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Schmalblättrige Wollgras, Foto: Naturpark Riedingtal

Hirschbirne, Foto: Ewald Neffe

Schachblume, Foto: F. Kovacs

Echte Johanniskraut, Foto: Ewald Neffe

Rostblättrige Alpenrose, Foto: R. Zideck

Hirschzungenfarn, Foto: H. Marek

Spinnweb-Hauswurz, Foto: H. Marek

Herbstzeitlose, Foto: E. Neffe

Schmalblättriges Wollgras

Foto: Herfried Marek

Wenn der Wind über den Sumpf bläst, tanzen sie wie kleine Watteknäuel. Die zarten Fruchtstände des Wollgrases bringen fröhliche Abwechslung in die oft düstere Moorlandschaft und laden uns ein, auch diesem besonderen Lebensraum Beachtung zu schenken.

Eine windige Angelegenheit

Foto: Naturpark Riedingtal

Wenn das Schmalblättrige Wollgras zwischen März und Mai blüht, tut es das vollkommen unspektakulär. Weder leuchtend bunte Blüten, noch besondere Düfte locken Bestäuber an – sein Trick ist: Das Wollgras wird, wie auch viele andere Vertreter der gras- und binsenartigen Pflanzen, durch den Wind bestäubt. Während die winzigen Nussfrüchte in dichten Fruchtständen heranreifen, verlängern sich die sogenannten "Perigonborsten" (= Ersatz für die Blütenhülle rund um Fruchtknoten und Staubblätter) jeder Blüte zu langen Haaren und bilden schließlich die markanten, weiß-wolligen Fruchtstände, mit denen das Wollgras unsere Blicke auf sich zieht. Es ist also die Frucht und nicht die Blüte, welche bei dieser Pflanze unsere Aufmerksamkeit erregt! Und der Wind kommt noch einmal zum Einsatz: Und zwar dann, wenn die Samen reif und bereit für ihre Ausbreitung sind. Während sich die Blauflügel-Prachtlibelle an Pflanzenhalme klammert, um nicht mit dem Wind verblasen zu werden, segeln die Fruchtstände mit Hilfe der langen Haare davon. Sie werden an anderen geeigneten Standorten keimen und uns später wieder mit ihren Wattebäuschen anlocken.

Weniger ist mehr

Foto: J. Schlosser

Wir dürfen uns ehrlich freuen, wenn wir das Wollgras in seiner natürlichen Umgebung antreffen dürfen. Denn es ist wirklich nicht mehr allzu häufig. Als Bewohner von nährstoffarmen Mooren ist das Wollgras, wie sein gesamter Lebensraum, sehr sensibel gegenüber Eingriffen in das Ökosystem. Nach dem Motto "weniger ist mehr" reagiert es sehr empfindlich auf Düngung und Entwässerung, also Maßnahmen, die meistens eine intensivere landwirtschaftliche Nutzung zum Ziel haben. So ist das Wollgras traditionell auch als gute Streupflanze bekannt, also als Bewohnerin von nassen Wiesen, die nur einmal im Herbst gemäht werden und deren Erträge aufgrund ihres geringen Futterwertes nur als Einstreu in Ställen genutzt werden. Früher wurden aus den wolligen Samenhaaren auch Kerzendochte geflochten und Kopfkissen damit ausgestopft.  Aufgrund ihrer Brüchigkeit eignen sich die wolligen Knäuel jedoch nicht als Wollersatz.

Die Pflanzen enthalten Bitterstoffe und Gerbsäure, Wirkstoffe, die in der Naturheilkunde zur Kräftigung des Körpers und gegen Durchfall eingesetzt werden. Sowohl die jungen Triebe als auch geschälte Wurzeln können roh oder gekocht genossen werden. Übrigens weist auch die lateinische Bezeichnung des Wollgrases, nämlich "Eriophorum", auf seine charakteristischen Fruchtstände hin. Der Name leitet sich von den griechischen Wörtern "erion" = Wolle und "pherein" = tragen ab.

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