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Blauflügel-Prachtlibelle, Foto: Andreas Kristl

Foto: Franz Kovacs

Honigbiene, Foto: Ewald Neffe

Wildschwein, Foto: Ewald Neffe

Moorfrosch, Foto. Herfried Marek

Blaue Holzbiene, Foto: Herfried Marek

Fischotter, Foto: Ewald Neffe

Alpenbockkäfer, Foto: Herfried Marek

Gottesanbeterin

Foto: Herfried Marek

Der Name Gottesanbeterin beruht auf der typischen Haltung der Beine, die an einen ins Gebet vertieften Menschen erinnert. Bigotterie! In Wahrheit ist sie nämlich ein männermordendes Monster, denn das Weibchen frisst das Männchen bei der Paarung auf. Richtig? Ein Faktencheck.

Gefräßige Kampfkünstlerin

Foto: Franz Kovacs

Viele kennen sie, auch wenn wenige die Gottesanbeterin in natura schon gesehen haben. Ihre Berühmtheit gründet vor allem auf ihrem spektakulären Paarungsverhalten. Schon Naturwissenschaftler aus dem 19. Jahrhundert, wie Jean-Henri Fabre und Alfred Brehm, beobachteten bei der Paarung von Gottesanbeterinnen einen weiblichen Kannibalismus. Noch während der Paarung beginnt das Weibchen dem Männchen den Kopf abzubeißen und diesen bzw. auch den Rest des Männchens als „Mittagslunch“ zu verzehren. Das Männchen, wie häufig in der Liebe schon völlig kopflos, lässt sich beim Paarungsakt nicht stören und macht weiter – bis zum bitteren Ende.

Neuere Untersuchungen rehabilitieren den Ruf der Gottesanbeterinnen allerdings beträchtlich. Dieser „wissenschaftliche Mythos“ ist weitgehend falsch. Zwar kann es von Zeit zu Zeit vorkommen, dass die Weibchen ihre Männchen beim Paarungsakt verspeisen, das passiert allerdings fast ausschließlich in Gefangenschaft und viel seltener als bisher angenommen. In den meisten Fällen führen Männchen und Weibchen ein Balzritual durch, ähnlich einem Tanz, das die Männchen vor dem Gefressenwerden schützt.

Im fernen China ist die Gottesanbeterin (wissenschaftlich heißt die Familie Mantidae) aus einem anderen Grund ein Star. Die traditionelle Form des Mantis-Kung-Fu‘s geht der Legende nach auf einen Kung Fu-Meister zurück, der einen Kampf einer Gottesanbeterin mit einem viel größeren Insekt beobachtete. Die Mantis gewann. Der Meister kopierte ihre Art zu kämpfen und wurde beinahe unschlagbar. Heute ist das Mantis-Kung Fu immaterielles Kulturerbe der Volksrepublik China.

Manche mögen‘s heiß

Trockenwarme, halboffene Magerwiesen - Lebensraum der Gottesanbeterin, Foto: E. Neffe

Noch vor rund 30 Jahren galt die Europäische Gottesanbeterin in Österreich als extrem selten. Sie ist jedoch eher eine Sonnen- als Gottesanbeterin und mag deswegen warmes, trockenes Wetter. Die in den letzten Jahrzehnten merkbare Klimaveränderung mit den milderen Wintern und den heißer werdenden Sommern, hat sich für die einzige heimische Fangschrecke positiv bemerkbar gemacht. Sie kann sich mehr und mehr ausbreiten und „Land gewinnen“.

Allerdings ist sie, was ihren Lebensraum betrifft, wählerisch. Nicht jede Wiese wird von ihr als neue Heimat angenommen. Trockenwarme, insektenreiche, halboffene Magerwiesen mit zum Teil eingestreuten Buschwerk und Hecken sind ihre Jagdreviere und Entwicklungsnischen. Ohne diese reich strukturierte Kulturlandschaft gäbe es vieles nicht, was sie zum Leben braucht.

Allen voran können dort unterschiedliche andere Insekten gefunden werden, die mit den zu Fangapparaten umgewandelten Vorderbeinen erfasst und gefressen werden. Schon die Larven der Gottesanbeterin sind große Räuber und halten nichts von vegetarischer Kost. So wird im Leben einer Gottesanbeterin eine beträchtliche Zahl an möglichen Schadinsekten erbeutet und so ein wertvoller Beitrag zum ökologischen Gleichgewicht erbracht.

Auch Wiesen durchziehende Hecken sind für das Vorkommen dieses außergewöhnlichen Insekts von Bedeutung. Wenige Tage nach der Paarung legen die Weibchen mehrere etwa 4 cm lange Eikokons an Zweigen und höher stehenden Gräsern und krautigen Pflanzen in selten gemähten, heckennahen Randbereichen ab. Dort verbleiben diese über den Winter. Im Frühjahr schlüpfen dann aus jedem dieser Eigelege mehr als 100 Jungtiere und das Fressen und Gefressenwerden beginnt von vorne.

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