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Foto: Andreas Kristl

Foto: Horst Dolak

Foto: Johannes Puch

Die Schwedische Kerbameise (Formica suecica) im inneren Ötztal

ein gelungenes Citizen Science-Projekt von Mag. Thomas Schmarda

Projektbeschreibung

Das Objekt der Begierde – die Schwedische Kerbameise, Foto: Florian Glaser

Der großteils hochalpine Lebensraum im Naturpark Ötztal beherbergt eine Reihe spezifisch angepasster, im Bestand gefährdeter und somit schützenswerter Pflanzen und Tiere. Einige dieser besonderen Arten wurden im Rahmen eines vom Land Tirol/Abteilung Umweltschutz finanzierten und von 2015 – 2017 laufenden Artenschutzprojektes von einschlägigen ExpertInnen genauer unter die Lupe genommen. Dabei wurde speziell die Schwedische Kerbameise (Formica suecica) detailliert untersucht. Diese Art zählt sicherlich zu den seltensten Tierarten im Alpenraum, als einziger bekannter Verbreitungsstandort galt bislang die Gegend rund um Obergurgl im Herzen des Naturparks Ötztal.

Ziel dieses Artenschutzprojektes war es, den aktuellen Bestand, das Verbreitungsgebiet und die Lebensraumansprüche dieser außergewöhnlichen Ameisenart genauer zu erkunden. Dabei wurden die notwendigen Kartierungen im Gelände nicht nur von ExpertInnen, sondern großteils unter tatkräftiger Mithilfe von interessierten SchülerInnen im Rahmen eines Citizen Science-Projektes durchgeführt.

Die umfangreichen Ameisenkartierungen im Naturpark Ötztal wurden einerseits im bekannten Verbreitungsgebiet rund um Obergurgl, andererseits in „Hoffnungsgebieten“ Tal auswärts im Bereich des Windachtales bei Sölden, im Sulztal bei Längenfeld bzw. nahe Niederthai bei Umhausen durchgeführt. An den von ExpertInnen begleiteten Suchtagen beteiligten sich Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 8 und 14 Jahren, teils im Rahmen der Jungen Uni Innsbruck, aber auch externe Schülergruppen aus Deutschland waren mit Eifer dabei.

Auch die Naturpark-Volksschule Längenfeld beteiligte sich mit 16 Kindern und zwei Begleitpersonen bei einer Ameisensuche in Vent. Ausgerüstet mit Karten, GPS-Geräten und großem Enthusiasmus sammelten die TeilnehmerInnen ihre Beobachtungen, Messungen, Fotos und Proben.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen – insgesamt konnten im Zeitraum 2015 – 2017 über 500 Fundorte von Ameisen ermittelt werden; 248 Orte davon als Nester der Schwedischen Kerbameise. Damit wurde das bestehende Verbreitungsareal dieser äußerst seltenen Ameisenart im hinteren Ötztal untermauert und zudem um neue Standorte im Bereich des Timmelstales nahe Obergurgl und rund um Vent erweitert. Durch die akribische Aufnahme von Funddaten (Nestausrichtung, Nestform, Beschattung, Hanglage etc.) durch die eifrigen Citizen Science-TeilnehmerInnen konnten wertvolle Lebensraumdaten für diese außergewöhnliche Ameisenart ermittelt werden. Die daraus resultierenden Schutzvorschläge wurden im abschließenden Bericht durch den begleitenden Ameisenexperten Dr. Florian Glaser übermittelt.

„So schauen Gewinner aus“; Dr. Roland Mayer (Naturpark Ötztal), Werner Rausch, VDin Mirjam Brenn (beide Naturpark-Schule Längenfeld) (vl) bei der Verleihung des Citizen Science Awards in Wien, Foto: Österreichischer Austauschdienst GmbH/APA-Fotoservice/Hörmandinge

Naturpark Ötztal gewinnt Citizen Science Award
Mit diesem Artenschutzprojekt beteiligte sich der Naturpark Ötztal am Citizen Science Award 2016 des Bundesministeriums für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft – und das Projekt überzeugte. Am 13. Dezember 2016 nahmen die VertreterInnen der Naturpark-Schule VS Längenfeld ein Preisgeld und Sachpreise im Wert von € 1.000,-- entgegen. „Die Beteiligung der Bevölkerung bei Forschungsprojekten wird künftig immer stärker an Bedeutung gewinnen. Es freut uns sehr, dass wir hier als Vorreiter agieren und Synergien mit engagierten Ötztalern nutzen können. Aus Sicht des Naturparks ist das wirklich ein schöner Erfolg für alle Beteiligten“ freut sich GF Mag. Thomas Schmarda.

Resümee

Die Zusammenarbeit mit den SchülerInnen im Rahmen der Kartierungen war erstaunlich positiv und beidseitig wertvoll. Wichtig war am Beginn der Suche die konkrete Anleitung zur wissenschaftlichen Aufnahme der Verbreitungsdaten zu den Ameisennestern. Der Zeitraum der Suche durfte nicht länger als drei bis vier Stunden sein, da es manchmal auch Örtlichkeiten gab, an denen die Nestsuche leider nur mäßig erfolgreich war. Insgesamt kann die Citizen Science-Methode in diesem konkreten Fall als sehr erfolgreich und nicht zuletzt auch als kostengünstig resümiert werden. Neben dem Erkenntnisgewinn zur Verbreitung und Ökologie bildet dabei die Bewusstseinsbildung durch die intensive Beschäftigung mit einem kleinen, scheinbar unspektakulären Insekt einen großen Mehrwert für alle Beteiligten.

Ausblick

Sinnvoll und naheliegend ist es, die Kartierung der Art über weitere Bereiche des Alpenbogens mit ähnlichen Habitaten, z.B. Zillertal oder Oberinntal auszudehnen. Eine konkrete Zusammenarbeit mit den Naturparken Zillertal und Kaunergrat bzw. grenzüberschreitend mit dem Südtiroler Naturpark Texelgruppe wird angestrebt. Darüber hinaus wird ein jährliches, niederschwelliges Monitoring dieser Art seitens des Naturparks Ötztal durchgeführt, damit uns dieser einmalige Naturschatz auch dauerhaft für die Zukunft erhalten bleibt.

Service-Angaben

Naturpark Ötztal • Geschäftsführer: Mag. Thomas Schmarda
Gurglerstr. 104 • 6456 Obergurgl
Tel.: +43 (0) 664 / 12 10 350
E-Mail: info@naturpark-oetztal.at
Web: www.naturpark-oetztal.at

Kooperationspartner

Naturpark-Volksschule Längenfeld, • Leiterin/Pädagogin VDin Mirjam Brenn
Längenfeld 25 • 6444 Oberlängenfeld • Tel.: +43 (0) 5253 / 5359
E-Mail: direktion@vs-laengenfeld.tsn.at • Web: www.vslaengenfeld.schulweb.at



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