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Blauflügel-Prachtlibelle, Foto: Andreas Kristl

Foto: Franz Kovacs

Honigbiene, Foto: Ewald Neffe

Wildschwein, Foto: Ewald Neffe

Moorfrosch, Foto. Herfried Marek

Blaue Holzbiene, Foto: Herfried Marek

Fischotter, Foto: Ewald Neffe

Alpenbockkäfer, Foto: Herfried Marek

Wildschwein

Foto: Verein Naturparke Niederösterreich / Fotograf: www.pov.at

Wildschweine sind seit geraumer Zeit österreichweit im Vormarsch. Aufgrund der Klimaerwärmung werden unsere Winter immer milder und kürzer und die Zeiten der Nahrungsknappheit nehmen ab. Infolgedessen kommt es zu einem Anwachsen der Bestände.

Vom „Brechen“ und „Rauschen“

Bache mit Frischlingen, Foto: Naturpark Sparbach

Das Wildschwein, das aufgrund seines dunklen, fast schwarzen Fells auch als „Schwarzwild“ oder „Schwarzkittel“ bezeichnet wird, gehört der Ordnung der Paarhufer an. In der Jägersprache werden die paarigen Hufe als „Schalen“ bezeichnet. Damit zählt das Wildschwein wie auch Hirsch, Reh und Gämse zum sogenannten „Schalenwild“. Im Gegensatz zu Hirsch & Co ist das Wildschwein jedoch kein Wiederkäuer sondern ein Allesfresser. Um zu den Wurzeln, Knollen, Würmern und Insektenlarven zu gelangen brechen die Schweine mit ihrer Schnauze die obere Erdschicht auf und pflügen dabei im wahrsten Sinne des Wortes den Boden um. Ein Stück Schwarzwild kann dabei jährlich bis zu 4 ha Wald- und Wiesenoberfläche bewegen und hat damit eine wesentliche Bedeutung für die Bodendurchlüftung im Wald.

Foto: E. Neffe

Wildschweine sind sehr anpassungsfähig und nutzen ein breites Spektrum an Lebensräumen. Bevorzugt halten sie sich in feuchten Laub- und Mischwäldern auf, da sie dort die herbstliche Mast an Bucheckern und Eicheln nutzen können und ausreichend feuchte Stellen für ihr Schlammbad finden.

Foto: H. Marek

Die geselligen Tiere leben in Familienverbänden, den Rotten, die von alten, erfahrenen Weibchen angeführt werden. Der Kern einer Rotte ist die Leitbache und ihre Frischlinge sowie weibliche Nachkommen unterschiedlichen Alters. Junge Männchen werden im Alter von etwa 1,5 Jahren verstoßen. Geschlechtsreife männliche Tiere leben als Einzelgänger und schließen sich nur während der „Rauschzeit“ von November bis Jänner der Rotte an. Nach einer Tragzeit von knapp vier Monaten werden vier bis neun Frischlinge geboren. Die Mitglieder einer Rotte erkennen sich am Geruch. „Hosenflicker“ sind übrigens zwei- bis dreijährige männliche Wildschweine, deren Wehrhaftigkeit noch zu wünschen übrig lässt. Ganz im Gegensatz zu ausgewachsenen Keilern, deren verlängerte Eckzähne im Unter- und Oberkiefer, die sogenannten „Hauer und Haderer“ ernstzunehmende Waffen darstellen. 

Schweine auf dem Vormarsch

Foto: E. Neffe

Im 18. und 19. Jahrhundert waren Wildschweine aus weiten Teilen Mitteleuropas verschwunden. Seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts nehmen die Bestände jedoch stark zu. Die Ursache für den Zuwachs liegt in der hohen Fortpflanzungsleistung der Art in Kombination mit den Folgen der Klimaerwärmung. Bei gutem Futterangebot – vor allem in den Wintermonaten – werden die Jungtiere früher geschlechtsreif, zudem verringert sich ihre Sterblichkeit. Auch die Fruchtbarkeit der reifen Bachen steigt an. Neben der Klimaerwärmung spielt aber auch der Mensch ganz unmittelbar eine Rolle: Vor allem durch die Intensivierung der Landwirtschaft, aber auch durch falsche Fütterung, werden ungewollt Nahrungsquellen für das Schwarzwild verfügbar gemacht. Damit kommt es zwangsläufig zu einem Anwachsen der Bestände. Auf der Suche nach neuen Lebensräumen dringen Wildschweine sogar in Städte ein und nutzen Parks, Gärten und Friedhöfe zur Futtersuche. Auch vor Spielplätzen wird nicht Halt gemacht, da die stets gut gefüllten Mülleimer eine attraktive Nahrungsquelle darstellen.

In Österreich ist die Anzahl an erlegten Tieren seit 1950 um mehr als das Hundertfache angestiegen. Im Jagdjahr 2015/16 wurden rund 31.700 Stück Schwarzwild geschossen. Dazu kommen knapp 900 Stück Fallwild – mehr als 500 allein durch den Straßenverkehr. Da sich Wildschweine durch ein hohes Lernvermögen, ein sehr gutes Gedächtnis und ein ausgeprägtes Zeitempfinden auszeichnen, gestaltet sich die Bejagung zunehmend schwieriger.

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