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Blauflügel-Prachtlibelle, Foto: Andreas Kristl

Foto: Franz Kovacs

Honigbiene, Foto: Ewald Neffe

Wildschwein, Foto: Ewald Neffe

Moorfrosch, Foto. Herfried Marek

Blaue Holzbiene, Foto: Herfried Marek

Fischotter, Foto: Ewald Neffe

Alpenbockkäfer, Foto: Herfried Marek

Tannenhäher

Ein Tannenhäher (Nucifraga caryocatactes), Foto: Herfried Marek

Von Singvögeln erwartet man sich einen melodischen Gesang. Umso überraschender ist es, dass der Tannenhäher, mit seinen krächzenden Rufen zu diesen zählt. Seine „wahre Stärke“ liegt woanders: Im Gedächtnissport kann ihm keiner das Wasser reichen.

Wir zeigen, was diesen Vogel so besonders macht und wie andere Tiere und Pflanzen in seinem Lebensraum von dessen Vorkommen profitieren.

Nomen est Omen

Foto: Tobias Schernhammer

Hört man den Ruf des Tannenhähers, dann kann man es kaum glauben. Der Tannenhäher gehört zu den Raben und die wiederum zu den Singvögeln. Der eigentliche Gesang ist unauffällig und selten zu hören. Der Ruf des Tannenhähers ist schon wesentlich bekannter. Als melodiös, wie bei einem Singvogel zu erwarten, kann man ihn wahrlich nicht bezeichnen. Er ist ein zwar lautes, aber heiseres Krächtzen, das vor allem zur Brutzeit weithin zu vernehmen ist. Mit zunehmender Erregung, etwa wenn sich ein Feind annähert, wird dieser Ruf schneller gereiht. Auch andere Tiere des Waldes verstehen diese Signale und werden so vor möglichen Gefahren gewarnt. Dem Ruf verdankt dieser auffällig weiß gesprenkelte Vogel auch einen Teil seines Namens. Die Wurzel des Wortstamms „Häher“ kommt aus dem Althochdeutschen und bedeuten „heiser schreien“ und wer den Ruft kennt, kann das nur bestätigen. Der zweite Teil des Namens bezieht sich auf seinen ureigensten Lebensraum, den Wald. Der Tannenhäher ist eng an das Vorkommen von Nadelbäumen, wie Fichten, Tannen und Zirben gebunden. In tieferen Lagen sind seine Hauptnahrung Haselnüsse, im Gebirgswald, dort wo die Zirbe vorkommt, ernährt er sich fast ausschließlich von deren Nüssen. Die Nadelbäume braucht die Zirbelkrähe, wie der Tannhäher noch genannt wird, auch für den Nestbau. Die Nester, aus mit feuchter Erde verkleisterten Ästen, Gras, Flechten und Moos, werden bereits früh im Jahr hoch im Baum, bevorzugt in Fichten, Zirben oder anderen Kiefern errichtet.

Das Superhirn

Zapfen einer Zirbe, Foto: Herfried Marek

Im Gebirge besiedelt der Tannenhäher neben den eigentlichen Wäldern auch Waldgrenzbereiche und kommt sogar über der Waldgrenze bis zu einer Seehöhe von 2.000 m vor. In einem Lebensraum, wo auch der Steinbock und die Rostblättrige Alpenrose daheim sind, ist der Winter besonders hart. Es herrscht eisige Kälte und in den Hochlagen liegt eine oftmals meterdicke Schneedecke. Diese hält sich nicht selten über sechs Monate oder länger. Sie bedeckt die Vegetation und es ist schwierig Nahrung zu finden. Damit der Tannenhäher auch im Winter genug zu fressen hat, legt er sich Vorratskammern an. Von allen europäischen Vögeln zeigen nur der Tannenhäher und der Eichelhäher dieses Verhalten. Die Anlage von Nahrungsdepots ist unter den Wirbeltieren üblicherweise den Säugern vorbehalten. In bis zu 14.000 Verstecken werden an die 100.000 Zirbensamen und andere Nüsse für den Winter gehortet. Da der Tannenhäher ein wahres Superhirn ist, findet er ungefähr 80 % aller Verstecke, sogar unter einer dicken Schneedecke, wieder. Trotz dieser Fähigkeit, die einem Superhelden würdig ist, bleiben genug Samen über, die sich im nächsten Frühjahr zu jungen Zirbenpflanzen auswachsen können. Dadurch trägt der Tannhäher wesentlich zur Verbreitung und Verjüngung der Zirbenbestände in den Alpen bei. Die Ehrenbezeichnung „Förster der Zirbe“ hat sich der Tannenhäher redlich verdient.

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