Zum Inhalt springen

AA AA AA

Foto: Andreas Kristl

Foto: Horst Dolak

Foto: Johannes Puch

Freiwilligenprojekte

im Hochgebirgs-Naturpark Zillertaler Alpen von Dipl.-Geogr. Willi Seifert

Ausgangslage

Anlage einer neuen Steinmauer auf der Sulzbodenalm im Zillergrund, Foto: Hochgebirgs-Naturpark Zillertaler Alpen

Der Hochgebirgs-Naturpark setzt bereits seit 15 Jahren Freiwilligenprojekte um und zählt damit zu den „Regionen der ersten Stunde“, die sich dem Thema Freiwilligenarbeit im Naturschutz gewidmet haben. Von Anbeginn wurden die Projekte in enger Kooperation mit dem Österreichischen Alpenverein (ÖAV) durchgeführt. Standen anfänglich eher Schutzwald-projekte im Vordergrund, wurde der Fokus in den letzten Jahren stärker auf Initiativen im Bereich naturschutzfachlich wertvoller Almen gerichtet.

Eckdaten für Freiwillige

Schwenden auf der Elsalm über dem Tuxertal, Foto: Hochgebirgs-Naturpark Zillertaler Alpen

Worum geht es?
Der Naturparkbetreuung ist es ein großes Anliegen, mit diesen Projekten einen konkreten Beitrag für den Schutz bzw. die Erhaltung der Natur- und Kulturlandschaft zu leisten. Speziell im Bereich der Almen stehen die BewirtschafterInnen heute vor großen Herausforderungen. Der strukturelle Wandel in der Berglandwirtschaft und der wirtschaftliche Druck der BewirtschafterInnen lassen es kaum noch zu, dass „wie früher“ ausreichend Personal zur Pflege der Almen beschäftigt werden kann. Das führt oft zu einer Verbuschung, Muren und Lawinen tragen zusätzlich Steinmaterial auf den Weideflächen ein. In Summe kommt es zu einem deutlichen Rückgang offener, nutzbarer Almflächen. Genau hier setzen die Projekte an und sollen eine gezielte Unterstützung bieten.

Was können die Freiwilligen tun?
Die Freiwilligen helfen insbesondere beim Entbuschen („Schwenden“). Dabei werden mit Astscheren verschiedene Zwergsträucher sowie aufkommende Bäume abgezwickt und das anfallende Material auf Häufen geschlichtet. Je nach Lage der Alm wird das Material dann abtransportiert oder an Ort und Stelle verbrannt. Daneben werden die Flächen entsteint und mit den zusammengetragenen Steinen neue Lesesteinmauern oder -riegel errichtet bzw. die bestehenden saniert.

Was können die Freiwilligen mit ihrem Engagement bewirken?
Die Arbeiten haben gleich mehrere positive Aspekte. Zum einen sind sie eine konkrete Hilfe für die AlmbewirtschafterInnen als tragende Säule der Produktion regionaler, hoch qualitativer Heumilch und -erzeugnisse. Zum anderen wird ein Beitrag zum Erhalt der traditionellen Kulturlandschaft sowie der Artenvielfalt geleistet. Und nicht zuletzt trägt die enge Zusammen-arbeit mit den AlmbewirtschafterInnen als wichtige LandnutzerInnen zur besseren Akzeptanz des Schutzgebiets bei. Die begleitende Medienarbeit soll die Öffentlichkeit zudem für diese Themen, aktuelle Problemstellungen und die Aktivitäten des Naturparks sensibilisieren.

Dauer des freiwilligen Einsatzes
Die Projekte, die in Kooperation mit dem ÖAV durchgeführt werden (Umweltbaustellen und Bergwaldprojekte), dauern eine Woche. Daneben organisiert der Naturpark eigenständig bei Bedarf auch einzelne eintägige Einsätze, z.B. zur Neophytenbekämpfung.

Zielsetzungen und Inhalte

Die Almen im Hochgebirgs-Naturpark beheimaten viele wertvolle Lebensräume mit seltenen bzw. geschützten Tier- und Pflanzenarten. Gerade das abwechslungsreiche Mosaik an Bergwald, Zwergstrauchheiden und eben offenen Flächen steht für die Vielfalt der Landschaft und Arten. Durch das Schwenden von Teilflächen soll diese Vielfalt erhalten und gefördert werden. Auch die Pflege der Steinmauern ist in dieser Hinsicht von großer Bedeutung. Sie sind ein wertvoller Lebens-, Nist-, Nahrungs- und Rückzugsraum für viele Tiere und Pflanzen. Das gilt etwa für Eidechsen, Wildbienen oder Mäuse bzw. verschiedene Hauswurzarten, Farne und Mauerpfeffer.

Entscheidend für den Erfolg des Projekts ist eine gründliche Vorbereitung mit den Kooperationspartnern vor Ort. Das sind je nach Ausrichtung des Projekts die Eigentümer- bzw. BewirtschafterInnen der Almen, die Österreichischen Bundesforste sowie die Wildbach- und Lawinenverbauung. Die Zusammenarbeit mit dem ÖAV bei der Koordinierung und Bewerbung der Projektwochen hat sich über viele Jahre bestens eingespielt und läuft reibungslos. Neben seiner Verlässlichkeit und Naturschutzkompetenz zeichnet den ÖAV auch ein perfekter Draht zur Zielgruppe aus, den er über seine Medien hat.

Resümee

Rund 250 TeilnehmerInnen haben sich in den letzten 15 Jahren im Rahmen der rund 30 Projekte freiwillig für die Almen bzw. den Schutzwald in der Naturparkregion Zillertaler Alpen engagiert. Interessant ist auch die Vielfalt der TeilnehmerInnen. Vom Schüler bis zur Pensionistin und vom Handwerker bis zur Medizinprofessorin ist alles vertreten. Die meisten TeilnehmerInnen kommen aus Deutschland und Österreich, es haben aber auch schon Freiwillige aus der Schweiz, Italien, Frankreich und Russland teilgenommen. Dabei wurden nicht nur viele konkrete und wertvolle Beiträge für den Naturraum, sondern auch für die regionale Verankerung und Akzeptanz des Naturparks geleistet.

Finanziell liegt ein Großteil der Kosten (Unterkunft, Verpflegung) beim jeweiligen Projektpartner, auf dessen Flächen gearbeitet wird. Daneben werden die Umweltbaustellen und Bergwaldprojekte auch durch den ÖAV sowie den Hochgebirgs-Naturpark finanziell unterstützt. Den TeilnehmerInnen entstehen nur Kosten für die An- und Abreise zum Projekt.

Ausblick

Die Freiwilligenprojekte sind zu einer absoluten Erfolgsgeschichte und einem wichtigen Bestandteil der Naturparkarbeit geworden. Auch die Nachfrage ist weiter steigend. Dem Hochgebirgs-Naturpark ist es ein großes Anliegen, das Engagement für den Natur- und Kulturraum fortzusetzen und durch Freiwilligenprojekte zu unterstützen!

Service-Angaben

Hochgebirgs-Naturpark Zillertaler Alpen • GF Willi Seifert
Naturparkhaus Nr. 239 • 6295 Ginzling
Tel.:+43 (0) 52 86 / 52 18-1
E-Mail: info@naturpark-zillertal.at
Website: www.naturpark-zillertal.at

Stand: November 2016


Der Artikel wurde im Zuge des Projekts „Biodiversität durch Freiwilligenarbeit in Naturparken – Lebensräume pflegen, biologische Vielfalt erhalten, Bewusstsein schaffen“ mit Unterstützung des Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft erstellt.

Top