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Foto: Andreas Kristl

Foto: Horst Dolak

Foto: Johannes Puch

Corporate Volunteering

in Schweizer Pärken von Aline Oertli und Rianne Roshier

Ausgangslage

Freude über die gemeinsam erreichten Resultate, Foto: Marion Sinniger

Unter Corporate Volunteering wird der Einsatz von Mitarbeitenden eines Unternehmens für gemeinnützige Zwecke verstanden. Die Motivation der Unternehmen gründet vielfach in der Tradition und im zunehmenden Verantwortungsbewusstsein gegenüber Umwelt und Gesellschaft. Zudem ergeben sich für die Unternehmen eine vorteilhafte Beeinflussung der Geschäftstätigkeit mittels Imagepflege und Verankerung in der Region sowie positive Effekte im Personalbereich.

Der Trend zum Corporate Volunteering kommt den Schweizer Pärken entgegen. Diese umfassen die ursprünglichsten Natur- und Kulturlandschaften der Schweiz und haben zum Ziel, natürliche Lebensräume zu erhalten und gleichzeitig die nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung der Parkregionen zu fördern.

Für die Pärke bietet die zunehmende Etablierung von Corporate Volunteering-Programmen bei Großfirmen ein interessantes Potenzial. Deshalb haben die Pärke in den letzten drei Jahren ein professionelles Angebot an Volunteering-Einsätzen für Firmen aufgebaut, das über eine zentrale Anlaufstelle organisiert wird.

Eckdaten für Freiwillige

Schwenden mit Astzange, Foto: Aline Oertli

Worum geht es?
An einem Volunteering-Einsatz helfen Firmenmitarbeitende, die wertvollen Natur- und Kulturlandschaften in Schweizer Pärken zu erhalten und profitieren dabei gleichzeitig von einem Beitrag zur Teambildung. Sie lernen den Park kennen, tauschen sich mit der lokalen Bevölkerung aus und genießen regionale Spezialitäten. Fachkundige Begleitpersonen sorgen nebst der Sicherheit für einen lehrreichen Tag und vermitteln Wissen rund um Lebensräume, Tiere und Pflanzen.

Was können die Freiwilligen tun?
Angepackt wird bei jedem Wetter – je nach Park und Jahreszeit zum Beispiel:

  • Entbuschen von Alpwiesen und Mooren
  • Pflanzen, Pflegen und Schneiden von Hecken
  • Auflichten und Aufwerten von Waldrändern
  • Bau von Kleinstrukturen, die zahlreichen Amphibien, Reptilien und Kleinsäugetieren Unterschlupf und Nistmöglichkeiten bieten
  • Sanieren von Steinmauern
  • Aufräumen von Holzschlägen
  • Anlegen und Aufwertung von Weihern
  • Ausreißen von Neophyten (Problempflanzen)
  • Arbeiten in ökologisch wertvollen Obstgärten und Rebbergen

Was können die Freiwilligen mit ihrem Engagement bewirken?
Die Freiwilligen leisten einen wichtigen und wirkungsvollen Natureinsatz und setzen sich für den Erhalt der schönsten Natur- und Kulturlandschaften der Schweiz ein. Dabei stehen besonders wertvolle Lebensräume wie Felsensteppen, alpine Trockenwiesen, Moore etc. im Vordergrund. Bei den Einsätzen werden Bergbauern und -bäuerinnen, kleine Familienbetriebe und engagierte lokale Naturschutzorganisationen unterstützt. Ein weiterer Aspekt ist, dass die ländlichen Parkregionen gefördert werden, indem die regionale Wertschöpfung durch die mit dem Arbeitseinsatz verbundenen Zusatzleistungen (Unterkunft, Verpflegung, Transport, Betreuung etc.) gestärkt wird.

Dauer des freiwilligen Einsatzes
Ein bis drei Tage, von Mai bis Oktober.

Zielsetzungen und Inhalte

Die Volunteering-Einsätze sind so aufgebaut, dass sie die Zielsetzungen der Schweizer Pärke in allen Bereichen unterstützen:

  • Sie tragen zur Aufwertung und Pflege der einzigartigen Parklandschaften mit ihren wertvollen Lebensräumen bei (z.B. Trockenwiesen, Wytweiden, Hecken, Moore).
  • Sie fördern die regionale Wertschöpfung in den ländlichen Parkregionen durch die mit den Einsätzen verbundenen Zusatzleistungen wie Unterkunft, Verpflegung, Transport, Betreuung etc.
  • Sie fördern den Austausch zwischen den Teilnehmenden (vorwiegend aus den städtischen Zentren) mit der Bevölkerung in den Pärken und sensibilisieren die Teilnehmenden bezüglich Wert und Gefährdung der Parklandschaften.

Die Schweizer Pärke planen und führen die Einsätze professionell und strukturiert durch. Jeder Einsatz entspricht den hohen Nachhaltigkeitsstandards der Schweizer Pärke und folgt einem Sicherheitskonzept. Die Freiwilligen werden von Fachpersonen (EinsatzleiterInnen der Pärke sowie Fachpersonen aus Forst- und Landwirtschaft) sorgfältig instruiert und während des ganzen Einsatzes betreut. Es gibt eine zentrale Anlauf- und Koordinationsstelle. Diese gibt Auskunft, vermittelt gezielt Volunteering-Einsätze an Unternehmen und übernimmt die parkübergreifende Koordination. Zudem gewährleistet sie die Qualität der Einsätze und sammelt Daten für das langfristige Monitoring der Auswirkungen des Projektes.
Seit 2013 gehören 19 Schweizer Firmen zu zufriedenen Kunden des Volunteering-Angebotes. Insgesamt haben in den Schweizer Pärken 2.335 Volunteers von Firmen während 178 Einsätzen rund 12.280 Stunden gemeinnützige Arbeit für die Umwelt verrichtet. Die Einsätze werden in neun der insgesamt 20 Schweizer Pärke und Parkprojekte angeboten.

Resümee

Die Auswertungen haben gezeigt, dass die Teilnehmenden die Arbeit an der frischen Luft sowie die Verpflegung mit einheimischen Produkten aus der Parkregion besonders schätzen. Sehr zufrieden zeigen sich auch die Verantwortlichen in den beteiligten Pärken. Mit den großen Gruppen können in kurzer Zeit wichtige Naturschutzarbeiten erledigt werden, die zahlreicher helfender Hände bedürfen.

Ein weiterer positiver Effekt zeigt sich auch bei der Bekanntmachung der Schweizer Pärke und ihrer Ziele: Rund 90% der Teilnehmenden waren zum ersten Mal in einem Naturpark und haben nach dem Einsatz angegeben, dass sie sehr gerne wieder einmal einen Naturpark besuchen würden.

Ein wichtiges Ziel bei den Einsätzen ist, dass nebst Natur und Landschaft auch die lokale Wirtschaft von den Einsätzen profitiert. Und das funktioniert nur, wenn die Volunteering-Einsätze nicht gratis angeboten werden. Ihre sorgfältige Vorbereitung und Durchführung ist mit Aufwand verbunden: Von der detaillierten Einsatzplanung, dem Ausarbeiten des Programms, dem Rekognoszieren über die Organisation von Material, Werkzeug, Transporten, Verpflegung sowie Übernachtungen bis hin zur Begleitung durch kompetente Fachpersonen – hier entstehen Kosten, die von der teilnehmenden Firma getragen werden müssen und in der Region Umsatz generieren. So sind die Einsätze nicht nur ökologisch wertvoll, sondern auch wirtschaftlich nachhaltig.

Ausblick

Das aktuelle Volunteering-Angebot ist inzwischen qualitativ und einheitlich aufgebaut. Allerdings besteht noch viel ungenutztes Potenzial in der Kombination mit den vielfältigen beste-henden Parkangeboten (Natur- und Kulturerlebnisse, Kulinarik, Umwelt- und Teambildung, Seminare etc.). Deshalb soll das Angebot erweitert werden, sodass Firmenmitarbeitende das vielfältige Repertoire der Schweizer Pärke erleben, verschiedene Gebiete entdecken und neue Themenschwerpunkte wählen können.

Service-Angaben

Netzwerk Schweizer Pärke • Ansprechperson: Aline Oertli
Monbijoustrasse 61 • 3007 Bern • Schweiz
Tel.: ++41 (0) 79 906 14 93 • E-Mail: a.oertli@paerke.ch
Websites: www.paerke.ch und www.paerke.ch/volunteering


Der Artikel wurde im Zuge des Projekts „Biodiversität durch Freiwilligenarbeit in Naturparken – Lebensräume pflegen, biologische Vielfalt erhalten, Bewusstsein schaffen“ mit Unterstützung des Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft erstellt.

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