nur so sind verlässliche Aussagen über die Maßnahmenwirksamkeit möglich.

Service-Angaben

Naturpark Obst-Hügel-Land • GF DI Rainer Silber
Kirchenplatz 1 • 4076 St. Marienkirchen/Polsenz • Tel.: +43 (0) 72 49 / 47 112-25
E-Mail: info@obsthuegelland.at • Web: www.obsthuegelland.at
BirdLife Österreich • Hans Uhl • E-Mail: hans.uhl@birdlife.at


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