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Foto: Hochgebirgs-Naturpark Zillertaler Alpen (Michaela Walch)

Foto: Herfried Marek

Foto: Herfried Marek

Fischotter

Foto: E. Neffe

Auf den ersten Blick erscheinen Fischotter verspielt und putzig. Wer genauer hinsieht, bemerkt aber schnell, dass diese Nachtschwärmer in vielerlei Hinsicht  bemerkenswert sind: Fischotter sind großartige Schwimmer, die sich verspielt im Wasser wälzen, schlammige Uferböschungen hinab rutschen und pfeifen. Der Aufbau ihres Felles mit über 50.000 Haaren pro cm² lässt uns staunen, aber das ist noch lange nicht alles!

Apnoe-Taucher und Nachtschwärmer

Fischotterpärchen im Naturpark Hochmoor Schrems, Foto: S. Eder

Fischotter gehören, wie der Dachs, das Wiesel oder der Iltis, zur Familie der Marder – mit dem kleinen Unterschied, dass der Fischotter als Lebensraum das Wasser gewählt hat, die anderen marderartigen aber Landlebensräume bevorzugen. Der Wassermader, wie der Fischotter wegen seiner verwandtschaftlichen Beziehungen auch manchmal genannt wird, ist aus vielerlei Hinsicht ein wahrhaft bemerkenswertes Tier. Sein Fell ist ein „Hightech-Schutzanzug“, perfekt geschaffen für das Leben und Überleben im Wasser. Mit über 50.000 Haaren pro cm² besitzt der Fischotter eines der dichtesten Felle der gesamten Tierwelt. Der Mensch hat übrigens im besten Falle maximal 900 Haare pro cm² auf seinem Kopf, im Alter können es noch viel weniger werden. Nicht genug damit, sind die einzelnen Haare der Otter, wie bei einem Reißverschluss miteinander verzahnt. Das Fell ist dadurch superdicht und kein Wasser dringt bis zur Haut vor. 

Foto: S. Eder

Während er schwimmt verfangen sich Luftbläschen zwischen den Haaren. Auch das hat seinen Sinn. Dadurch wird das Fell zu einem optimalen Wärmeschutz. Der Fischotter kann so, da er keinen Winterschlaf hält, sogar in kalten Wintern im Wasser herumschwimmen und auf Beutefang gehen. Dabei entpuppt er sich als wahrer Apnoe-Taucher. Bis zu 8 Minuten bleibt er, ohne einmal aufzutauchen und Luft zu holen, unter Wasser, um seiner Beute hinterher zu jagen. Dies tut er gewöhnlich in der Dunkelheit, wenngleich er auch selten tagsüber beobachtet werden kann. Bevorzugt besteht seine Beute aus Fisch, aber sein Speiseplan sieht auch Frösche, Wasservögel, Nagetiere bis zur Größe der Bisamratte, Krebse und dann und wann auch Schlangen vor.

Fischotter in Oberssauce

Fließgewässer und Auwald im Naturpark Tiroler Lech, Foto: E. Neffe

Der Fischotter bewohnt alle Arten von Süßwasserlebensräumen. Besonders wohl fühlt er sich in Fließgewässern und Auen mit einer reichen Fischfauna. Ohne einer entsprechenden Dichte an Beute kann er seinen lebhaften, quirligen Lebensstil nicht aufrechterhalten. Denn allzu bald würde der Verlust an Energie den Gewinn an Nahrung übersteigen. Deswegen geht er bei der Jagd auch besonders effizient vor. Er versucht mit kleinstmöglichem Aufwand viel Beute zu machen. Sein Hauptaugenmerk liegt dabei auf kranken und geschwächten Tieren. Diese sind leichter zu erhaschen und deswegen ein lohnenswerter Fang. Dadurch spielt der Otter in natürlichen, ökologisch ausgewogenen Lebensräumen, eine wichtige Rolle bei der Gesunderhaltung der Fischbestände.

Foto: H. Marek

In der Vergangenheit galt der Otter bei uns als nahezu ausgestorben. Ein Grund dafür war die direkte Jagd des Menschen auf ihn. Schon im Mittelalter wurde ihm nachgestellt. Dem Fischotter wurde einfach der Status als Säugetier abgesprochen. Als „fischähnliches“ Wesen stellte er so eine perfekte, angeblich richtig zubereitet, wohlschmeckende Fastenspeise dar. „Pastete vom Fischotter“ oder „Fischotter in Oberssauce“ waren damals keine unüblichen Gaumenfreuden. Auch das Fell des Wassermarders war sehr beliebt und wurde hoch gehandelt. Flussverbauungen und die Beseitigung der Ufervegetation an Fließgewässern setzten ihm schwer zu und drängten den Otter mehr und mehr zurück.

Seit Ende der 1980er Jahre erholen sich die Bestände des Fischotters aufgrund von Artenschutzprojekten wieder. Auch die Verbesserung ihrer natürlichen Lebensräume durch den Wasserbau zeigte positive Auswirkungen auf den Otter. So fand dieses faszinierende Tier den Weg zurück in unsere heimische Landschaft.

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